Pferdekrankheiten im Alter: Cushing, Arthrose, Zahn & Vorsorge
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Pferdekrankheiten im Alter werden oft schleichend zum Problem. Wenn dein Pferd jenseits der zwanzig steht, langsamer kaut, an Muskelmasse verliert oder im Winter struppig durchs Fell kommt, lohnt sich ein systematischer Blick auf typische Senior-Erkrankungen wie Cushing (PPID), Equines Metabolisches Syndrom (EMS), Arthrose, Zahnprobleme und chronische Atemwegserkrankungen. In Deutschland und Österreich werden Pferde dank besserer Haltung und Tiermedizin im Schnitt deutlich älter als noch vor zwanzig Jahren, viele erreichen die dreißig. Damit wachsen die Aufgaben für Halter und Tierarzt. Dieser Pillar-Ratgeber erklärt dir die wichtigsten Krankheitsbilder, zeigt Frühwarnzeichen, beschreibt Diagnostik und Therapie und liefert dir einen praktikablen Vorsorgeplan, mit dem du deinem Senior viele gute Jahre schenkst. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Ab wann ist ein Pferd ein Senior?
In der Pferdemedizin gilt ein Pferd ab dem siebzehnten oder achtzehnten Lebensjahr als Senior. Ab diesem Alter steigen Erkrankungen wie Cushing, Arthrose und Zahnprobleme deutlich an. Eine jährliche Vorsorge mit Blutbild, Zahncheck und Bewegungsanalyse ist dann Pflicht, nicht Kür.
Wie verändert sich der Körper im Alter?
Mit dem Alter verlangsamt sich der Pferdestoffwechsel deutlich. Muskelmasse nimmt ab, Fettverteilung verändert sich, Sehnen und Bänder verlieren an Elastizität, das Immunsystem reagiert weniger schnell auf Infekte. Auch die Verdauung arbeitet langsamer, was die Aufnahme von Nährstoffen verschlechtert. Die Hufe werden oft brüchiger, der Hufwachstumsrhythmus verlangsamt sich, was häufigere Hufschmiedtermine nötig macht. Hinzu kommen sensorische Einschränkungen: viele Senioren hören schlechter, sehen schlechter und reagieren träger auf Umweltreize. All diese Veränderungen erfordern eine angepasste Haltung, Fütterung und medizinische Betreuung.
Die gute Nachricht ist, dass viele dieser Veränderungen sich gut managen lassen, wenn sie früh erkannt werden. Eine jährliche Senioruntersuchung ab dem siebzehnten Lebensjahr liefert dir eine Baseline, an der du Veränderungen objektiv messen kannst. Gewichtsmaßband, Body Condition Score und ein einfacher Bewegungscheck im Schritt und Trab sind Werkzeuge, die du selbst zu Hause anwenden kannst. Veränderungen über mehrere Wochen hinweg sind aussagekräftiger als einzelne Momentaufnahmen, weshalb sich ein einfaches Pferdetagebuch lohnt.

Welche Krankheiten treffen Senioren am häufigsten?
Im Alter verschiebt sich das Krankheitsbild deutlich. Während junge Pferde vor allem an akuten Infekten oder Sportverletzungen leiden, dominieren bei Senioren chronische Erkrankungen mit langsamem Verlauf. An erster Stelle steht das Cushing-Syndrom (PPID), eine hormonelle Erkrankung der Hirnanhangdrüse, die rund zwanzig Prozent aller Pferde über fünfzehn Jahre betrifft. Häufig sind außerdem Arthrose in Karpus, Sprunggelenk oder Wirbelsäule, Zahnprobleme mit Wellengebiss, Hakenbildung und Zahnlücken, das Equine Metabolische Syndrom (EMS) bei zu fütterungsintensiven Senioren, chronische Atemwegserkrankungen wie Equine Asthma sowie Hufrehe als Folgeerkrankung von Cushing oder EMS.
Hinzu kommen altersbedingte Veränderungen am Auge wie Linsentrübung und reduzierte Sehkraft, Verdauungsprobleme durch nachlassende Kau- und Magenleistung, Sehnen- und Gelenkverschleiß sowie ein generell langsamerer Stoffwechsel. In Deutschland und Österreich werden viele Senioren heute bis ins hohe Alter geritten oder gefahren, was eine engmaschige tierärztliche Begleitung umso wichtiger macht. Die gute Nachricht: Fast alle Alterserkrankungen lassen sich gut behandeln oder zumindest stabilisieren, wenn sie früh erkannt werden.
Was steckt hinter Cushing (PPID)?
Cushing oder Pituitary Pars Intermedia Dysfunction ist eine fortschreitende Funktionsstörung der Hirnanhangdrüse, bei der zu viel ACTH und nachgeschaltete Hormone produziert werden. Die typischen Symptome sind ein langes, lockiges Fell, das nicht oder nur schlecht abhaart (Hirsutismus), vermehrtes Trinken und Urinieren, Muskelabbau am Rücken und an der Hinterhand, Fettpolster an Mähnenkamm und über den Augen, häufige Infekte, schlechte Wundheilung und immer wieder Hufrehe-Schübe. Cushing ist nicht heilbar, aber mit dem Wirkstoff Pergolid sehr gut therapierbar.
Diagnostiziert wird Cushing über die Bestimmung des Basal-ACTH im Blut, idealerweise im Herbst, weil die Werte saisonal schwanken. Die Therapie besteht aus täglich verabreichtem Pergolid (zum Beispiel Prascend), regelmäßiger Kontrolle des ACTH-Werts und einer angepassten, zucker- und stärkearmen Fütterung. Pferde mit Cushing brauchen außerdem ein engmaschiges Hufmanagement, weil das Hufrehe-Risiko deutlich erhöht ist. Mit einer guten Therapie können Cushing-Pferde noch viele Jahre gut leben.
Wie erkennst du Arthrose und Gelenkverschleiß?
Arthrose ist die häufigste Bewegungseinschränkung beim Senior. Typische Anzeichen sind eine zunehmende Steifheit nach dem Aufstehen, die sich nach ein paar Schritten bessert, ein verkürzter Schritt oder Trab, Probleme beim Hufeauskratzen und Wendeschmerz. Besonders betroffen sind Karpalgelenke, Fessel- und Sprunggelenke sowie die Wirbelsäule. Auch das Kissing-Spines-Syndrom oder eine chronische Sehnen- und Bänderbelastung können beim alten Pferd zu wiederkehrender Lahmheit führen.
Diagnostisch hilft ein orthopädischer Check mit Beugeproben, Röntgen und gegebenenfalls Ultraschall. Therapeutisch stehen Hufbearbeitung, kontrollierte Bewegung, Physiotherapie, gegebenenfalls Akupunktur, intraartikuläre Hyaluronsäure- oder PRP-Injektionen sowie kurzzeitig nicht steroidale Antiphlogistika zur Verfügung. Wichtig ist, dass Senioren mit Arthrose nicht stehen, sondern sich täglich moderat bewegen sollen. Eine ausreichende Fütterung mit Vitaminen und Mineralien unterstützt die Gelenke. Wenn dein Pferd gerne grast, profitiert es zusätzlich von ausgewählten Wildkräutern wie Löwenzahn, der entzündungshemmend wirken kann.
Welche Zahnprobleme drohen im Alter?
Pferdezähne wachsen lebenslang, nutzen sich aber im Alter immer ungleichmäßiger ab. Typisch ist das Wellengebiss, bei dem Backenzähne unterschiedlich hoch stehen und das Zermahlen des Futters erschweren. Häufig kommen Haken an den ersten und letzten Backenzähnen, Zahnlücken durch Verlust einzelner Zähne und Karies hinzu. Die Folge sind unverdaute Heuwickel im Kot, Gewichtsverlust trotz Heuangebot, einseitiges Kauen, schlechter Atem und gelegentliches Würgen oder Schlundverstopfungen.
Eine professionelle Zahnkontrolle gehört bei jedem Senior mindestens einmal pro Jahr zur Routine, idealerweise zweimal. Der Pferdezahnarzt sediert das Pferd kurz, untersucht mit Maulgatter und Lichtquelle, schleift Haken und Wellen ab und entfernt lockere oder kaputte Zähne. Bei stark abgenutzten Zahnreihen muss die Fütterung angepasst werden, mit eingeweichtem Heu, Heucobs, Mash und seniorengerechten Müslis. Wer wissen möchte, was sonst noch ins Kraftfutter gehört, findet bei uns eine Fütterungsempfehlung für Pferde.
Wie sieht eine seniorengerechte Fütterung aus?
Die Fütterung des alten Pferdes muss zwei gegenläufige Anforderungen erfüllen. Einerseits soll sie kalorienreich genug sein, um Muskelabbau und Gewichtsverlust auszugleichen, andererseits arm an Zucker und Stärke, um Cushing- und Hufrehe-Risiken zu minimieren. Praktisch heißt das: Gutes Heu in unbegrenzter Menge, idealerweise spät geschnitten und energiearm, ergänzt durch Heucobs für zahnschwache Pferde, hochwertiges Senior-Müsli ohne Melasse, Mash zur Verdauungsunterstützung, hochwertige Leinsamen oder Öle als Energielieferanten und ein passendes Mineralfutter mit ausreichend Vitamin E, Selen und Kupfer.
Vermeide melassehaltiges Müsli, große Mengen Hafer, Brot und überständige Wiesen. Für Senioren mit Stoffwechselproblemen sind Diätfutter oder spezielle PPID-Müslis sinnvoll. Wenn dein Pferd zu wenig Vitamine bekommt, hilft ein Blick auf unseren Vitamine-Ratgeber oder den Beitrag zu Mineralstoffen für Pferde. Frisches Wasser muss immer verfügbar sein, im Winter idealerweise leicht angewärmt, weil Senioren bei Kälte oft zu wenig trinken.
Wann musst du sofort den Tierarzt rufen?
Hochgradige Lahmheit ohne erkennbaren Grund, akute Hufrehe (Pferd will sich nicht bewegen, klamme Hufe), heftige Kolik, plötzliche Apathie, Würgen mit Schaum aus der Nase oder hohes Fieber sind Notfälle. Gerade beim Senior verschlechtert sich der Zustand schnell, also nicht abwarten.

Wie sieht ein guter Vorsorgeplan aus?
Ein praxistauglicher Vorsorgeplan für Pferde ab siebzehn Jahren umfasst mindestens vier Bausteine. Erstens eine jährliche tierärztliche Allgemeinuntersuchung mit Blutbild, ACTH-Wert und Insulin/Glukose, idealerweise im Herbst. Zweitens eine Zahnkontrolle ein- bis zweimal jährlich. Drittens regelmäßige Hufbearbeitung alle sechs bis acht Wochen, bei Cushing-Pferden engmaschiger. Viertens Impfungen gemäß StIKo Vet (Tetanus jährlich, Influenza halbjährlich oder jährlich, Herpes je nach Bestand). Hinzu kommen die selektive Entwurmung über Kotproben und je nach Vorgeschichte eine kardiologische oder ophthalmologische Untersuchung.
Auch die Haltung muss seniorengerecht sein. Das bedeutet möglichst viel freie Bewegung in einer Herde mit ähnlich alten Pferden, weiche und trockene Liegeflächen, Schutz vor extremer Kälte und Hitze und ein klares Beobachtungsauge des Halters. Wer mehr zu Stallhygiene wissen will, findet bei uns einen Ratgeber zur Stalldesinfektion und zur passenden Einstreu. Eine durchdachte Vorsorge senkt nicht nur das Krankheitsrisiko, sondern auch die langfristigen Kosten erheblich.
Was tun bei Atemwegserkrankungen im Alter?
Equine Asthma ist die häufigste chronische Atemwegserkrankung beim alten Pferd. Sie entsteht meist über Jahre durch Staub aus Heu und Einstreu, mangelhafte Belüftung und genetische Veranlagung. Typische Symptome sind chronischer Husten, vermehrter Nasenausfluss, vergrößerter Bauchatmungsmuskel („Dampfrinne“) und nachlassende Leistungsfähigkeit. Die Diagnose erfolgt über klinische Untersuchung, Endoskopie und gegebenenfalls eine Lungenspülung (BAL). Therapeutisch stehen entzündungshemmende Inhalationen, Bronchodilatatoren und vor allem die konsequente Reduktion von Staub im Vordergrund.
Bei Pferden mit Equine Asthma ist die Wahl der richtigen Einstreu entscheidend. Pellets, Hanf oder Leinstroh statt Stroh, Heu mit kaltem Wasser einweichen oder Heucobs füttern, idealerweise im Offenstall mit ständig frischer Luft. Die Box sollte nicht direkt unter dem Heuboden liegen, weil herabrieselnde Sporen die Atemwege belasten. Eine gute Stallluft mit Ammoniakwerten unter zehn ppm und niedrigem Staubgehalt verlängert das aktive Pferdeleben deutlich. Wer mehr zur Stallhygiene wissen will, findet bei uns auch einen Ratgeber zur Stalldesinfektion.
Wie schützt du dein Pferd vor Hufrehe?
Hufrehe ist eine der gefürchtetsten Erkrankungen beim alten Pferd, weil sie schmerzhaft, schwer zu therapieren und im schlimmsten Fall lebensbedrohlich ist. Bei Senioren tritt Hufrehe meist als Folge von Cushing oder dem Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) auf. Auslöser sind oft fruktanreiche Frühjahrs- und Herbstweide, große Mengen Stärke aus Kraftfutter, Stress, schwere Infekte oder Geburtskomplikationen bei Stuten. Die Prävention besteht aus konsequenter Stoffwechselkontrolle, zucker- und stärkearmer Fütterung und limitiertem Weidegang in kritischen Jahreszeiten.
Erste Anzeichen einer Hufrehe sind klamme Hufe, Trippeln, vermehrtes Liegen und der typische „Sägebock-Stand“ mit nach vorne gestreckten Vorderbeinen. In dieser Phase muss sofort der Tierarzt kommen. Eine schnelle Therapie aus Schmerzmitteln, Hufverbänden, Kühlung und Ruhe entscheidet über die langfristige Prognose. Pferde mit chronischer Hufrehe brauchen einen erfahrenen Hufschmied oder Huforthopäden, regelmäßige Röntgenkontrollen und eine streng kontrollierte Fütterung, oft mit spezieller Diätfütterung.
Tierärztlicher Blick
Aus tierärztlicher Sicht entscheidet das Senior-Management über die Lebenserwartung und die Lebensqualität deines Pferdes. Ein gut behandelter Cushing-Patient kann mit Pergolid noch acht bis zwölf gute Jahre haben, ein arthrotisches Pferd mit konsequenter Bewegung und Hufpflege ebenfalls. Wichtig ist, dass du als Halter die kleinen Veränderungen ernst nimmst: Lockeres Fell, kleinere Heuwickel im Kot, ein leicht steifer Gang oder vermehrtes Trinken sind keine Lappalien, sondern oft die ersten Hinweise. Ein guter Pferdetierarzt erstellt einen individuellen Senior-Plan. Eine Pferdekrankenversicherung federt im Alter besonders hohe Behandlungskosten ab, etwa für Operationen, längere Klinikaufenthalte oder dauerhafte Medikamente.
Auch die emotionale Komponente gehört dazu. Im Alter wird die Frage nach der Lebensqualität zentral. Pferdetierärzte arbeiten heute mit objektivierbaren Schmerzscores und Bewertungsbögen, die dir helfen, eine sachlich fundierte Entscheidung zu treffen, wenn die Belastung zu groß wird. Sprich offen mit deinem Tierarzt über die Grenzen der Therapie und über deine eigenen Wertvorstellungen. Eine vorbereitete Linie für den Sterbefall, dokumentiert im Stallordner, schützt dich und dein Pferd in akuten Situationen vor Überforderung. Mehr zur Vorbereitung auf den Abschied findest du in unserem Ratgeber zum Einäschern von Großtieren.
Senioren brauchen außerdem oft eine angepasste Sozialstruktur. Ein altes Pferd in einer rangeligen Jungpferdegruppe steht unter ständigem Stress, der die Cortisolspiegel und damit die Cushing-Symptomatik verschlechtern kann. Eine ruhige Seniorengruppe mit ähnlich alten Tieren ist deutlich besser geeignet. Auch das Aufstallen über Nacht in einer warmen, trockenen Boxe mit weicher Einstreu kann gerade im Winter die Lebensqualität spürbar verbessern.
Häufige Fragen zu Pferdekrankheiten im Alter
Quellen
MSD Vet Manual: Equine Cushing Disease (PPID) (2024) (letzter Zugriff: 4.5.2026)
Veterinärmedizinische Universität Wien: Pferd Altersmedizin (2025) (letzter Zugriff: 4.5.2026)
Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Pferdesenioren (2024) (letzter Zugriff: 4.5.2026)
PubMed: Pergolide Treatment in Equine PPID (2023) (letzter Zugriff: 4.5.2026)
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Gelenk & Sehnen Pferd
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