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Reiten in der Schwangerschaft: Risiken, Empfehlungen, Alternativen

Reiten in der Schwangerschaft: Risiken, Empfehlungen, Alternativen

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Reiten in der Schwangerschaft ist eines der Themen, bei denen erfahrene Reiterinnen plötzlich unsicher werden. Du kennst dein Pferd, du kennst deinen Sattel, du kennst deinen Sitz, und trotzdem stellt sich nach dem positiven Test die Frage, ob du weiterreiten darfst, ab wann du aufhören solltest und was Frauenarzt, Hebamme und Tierarzt dazu sagen. In Deutschland und Österreich gibt es keine gesetzliche Vorschrift, die das Reiten in der Schwangerschaft verbietet, sehr wohl aber medizinische Empfehlungen, die du kennen solltest. Dieser Ratgeber bündelt den aktuellen Stand aus Sportmedizin, Gynäkologie und Reitpraxis, ordnet die Risiken ein und zeigt dir, welche Alternativen rund um dein Pferd sinnvoll bleiben. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft und ergänzt, ersetzt aber kein Beratungsgespräch mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt.

Wichtiger Hinweis

Wichtig vor jeder Entscheidung

Reiten in der Schwangerschaft ist keine rein sportliche Frage, sondern eine medizinische. Sprich vor jedem Aufsteigen mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt, schildere deinen Reitlevel ehrlich und kläre individuelle Risiken wie Plazenta praevia, Gerinnungsstörungen, vorangegangene Frühgeburten oder Mehrlingsschwangerschaft ab. Ohne ärztliche Freigabe gilt im Zweifel: nicht aufsteigen.

Darf ich in der Schwangerschaft überhaupt reiten?

Die kurze Antwort lautet: Es gibt keine generelle Verbotsregel, weder in Deutschland noch in Österreich. Die deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe stufen Reiten allerdings als Sportart mit erhöhtem Sturz- und Trauma-Risiko ein und raten ab dem Zeitpunkt der bekannten Schwangerschaft zu Zurückhaltung. Das gilt besonders für ungeübte Reiterinnen, für junge oder unerfahrene Pferde und für jede Form von schnellen Gangarten oder Sprüngen. Geübte Reiterinnen mit einem absolut verlässlichen Pferd entscheiden in Absprache mit Ärztin oder Arzt häufig anders als Wiedereinsteigerinnen, und genau diese individuelle Risikoabwägung ist der Kern jeder seriösen Empfehlung.

Dazu kommt der rechtliche Aspekt. Krankenkassen in Deutschland und Österreich übernehmen Behandlungskosten zwar auch nach Reitunfällen, eine private Unfallversicherung kann aber Leistungsausschlüsse für sogenannte Risikosportarten enthalten. Lies vor dem Aufsteigen die Bedingungen deiner Polizze und prüfe, ob ein Sturz mit Schwangerschaftsfolgen tatsächlich abgedeckt ist. Sehr viele Reiterinnen entscheiden sich allein aus diesem Grund, in der Schwangerschaft eine Reitpause einzulegen.

Reiten in der Schwangerschaft: Risiken, Empfehlungen, Altern – go4vet

Welche Risiken bringt Reiten für Mutter und Kind mit sich?

Das Hauptrisiko ist der Sturz. Selbst aus dem Schritt fällst du beim Reiten aus über zwei Metern Höhe auf den Boden, oft auf Hindernisse wie Banden, Steine oder Stangen. Schon ein einfacher Sturz aus dem Trab kann zu Beckenringfrakturen, Plazentaablösung, Uterusrissen oder Frühgeburten führen. Studien aus der Notfallmedizin in Deutschland und Österreich zeigen, dass Reitunfälle zu den schwersten Sportunfällen überhaupt zählen, gleich nach Unfällen mit Kraftfahrzeugen. Ein Reithelm schützt deinen Kopf, dein Bauch bleibt aber auch mit Sicherheitsweste exponiert.

Neben dem akuten Trauma gibt es subtilere Risiken. Die Erschütterung im Trab und Galopp, die starke Beanspruchung der Beckenbodenmuskulatur und die Wirkung des Hormons Relaxin, das Bänder und Sehnen weicher macht, erhöhen das Risiko für Bänderverletzungen und vorzeitige Wehentätigkeit. Auch die Bauchmuskulatur, die in der Schwangerschaft auseinanderweicht (Rektusdiastase), wird beim Reiten stark belastet. Wer trotz dieser Faktoren reitet, sollte den Puls und das eigene Belastungsempfinden im Blick behalten und niemals an seine Leistungsgrenze gehen.

Ein oft unterschätzter Punkt ist der Pferdekontakt am Boden. Tritte, Bisse oder unkontrolliertes Drängeln gehören zu den häufigsten Verletzungsquellen rund ums Pferd. In der Schwangerschaft sind genau diese Alltagsmomente, also Putzen, Führen, Verladen oder Hufpflege, kritisch. Du findest weitere Hintergründe zum sicheren Umgang im Ratgeber über Vertrauen zum Pferd aufbauen.

Bis wann kann ich noch sicher reiten?

Eine fixe Wochenangabe ist medizinisch nicht haltbar, weil die Schwangerschaft individuell verläuft. In der Reitpraxis und in vielen ärztlichen Stellungnahmen lassen sich aber drei Phasen abgrenzen, die als grobe Orientierung helfen.

Im ersten Trimester (Woche eins bis zwölf) ist das Risiko einer Fehlgeburt unabhängig vom Sport am höchsten. Trotzdem rät die Mehrheit der Sportmedizinerinnen, die Aktivität in dieser Phase nicht zu intensivieren, sondern bei Aufrechterhaltung gewohnter Bewegung zu bleiben. Wenn du vor der Schwangerschaft regelmäßig in lockerer Anlehnung Schritt geritten bist, kann das nach Rücksprache fortgeführt werden. Neue, intensive Trainingsprogramme oder Sprungeinheiten sind tabu.

Im zweiten Trimester (Woche dreizehn bis 26) berichten viele Reiterinnen, dass das Reiten überraschend gut funktioniert, weil die Müdigkeit nachlässt und der Bauch noch klein ist. Genau hier liegt aber auch die Falle: Sturzverletzungen in dieser Phase sind statistisch besonders folgenschwer, weil die Plazenta voll ausgereift ist. Spätestens ab dem fünften Monat raten die meisten Frauenärztinnen und Frauenärzte zur Reitpause, unabhängig vom Reitlevel.

Im dritten Trimester (ab Woche 27) sprechen sich praktisch alle Fachgesellschaften gegen das Reiten aus. Schwerpunktverlagerung, Gleichgewichtssinn, Beckenbodenbelastung und Sturzhöhe machen jede Reiteinheit zu einem unkalkulierbaren Risiko. Auch das Pferd reagiert auf veränderte Sitz- und Gewichtshilfen, was den Bewegungsablauf unsauber macht.

Welche Reitarten und Disziplinen sind besonders riskant?

Springreiten, Galopprennen, Vielseitigkeit, Polo, Western Reining und schnelle Gangartenarbeit auf Islandpferden sind in der Schwangerschaft definitiv keine Option. Auch Disziplinen mit hoher Sturzwahrscheinlichkeit wie Distanzreiten, Working Equitation oder Geländeritte über unbekanntes Terrain sind kritisch. Bei Sprüngen wirken Brems- und Beschleunigungskräfte ungünstig auf den Bauchraum, beim Reining sorgen abrupte Stopps und Spins für Erschütterungen, die für eine Schwangere nicht vertretbar sind.

Etwas anders sieht es beim klassischen Dressurreiten in den unteren Klassen oder beim ruhigen Schrittreiten auf einem absolut verlässlichen Schulpferd aus. Manche Reiterinnen führen bis zur Mitte des zweiten Trimesters lockere Schrittarbeit fort, immer in Halle oder Reitplatz, immer mit Begleitung am Boden, niemals ohne Helm und Sicherheitsweste. Die Entscheidung bleibt individuell und gehört zwingend in das ärztliche Gespräch.

Wer sein Pferd dennoch im Training halten möchte, kann das Reiten an eine erfahrene Beritt-Person abgeben. Achte dabei auf eine schriftliche Vereinbarung und prüfe deine Pferdehalter-Haftpflichtversicherung, weil Beritt- und Pflegebeteiligungen oft sondervereinbart werden müssen.

Welche Alternativen halten dich rund ums Pferd aktiv?

Eine Reitpause heißt nicht Stallpause. Es gibt viele Möglichkeiten, dein Pferd in der Schwangerschaft sinnvoll zu beschäftigen, deine Bindung zu vertiefen und gleichzeitig moderat aktiv zu bleiben. Bodenarbeit am langen Seil, Spaziergänge an der Hand, Clickertraining, Stangenarbeit am Boden und Doppellongen-Arbeit (von einer erfahrenen Person ausgeführt) halten dein Pferd in Bewegung, ohne dich Sturzrisiken auszusetzen. Wichtig ist, dass dein Pferd auch am Boden absolut zuverlässig ist und keine Drängelneigung zeigt. Ein Tritt oder ein unerwarteter Sprung zur Seite kann schwere Folgen haben.

Sehr beliebt ist in dieser Phase auch das Stillstehen-Trainieren, Verladetraining ohne Aufsteigen und das ruhige Putzen. Du kannst Untersuchungsroutinen einüben, etwa das Anheben der Hufe, das Tolerieren des Maulkorrektur-Bereichs oder das Stillhalten beim Tierarzt. Dazu passend lohnt sich ein Blick in die Ratgeber zu Zahnpflege beim Pferd und Hufpflege beim Pferd, weil sich gerade jetzt die Routinen für die Zeit nach der Geburt etablieren lassen. Auch eine ruhige Schweifpflege oder das Üben einer entspannten Putzroutine bleiben wertvolle Beziehungsarbeit.

Sportlich kannst du auf Schwangerschafts-Yoga, Aquagymnastik, Schwimmen oder zügiges Spazierengehen ausweichen. Diese Aktivitäten erhalten Beckenboden, Rumpf und Ausdauer, ohne dich an Sturzgefahren auszusetzen. Viele Hebammen empfehlen außerdem Beckenbodentraining, das nach der Geburt einen schnelleren Wiedereinstieg ins Reiten ermöglicht.

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Wie sieht der sinnvolle Wiedereinstieg nach der Geburt aus?

Nach einer unkomplizierten Spontangeburt empfehlen Hebammen und Sportmedizinerinnen meist eine Reitpause von mindestens sechs bis zwölf Wochen. Beckenboden, Bauchmuskulatur und Bänder brauchen Zeit, um sich zu regenerieren. Nach einem Kaiserschnitt verlängert sich diese Pause auf zwölf bis sechzehn Wochen, manchmal länger, weil die Bauchnaht unter Reitbelastung reißen kann. Plane den Wiedereinstieg gemeinsam mit deiner Hebamme, deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt sowie idealerweise mit einer Physiotherapeutin, die auf Rückbildung spezialisiert ist.

Beginne mit ruhigen Schritteinheiten in der Halle, bestenfalls auf einem absolut sicheren Schulpferd, nicht direkt auf deinem eigenen Sportpferd. Verzichte in den ersten Wochen auf Trab und Galopp, vermeide Sprünge und sehe deinen ersten Wiedereinstieg als Diagnoseritt. Achte auf Beckenboden-Empfindungen, ungewohnte Schmerzen, Druckgefühle und Blutungen. Steige bei jedem Warnsignal sofort ab und besprich das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Zur Vorbereitung auf den Wiedereinstieg kann auch ein Blick auf den Muskelaufbau beim Pferd sinnvoll sein, weil dein Pferd nach Monaten ohne Reiterin ebenfalls neu konditioniert werden muss.

Plane den Wiedereinstieg ehrlich. Viele Reiterinnen unterschätzen, wie sehr sich Körpergefühl, Gleichgewicht und Reflexe nach Schwangerschaft und Geburt verändert haben. Eine Reitpädagogin oder ein erfahrener Trainer hilft dir, den Sitz neu zu finden, statt blind in alte Muster zurückzufallen.

Welche Versicherungs- und Rechtsfragen solltest du klären?

Vor einer Reitentscheidung in der Schwangerschaft solltest du drei Versicherungen prüfen. Erstens deine private Unfallversicherung: Manche Polizzen schließen Schwangerschaftskomplikationen oder Risikosportarten aus, andere bieten Sondertarife. Zweitens deine private Krankenversicherung oder Zusatzversicherung: Hier kann ein Sturz mit anschließendem stationären Aufenthalt teuer werden. Drittens deine Pferdehalter-Haftpflicht, die zwar dich und Dritte vor Schäden durch dein Pferd absichert, im Falle eines Sturzes aber nicht für deine eigenen Verletzungen aufkommt. Eine spezielle Pferdetransportversicherung ist nur für den Transportfall relevant, kein Ersatz für Personenschutz.

In Deutschland und Österreich greift bei Schäden durch dein Pferd grundsätzlich die Tierhalterhaftung nach Paragraph 833 BGB beziehungsweise Paragraph 1320 ABGB. Diese Haftung ist verschuldensunabhängig und kann teuer werden. Eine gut konfigurierte Haftpflichtversicherung mit Deckungssumme von mindestens fünf Millionen Euro ist Standard, in der Schwangerschaft umso wichtiger, weil du eventuell Pflegebeteiligungen oder Beritt-Vereinbarungen einrichten musst.

Klär auch arbeitsrechtliche Aspekte. Wenn du beruflich mit Pferden arbeitest, etwa als Reitlehrerin, Stallmitarbeiterin oder Tierärztin, gilt in Deutschland das Mutterschutzgesetz und in Österreich das Mutterschutzgesetz 1979. Beide regeln Beschäftigungsverbote für Tätigkeiten mit hoher körperlicher Belastung oder Unfallgefahr, und der Pferdeumgang fällt in vielen Fällen darunter. Sprich frühzeitig mit deinem Arbeitgeber und deinem Betriebsarzt.

Tierärztlicher Blick

Aus tierärztlicher Sicht ist die Schwangerschaft der Reiterin auch eine Chance, die Beziehung zwischen Mensch und Pferd zu vertiefen, ohne den Sportgedanken in den Vordergrund zu stellen. Pferde reagieren sensibel auf Veränderungen im Verhalten der Bezugsperson, und genau diese ruhigere Phase kannst du nutzen, um Vertrauen, Bodenarbeit und Pflege-Routinen zu stärken. Ein gut sozialisiertes Pferd ist nach der Geburt besser handlebar, akzeptiert spätere Veränderungen leichter (etwa wenn ein Kinderwagen mit zum Stall kommt) und bleibt insgesamt entspannter im Umgang. Lass dein Pferd in der Reitpause durch eine erfahrene Person bewegen, denn Bewegungsmangel führt nachweislich zu Magenproblemen, Atemwegserkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten. Frag bei medizinischen Fragen rund um dein Pferd und die anstehende Lebensphase auch deine Pferdetierärztin oder deinen Pferdetierarzt unter go4vet.com/tierarzt, denn die Tierärzteschaft kennt eure Routinen am besten und kann individuelle Empfehlungen aussprechen.

Häufige Fragen zu Reiten in der Schwangerschaft

Darf ich im ersten Trimester noch reiten?
Es gibt kein generelles Verbot, aber die meisten Frauenärztinnen und Frauenärzte raten zumindest zur Zurückhaltung. Wenn du regelmäßig in lockerer Anlehnung im Schritt geritten bist und keine Risikofaktoren hast, ist das nach ärztlicher Freigabe möglich. Neue, intensive Trainingseinheiten oder Sprungarbeit gehören in dieser Phase nicht zum Reitalltag.
Ab welcher Schwangerschaftswoche soll ich aufhören zu reiten?
Eine fixe Woche gibt es nicht, weil jede Schwangerschaft anders verläuft. In der Praxis empfehlen viele Ärztinnen und Ärzte spätestens ab dem fünften Monat (etwa Woche zwanzig) eine konsequente Reitpause, weil ab diesem Zeitpunkt Schwerpunktverlagerung und Sturzhöhe besonders kritisch werden.
Schützt eine Sicherheitsweste den Bauch ausreichend?
Sicherheitswesten dämpfen Schläge auf Brust und Rücken, schützen den Bauchraum aber nicht zuverlässig vor Trauma. Auch ein Airbag-Vest reduziert Risiken, kann eine Plazentaablösung oder einen Uterusriss bei einem schweren Sturz aber nicht ausschließen. Verlasse dich nicht allein auf Schutzausrüstung.
Was ist mit Bodenarbeit, Putzen und Spazierengehen?
Bodenarbeit, Putzen, Hand-Spaziergänge und Clickertraining sind sinnvolle Alternativen, solange dein Pferd absolut zuverlässig ist und keine Drängelneigung zeigt. Trage immer feste Schuhe, lass dein Pferd nicht in dich hineinlaufen und vermeide enge Stellen wie Boxengasse oder Putzplatz, wenn andere Pferde unruhig sind.
Wie lange dauert die Reitpause nach der Geburt?
Nach einer unkomplizierten Spontangeburt empfehlen Hebammen meist sechs bis zwölf Wochen Pause, nach einem Kaiserschnitt zwölf bis sechzehn Wochen oder länger. Maßgeblich ist nicht das Datum im Kalender, sondern die Rückbildung von Beckenboden, Bauchmuskulatur und Bändern.
Übernimmt meine Versicherung Reitunfälle in der Schwangerschaft?
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Behandlungskosten unabhängig vom Sport. Private Unfallversicherungen können Reiten als Risikosportart führen oder Schwangerschaftskomplikationen ausschließen. Lies deine Polizze in Deutschland und Österreich genau und frag im Zweifel direkt beim Versicherer nach.
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