Milbenbefall bei der Katze
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Milbenbefall bei der Katze ist ein häufiger Vorstellungsgrund in der Kleintierpraxis und gehört zu den Hautparasitosen, die du im Alltag schnell übersehen kannst, weil viele Milben mit bloßem Auge kaum sichtbar sind. Die wichtigsten felinen Milben sind Otodectes cynotis als klassische Ohrmilbe, Notoedres cati als hochansteckende Räudemilbe, Cheyletiella blakei als „wandernde Schuppe“ und Demodex cati oder Demodex gatoi als Haarbalgmilben. Jede dieser Arten verursacht ein eigenes Krankheitsbild mit unterschiedlicher Lokalisation, Juckreiz-Intensität, Ansteckungsgefahr und Therapie. Anders als beim Hund ist bei der Katze die Räude (Notoedres) selten geworden, kann aber in Mehrkatzenhaushalten oder bei Streunerkontakt schlagartig auftreten und auch auf den Menschen übergehen. In Österreich sind Ohrmilben mit Abstand am häufigsten, vor allem bei jungen Freigängerinnen, Tierheimkatzen und Tieren aus dem Süden. Dieser Ratgeber erklärt dir, an welchen Symptomen du einen Milbenbefall erkennst, wie die Diagnostik in der Praxis abläuft und welche modernen Spot-on- und systemischen Therapien heute Standard sind. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Auf einen Blick
Milben sind winzige Spinnentiere, die bei Katzen Ohrentzündungen, schuppige Hautstellen, intensiven Juckreiz oder Haarausfall verursachen können. Häufigste Vertreter sind Otodectes (Ohrmilbe), Notoedres (Räudemilbe), Cheyletiella (Pelzmilbe) und Demodex (Haarbalgmilbe). Sichere Diagnose braucht Ohrabstrich, Hautgeschabsel oder Tesa-Streifen-Probe und mikroskopische Untersuchung. Therapie der Wahl sind heute moderne Spot-on-Präparate mit Selamectin, Moxidectin oder Isoxazolinen wie Sarolaner, ergänzt durch Umgebungssanierung. Bei Mehrkatzenhaushalten müssen alle Tiere gleichzeitig behandelt werden.
Welche Milben befallen Katzen am häufigsten?
Vier Milbenarten dominieren das tierärztliche Alltagsbild bei der Katze und unterscheiden sich deutlich in Lokalisation, Symptomatik und Therapie. Otodectes cynotis ist die klassische Ohrmilbe und mit Abstand der häufigste Milbenbefall bei Katzen, vor allem bei jungen Tieren, Freigängerinnen und Welpen aus Tierschutz oder dem Ausland. Sie lebt im äußeren Gehörgang, ernährt sich von Ohrenschmalz und Hautzellen und verursacht eine charakteristische, krümelige, dunkelbraune bis schwarze Auflagerung im Ohr.
Notoedres cati ist die feline Räudemilbe und gräbt Gänge in die obere Hautschicht, vor allem im Kopfbereich. Sie verursacht intensiven Juckreiz, Krustenbildung und Haarausfall an Ohrrändern, Stirn, Nasenrücken und Augenpartie. Notoedres ist hochansteckend zwischen Katzen und kann auch auf den Menschen übergehen, wo sie eine selbstlimitierende, juckende Hautrötung auslöst. In Österreich ist Notoedres selten geworden, taucht aber in Tierheimen, bei Streunerpopulationen und bei Importkatzen aus Süd- und Osteuropa wieder auf.
Cheyletiella blakei ist die feline Pelzmilbe oder „wandernde Schuppe“. Sie lebt auf der Hautoberfläche und im Fell und ist als kleines, helles Pünktchen manchmal sogar mit der Lupe zu sehen, das sich langsam bewegt. Cheyletiella verursacht reichlich Schuppen, oft entlang der Wirbelsäule, und einen variablen Juckreiz von leicht bis stark. Sie ist ansteckend zwischen Katze, Hund und Mensch und tritt häufig in Mehrtierhaushalten auf.
Demodex cati und Demodex gatoi sind Haarbalgmilben. Demodex cati ist eine schmale, längliche Milbe und tritt fast nur bei immunsupprimierten Katzen auf, etwa bei FeLV, FIV, Diabetes oder unter Cortisontherapie. Demodex gatoi ist kürzer, stark juckend und erstaunlich ansteckend zwischen Katzen, oft in Mehrkatzenhaushalten ohne erkennbare Immunschwäche. Beide verursachen Haarausfall, Krustenbildung und Sekundärinfektionen, sind in der Diagnostik aber tückisch, weil sie nur in tieferen Hautschichten zu finden sind.

Wie erkennst du einen Milbenbefall bei deiner Katze?
Die Symptome eines Milbenbefalls hängen stark von der Milbenart und der befallenen Körperregion ab. Bei Ohrmilben ist das Leitsymptom hartnäckiges Kratzen am Ohr, häufiges Kopfschütteln und eine deutlich sichtbare, krümelige, kaffeesatzartige Auflagerung im Gehörgang. Viele Halterinnen beschreiben einen unangenehmen, leicht süßlichen Geruch. Manche Katzen halten den Kopf schief, weil eine begleitende Mittelohrentzündung entstanden ist. Unbehandelte Ohrmilben führen häufig zu Sekundärinfektionen mit Bakterien oder Hefen und im Extremfall zu einem Othämatom (Blutohr) durch starkes Schütteln.
Bei Notoedres-Räude steht der intensive Juckreiz im Vordergrund. Die Katze kratzt sich blutig an Ohrrändern, Kopf und Hals, das Fell fällt aus, die Haut wird grau-gelblich verkrustet, schuppig und faltig. Im fortgeschrittenen Stadium breitet sich die Räude über den ganzen Körper aus, das Tier magert ab und wird apathisch. Notoedres ist eine ernste Erkrankung, die unbehandelt zum Tod führen kann.
Bei Cheyletiella siehst du reichlich helle Schuppen entlang der Rückenlinie, oft mit einem mäßigen Juckreiz. Das Fell wirkt stumpf, manche Katzen zeigen kleine Pusteln oder Krusten. Halterinnen entdecken die Pelzmilben manchmal als sich bewegende Pünktchen auf einem dunklen Untergrund nach dem Bürsten der Katze.
Bei Demodex sind Haarausfall, Krustenbildung und Sekundärinfektionen typisch, oft im Gesicht, an den Ohren oder am Hals. Demodex gatoi verursacht zusätzlich starken Juckreiz, der mit einer Allergie verwechselt werden kann. Wenn deine Katze allgemeine Hautprobleme zeigt, lohnt sich ergänzend ein Blick in die Beiträge zu Zahnstein bei der Katze oder zu Ohrenproblemen, weil Hauterkrankungen oft mehrere Ursachen haben.
Wie läuft die Diagnostik in der Tierarztpraxis ab?
Der erste Schritt ist die klinische Untersuchung mit Beurteilung der Haut, des Fells, der Ohren und des allgemeinen Pflegezustands. Ein erfahrener Tierarzt erkennt typische Ohrmilben-Auflagerungen oder Räudekrusten oft schon mit bloßem Auge. Trotzdem braucht jede Verdachtsdiagnose eine mikroskopische Bestätigung, weil ähnlich aussehende Befunde auch durch Bakterien, Hefen oder andere Hauterkrankungen entstehen können.
Bei Ohrmilbenverdacht entnimmt der Tierarzt mit einem Wattestäbchen Material aus dem Gehörgang und untersucht es unter dem Mikroskop. Otodectes ist mit ihren acht Beinen, dem ovalen Körper und dem charakteristischen Bewegungsmuster gut zu erkennen und in vielen Fällen schon bei geringer Vergrößerung sichtbar. Begleitend wird das Trommelfell beurteilt, weil eine Therapie nur bei intaktem Trommelfell mit lokalen Tropfen möglich ist.
Bei Räude- oder Pelzmilbenverdacht werden Hautgeschabsel, Tesa-Streifen-Proben oder Bürstenproben genommen. Beim Hautgeschabsel wird mit einer Skalpellklinge die oberste Hautschicht oberflächlich oder bei Demodex-Verdacht auch tiefer abgeschabt und mikroskopisch beurteilt. Bei Cheyletiella-Verdacht ist eine Tesa-Streifen-Probe an Stellen mit vielen Schuppen oft erfolgreicher, weil die Pelzmilbe an der Hautoberfläche lebt.
Demodex gatoi kann besonders schwer nachweisbar sein, weil sie in tiefen Schichten lebt und beim Putzen oft entfernt wird. Hier hilft eine Probe von einer Mitkatze, die nicht so akribisch putzt, oder eine Kotprobe (geschluckte Milben). In unklaren Fällen ist ein therapeutischer Behandlungsversuch über mehrere Wochen mit nachfolgender Beurteilung gerechtfertigt. Eine Wood-Lampe und eine Pilzkultur grenzen Hauterkrankungen wie Microsporum canis ab, die ähnlich aussehen können.
Welche Therapien sind heute Standard?
Die Therapie eines Milbenbefalls bei der Katze hat sich in den letzten Jahren deutlich vereinfacht. Moderne Spot-on-Präparate und Tabletten wirken systemisch über das Blut der Katze und erreichen alle relevanten Milbenarten gleichzeitig.
Bei Ohrmilben ist Selamectin als Spot-on (zum Beispiel Stronghold) eine etablierte Wahl, einmalig auf den Nacken aufgetragen, oft mit einer zweiten Anwendung nach vier Wochen. Alternativ wirkt Moxidectin (in Kombinationspräparaten wie Advocate oder Nexgard Combo) zuverlässig. Auch Isoxazoline wie Sarolaner (in Stronghold Plus oder Revolution Plus) und Fluralaner als Tropica-Präparat (Bravecto Plus) erreichen den Gehörgang systemisch und beseitigen Otodectes vollständig. Begleitend wird der Gehörgang mit einem milden Reiniger gespült, vor allem wenn viel Sekret und Krusten vorliegen. Bei Sekundärinfektion mit Bakterien oder Hefen kommen kombinierte Ohrtropfen mit Antibiotikum, Antimykotikum und Glukokortikoid zum Einsatz.
Bei Notoedres-Räude wirken Selamectin, Moxidectin und Isoxazoline zuverlässig, meist mit zwei bis drei Anwendungen im Abstand von zwei bis vier Wochen. Wegen der Mensch-Übertragbarkeit ist Hygiene wichtig, betroffene Decken und Liegeplätze sollten gewaschen oder erneuert werden. Bei massiven Hautläsionen helfen begleitend antiseptische Waschungen und gegebenenfalls Antibiotika gegen Sekundärinfektionen.
Bei Cheyletiella sind Selamectin, Fipronil-Spot-on oder Isoxazoline Mittel der Wahl, mit drei bis vier Anwendungen im Wochen-Abstand. Wichtig: Alle Tiere im Haushalt müssen gleichzeitig behandelt werden, auch symptomlose Hunde und Katzen, weil sie als Reservoir dienen.
Bei Demodex sind Isoxazoline (Fluralaner, Sarolaner) heute Therapie der Wahl, deutlich einfacher als die früheren Amitraz-Bäder. Die Therapie dauert je nach Verlauf vier bis zwölf Wochen, in seltenen Fällen länger. Bei Demodex cati ist die Abklärung einer zugrundeliegenden Immunsuppression Pflicht, etwa FeLV/FIV-Test, Schilddrüsenwerte und Diabetes-Diagnostik. Eine begleitende Therapie der Grunderkrankung ist für den Behandlungserfolg entscheidend.

Welche Umgebungsmaßnahmen brauchst du?
Milben sind in der Umgebung deutlich kürzer überlebensfähig als Flöhe, brauchen aber trotzdem Aufmerksamkeit. Otodectes überlebt außerhalb des Wirts wenige Tage bis maximal zwei Wochen, vor allem in Liegeplätzen mit feuchtem, warmem Mikroklima. Wasche Decken, Körbchen und Kissen bei mindestens 60 Grad, sauge Lieblingsplätze gründlich ab und entsorge Staubsaugerbeutel direkt nach jedem Saugvorgang. Tierspielzeug aus Stoff sollte mitgewaschen oder ersetzt werden.
Notoedres und Cheyletiella sind ebenfalls in der Umgebung wenige Tage überlebensfähig, deshalb ist die Sanierung von Liegeplätzen, Bürsten, Halsbändern und Spielzeug Pflicht. Bei Cheyletiella ist eine zusätzliche Umgebungsbehandlung mit einem für die Wohnung zugelassenen Spray sinnvoll, vor allem bei starkem Befall oder mehreren Wirten. Demodex überlebt außerhalb des Wirts kaum, weil die Milben an Haut und Haarbalg gebunden sind.
In Mehrkatzenhaushalten gilt: Wenn ein Tier Milben hat, müssen alle Katzen behandelt werden, auch die symptomlosen. Sonst entsteht ein Karussell aus Reinfektion, das sich kaum durchbrechen lässt. Bei Freigängerinnen ist eine konsequente, ganzjährige Parasitenprophylaxe mit einem Kombinationspräparat sinnvoll, das gleichzeitig gegen Flöhe, Ohrmilben, Würmer und gegebenenfalls Zecken wirkt. Mehr zur Wurmprophylaxe findest du im Beitrag zu Würmern bei Katzen.
Wie beugst du einem erneuten Befall vor?
Vorbeugung beginnt mit einer regelmäßigen Pflege- und Kontrollroutine. Schau deiner Katze einmal pro Woche in die Ohren, achte auf Geruch, Farbe der Ohrenschmalz-Auflagerung und Kratzverhalten. Krümeliges, dunkles Sekret ist immer ein Hinweis, der in der Praxis abgeklärt gehört. Beim wöchentlichen Bürsten der Katze achtest du auf Schuppen, kahle Stellen, Krusten und Verhaltensänderungen.
Bei Freigängerinnen, Mehrkatzenhaushalten, Tierheimkatzen oder Tieren mit Auslandshintergrund ist eine ganzjährige Spot-on-Prophylaxe sinnvoll, die gleichzeitig Ohrmilben abdeckt. Selamectin- oder Moxidectin-haltige Präparate sind in Österreich verschreibungspflichtig und sollten nach tierärztlicher Beratung dosiert werden. Achte auf das Körpergewicht deiner Katze, weil viele Spot-on-Präparate gewichtsspezifisch dosiert sind.
Bei Neuzugängen aus Tierheim, Tierschutz oder dem Ausland gilt: vor dem Zusammenführen mit Bestandskatzen eine tierärztliche Eingangsuntersuchung mit Ohrkontrolle, Hautcheck, FeLV/FIV-Test und gegebenenfalls Räude-Screening durchführen. Eine Quarantäne von zwei bis vier Wochen schützt deine Bestandskatzen vor unentdeckten Parasitosen. Bei Verdacht auf Räude lohnt sich auch eine Beratung zu Giardien und anderen Parasiten, weil Schutzmaßnahmen sich oft sinnvoll bündeln lassen.
Eine angemessene Ernährung mit hochwertigem Eiweiß und essenziellen Fettsäuren stärkt die Hautbarriere und reduziert die Empfänglichkeit für Parasitenbefall. Im Beitrag zu artgerechter Ernährung findest du die Grundlagen.
Tierärztlicher Blick: was beim Praxistermin zählt
Aus tierärztlicher Sicht ist die genaue Anamnese bei Milbenverdacht entscheidend für eine schnelle Diagnose. Bring zum Termin folgende Informationen mit: seit wann besteht das Symptom, wie viele Tiere leben im Haushalt, hatte deine Katze Kontakt zu fremden Tieren oder kommt sie nach draußen, gab es kürzlich Tierheim- oder Auslandsaufenthalte, wurden bereits Mittel angewendet (auch frei verkäufliche), zeigt jemand im Haushalt selbst Hautreaktionen.
Eine niedergelassene Praxis kann die meisten Milbendiagnosen mit Ohrabstrich, Hautgeschabsel und Mikroskopie binnen einer Viertelstunde stellen. Die Therapie wird in derselben Sitzung verschrieben, oft als Spot-on, das du zuhause nach Anleitung anwendest. Bei unklaren Fällen, hartnäckigem Demodex oder Verdacht auf zugrundeliegende Immunsuppression ist eine Überweisung in eine Tierklinik mit dermatologischer Spezialisierung sinnvoll, etwa an die Universitätsklinik für Kleintiere der Vetmeduni Wien.
Eine geeignete Praxis findest du über den Tierarzt-Finder, in der Bundeshauptstadt direkt unter Tierarzt Wien. Plane finanziell ein. Eine Erstvorstellung mit Anamnese, klinischer Untersuchung, Ohrabstrich und Mikroskopie liegt in Österreich erfahrungsgemäß zwischen 60 und 120 Euro. Ein Spot-on-Präparat für eine Anwendung kostet zwischen 15 und 35 Euro. Bei Demodex-Verdacht mit Hautgeschabsel, FeLV/FIV-Test und gegebenenfalls Pilzkultur kommen 100 bis 200 Euro Diagnostik hinzu. Eine bestehende Katzenversicherung deckt einen Großteil dieser Kosten ab.
Was du nie tun solltest: Hausmittel wie Speiseöl in den Gehörgang träufeln, Ohrenstäbchen tief in den Gehörgang einführen oder frei verkäufliche „Ohrmilben-Lösungen“ aus dem Internet ohne Diagnose anwenden. Olivenöl ersetzt keine wirksame Therapie, kann aber das Trommelfell schädigen und den Gehörgang verkleben. Wattestäbchen schieben das Sekret nur tiefer in den Gehörgang und verschlimmern die Situation. Setze immer auf eine tierärztliche Diagnose und ein zugelassenes Tierarzneimittel.
Häufige Fragen zu Milbenbefall bei der Katze
Quellen
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