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Parasiten beim Pferd: Würmer, Selektive Entwurmung & Wirkstoffe

Parasiten beim Pferd: Würmer, Selektive Entwurmung & Wirkstoffe

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Parasiten beim Pferd sind die häufigste Ursache für Kotwasser, Leistungsabfall und chronische Darmprobleme. Wenn dein Pferd plötzlich abnimmt, struppiges Fell zeigt oder den Schweif scheuert, lohnt sich ein Blick auf den Wurmstatus, lange bevor du zur Wurmkur greifst. Die selektive Entwurmung hat sich in Deutschland und Österreich als Goldstandard etabliert, weil viele Würmer mittlerweile gegen klassische Wirkstoffe resistent sind. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Parasiten dein Pferd betreffen, wie du sie sicher erkennst, welche Wirkstoffe wann sinnvoll sind und wie du Stall, Weide und Hygiene so gestaltest, dass der Befall klein bleibt. Du bekommst klare Empfehlungen zur Kotprobe, zum saisonalen Entwurmungsplan und zu Resistenzproblemen, die in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

Hinweis

Selektive Entwurmung statt Kalender-Wurmkur

Erwachsene Pferde brauchen nicht mehr viermal jährlich eine Wurmkur. Eine Kotprobe alle drei Monate plus gezielte Behandlung nur bei nachgewiesenem Befall schützt die Wirkstoffe vor Resistenzen und schont den Pferdedarm. Sprich mit deinem Tierarzt über das passende Schema für deinen Stall.

Welche Parasiten sind beim Pferd am wichtigsten?

Pferde beherbergen eine große Bandbreite an inneren und äußeren Parasiten. Im Magen-Darm-Trakt dominieren kleine Strongyliden (Cyathostominae), große Strongyliden (Strongylus vulgaris), Spulwürmer (Parascaris equorum), Bandwürmer (Anoplocephala perfoliata) und Pfriemenschwänze (Oxyuris equi). Hinzu kommen Magendasseln (Gasterophilus) und Lungenwürmer (Dictyocaulus arnfieldi), letztere vor allem bei Eseln und gemeinsamer Weidehaltung. Außen sitzen Zecken, Haarlinge, Läuse und Milben. Für Fohlen und Jungpferde sind Spulwürmer das größte Risiko, weil ihre Larven durch Lunge und Leber wandern und dabei Husten, Bronchitis und Wachstumsstörungen auslösen können.

Erwachsene Pferde tragen meist kleine Strongyliden in sich, oft auch ohne Symptome. Problematisch wird es, wenn die Larven in der Darmwand verkapseln und im Frühjahr massenhaft gleichzeitig schlüpfen. Diese sogenannte Larvale Cyathostominose verursacht heftige Durchfälle, Koliken und kann lebensbedrohlich werden. Der Bandwurm sitzt am Übergang vom Dünn- zum Dickdarm und ist eine der häufigsten Ursachen für rezidivierende Koliken bei sonst gesunden Pferden in Deutschland und Österreich. Pfriemenschwänze legen ihre Eier rund um den After ab, was zum typischen Schweifscheuern führt.

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Woran erkennst du einen Wurmbefall?

Die ersten Anzeichen sind unspezifisch und werden oft übersehen. Dein Pferd wirkt müde, das Fell glänzt nicht mehr, der Bauch hängt durch, obwohl die Rippen sichtbar werden. Manche Pferde zeigen Kotwasser oder wechselnden Kotabsatz, andere verlieren trotz reichlicher Heugabe an Gewicht. Bei stärkerem Befall kommen Koliken, blasse Schleimhäute und Anämie hinzu, weil große Strongyliden Blutgefäße im Darm angreifen. Ein häufiges Frühwarnzeichen sind glanzlose, zerzauste Schweifhaare durch wiederholtes Scheuern an Boxenwand oder Zaun.

Verlässlich klären lässt sich der Verdacht nur über eine Kotprobe. Du sammelst dazu drei frische Kotbällchen aus drei aufeinanderfolgenden Haufen, packst sie luftdicht in einen Plastikbeutel und schickst sie an ein Veterinärlabor. Die Untersuchung dauert ein bis drei Tage und kostet in Deutschland und Österreich zwischen fünfzehn und dreißig Euro. Wichtig ist die quantitative Auswertung als Eier pro Gramm Kot (EpG). Werte unter zweihundert EpG gelten als geringer Ausscheider, Werte über fünfhundert EpG als hoher Ausscheider, der dringend behandelt werden sollte.

Wie funktioniert die selektive Entwurmung?

Die selektive Entwurmung hat die starre Vier-mal-im-Jahr-Strategie weitgehend abgelöst. Hintergrund ist, dass etwa zwanzig Prozent der erwachsenen Pferde rund achtzig Prozent aller Wurmeier ausscheiden. Wenn du diese Hauptausscheider gezielt behandelst und alle anderen in Ruhe lässt, hältst du den Selektionsdruck auf die Wurmpopulation gering und schützt die wenigen verbleibenden Wirkstoffe. Praktisch heißt das, dass du jedes Pferd alle zwei bis drei Monate per Kotprobe testest und nur dann entwurmst, wenn die Eizahl über dem festgelegten Schwellenwert liegt.

Zwei Termine pro Jahr bleiben aber für alle Pferde Pflicht. Im Spätherbst, meist November oder Dezember, wird gegen Bandwürmer und gegen die in der Darmwand ruhenden Larven der kleinen Strongyliden behandelt. Im zeitigen Frühjahr folgt eine zweite Bandwurm- oder Larvenbehandlung, abhängig von der Region und vom Weidemanagement. Fohlen und Jungpferde unter drei Jahren bekommen ein eigenes Schema mit häufigeren Kotproben und gezielten Spulwurmbehandlungen, weil ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist.

Welche Wirkstoffe stehen zur Verfügung?

In Deutschland und Österreich sind vier Wirkstoffgruppen für Pferde zugelassen. Ivermectin und Moxidectin gehören zu den makrozyklischen Laktonen und wirken gegen die meisten Strongyliden, Spulwürmer und Magendasseln. Moxidectin erfasst zusätzlich die in der Darmwand verkapselten Larven der kleinen Strongyliden und hat die längste Wirkdauer. Pyrantel deckt Strongyliden, Spulwürmer und in doppelter Dosierung auch Bandwürmer ab. Praziquantel ist der einzige Wirkstoff gegen Bandwürmer und wird meist mit Ivermectin oder Moxidectin kombiniert. Benzimidazole wie Fenbendazol oder Mebendazol wirken nur noch eingeschränkt, weil viele Strongyliden in Deutschland und Österreich resistent geworden sind.

Welcher Wirkstoff im Einzelfall passt, hängt vom Befund der Kotprobe, vom Alter des Pferdes und von der bekannten Resistenzlage im Stall ab. Dein Tierarzt verschreibt die passende Kur und berechnet die Dosis nach dem aktuellen Körpergewicht. Eine Schätzung „nach Augenmaß“ ist riskant, weil eine Unterdosierung Resistenzen fördert und eine Überdosierung den Stoffwechsel belastet. Wenn möglich, wiege dein Pferd auf einer Pferdewaage oder nutze ein Maßband mit Gewichtstabelle.

Was passiert auf Weide und im Stall?

Die wirksamste Wurmprophylaxe findet außerhalb des Pferdes statt. Wenn du den Mist täglich von der Koppel absammelst, brichst du den Entwicklungszyklus, weil die Larven keine Chance haben, sich vom Kothaufen weg ins Gras zu bewegen. Studien aus Deutschland zeigen, dass tägliches Absammeln die Wurmbelastung um bis zu neunzig Prozent senken kann. In großen Beständen lohnt sich ein Weidehygiene-Schlepper oder ein Absauggerät. Auch das wechselseitige Beweiden mit Rindern oder Schafen reduziert die pferdespezifischen Larven, weil diese Wiederkäuer die Wurmeier mit aufnehmen und sie im Pansen unschädlich machen.

In der Box sind regelmäßige Reinigung der Tränken, trockene Einstreu und sauberes Heu wichtig. Wer mehr zur Mistentsorgung im Pferdestall oder zur Desinfektion im Pferdestall wissen will, findet bei uns ausführliche Anleitungen. Auch die Wahl der passenden Einstreu beeinflusst die Hygiene. Junge Pferde und Fohlen sollten möglichst nicht gemeinsam mit hochbelasteten Altpferden auf derselben Wiese stehen, weil die Larvenkonzentration sonst zu hoch wird.

Notfall

Wann wird Wurmbefall zum Notfall?

Heftige Kolik, blutiger Durchfall, plötzlicher Gewichtsverlust binnen weniger Tage oder Apathie beim Fohlen sind tierärztliche Notfälle. Eine larvale Cyathostominose im Frühjahr kann in wenigen Stunden lebensbedrohlich werden. Ruf sofort den Tierarzt, wenn dein Pferd nicht mehr aufstehen mag oder wässrigen Durchfall absetzt.

Was ist mit Resistenzen?

Resistenzen sind das größte Problem der modernen Pferdeparasitologie. Benzimidazole wirken in vielen Beständen kaum noch, weil sie jahrzehntelang unkritisch eingesetzt wurden. Auch erste Resistenzen gegen Pyrantel und sogar Ivermectin werden in Studien aus Deutschland, Österreich und Skandinavien dokumentiert. Wenn du den Verdacht hast, dass eine Wurmkur nicht wirkt, solltest du zwei Wochen nach der Behandlung erneut eine Kotprobe einschicken (Egg Reduction Test). Sinkt die Eizahl nicht um mindestens neunzig Prozent, liegt eine Resistenz vor und der Wirkstoff sollte gewechselt werden.

Du selbst kannst aktiv gegen Resistenzen arbeiten, indem du die Kalender-Wurmkur aufgibst, exakt nach Gewicht dosierst und nur Pferde mit relevantem Befund behandelst. Wer alle Pferde immer „auf Verdacht“ mitentwurmt, treibt die Resistenzlage voran. Auch das Wechseln der Wirkstoffklasse zwischen den notwendigen Behandlungen hilft, sollte aber mit dem Tierarzt abgestimmt werden, damit die saisonal wichtigen Bandwurm- und Larvenbehandlungen nicht ins Leere laufen.

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Wie sieht ein guter Jahresplan aus?

Ein praxistauglicher Jahresplan beginnt im Frühjahr mit einer Kotprobe für jedes Pferd, idealerweise im März oder April. Pferde mit hohen EpG-Werten werden behandelt, alle anderen abgewartet. Im Sommer folgt eine zweite Kotprobe, etwa im Juli, ergänzt durch eine Bandwurmuntersuchung im Blut oder Speichel. Im Herbst, meist im Oktober, kommt die dritte Kotprobe. Im November oder Dezember bekommen alle Pferde eine Kombi-Behandlung mit Moxidectin und Praziquantel, um Bandwürmer und ruhende Strongyliden-Larven zu erfassen. Fohlen und Jungpferde laufen außerhalb dieses Schemas und werden engmaschiger betreut.

Die Kosten für selektive Entwurmung liegen in Deutschland und Österreich pro Pferd bei rund sechzig bis hundert Euro im Jahr, also oft günstiger als die alte Vier-Kuren-Strategie. Wer mehr zu typischen Darmentzündungen beim Pferd oder zur Kolik beim Pferd wissen will, findet weiterführende Ratgeber. Auch die Fohlenaufzucht und das Entwurmen von Fohlen haben wir ausführlich beschrieben.

Welche Parasiten betreffen Fohlen besonders?

Fohlen und Jungpferde haben ein eigenes Parasitenrisiko, das sich deutlich vom erwachsenen Pferd unterscheidet. An erster Stelle steht der Spulwurm (Parascaris equorum), der bei Fohlen bis zu zwei Meter lang werden kann und im Dünndarm massive Verstopfungen auslösen kann. Schon ein einziger Fohlenkadaver auf der Wiese kann Hunderttausende Eier hinterlassen, die Jahre überleben. Die Spulwurmlarven wandern über Leber und Lunge, was zu Husten, Nasenausfluss, Wachstumsverzögerung und in schweren Fällen zu Lungenentzündung führen kann.

Hinzu kommen Strongyloides westeri, ein winziger Wurm, der über die Muttermilch übertragen wird, und Pfriemenschwänze. Die erste Wurmkur sollte bei Fohlen je nach Stallumgebung im Alter von zwei bis drei Monaten erfolgen, danach folgen weitere Behandlungen alle acht bis zwölf Wochen bis zum ersten Geburtstag. Wichtig ist die Abstimmung mit dem Tierarzt, weil bei Spulwürmern bereits Resistenzen gegen Ivermectin dokumentiert wurden. Mehr zur richtigen Aufzucht findest du in unserem Ratgeber zur Fohlenaufzucht und zum Fohlen entwurmen.

Wie unterstützt du den Wurmschutz natürlich?

Eine konsequente Hygiene ist der wichtigste Baustein, daneben gibt es ergänzende Maßnahmen. Eine ausgewogene Fütterung stärkt das Immunsystem und macht das Pferd weniger anfällig für hohe Wurmbürden. Wildkräuter wie Wermut, Beifuß, Knoblauch in moderaten Mengen, Kürbiskerne oder bittere Gartenkräuter werden in der traditionellen Pflanzenheilkunde als wurmwidrig beschrieben. Eine valide wissenschaftliche Wirksamkeit ist allerdings nicht belegt, und Hausmittel ersetzen keine wirksame Wurmkur bei nachgewiesenem Befall. Sinnvoll sind sie als Begleitmaßnahme, nicht als Alternative.

Quarantäne für Neuzugänge ist Pflicht. Jedes neue Pferd sollte vor dem Eingliedern in die Bestandsherde eine Kotprobe abgeben und gegebenenfalls behandelt werden. So verhinderst du, dass Resistenzen oder neue Wurmarten in deinen Stall eingeschleppt werden. Ein wechselweises Beweiden mit Rindern oder Schafen, eine geringe Besatzdichte und eine durchdachte Weiderotation reduzieren die Larvenkonzentration auf der Wiese. Wer mehr zum Stallmanagement wissen will, findet bei uns Ratgeber zur passenden Einstreu und zur Stalldesinfektion.

Tierärztlicher Blick

Aus tierärztlicher Sicht ist die selektive Entwurmung kein Bonus, sondern Pflicht. Wer heute noch nach Kalender entwurmt, riskiert mittelfristig, dass im Stall keine Wirkstoffe mehr greifen. Eine Kotprobe alle drei Monate kostet weniger als eine Notfall-Kolikbehandlung und liefert eine valide Entscheidungsgrundlage. Besonders wichtig ist die Kombination aus Diagnostik, gezielter Behandlung, sauberem Weidemanagement und Quarantäne für Neuzugänge. Wenn dein Stall eine bekannte Resistenzlage hat, lohnt sich die Zusammenarbeit mit einem Pferdetierarzt, der einen individuellen Plan erstellt. Auch eine Pferdekrankenversicherung kann sinnvoll sein, weil parasitenbedingte Koliken schnell vierstellig werden können.

Ein guter Pferdetierarzt unterstützt dich nicht nur beim Wirkstoff, sondern auch bei der Gesamtstrategie. Dazu gehört die Beratung zur Weidehygiene, zur Quarantäne von Neuzugängen, zur Wahl der passenden Diagnostiklabore und zur Schulung des Stallpersonals. In großen Pensionsbetrieben in Deutschland und Österreich hat sich ein Stall-Wurmplan bewährt, der für alle Einsteller einheitliche Regeln festlegt. So wird verhindert, dass Einzelne nach altem Schema entwurmen und damit den Selektionsdruck im Bestand wieder erhöhen. Wenn du dein Pferd in einem solchen Stall einstellst, frag aktiv nach dem Wurmkonzept, das ist ein gutes Qualitätsmerkmal.

Häufige Fragen zu Parasiten beim Pferd

Wie oft sollte ich mein Pferd entwurmen?
Erwachsene Pferde sollten heute selektiv entwurmt werden. Das heißt, alle drei Monate eine Kotprobe und Behandlung nur bei Bedarf. Pflicht für alle Pferde sind ein bis zwei Termine pro Jahr im Spät- und Frühherbst gegen Bandwürmer und ruhende Larven.
Was kostet eine Kotprobe in Österreich oder Deutschland?
Eine quantitative Kotuntersuchung kostet im Veterinärlabor zwischen fünfzehn und dreißig Euro. Bandwurmtests im Blut oder Speichel liegen bei rund vierzig bis sechzig Euro. Damit bleibt die selektive Entwurmung im Vergleich zu vier Kalenderkuren günstig.
Welche Wurmkur wirkt gegen Bandwürmer?
Praziquantel ist der einzige zugelassene Wirkstoff gegen Bandwürmer beim Pferd, oft kombiniert mit Ivermectin oder Moxidectin. Pyrantel wirkt in doppelter Dosierung ebenfalls gegen Bandwürmer, ist aber zweite Wahl.
Mein Pferd scheuert den Schweif, sind das Würmer?
Schweifscheuern kann auf Pfriemenschwänze hindeuten. Sicher klären lässt sich das mit einem Klebestreifen-Test rund um den After. Andere Ursachen sind Sommerekzem, trockene Haut oder eine schlecht passende Schweifrübe.
Wann ist Wurmbefall ein Notfall?
Plötzliche, heftige Kolik, blutiger Durchfall, schneller Gewichtsverlust oder Apathie beim Fohlen sind Notfälle. Besonders die larvale Cyathostominose im Frühjahr kann lebensbedrohlich werden. Sofort den Tierarzt rufen.
Schützt Knoblauch vor Würmern?
Es gibt keine belastbare Studie, die eine wurmtreibende Wirkung von Knoblauch beim Pferd bestätigt. Im Gegenteil, größere Mengen können beim Pferd Anämie auslösen. Verlasse dich auf diagnostikbasierte Wurmkuren, nicht auf Hausmittel.
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