Löwenzahn für Pferde: Wirkung, Dosierung, Anwendung
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Löwenzahn für Pferde ist eine der wertvollsten Wildkräuterpflanzen, die du auf der Wiese, am Wegrand oder im eigenen Anbau findest. Wenn dein Pferd Löwenzahn frisst, profitiert es von Bitterstoffen, Inulin, Vitamin A, Eisen und Kalium, die Verdauung, Leber- und Nierenfunktion unterstützen. Gleichzeitig solltest du wissen, dass auch eine harmlose Pflanze in der falschen Menge oder zur falschen Zeit Probleme machen kann. Vor allem für Cushing-, EMS- und insulindysregulierte Pferde sind die zuckerhaltigen Bestandteile keine reine Wohltat.
Löwenzahn ist Heilkraut, nicht Allheilmittel
Löwenzahn unterstützt Leber, Niere und Verdauung, ersetzt aber keine tierärztliche Therapie. Bei Cushing- und EMS-Pferden ist die Inulin- und Zuckermenge zu beachten. Sprich vor regelmäßiger Gabe von Wildkräutermischungen mit deinem Tierarzt.
Warum gehört Löwenzahn zur natürlichen Pferdefütterung?
Pferde sind von Natur aus Vielfraße, die im Lauf des Tages Hunderte verschiedener Pflanzen aufnehmen. Auf einer naturnahen Wiese wählen sie instinktiv ein breites Spektrum aus Gräsern, Wildkräutern und Sträuchern aus, um ihren komplexen Bedarf an Vitaminen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen zu decken. Die moderne Pferdehaltung mit gedüngten Monokultur-Wiesen und ausschließlich Heu aus dem ersten Schnitt liefert oft nur einen Bruchteil dieser Vielfalt. Wildkräuter wie Löwenzahn schließen genau diese Lücke und bringen Nährstoffe und Wirkstoffe ins Pferd, die in den meisten Heuplänen fehlen.
Dass Pferde auf einer kräuterreichen Weide deutlich entspannter, ausgeglichener und gesünder wirken, ist in zahlreichen Beobachtungsstudien dokumentiert. Auch Verhaltensauffälligkeiten wie Holzknabbern, Boxenlaufen oder übersteigertes Interesse an Salzlecksteinen lassen sich teilweise auf einen Mangel an sekundären Pflanzenstoffen zurückführen. Eine ergänzende Wildkräuterkur im Frühjahr und Herbst kann den jahreszeitlich erhöhten Bedarf decken und die natürliche Selbstregulation des Pferdes unterstützen. Löwenzahn ist dabei eine der ersten Pflanzen, die im Frühjahr wachsen, und gilt deshalb als klassisches Frühjahrskraut für Stoffwechsel und Fellwechsel.

Welche Inhaltsstoffe stecken im Löwenzahn?
Der Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist eine der inhaltsstoffreichsten Wildpflanzen Mitteleuropas. Seine Bitterstoffe, vor allem Taraxacin und Taraxacerin, regen die Produktion von Magensäure und Galle an, fördern die Verdauung und unterstützen die Leberfunktion. Das in der Wurzel reichlich vorhandene Inulin ist ein präbiotischer Ballaststoff, der die Darmflora günstig beeinflussen kann. Hinzu kommen Vitamin A in Form von Beta-Carotin, B-Vitamine, Vitamin C, Vitamin K, Eisen, Kalium, Calcium, Magnesium und sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide und Phytosterole.
Pferde nehmen Löwenzahn instinktiv auf, sowohl Blätter als auch Blüten und Wurzeln. In der traditionellen Pflanzenheilkunde wird Löwenzahn seit Jahrhunderten als „blutreinigendes“ und „entwässerndes“ Kraut beschrieben, gemeint sind die mild diuretische Wirkung über erhöhte Kaliumausscheidung und die Anregung des Stoffwechsels über Bitterstoffe und Inulin. Wissenschaftlich gut belegt sind die choleretische (galleflusssteigernde) und die mild abführende Wirkung, andere Effekte gelten als plausibel, sind aber für das Pferd noch nicht in großen Studien dokumentiert.
Welche Wirkungen sind für Pferde relevant?
Für Pferde stehen vier Wirkrichtungen im Vordergrund:
- ✓Erstens die Verdauungsanregung über Bitterstoffe, die besonders bei trägem Stoffwechsel, Fellwechsel oder im Frühjahr nach langer Heuphase nützlich sein kann.
- ✓Zweitens die Leber- und Galleunterstützung, die bei Pferden mit erhöhten Leberwerten, langwieriger Medikamentengabe oder Belastung durch Mykotoxine im Heu eine sinnvolle Begleittherapie sein kann.
- ✓Drittens die Nierenfunktion, weil Kalium und Inulin die Diurese sanft anregen können.
- ✓Viertens die Versorgung mit Mikronährstoffen, vor allem mit Beta-Carotin, das im Pferdekörper zu Vitamin A umgewandelt wird.
Im Frühjahr, wenn die Wiesen zwischen den Heuwochen frisch zu wachsen beginnen, hat Löwenzahn besonders viele Bitterstoffe und ist damit ideal für die Stoffwechselanregung. Im Sommer, wenn die Pflanze blüht, sind Vitamin- und Mineralstoffgehalte hoch, der Bitterstoffgehalt aber etwas geringer. Die Wurzel, die im Spätherbst geerntet wird, enthält den höchsten Inulingehalt. Für die meisten Pferde ist die Aufnahme über die Wiese ausreichend, eine ergänzende Gabe als getrocknetes Kraut oder Wurzelschnitzel ist nur in Ausnahmefällen nötig.
Wie viel Löwenzahn darf dein Pferd fressen?
Beim Grasen auf einer kräuterreichen Wiese reguliert das Pferd die Aufnahme selbst und nimmt selten zu viel Löwenzahn auf. Eine pauschale Mengenbegrenzung ist hier nicht nötig. Anders sieht es bei der gezielten Zufütterung aus. Als getrocknetes Kraut sind zehn bis 20 Gramm pro Tag für ein Großpferd eine gängige Dosierung, idealerweise über zwei bis vier Wochen als Kur. Wurzelschnitzel werden mit fünf bis 15 Gramm pro Tag dosiert. Für eine Tee-Anwendung übergießt du 30 Gramm getrocknetes Kraut mit einem Liter heißem Wasser, lässt zehn Minuten ziehen und gibst den abgekühlten Tee über das Mash oder in den Trog.
Vorsicht ist bei stoffwechselkranken Pferden geboten. Inulin liefert zwar weniger Glukose als Zucker, kann aber die Insulinregulation belasten. Cushing- und EMS-Pferde sollten Löwenzahn nur in Maßen und nach Rücksprache mit dem Tierarzt erhalten. Die Bitterstoffe können die Magensäureproduktion steigern, was bei Pferden mit Magengeschwüren ungünstig ist. Auch trächtige Stuten sollten nur moderate Mengen bekommen, weil die diuretische Wirkung in größeren Dosen den Wasserhaushalt beeinflussen kann. Wer mehr zur passenden Pferdefütterung wissen will, findet bei uns eine ausführliche Fütterungsempfehlung für Pferde.
Frischpflanze, Trockenkraut oder Tee?
Die Wahl zwischen frischem und getrocknetem Löwenzahn hängt vom Anwendungsziel ab. Frische Blätter und Blüten enthalten die volle Bandbreite an Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen, sind aber saisonal begrenzt verfügbar. Sie eignen sich gut als Topping fürs Mash, als Belohnung beim Spaziergang oder als Bestandteil von selbst gepflückten Kräutersträußen. Achte beim Sammeln auf saubere Standorte, also keine Straßenränder, keine gespritzten Wiesen und kein Hundeauslaufgebiet.
Getrocknetes Kraut ist das ganze Jahr verfügbar, dosierbar und gut lagerbar. Es eignet sich für Kuren über mehrere Wochen, die du in den Stallalltag integrieren kannst. Wurzelschnitzel werden vor allem bei Verdauungsstörungen und zur Anregung der Leber-Galle-Achse eingesetzt, oft im Spätherbst. Tee kommt bei Pferden zum Einsatz, die kein Trockenkraut akzeptieren oder bei denen eine kurzzeitige Anwendung zur Anregung der Diurese sinnvoll ist. Hochwertige Wildkräutermischungen kombinieren Löwenzahn oft mit Mariendistel, Brennnessel, Birkenblättern und Spitzwegerich, um eine breitere Wirkung zu erzielen.
Was musst du beim Eigenanbau und Sammeln beachten?
Löwenzahn wächst in Deutschland und Österreich praktisch überall, von der Wiese bis zum Wegrand. Wenn du selbst sammelst, achte auf folgende Punkte. Sammle nur an sauberen Standorten, mindestens 50 Meter abseits von Straßen, ohne Pestizide, ohne Hundeurin und idealerweise auf Bio-Wiesen. Die beste Sammelzeit für Blätter ist das zeitige Frühjahr vor der Blüte, wenn die Bitterstoffe am stärksten sind. Blüten erntest du voll geöffnet an sonnigen Vormittagen. Wurzeln werden im Spätherbst nach dem ersten Frost ausgegraben, gewaschen, geschnitten und an der Luft getrocknet.
Eine eigene Kräuterecke auf der Koppel oder im Auslauf ist eine gute Investition, weil sie deinem Pferd eine natürliche Auswahl an Heilkräutern bietet. Säe Löwenzahn zusammen mit Brennnessel, Spitzwegerich, Schafgarbe, Wegwarte und Wilder Möhre auf einem nicht intensiv gedüngten Streifen. Pferde regulieren ihre Aufnahme selbstständig und fressen nur, was sie brauchen. Wer sich für andere Wildkräuter interessiert, findet bei uns Ratgeber zu Leinsamen für Pferde, zu Vitaminen und zu Mineralstoffen.
Verwechslungsgefahr mit Jakobskreuzkraut
Junges Jakobskreuzkraut sieht Löwenzahnblättern ähnlich, ist aber für Pferde hochgiftig. Achte beim Sammeln auf die typischen tief eingeschnittenen Blätter und die hohle Blütenstängel des echten Löwenzahns. Im Zweifel lieber stehen lassen.

Wann sollte Löwenzahn gemieden werden?
Trotz seiner positiven Eigenschaften ist Löwenzahn nicht für jedes Pferd geeignet. Pferde mit aktiven Magengeschwüren sollten ihn meiden, weil die Bitterstoffe die Magensäure stimulieren. Cushing- und EMS-Pferde sollten nur kleine Mengen Inulin und Wurzelmaterial bekommen. Pferde mit Nierenerkrankungen sollten die diuretische Wirkung nicht zusätzlich verstärken. Auch bei akuten Lebererkrankungen oder bei Gallenstörungen ist eine tierärztliche Rücksprache vor der Gabe sinnvoll.
Trächtige Stuten dürfen Löwenzahn in moderaten Mengen fressen, sollten aber keine konzentrierten Tinkturen oder hochdosierten Tees bekommen. Pferde mit bekannter Allergie gegen Korbblütler (Asteraceae), zu denen auch Kamille, Ringelblume und Sonnenblume gehören, können in Einzelfällen mit Hautreaktionen oder Kopfschütteln reagieren. Auch eine Kombination mit Medikamenten kann Wechselwirkungen haben, vor allem mit Diuretika, Lithium oder bestimmten Schmerzmitteln. Wenn dein Pferd dauerhaft Medikamente bekommt, sprich mit dem Tierarzt, bevor du eine Wildkräuterkur startest.
Welche Wildkräuter ergänzen Löwenzahn sinnvoll?
Löwenzahn entfaltet seine Wirkung besonders gut in einer Mischung mit anderen Wildkräutern. Häufig kombiniert werden Brennnessel, die mit hohem Eisen- und Kieselsäuregehalt das Blut und das Bindegewebe unterstützt, Mariendistel, die als klassisches Leberkraut die regenerativen Prozesse fördert, Birkenblätter mit ihrer milden diuretischen Wirkung und Goldrute zur Nierenanregung. Spitzwegerich rundet eine solche Mischung ab, weil er reizmildernd auf Atemwege und Magen wirkt. Auch Weißdornblätter werden bei älteren Pferden zur Herz-Kreislauf-Unterstützung gerne dazugegeben.
Im Handel findest du Fertigmischungen für die Frühjahrs- und Herbstkur, oft als „Stoffwechselkräuter“ oder „Leberkräuter“ bezeichnet. Achte beim Kauf auf eine klare Zutatenliste, frei von Zucker, Melasse und Konservierungsstoffen. Bio-Qualität ist sinnvoll, weil die Pflanzen dann ohne Pestizide gewachsen sind. Eine vier- bis sechswöchige Kur zweimal im Jahr reicht für die meisten gesunden Pferde aus. Stoffwechselkranke oder ältere Pferde profitieren manchmal von dauerhaften, niedrig dosierten Zugaben. Sprich mit dem Tierarzt über das passende Schema und prüfe gegebenenfalls die Leberwerte vor und nach einer Kur.
Wie integrierst du Löwenzahn in die tägliche Fütterung?
Im Frühjahr lässt sich Löwenzahn unkompliziert über kontrollierten Weidegang anbieten. Stelle sicher, dass die Wiese ausreichend Wildkräuter enthält und nicht ausschließlich aus stickstoffüberdüngten Gräsern besteht. Eine Kräuterwiese mit Löwenzahn, Schafgarbe, Spitzwegerich und Wiesenklee bietet deinem Pferd eine breite Versorgung mit sekundären Pflanzenstoffen. Die Anweidezeit im Frühjahr sollte langsam gesteigert werden, beginnend mit 15 Minuten und schrittweise auf mehrere Stunden ausgedehnt, um Hufrehe und Verdauungsprobleme zu vermeiden.
Getrocknete Löwenzahnblätter und -wurzeln kannst du über das Mash, das Mineralfutter oder direkt ins Heu geben. Manche Pferde lieben den bitteren Geschmack, andere brauchen ein paar Tage zur Gewöhnung. Beginne mit kleinen Mengen und steigere langsam. Eine Kombination mit eingeweichten Leinsamen und etwas Heucobs ist eine beliebte Frühjahrskur, die Stoffwechsel, Fellwechsel und Verdauung gleichermaßen unterstützt. Wer wissen möchte, was sonst noch ins Senior-Müsli gehört, findet bei uns Tipps zu Dickmachern für Pferde.
Tierärztlicher Blick
Aus tierärztlicher Sicht ist Löwenzahn ein wertvolles Begleitkraut, kein Wundermittel. Die positiven Effekte auf Verdauung, Leber und Niere sind plausibel, aber meist nur als Unterstützung einer Grundtherapie sinnvoll. Wer sein Pferd dauerhaft mit Wildkräutern füttern will, sollte das in regelmäßige tierärztliche Vorsorgeuntersuchungen einbetten und Blutwerte kontrollieren lassen, vor allem bei stoffwechselkranken oder älteren Pferden. Mehr zu altersbedingten Erkrankungen findest du in unserem Ratgeber zu Pferdekrankheiten im Alter. Auch bei Parasitenbefall ersetzt Löwenzahn keine wirksame Wurmkur. Eine Pferdekrankenversicherung sichert die hohen Kosten ab, falls aus einer scheinbar harmlosen Verdauungsstörung eine ernste Erkrankung wird. Sprich mit deinem Pferdetierarzt über die passende Wildkräuterstrategie.
Phytotherapie hat in der modernen Pferdemedizin einen festen Platz, wird aber oft unterschätzt oder überschätzt. Unterschätzt wird sie bei chronischen Stoffwechselerkrankungen, bei denen ein gut eingesetztes Wildkräuterprogramm spürbare Effekte erzielt. Überschätzt wird sie bei akuten Erkrankungen wie Koliken, Lahmheiten oder Atemwegsinfekten, wo schnell wirkende Medikamente nötig sind. Die Kombination aus konventioneller Tiermedizin und gezielter Phytotherapie ist der erfolgversprechendste Weg. Wenn du Löwenzahn dauerhaft füttern möchtest, dokumentiere die Mengen und beobachte das Pferd genau. Veränderungen bei Fellqualität, Energie, Trinkverhalten oder Kotabsatz geben dir wichtige Hinweise auf die Wirkung. Bei Unsicherheit hilft eine Blutuntersuchung mit Leber- und Nierenwerten, die individuelle Wirkung objektiv zu bewerten.
Häufige Fragen zu Löwenzahn für Pferde
Quellen
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