Hufpflege beim Pferd: Tägliche Routine, Hufschmied & Probleme
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Hufpflege beim Pferd ist die unsichtbare Versicherung gegen Lahmheiten. Der Huf ist die Visitenkarte jedes Pferdes, brüchige oder rissige Hufe sind nicht nur ein optisches Problem, sondern oft Warnsignale für Stoffwechselbelastungen, Mangelernährung oder unzureichende Pflege. Wer Hufpflege erst beginnt, wenn das Pferd lahmt, kommt häufig zu spät. Gesunde Hufe entstehen über Monate, weil neues Hufhorn von oben nach unten wächst, in einem durchschnittlichen Tempo von acht bis zwölf Millimeter pro Monat. Was heute am unteren Hufrand sichtbar ist, hat seine Ursache vor sechs bis neun Monaten.
In diesem Pillar-Ratgeber erfährst du, wie gesunde Hufe aufgebaut sind, welche Pflegeschritte zum Alltag gehören, wie du Hufqualität durch Fütterung und Bewegung beeinflusst und welche typischen Hufprobleme es gibt. Zusätzlich gehen wir auf die Rolle der Hufschmiedin, auf Spezialbeschläge bei Erkrankungen und auf die saisonalen Pflegebesonderheiten ein. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft und richtet sich an Halterinnen und Halter in Deutschland und Österreich, die ihrem Pferd langfristig gesunde Hufe ermöglichen wollen.
Hufqualität ist Teamwork
Gesunde Hufe entstehen aus dem Zusammenspiel von Halterin oder Halter, Hufschmiedin oder Hufschmied und Tierärztin oder Tierarzt. Tägliche Pflege durch dich ist genauso wichtig wie der regelmäßige Hufschmied-Termin alle sechs bis acht Wochen, dazu kommt eine bedarfsgerechte Fütterung und ausreichend Bewegung.
Wie ist ein gesunder Pferdehuf aufgebaut?
Der Pferdehuf ist eine biomechanische Meisterleistung. Er besteht aus mehreren Komponenten, die zusammen Stütz- und Stoßdämpferfunktion erfüllen. Die Hufkapsel, also die feste Außenschicht aus Hornsubstanz, bildet die sichtbare Hufwand. Die Hufsohle trägt das Körpergewicht und schützt die inneren Strukturen. Der Strahl, ein elastisches Gewebe in V-Form, dient als Stoßdämpfer und unterstützt die Hufdurchblutung über die sogenannte Hufpumpe. Die Eckstreben sind seitliche Stützstrukturen am Hufrand, und die Lederhaut bildet die Bindeschicht zwischen Hufknochen und Hufwand und enthält Blutgefäße und Nerven.
Im Inneren des Hufs liegen Hufknochen, Strahlbein und tiefe Beugesehne. Sie bilden gemeinsam die sogenannte Hufrolle, eine empfindliche Struktur, die bei vielen Sportpferden zu chronischen Problemen führt. Hornsubstanz wächst kontinuierlich von der Krone nach unten. Ein gesunder Huf erneuert sich vollständig in neun bis zwölf Monaten. Diese lange Erneuerungszeit ist wichtig, weil sie erklärt, warum Veränderungen in der Fütterung oder Pflege erst nach sechs bis neun Monaten sichtbar werden.

Welche tägliche Hufpflege gehört zur Routine?
Die tägliche Hufpflege ist die Basis aller weiteren Maßnahmen. Sie dauert pro Pferd nur wenige Minuten, hat aber einen großen Effekt auf die langfristige Hufgesundheit. Zur Standardpflege gehören das Auskratzen der Hufe, die Sichtkontrolle auf Risse oder Verletzungen, die Beurteilung von Geruch und Hornqualität und gegebenenfalls eine angepasste Hufpflege mit Fett oder Salbe. Diese Routine sollte mindestens einmal täglich, idealerweise vor und nach jedem Training stattfinden.
Beim Auskratzen entfernst du Sand, Steine, Mist und Einstreu aus den Hufrillen. Achte besonders auf den Bereich um den Strahl, weil sich hier gerne Strahlfäule entwickelt, wenn dauerhaft Schmutz und Feuchtigkeit eingeschlossen bleiben. Ein guter Hufkratzer hat eine Bürste auf der Rückseite, mit der du die Hufsohle nach dem Auskratzen abkehren kannst. Schau dir dabei jeden Huf systematisch an, das Gefühl für eine normale Hufoberfläche entwickelst du nur über regelmäßige Beobachtung.
Wann brauchen Hufe Fett, Salbe oder Wasser?
Die Frage nach Huffett oder Hufsalbe ist seit Jahrzehnten umstritten. Pauschal jeden Tag Huffett aufzutragen, ist nach heutigem Stand nicht sinnvoll, weil eine zu starke Fettschicht die natürliche Atmung des Hufhorns behindert und das Eindringen wichtiger Feuchtigkeit blockiert. Sinnvoller ist eine bedarfsgerechte Pflege. Bei trockenem, sprödem Horn hilft eine Salbe mit gutem Wasseranteil, die das Horn von innen geschmeidig hält. Bei feuchten Bedingungen reicht eine sparsame Anwendung an Krone und Wand.
Wässern der Hufe wird in trockenen Sommerphasen empfohlen, etwa indem du dein Pferd zehn Minuten in einer feuchten Box stehen lässt oder die Hufe direkt mit Wasser anfeuchtest. Das ist physiologisch sinnvoller als reines Fetten, weil das Horn Wasser braucht, um elastisch zu bleiben. In Österreich, wo die Sommer in vielen Regionen heiß und trocken sind, ist diese Wasserpflege ein wichtiger Bestandteil der Hufgesundheit. Im Winter solltest du Hufe nach dem Reiten gründlich abtrocknen, weil dauerhafte Nässe die Hornqualität schwächt.
Wie wichtig ist der Hufschmied-Termin?
Die Hufschmiedin oder der Hufschmied ist der zentrale Partner für die Hufgesundheit. Bei beschlagenen Pferden steht der Termin alle sechs bis acht Wochen an, bei Barhufpferden alle sechs bis zehn Wochen, je nach Hornqualität und Belastung. Spezialbeschläge erfordern oft kürzere Intervalle von vier bis fünf Wochen. Wer den Termin überzieht, riskiert, dass das Horn zu lang wird, die Stellung sich verschlechtert und Belastungsspitzen falsche Strukturen treffen.
Eine gute Hufschmiedin oder ein guter Hufschmied erkennt Veränderungen früh, dokumentiert sie und passt Pflege oder Beschlag an. Sie oder er arbeitet eng mit der Tierärztin zusammen, vor allem bei orthopädischen Themen. Wenn du eine neue Hufbearbeiterin oder einen neuen Hufbearbeiter suchst, achte auf Ausbildung, Erfahrung mit deinem Pferdetyp und gute Referenzen aus dem Stall. In Deutschland gibt es die staatliche Berufsausbildung zum Hufbeschlagschmied, in Österreich die Eintragung im Hufschmiedregister.
Welche Hufschutz-Optionen stehen zur Auswahl?
Die Frage Eisen oder Barhuf wird heute differenzierter beantwortet als noch vor zwanzig Jahren. Zur Wahl stehen Barhufhaltung, klassischer Stahleisenbeschlag, Aluminiumeisen, Hufschuhe für den situativen Einsatz, Klebebeschläge und orthopädische Spezialbeschläge. Die Entscheidung hängt von Belastung, Hornqualität, Untergrund und individuellen Bedürfnissen des Pferdes ab. Eine ausführliche Übersicht findest du im Ratgeber Hufschutz für Pferde.
Pauschal gilt: Freizeitpferde mit guter Hufqualität auf moderatem Untergrund kommen oft barhuf gut zurecht. Sportpferde mit hoher Belastung oder orthopädischen Befunden profitieren häufig von einem Beschlag. Hufschuhe sind eine bewährte Brückenlösung, vor allem in der Übergangsphase vom Eisen zum Barhuf oder bei Wanderritten auf hartem Untergrund. Spezialbeschläge sind keine Lifestyle-Wahl, sondern medizinische Hilfsmittel bei Erkrankungen wie Hufrolle oder Hufrehe.
Wie beeinflusst die Fütterung die Hufqualität?
Hufhorn besteht zu rund 90 Prozent aus Keratin, einem Protein, dessen Bildung von einer ganzen Reihe an Nährstoffen abhängt. Die wichtigsten Bausteine sind Aminosäuren wie Methionin und Cystein, Spurenelemente wie Zink, Kupfer und Mangan, B-Vitamine, vor allem Biotin, sowie eine ausreichende Energieversorgung. Ein Pferd mit chronischem Mangel an einem dieser Bausteine zeigt früher oder später eine Verschlechterung der Hornqualität, selbst wenn die äußere Pflege perfekt ist.
Biotin ist der bekannteste Wirkstoff in der Hufgesundheit. Studien zeigen, dass eine Tagesgabe von 15 bis 25 Milligramm Biotin über mehrere Monate die Hornqualität messbar verbessern kann. Wichtig ist die Geduld, weil Wirkung erst nach sechs bis neun Monaten sichtbar wird, wenn das neu gewachsene Horn den unteren Hufrand erreicht. Eine ausgewogene Fütterungsempfehlung mit Mineralfutter, ausreichend Raufutter und gegebenenfalls einem hufunterstützenden Ergänzungsfutter ist die wirksamste Investition in gesunde Hufe.
Welche typischen Hufprobleme gibt es?
Hufprobleme sind in der Pferdepraxis Alltag, oft lassen sie sich mit guter Pflege und früher Reaktion in den Griff bekommen. Strahlfäule entsteht durch Bakterien in dauerhaft feuchtem Milieu, sie zeigt sich durch dunkle Verfärbung, üblen Geruch und weiches Hornmaterial im Strahlbereich. Behandlung erfolgt mit gründlicher Reinigung, Desinfektion und einer trockeneren Haltung. Hufabszesse sind eitrige Entzündungen unter der Hornsohle, sie verursachen plötzliche, hochgradige Lahmheit und brauchen tierärztliche Eröffnung.
Hufrehe ist eine systemische Erkrankung der Lederhaut, oft ausgelöst durch Stoffwechselentgleisungen, Übergewicht, kohlenhydratreiches Futter oder Vergiftungen. Sie ist ein tierärztlicher Notfall und kann unbehandelt zu dauerhaften Hufknochenrotationen führen. Hufrolle bezeichnet chronische Veränderungen am Strahlbein und der Hufrollenbursa, sie tritt vor allem bei Sportpferden auf und braucht oft eine Kombination aus Spezialbeschlag, Schmerztherapie und Physiotherapie. Auch Risse und Hornspalten in der Hufwand brauchen eine fachkundige Beurteilung, weil sie unbehandelt tiefer wandern können.

Was ändert sich bei der Hufpflege im Sommer und Winter?
Die Jahreszeiten stellen unterschiedliche Anforderungen an die Hufpflege. Im Sommer ist Trockenheit das Hauptthema. Hartes, sprödes Horn kann ausbrechen, gerade bei Barhufpferden. Regelmäßiges Wässern, eine pflegende Salbe und der gezielte Einsatz von Hufschuhen auf hartem Untergrund schützen das Horn. In Österreich und Süddeutschland sind Sommerhitze und steiniger Almboden eine besondere Herausforderung, hier helfen abendliche Pflegerituale mit kühlem Wasser.
Im Winter wechseln Nässe und Kälte einander ab, die Hufe sind oft dauerhaft feucht. Strahlfäule, weiche Sohlen und Schneeklumpen unter den Hufen sind typische Probleme. Bei beschlagenen Pferden hilft ein Hufgrip oder eine Schneehaube am Eisen, um Schneestau zu verhindern. Nach jedem Ausritt sollten die Hufe gründlich gereinigt und abgetrocknet werden. Wer im Winter regelmäßig auf vereisten Wegen reitet, sollte mit der Hufschmiedin Stollen oder Hartmetallnägel besprechen, vor allem in alpinen Regionen Österreichs.
Wie wirken sich Bewegung und Haltung auf die Hufe aus?
Hufgesundheit entsteht in der Bewegung. Die Hufpumpe, also das Zusammenspiel von Be- und Entlastung beim Auffußen, sorgt für die Durchblutung des Hufs. Pferde, die viel stehen und wenig bewegt werden, haben durchblutungsbedingt schlechtere Hornqualität als Pferde im Aktivstall oder Offenstall. Mehrere Stunden tägliche Bewegung auf wechselndem Untergrund sind das wirksamste Hufpflege-Konzept überhaupt, weit wirksamer als jedes Fett oder jede Salbe.
Auch die Haltungsform spielt eine Rolle. Pferde im Offenstall oder Aktivstall mit Paddock-Trail haben in der Regel bessere Hornqualität als reine Boxenpferde. Wichtig ist auch die Bodenqualität in Auslauf und Box. Dauerhaft tiefer, schlammiger Boden begünstigt Strahlfäule und weicht das Horn auf, dauerhaft harter Boden kann zu fühligen Sohlen führen. Eine Mischung aus weichem, mittlerem und festem Untergrund fördert robuste Hufe. Auch die Wahl der richtigen Einstreu beeinflusst die Hufqualität, weil sie Feuchtigkeit aus dem Bodenbereich aufnimmt oder weiterleitet.
Was kostet professionelle Hufpflege in DACH?
Die Kosten für Hufpflege variieren je nach Region, Material und Aufwand. Eine Standardhufbearbeitung für Barhufpferde liegt in Deutschland und Österreich derzeit bei 60 bis 100 Euro für alle vier Hufe. Ein klassischer Eisenbeschlag rundherum kostet 130 bis 200 Euro pro Sitzung. Aluminium- oder Spezialbeschläge schlagen mit 200 bis 400 Euro zu Buche, Klebebeschläge sind mit 250 bis 500 Euro pro Behandlung am oberen Ende der Skala.
Über das Jahr summieren sich die Kosten je nach Variante auf 500 bis 2.500 Euro reine Hufpflege, ohne tierärztliche Sonderbehandlungen oder Spezialhufschuhe. Im Rahmen der gesamten Pferdehaltungskosten ist das ein wichtiger Posten. Wer die Gesamtkosten besser einordnen möchte, findet im Ratgeber Was kostet ein Pferd einen umfassenden Überblick. Eine Pferdekrankenversicherung deckt orthopädische Spezialbeschläge nur in Ausnahmefällen, das musst du als laufende Eigenleistung einplanen.
Tierärztlicher Blick: Wann sollte die Tierärztin gerufen werden?
Die Tierärztin oder der Tierarzt ist immer dann gefragt, wenn medizinische Fragen das Pflege-Spektrum überschreiten. Akute, hochgradige Lahmheit ist immer ein Notfall, bei Verdacht auf Hufabszess, Hufrehe oder Verletzung sollte sofort untersucht werden. Auch chronische Probleme wie wiederkehrende Strahlfäule, brüchige Hornqualität trotz guter Pflege oder Verdacht auf Hufrolle gehören in tierärztliche Abklärung. Häufig werden Röntgenbilder angefertigt, weil sie die Stellung von Hufknochen und Strahlbein präzise zeigen.
Bei der Umstellung von Beschlag auf Barhuf oder bei der Planung eines Spezialbeschlags ist die enge Zusammenarbeit von Tierärztin und Hufschmiedin Standard. Auch bei jungen Pferden mit Stellungsabweichungen ist eine frühzeitige tierärztliche Beurteilung wichtig, weil sich vieles in den ersten Lebensmonaten korrigieren lässt. Ergänzend zur Hufpflege gibt es weitere Pflege-Themen wie Zahnpflege beim Pferd, Mähnenpflege oder Schweifpflege, die zur Gesamtgesundheit beitragen. Auf Go4Vet findest du Tierärztinnen und Tierärzte in Deutschland und Österreich, die sich auf Pferdeorthopädie spezialisiert haben.
Häufige Fragen zur Hufpflege beim Pferd
Quellen
MSD Vet Manual: The Foot of Horses (letzter Zugriff: 2.5.2026)
Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Hufpflege und Hufbeschlag (letzter Zugriff: 2.5.2026)
Vetmeduni Wien: Klinik für Pferdechirurgie und Orthopädie (letzter Zugriff: 2.5.2026)
Pferd Aktuell: Hufpflege und Beschlag (letzter Zugriff: 2.5.2026)
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