Räude bei Hunden
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Räude beim Hund ist eine durch Milben verursachte Hautkrankheit, die starken Juckreiz, Krustenbildung und Haarausfall hervorruft. Die häufigste und für dich als Halter wichtigste Form ist die Sarkoptes-Räude, ausgelöst durch die Grabmilbe Sarcoptes scabiei var. canis. Diese Form ist nicht nur extrem ansteckend von Hund zu Hund, sondern auch eine Zoonose. Das bedeutet, du selbst kannst dich anstecken und dann tagelang unter Hautausschlag und Juckreiz leiden. Besonders Kinder, ältere Menschen und immungeschwächte Personen sind gefährdet.
Daneben existieren weitere Milbenformen wie Demodex canis, der eher bei jungen oder immungeschwächten Hunden eine demodektische Räude auslöst, sowie die Otodectes-Milbe, die im äußeren Gehörgang lebt. Dieser Ratgeber konzentriert sich vor allem auf die Sarkoptes-Räude, weil sie am häufigsten und am gefährlichsten ist. Du erfährst, wie du die Krankheit erkennst, wie sie diagnostiziert wird, welche modernen Wirkstoffe wirklich helfen und wie du dich und deine Familie schützt. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Zoonose-Risiko
Sarkoptes-Milben können auf den Menschen übergehen und eine sogenannte Pseudokrätze auslösen. Wasche dir nach jedem Kontakt mit einem juckenden Hund die Hände gründlich und vermeide engen Körperkontakt, bis die Diagnose steht. Bei Hautausschlag in der Familie informiere die Hausärztin und nenne den Verdacht auf Räude.
Wie erkennst du Räude bei deinem Hund?
Das Leitsymptom der Sarkoptes-Räude ist heftiger, oft unstillbarer Juckreiz. Dein Hund kratzt sich tagsüber und vor allem nachts so intensiv, dass er sich wund leckt und nicht zur Ruhe kommt. Typische Prädilektionsstellen sind die Ohrränder, die Ellbogen, die Sprunggelenke, der Bauch und die Brust. An diesen dünnhäutigen Bereichen graben sich die weiblichen Milben in die oberste Hautschicht und legen dort ihre Eier ab. Die Folge sind kleine, juckende Knötchen, gerötete Haut und schließlich Krusten.
Im Verlauf bildet sich eine charakteristische Krustenbildung mit gelblich-grauen Schuppen. Die Haare fallen aus, die Haut wird dick und faltig, und an Reibestellen entstehen offene Wunden. Sekundäre bakterielle Infektionen mit Staphylokokken sind häufig und verstärken den unangenehmen Geruch. Ein klassisches diagnostisches Zeichen ist der sogenannte Pinna-Pedal-Reflex. Wenn du den Ohrrand reibst, beginnt dein Hund mit dem Hinterbein zu kratzen. Dieser Reflex ist hochsensitiv für Sarkoptes-Befall und gilt in der Praxis als wichtiger Verdachtshinweis.
Anders verhält sich die demodektische Räude. Demodex canis verursacht in der lokalisierten Form runde, haarlose Stellen ohne starken Juckreiz, oft im Gesicht oder an den Vorderbeinen junger Hunde. Die generalisierte Form mit Befall des gesamten Körpers tritt bei immungeschwächten oder erblich vorbelasteten Tieren auf und ist deutlich schwerer zu behandeln. Die Abgrenzung zur atopischen Dermatitis beim Hund ist klinisch wichtig, weil beide Erkrankungen ähnliche Symptome zeigen können.

Wie steckt sich dein Hund mit Räude an?
Sarkoptes-Milben übertragen sich überwiegend durch direkten Hautkontakt. Dein Hund infiziert sich bei der Begegnung mit einem befallenen Artgenossen, beim Spielen auf der Hundewiese, in der Tierpension oder beim Aufenthalt im Tierheim. Auch der Kontakt mit Wildtieren spielt eine wichtige Rolle. Füchse sind in Mitteleuropa, einschließlich Österreich, ein bedeutendes Reservoir. Hunde, die in Waldnähe spazieren gehen oder in Fuchsbauten schnüffeln, haben ein erhöhtes Risiko.
Die Milben überleben außerhalb des Wirts nur einige Tage, selten bis zu drei Wochen unter feucht-kühlen Bedingungen. Eine indirekte Übertragung über Decken, Bürsten oder Liegeplätze ist daher möglich, aber seltener als der direkte Kontakt. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis sechs Wochen, in denen sich die ersten Milbenkolonien etablieren, bevor der Juckreiz beginnt. Das macht die Krankheit tückisch, denn ein scheinbar gesunder Hund kann bereits Überträger sein.
Bei der demodektischen Räude liegt der Übertragungsweg anders. Demodex-Milben gehören zur normalen Hautflora und werden bereits in den ersten Lebenstagen von der Mutter auf die Welpen übertragen. Eine Erkrankung entsteht erst, wenn das Immunsystem versagt, etwa durch Stress, Wurmbefall, hormonelle Erkrankungen wie Cushing-Syndrom oder durch genetische Faktoren. Eine Übertragung von Hund zu Hund findet bei Demodex praktisch nicht statt.
Wie wird Räude beim Hund diagnostiziert?
Die Diagnose stellt deine Tierärztin oder dein Tierarzt über mehrere Schritte. Das wichtigste Verfahren bei Verdacht auf Sarkoptes-Räude ist das tiefe Hautgeschabsel. Mit einem Skalpell wird die Haut bis zur leichten Blutung abgetragen, das Material auf einen Objektträger aufgebracht und mikroskopisch untersucht. Sarkoptes-Milben sind oval, kurzbeinig und etwa dreihundert bis fünfhundert Mikrometer groß. Der Nachweis ist eindeutig, jedoch falsch-negativ in bis zu fünfzig Prozent der Fälle, weil die Milben zahlenmäßig sehr gering vorkommen.
Aus diesem Grund ergänzen viele Praxen die Diagnostik durch einen serologischen Sarkoptes-Antikörpertest aus dem Blut. Dieser Test reagiert auf Antikörper gegen Milbenantigene und liefert auch dann ein Ergebnis, wenn das Geschabsel negativ war. Die Sensitivität liegt bei über achtzig Prozent. Bei klinischem Verdacht und negativem Geschabsel kann auch ein therapeutischer Versuch mit einem milbenwirksamen Antiparasitikum durchgeführt werden, der bei Sarkoptes-Befall innerhalb von zwei Wochen zu einer deutlichen Besserung des Juckreizes führt.
Bei demodektischer Räude ist die Diagnose über das Geschabsel deutlich einfacher, weil Demodex-Milben in großer Zahl vorkommen und im Mikroskop als längliche, zigarrenförmige Strukturen mit kurzen Beinpaaren am Vorderkörper sichtbar sind. Trichogramm und gegebenenfalls eine Hautbiopsie ergänzen die Diagnostik bei unklaren Fällen.
Welche Behandlung wirkt heute am besten?
Die moderne Therapie der Sarkoptes-Räude basiert auf Isoxazolinen wie Afoxolaner, Fluralaner, Sarolaner oder Lotilaner. Diese Wirkstoffe werden als Kautablette oder Spot-on verabreicht und wirken systemisch über mehrere Wochen. Sie töten die Milben zuverlässig ab, sind gut verträglich und ersetzen die früher üblichen, langwierigen Bäder mit Amitraz oder die wiederholten Selamectin-Anwendungen weitgehend. In aktuellen Studien lag die Heilungsrate nach einer einzigen Gabe bei über fünfundneunzig Prozent.
Selamectin als Spot-on bleibt eine etablierte Alternative, die alle zwei Wochen für mindestens drei Anwendungen aufgetragen wird. Auch Moxidectin in Kombination mit Imidacloprid ist zugelassen. Bei besonders starkem Juckreiz kommen kurzfristig entzündungshemmende Medikamente wie Glukokortikoide oder Oclacitinib zum Einsatz, allerdings nur in Absprache mit deiner Tierärztin und mit klarer zeitlicher Begrenzung.
Bei Sekundärinfektionen sind Antibiotika notwendig, idealerweise nach bakteriologischer Untersuchung. Medizinische Shampoos mit Chlorhexidin unterstützen die Hautregeneration. Vergiss nicht, alle Hunde im Haushalt mitzubehandeln, auch wenn sie symptomfrei sind. Kontaktnahe Tiere stecken sich in fast allen Fällen an. Decken, Körbe und Bürsten sollten heiß gewaschen oder ausgetauscht werden. Bei der demodektischen Räude sind dieselben Isoxazoline Mittel der Wahl, oft jedoch über mehrere Monate, ergänzt durch eine Therapie der Grunderkrankung.
Welche Hunde haben ein erhöhtes Risiko?
Sarkoptes-Räude kann jeden Hund treffen, doch bestimmte Lebenssituationen erhöhen das Risiko deutlich. Tierheimhunde, Welpen aus dubiosen Quellen, Auslandsadoptionen aus Süd- und Osteuropa, Jagdhunde mit Wildkontakt sowie Hunde mit häufigem Aufenthalt in Hundepensionen sind überdurchschnittlich oft betroffen. Auch saisonale Häufungen treten auf, vor allem im Herbst und Winter, wenn Hunde mehr Innenkontakt haben.
Bei der demodektischen Räude spielen Rassedispositionen eine Rolle. Französische Bulldoggen, Englische Bulldoggen, Boxer, Shar Pei, West Highland White Terrier und Doggen erkranken häufiger. Auch junge Hunde unter achtzehn Monaten und Tiere mit hormonellen Grunderkrankungen wie Hypothyreose, Cushing oder Diabetes mellitus sind besonders gefährdet. Eine Kastration verschlechtert in seltenen Fällen die immunologische Abwehrlage und kann ein Wiederaufflammen begünstigen.

Wie schützt du deine Familie und andere Tiere?
Solange die Diagnose nicht steht oder der Hund noch in den ersten Therapietagen ist, gilt Vorsicht. Beschränke den Körperkontakt, lass deinen Hund nicht im Bett schlafen und wasche dir nach jedem Streicheln die Hände. Hautausschläge bei Familienmitgliedern, oft an Armen, Bauch oder Oberschenkeln, sollten ärztlich abgeklärt werden. Beim Menschen heilt die Pseudokrätze meist von selbst, sobald der Hund behandelt ist, weil die Hundemilbe auf der menschlichen Haut nicht reproduktionsfähig ist.
Wasche Decken, Hundekörbe und Spielzeug bei mindestens sechzig Grad Celsius. Polstermöbel saugst du gründlich ab und entsorgst den Beutel. Eine chemische Umgebungsbehandlung ist bei Sarkoptes meist nicht nötig, weil die Milben außerhalb des Wirts schnell sterben. Andere Hunde, Katzen und Kleintiere im Haushalt solltest du tierärztlich kontrollieren lassen. Sarkoptes-Milben können prinzipiell auch Katzen befallen, vermehren sich dort jedoch selten dauerhaft.
Wenn du regelmäßig Auslandsbegegnungen hast oder einen Hund aus dem Tierschutz aufnimmst, lass präventiv ein Hautgeschabsel durchführen. Eine Hundekrankenversicherung übernimmt in Österreich oft die Kosten für Diagnostik, Antiparasitika und Folgekontrollen, was bei mehreren Hunden im Haushalt schnell ins Geld geht.
Wie verläuft die Heilung und welche Kontrollen sind wichtig?
Bei adäquater Therapie bessern sich die klinischen Symptome innerhalb von zwei bis vier Wochen deutlich. Der Juckreiz lässt häufig schon nach wenigen Tagen nach, die Hautläsionen heilen über Wochen ab, das Fell wächst nach. Eine vollständige Ausheilung dauert oft acht bis zwölf Wochen. Eine tierärztliche Kontrolle nach vier und acht Wochen ist sinnvoll, um den Therapieerfolg zu sichern und ein erneutes Hautgeschabsel sowie gegebenenfalls Antikörperkontrollen durchzuführen.
Eine Reinfektion ist möglich, wenn die Quelle nicht beseitigt wurde, etwa weil ein Mitbewohnerhund symptomlos Träger blieb oder weil der Wildtierkontakt fortbesteht. Achte auf eine konsequente Antiparasitika-Prophylaxe, gerade in Risikoumgebungen. ESCCAP empfiehlt für Hunde mit erhöhtem Expositionsrisiko ganzjährige Behandlungsschemata.
Auch die Hautregeneration verdient Aufmerksamkeit. Wenn die Milben abgetötet sind, brauchen die geschädigten Hautareale Wochen, um sich vollständig zu erholen. Hochwertige Omega-Drei- und Omega-Sechs-Fettsäuren in der Ernährung unterstützen den Wiederaufbau der Lipidbarriere und beruhigen den Juckreiz. Eine ausgewogene Fütterung mit hochwertigen tierischen Proteinen, idealerweise abgestimmt auf die Bedürfnisse deines Hundes, beschleunigt die Erholung. Mehr dazu liest du im Ratgeber zu passendem Hundefutter. Halte die Haut sauber, nutze pH-neutrale Hundeshampoos und vermeide aggressive Reinigung mit menschlichen Pflegeprodukten, die das Mikroklima zusätzlich stören würden.
Eine seltene, aber relevante Komplikation ist die sogenannte Krustöse Räude, eine besonders schwere Verlaufsform mit massivem Milbenbefall, dicken Krusten und sekundären bakteriellen Infektionen. Sie tritt vor allem bei stark immungeschwächten oder kachektischen Tieren auf und erfordert eine intensivierte Therapie mit Kombinationen aus Antiparasitika, Antibiotika und supportiver Pflege. Solche Fälle sollten in einer dermatologisch erfahrenen Tierklinik behandelt werden, weil das Risiko für sekundäre Sepsis und für ausgeprägte Zoonose-Übertragung erhöht ist.
Wichtiger Hinweis
Selbstbehandlung mit rezeptfreien Anti-Floh-Mitteln genügt nicht. Sarkoptes-Milben benötigen spezifische Wirkstoffe in tierärztlich abgestimmter Dosierung. Auch pflanzliche Hausmittel wie Teebaumöl oder Schwefel-Salben sind nicht wirksam und können sogar zusätzlichen Hautschaden verursachen.
Tierärztlicher Blick
In unserer dermatologischen Sprechstunde sehen wir Sarkoptes-Räude regelmäßig, besonders bei Tierschutzhunden aus Rumänien, Ungarn und Spanien. Ein Pinna-Pedal-Reflex bei einem juckenden Patienten ist für uns das wichtigste Frühzeichen, der serologische Sarkoptes-Test ergänzt die Diagnostik bei unklaren Befunden. Mit den modernen Isoxazolinen ist die Behandlung heute deutlich einfacher als noch vor zehn Jahren, als wir wöchentliche Bäder mit übel riechenden Lösungen verordnen mussten.
Wichtig ist die konsequente Therapie aller Kontakttiere und die Aufklärung der Familie über das Zoonose-Risiko. Bei kindlichen Hautausschlägen empfehle ich immer auch einen Besuch bei der Hausärztin. Eine erfahrene Tierärztin oder einen erfahrenen Tierarzt für dermatologische Fragen findest du über die Tierarztsuche von Go4Vet, in Wien gerne über die Tierarztsuche Wien.
Häufige Fragen zu Räude beim Hund
Quellen
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