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Fohlen impfen: Der komplette Impfplan ab dem ersten Lebenstag

Fohlen impfen: Der komplette Impfplan ab dem ersten Lebenstag

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Fohlen impfen ist die wichtigste Investition in das gesunde Erwachsenwerden deines Jungtieres, denn die ersten Lebensmonate entscheiden über den Aufbau eines belastbaren Immunsystems. Wenn dein Fohlen auf die Welt kommt, ist es gegen viele Erreger noch wehrlos und holt sich seinen ersten Schutz über die Biestmilch. Doch dieser passive Schutz hält nur wenige Wochen, danach übernimmt der aktive Impfschutz die Aufgabe. Tetanus, Influenza, Herpesvirus und je nach Region Tollwut, Druse oder das West-Nil-Virus sind die zentralen Krankheiten, gegen die du dein Fohlen rechtzeitig schützen lassen solltest. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es klare Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Vet (StIKo Vet) und vergleichbarer Gremien, die du gemeinsam mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt umsetzt. In diesem Ratgeber bekommst du einen vollständigen Impfplan vom ersten Lebenstag bis zum dritten Lebensjahr, du erfährst, warum die Stutenimpfung in der Trächtigkeit so wichtig ist, welche Reaktionen normal sind und wann du sofort die Praxis kontaktieren musst. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

Hinweis

Merksatz für den Fohlen-Impfplan

Tetanus und Influenza sind in Österreich und Deutschland Pflichtprogramm, Herpes (EHV-1/4) wird von der StIKo Vet ab dem sechsten Lebensmonat empfohlen. Plane die Grundimmunisierung in drei Schritten: erste Impfung mit fünf bis sechs Monaten, zweite nach vier bis sechs Wochen, dritte nach sechs Monaten. Sprich vor dem ersten Pieks immer mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt über die individuelle Risikolage deines Stalls.

Warum braucht dein Fohlen überhaupt einen Impfschutz?

Ein Fohlen kommt ohne aktiven Immunschutz zur Welt, denn die Plazenta des Pferdes ist so aufgebaut, dass mütterliche Antikörper nicht in den fetalen Kreislauf gelangen. Dein Fohlen ist also in den ersten Lebensstunden vollständig auf die Biestmilch (Kolostrum) angewiesen. Diese erste Milch enthält hochkonzentrierte Antikörper, die im Darm direkt ins Blut aufgenommen werden, allerdings nur in einem engen Zeitfenster von etwa zwölf bis vierundzwanzig Stunden. Verpasst dein Fohlen diese kritische Phase oder trinkt zu wenig, spricht die Tiermedizin von einem Failure of Passive Transfer, einem unzureichenden passiven Antikörpertransfer. Diese Tiere sind extrem anfällig für Infektionen und benötigen eine Plasmagabe.

Der passive Schutz aus der Biestmilch hält nur einige Wochen bis maximal sechs Monate an, je nach Erreger und Antikörpertiter der Mutter. Genau in dieser Übergangsphase wird der aktive Impfschutz aufgebaut. Würdest du zu früh impfen, würden die mütterlichen Antikörper den Impfstoff neutralisieren, das Immunsystem deines Fohlens würde keinen eigenen Schutz aufbauen. Würdest du zu spät impfen, entsteht eine gefährliche Lücke, in der dein Fohlen sich infizieren kann. Genau deshalb folgt die Grundimmunisierung einem strengen zeitlichen Schema, das du in Absprache mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt einhältst.

Hinzu kommt, dass viele Krankheiten wie Tetanus, Influenza oder Druse nicht nur einzelne Tiere betreffen, sondern ganze Bestände lahmlegen können. In Österreich und Deutschland sind Turnier- und Zuchtbetriebe an Vorgaben der FN, der OEPS und der FEI gebunden, die für Wettkampfteilnahme einen lückenlosen Impfschutz verlangen. Das Impfen deines Fohlens ist also gleichzeitig Tierschutz, Bestandsschutz und Voraussetzung für eine spätere sportliche Karriere.

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Welche Impfungen sind ab dem ersten Lebenstag relevant?

Der eigentliche Impfplan startet nicht beim Fohlen, sondern bei der tragenden Stute. Etwa vier bis sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin bekommt die Stute eine Tetanus- und meist auch eine Herpes-Auffrischung, damit das Kolostrum mit hohen Antikörperkonzentrationen angereichert wird. Direkt nach der Geburt sorgst du dafür, dass dein Fohlen innerhalb der ersten zwei Lebensstunden ausreichend Biestmilch aufnimmt, denn jede Stunde Verzögerung senkt die Aufnahmequote im Darm.

Etwa zwölf bis vierundzwanzig Stunden nach der Geburt prüft deine Tierärztin oder dein Tierarzt mit einem IgG-Schnelltest, ob die Antikörperversorgung gelungen ist. Werte unter 800 mg/dl gelten als unzureichend, dann ist eine Plasmagabe notwendig. Diese Untersuchung ist keine Impfung im klassischen Sinn, aber sie entscheidet darüber, ob dein Fohlen die ersten Lebensmonate gut übersteht.

Bei besonders riskanten Bedingungen, etwa nach einer schweren Geburt, bei verschmutzten Wunden oder bei mangelhafter Kolostrumversorgung, kann ein Tetanus-Antitoxin (Serum) verabreicht werden. Das ist eine sogenannte passive Immunisierung mit fertigen Antikörpern, die sofort wirken, aber nur einige Wochen halten. Die echte aktive Tetanus-Grundimmunisierung beginnt deutlich später, in der Regel zwischen dem fünften und sechsten Lebensmonat.

Wie sieht der Impfplan im ersten Lebensjahr aus?

Die StIKo Vet empfiehlt für gesunde Fohlen aus geimpften Mutterstuten folgenden Rahmen, den deine Tierärztin oder dein Tierarzt an die individuelle Lage anpasst. Die erste Tetanus- und Influenza-Impfung erfolgt mit etwa sechs Monaten, die zweite Impfung wird vier bis sechs Wochen später nachgesetzt, die dritte folgt etwa sechs Monate nach der zweiten. Damit ist die Grundimmunisierung gegen Tetanus und Influenza abgeschlossen.

Für die Herpesvirus-Impfung (EHV-1/4) gilt das gleiche Drei-Schritt-Prinzip, ebenfalls beginnend ab dem sechsten Lebensmonat. Die Druseimpfung ist eine Bestandsentscheidung, sie macht Sinn, wenn dein Fohlen in einem Betrieb mit hoher Pferdedichte oder Drusehistorie aufwächst. Tollwut wird in Österreich und Deutschland zwar nicht flächendeckend, in einzelnen Risikogebieten aber empfohlen, der Impfschutz beginnt frühestens ab dem sechsten Lebensmonat. Die Westnilvirus-Impfung ist seit der Ausbreitung des Virus in Ostösterreich, Ungarn und Norddeutschland für Pferde in betroffenen Regionen sehr relevant, sie startet ebenfalls ab dem sechsten Lebensmonat in zwei Schritten.

Du solltest darauf achten, dass zwischen den einzelnen Impfungen ein Mindestabstand von vier Wochen liegt und dein Fohlen am Impftag fieberfrei und klinisch unauffällig ist. Wenn dein Tier akut hustet, Durchfall hat oder lahmt, verschiebt deine Tierärztin oder dein Tierarzt den Termin. Mehr zu möglichen Erkrankungen findest du im Ratgeber zu Fohlenkrankheiten.

Welche Wiederholungsimpfungen sind danach Pflicht?

Nach abgeschlossener Grundimmunisierung wird der Schutz durch regelmäßige Auffrischungen aufrechterhalten. Tetanus wird in der Regel alle zwei bis drei Jahre nachgeimpft, Influenza im Sport- und Turnierbereich alle sechs Monate, im reinen Freizeitsport jährlich. Herpes (EHV-1/4) wird je nach Bestandssituation halbjährlich nachgeimpft, vor allem in Zuchtbetrieben mit tragenden Stuten ist der Sechs-Monats-Rhythmus Standard. Die Westnilvirus-Impfung wird jährlich vor Beginn der Mückensaison aufgefrischt, am besten im Frühjahr.

Die FEI verlangt für internationale Turniere eine Influenza-Auffrischung innerhalb der letzten sechs Monate plus einundzwanzig Tage Abstand zum Wettkampf. Die FN in Deutschland und die OEPS in Österreich orientieren sich an ähnlichen Vorgaben. Wenn du planst, mit deinem Jungpferd in einigen Jahren Turniere zu gehen, ist eine lückenlose Dokumentation im Equidenpass das A und O. Jeder Impfeintrag muss mit Datum, Chargennummer, Impfstoffname und Stempel der Tierärztin oder des Tierarztes versehen sein.

Plane deine Impftermine immer rund vier bis sechs Wochen vor wichtigen Ereignissen wie Stallwechsel, Auktion, Turnierstart oder Weidegang in Mischbeständen ein. Eine frische Impfung kann kurzfristig zu leichter Mattigkeit führen, der Schutz baut sich erst über zwei bis drei Wochen vollständig auf.

Welche Nebenwirkungen sind normal und wann musst du reagieren?

Die meisten Fohlen vertragen ihre Impfungen problemlos. In den ersten ein bis drei Tagen nach der Spritze kann eine leichte Schwellung an der Einstichstelle auftreten, manche Tiere wirken müder als sonst, einige fressen schlechter, ein paar zeigen kurzzeitig Fieber bis achtunddreißig Komma fünf Grad Celsius. Diese Reaktionen sind normal und verschwinden meist innerhalb von achtundvierzig Stunden. Bewege dein Fohlen am Impftag und am Folgetag eher leicht, lass den Stress so gering wie möglich, biete frisches Wasser und gutes Raufutter an.

Selten kommt es zu stärkeren Reaktionen wie hohem Fieber über neununddreißig Grad Celsius, deutlicher Mattigkeit über mehrere Tage, Kreislaufschwäche, Atemnot, starker lokaler Schwellung, Hautausschlag oder Anaphylaxie. Diese Symptome sind ein Notfall, du musst sofort deine Tierärztin oder deinen Tierarzt verständigen. Bewahre den Impfstoffaufkleber auf, damit Charge und Hersteller dokumentiert sind.

Auch wenn dein Fohlen wenige Tage nach der Impfung plötzlich Husten oder Nasenausfluss zeigt, ist das ein Grund zur Vorsicht. In solchen Fällen prüft deine Tierärztin oder dein Tierarzt, ob es sich um eine zufällige Infektion oder eine seltene impfassoziierte Reaktion handelt.

Notfall

Notfall nach Impfung

Atemnot, Kreislaufzusammenbruch, starkes Anschwellen des Kopfes oder taumelnder Gang innerhalb der ersten Stunden nach der Impfung sind ein anaphylaktischer Notfall. Verständige sofort deine Tierärztin oder deinen Tierarzt und halte das Fohlen ruhig.

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Was kostet das Impfen eines Fohlens in Österreich und Deutschland?

Die Kosten unterscheiden sich nach Region, Praxis und gewählten Impfstoffen. In Österreich und Deutschland liegt eine Tetanus-Influenza-Kombi-Impfung inklusive Anfahrt häufig zwischen fünfunddreißig und siebzig Euro pro Termin, eine Tetanus-Influenza-Herpes-Kombi etwa zwischen fünfzig und neunzig Euro. Hinzu kommen die Allgemeine Untersuchung und gegebenenfalls Wegegebühr. Für die komplette Grundimmunisierung im ersten Jahr solltest du also je nach Region und Bestand mit etwa zweihundert bis vierhundert Euro rechnen.

Tollwut, Westnilvirus und Druse werden meist separat berechnet, eine Westnil-Grundimmunisierung kostet inklusive Auffrischung häufig achtzig bis hundertzwanzig Euro. Wenn du mehrere Tiere gleichzeitig impfen lässt, sinken die Kosten pro Pferd, weil Anfahrt und Untersuchungspauschalen geteilt werden. Eine gute Pferdekrankenversicherung deckt häufig auch Vorsorgeleistungen wie Impfungen anteilig ab, prüfe das vor Vertragsabschluss im Leistungskatalog.

Spare nicht an der Impfung. Eine einzige unbehandelte Tetanusinfektion kostet ein Vielfaches an tierärztlicher Behandlung und endet in den meisten Fällen tödlich. Influenza-Ausbrüche in nicht durchgeimpften Beständen führen regelmäßig zu mehreren Wochen Boxenruhe und Trainingsausfall, das ist für junge Pferde besonders belastend.

Der tierärztliche Blick

Aus tierärztlicher Sicht ist der wichtigste Hebel beim Fohlenimpfen die enge Abstimmung zwischen Stutenimpfung, Kolostrumversorgung und dem Start der aktiven Grundimmunisierung. Wenn die Mutter rechtzeitig vor der Geburt aufgefrischt wurde und das Fohlen die Biestmilch optimal aufgenommen hat, beginnt die aktive Impfserie etwa mit sechs Monaten. In Risikobeständen mit Druse oder hoher Influenza-Aktivität kann die Tierärztin oder der Tierarzt diesen Start auf vier bis fünf Monate vorziehen, dann sind aber zwei Auffrischungen statt einer notwendig, weil die mütterlichen Antikörper noch teilweise interferieren.

Wir empfehlen, jeden Impftermin mit einer kompletten Allgemeinuntersuchung zu kombinieren, denn Fieber, Husten oder ein schlechter Allgemeinzustand sind absolute Kontraindikationen. Lieber den Termin um eine Woche verschieben als ein angeschlagenes Fohlen impfen. Die Dokumentation im Equidenpass ist keine Formalie, sondern entscheidet später über Turnierzulassung, Verkaufswert und Versicherungsleistung. Notiere dir zusätzlich Reaktionen deines Fohlens nach jeder Impfung in einem eigenen Heft, das hilft bei späteren Therapieentscheidungen.

Wie unterstützt du dein Fohlen rund um den Impftermin?

Ein gut versorgtes, stressfreies Fohlen baut nach der Impfung deutlich schneller einen belastbaren Schutz auf als ein gestresstes oder unterversorgtes Tier. Sorge dafür, dass dein Fohlen am Impftag in seiner gewohnten Umgebung bleibt, plane keinen Stallwechsel, kein Verladetraining und keine intensive Bewegung. Achte auf hochwertiges Raufutter, sauberes Wasser und genug Auslauf. Mehr zur stimmigen Aufzucht findest du im Ratgeber zur Fohlenaufzucht.

Achte zudem auf einen lückenlosen Entwurmungsplan parallel zur Impfung. Stark verwurmte Tiere reagieren schlechter auf Impfstoffe, weil ihr Immunsystem dauerhaft beschäftigt ist. Wie das zeitlich stimmig läuft, liest du im Ratgeber zur Fohlenentwurmung. Auch das richtige Absetzen von der Mutterstute ist ein Stressfaktor, plane Impftermine nicht direkt vor oder nach dem Absetzen.

Wenn dein Jungtier später einmal die ersten Hufbearbeitungen oder das Halftertraining absolviert, profitiert es von einem ruhigen Impftag. Fütterungstechnisch unterstützt eine bedarfsgerechte Jungpferdefütterung das Immunsystem zusätzlich. Vermeide rund um den Impftag Futterumstellungen, neue Kraftfuttermischungen oder ungewohnte Leckerlis, das spart deinem Fohlen unnötige Belastung.

Häufige Fragen zum Fohlen impfen

Wann bekommt mein Fohlen die erste Impfung?
Die erste aktive Impfung gegen Tetanus und Influenza erfolgt in der Regel mit fünf bis sechs Lebensmonaten. Davor schützt der passive Antikörperschutz aus der Biestmilch. Die genaue Festlegung trifft deine Tierärztin oder dein Tierarzt nach Bestandssituation und Antikörperstatus.
Welche Impfungen sind in Österreich und Deutschland Pflicht?
Eine echte gesetzliche Impfpflicht für Pferde gibt es in beiden Ländern nicht, aber Tetanus, Influenza und Herpes gelten als tiermedizinischer Standard. Für Turniere fordern FN, OEPS und FEI je nach Disziplin einen Influenza-Schutz innerhalb der letzten sechs Monate.
Was kostet die komplette Grundimmunisierung?
Je nach Region, Praxis und gewählten Impfstoffen liegen die Kosten für die komplette Tetanus-Influenza-Herpes-Grundimmunisierung im ersten Lebensjahr meist zwischen zweihundert und vierhundert Euro inklusive Untersuchungen und Anfahrt.
Wie reagiere ich, wenn mein Fohlen nach der Impfung Fieber hat?
Leichtes Fieber bis achtunddreißig Komma fünf Grad in den ersten zwei Tagen ist normal. Steigt die Temperatur über neununddreißig Grad oder hält das Fieber länger als zwei Tage an, kontaktiere deine Tierärztin oder deinen Tierarzt umgehend.
Soll ich mein Fohlen auch gegen Westnilvirus impfen lassen?
In Risikoregionen wie Ostösterreich, Ungarn oder Teilen Norddeutschlands ist die Westnil-Impfung dringend empfohlen. Sie startet frühestens ab dem sechsten Lebensmonat in zwei Schritten und wird jährlich vor Beginn der Mückensaison aufgefrischt.
Was passiert, wenn mein Fohlen am Impftag krank ist?
Bei akutem Husten, Durchfall, Fieber oder erkennbarer Schwäche wird der Termin verschoben. Geimpft wird nur ein klinisch gesundes Tier. Der neue Termin folgt frühestens eine Woche nach Abklingen der Symptome.
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