Schönsittich im Porträt: Haltung, Ernährung und Lebenserwartung
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Der Schönsittich trägt seinen Namen zu Recht, denn kaum ein anderer Grassittich leuchtet so farbenprächtig wie dieser kleine Australier. Männchen zeigen ein türkisblaues Gesicht, eine gelbe Unterseite, einen grünen Rücken und einen leuchtend roten Schulterfleck, weshalb die Art auch Türkissittich genannt wird. Wissenschaftlich heißt der Schönsittich Neophema pulchella und gehört zur Gattung der Grassittiche, die für ihr ruhiges, verträgliches Wesen bekannt sind. Anders als viele laute Papageien ist der Schönsittich angenehm leise und zählt damit zu den wenigen Sittichen, die auch für eine hellhörige Umgebung infrage kommen. Er sucht nicht die enge Nähe zum Menschen, sondern lebt am liebsten mit seinesgleichen in einer geräumigen Voliere, in der du sein friedliches Treiben beobachten kannst. In diesem Porträt bekommst du den vollständigen Überblick über Herkunft, Aussehen und Charakter des Schönsittichs, über die artgerechte Haltung, die richtige Ernährung, die Lebenserwartung und die typischen Krankheiten. Außerdem erfährst du die realen Kosten in Österreich und Deutschland, damit du einschätzen kannst, ob dieser farbenfrohe Grassittich wirklich zu dir passt.
Farbenprächtiger Grassittich aus Australien
Der Schönsittich, auch Türkissittich genannt, ist ein kleiner Grassittich aus dem Osten Australiens. Das Männchen leuchtet türkis, gelb, grün und trägt einen roten Schulterfleck.
Angenehm leise und ruhig
Im Gegensatz zu vielen Papageien ist der Schönsittich sehr leise. Er zwitschert nur dezent und eignet sich damit auch für eine hellhörige Wohnumgebung.
Friedlich und verträglich
Grassittiche gelten als sanftmütig. Der Schönsittich ist wenig streitlustig und lässt sich außerhalb der Brutzeit oft gut mit anderen ruhigen Vögeln vergesellschaften.
Frisst gern am Boden
Wie viele Grassittiche sucht der Schönsittich sein Futter am Boden. Das ist spannend zu beobachten, erhöht aber das Risiko für Darmparasiten.
| Merkmal | Schönsittich im Steckbrief |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Neophema pulchella |
| Andere Namen | Türkissittich, Turquoise Parrot |
| Größe | 20 bis 22 cm |
| Gewicht | 35 bis 45 g |
| Lebenserwartung | 10 bis 15 Jahre |
| Herkunft | Osten Australiens |
| Haltung | mindestens paarweise, große Voliere |
| Anfängereignung | gut geeignet, friedlich, aber kein Kuschelvogel |
| Preis pro Vogel | 40 bis 90 Euro |
Woher stammt der Schönsittich und wie sieht er aus?
Der Schönsittich ist im Osten Australiens beheimatet, vor allem in den offenen Wäldern und Grasländern von New South Wales und dem südlichen Queensland. Dort lebt er in kleinen Trupps und sucht sein Futter überwiegend am Boden. In seiner Heimat war die Art zeitweise stark bedroht, hat sich aber wieder erholt. Alle bei uns gehaltenen Schönsittiche stammen aus Nachzuchten, denn die Art wird seit Langem erfolgreich gezüchtet und ist in der Vogelhaltung fest etabliert.
Besonders auffällig ist der ausgeprägte Unterschied zwischen den Geschlechtern. Das Männchen ist ein wahres Farbwunder mit türkisblauem Gesicht, gelber Unterseite, grünem Rücken und einem leuchtend roten Fleck auf der Flügelschulter. Das Weibchen ist deutlich schlichter gefärbt, überwiegend mattgrün mit blassblauem Gesicht und ohne den roten Schulterfleck. Dadurch lassen sich die Geschlechter beim Schönsittich schon mit bloßem Auge recht gut unterscheiden, anders als bei vielen anderen Sittichen. Mit einer Körperlänge von etwa 20 bis 22 Zentimetern und einem Gewicht um die 40 Gramm ist der Schönsittich ein zierlicher, eleganter Vogel mit einem vergleichsweise kurzen Schwanz.

Wie hältst du einen Schönsittich artgerecht?
Der Schönsittich ist in erster Linie ein Volierenvogel und kein Tier für den kleinen Wohnzimmerkäfig. Weil er viel und gern fliegt, braucht er Platz zum Ausleben seines Bewegungsdrangs. Ideal ist eine geräumige Zimmervoliere oder eine Außenvoliere von mehreren Metern Länge, in der die Vögel richtig fliegen können. Wie alle Grassittiche ist auch der Schönsittich ein geselliger Schwarmvogel und darf niemals allein gehalten werden. Halte deshalb mindestens ein Paar oder eine kleine Gruppe. Außerhalb der Brutzeit sind Schönsittiche ausgesprochen friedlich, in der Brutzeit können Männchen jedoch ihr Revier verteidigen und brauchen dann genügend Abstand zu anderen Paaren.
Eine Besonderheit der Grassittiche ist ihr Verhalten am Boden. Schönsittiche suchen ihr Futter gern am Volierenboden und laufen dabei geschickt umher. Das ist reizvoll zu beobachten, bringt aber ein erhöhtes Risiko für Wurmbefall und Kokzidien mit sich, weil die Vögel dort mit ihrem Kot in Kontakt kommen. Achte deshalb auf besonders gute Hygiene und wechsle den Bodengrund regelmäßig. Statte die Voliere mit frischen Naturästen, verschiedenen Sitzstangen und ausreichend Beschäftigung aus. Schönsittiche sind vergleichsweise wetterhart und können in einer Außenvoliere mit trockenem, frostfreiem Schutzraum ganzjährig draußen leben. Viele Grundlagen zu Standort und Einrichtung findest du in unserem Ratgeber zur richtigen Haltung von Wellensittichen, auch wenn der Schönsittich mehr Flugraum verlangt und weniger auf den Menschen bezogen ist.
Ein Vogel zum Beobachten, nicht zum Kuscheln
So schön der Schönsittich anzusehen ist, ein handzahmer Schmusevogel wird er nur selten. Sein Reiz liegt im farbenprächtigen, friedlichen Treiben in der Voliere. Wer einen zutraulicheren Vogel sucht, der auch mal auf der Hand sitzt, ist mit einem Nymphensittich im Porträt oft besser beraten. Wer dagegen einen leisen, verträglichen und optisch beeindruckenden Volierenvogel möchte, trifft mit dem Schönsittich eine sehr gute Wahl. Er passt außerdem gut zu anderen ruhigen Grassittichen wie dem Bourkesittich im Porträt.
Was frisst ein Schönsittich?
Grundlage der Ernährung ist eine hochwertige Körnermischung für Sittiche mit verschiedenen kleinen Sämereien wie Hirse, Glanz und Grassamen. Weil der Schönsittich in der Natur viele halbreife Gräser und Kräutersamen frisst, ist frisches Grünfutter besonders wichtig. Biete regelmäßig Wildkräuter wie Vogelmiere, Löwenzahn und halbreife Gräser an, dazu Keimfutter aus angekeimten Sämereien, das gerade in der Brutzeit wertvoll ist. Auch Obst und Gemüse wie Apfel, Karotte, Paprika und dunkle Blattsalate gehören in kleinen Mengen dazu.

Wie bei allen Vögeln gibt es klare Verbote: Avocado ist hochgiftig, ebenso Schokolade, Koffein, Alkohol sowie stark gesalzene oder gewürzte Speisen. Beim Freiflug musst du auf giftige Zimmerpflanzen achten, an denen die neugierigen Vögel knabbern könnten. Eine Sepiaschale und Vogelgrit unterstützen Verdauung und Schnabelpflege, frisches Wasser wechselst du täglich. Die allgemeinen Grundregeln einer gesunden Vogelernährung, was in den Napf gehört und was gefährlich ist, kannst du gut an unserem Leitfaden zur Ernährung von Wellensittichen ablesen. Achte beim Schönsittich vor allem auf reichlich frisches Grünfutter und ein gutes Gleichgewicht zwischen fetthaltigen Körnern und kalorienarmer Frischkost.
Wie alt wird ein Schönsittich und welche Krankheiten treten auf?
Schönsittiche erreichen bei guter Haltung ein Alter von etwa zehn bis 15 Jahren. Wie alle Vögel verbergen sie als Beutetiere Krankheiten bis zuletzt, ein Instinkt aus der Natur, wo ein sichtbar geschwächtes Tier schnell zur Beute wird. Ein Schönsittich, der aufgeplustert und teilnahmslos dasitzt, nicht mehr frisst oder schwer atmet, ist deshalb fast immer ein Notfall und gehört umgehend in fachkundige Hände.
Wegen ihrer Vorliebe für das Fressen am Boden sind Schönsittiche wie andere Grassittiche besonders anfällig für Darmparasiten wie Würmer und Kokzidien. Regelmäßige Kotuntersuchungen beim vogelkundigen Tierarzt sind bei dieser Art deshalb sehr sinnvoll. Daneben können Pilzinfektionen, die Schnabel-Feder-Krankheit PBFD und bei Weibchen die lebensbedrohliche Legenot auftreten. Selbstbehandlung mit Hausmitteln ist bei all diesen Erkrankungen gefährlich, denn die richtige Diagnose und die exakt auf das geringe Gewicht abgestimmte Behandlung gehören in fachkundige Hände. Am schnellsten kannst du einen vogelkundigen Tierarzt in deiner Nähe finden, wenn es ernst wird. Wenn du dich vorab informieren möchtest, worauf es bei der Wahl einer geeigneten Praxis ankommt, hilft dir unser Ratgeber zum vogelkundigen Tierarzt weiter.

Wie unterscheidet sich der Schönsittich von anderen Grassittichen?
Der Schönsittich gehört zur Gattung der Grassittiche, zu der auch der bekannte Bourkesittich und der Glanzsittich zählen. Alle diese Arten teilen das ruhige, friedliche Wesen und die geringe Lautstärke, unterscheiden sich aber in Farbe und Temperament. Der Schönsittich ist unter ihnen einer der farbenprächtigsten, vor allem das Männchen mit seinem türkisen Gesicht und dem roten Schulterfleck. Der Bourkesittich wirkt mit seinen zarten Rosatönen deutlich gedämpfter und ist besonders in der Dämmerung aktiv. Mehr dazu liest du im Porträt des Bourkesittichs.
Vergleicht man den Schönsittich mit lebhafteren Arten wie dem Ziegensittich, fällt vor allem der Unterschied im Temperament auf. Während der Ziegensittich im Porträt ein rastloses Energiebündel ist, das ständig klettert und wühlt, wirkt der Schönsittich ruhiger und ausgeglichener. Beide sind keine typischen Handzahm-Vögel, doch der Schönsittich ist in der Haltung etwas gelassener. Wenn dir ein leiser, verträglicher und dabei besonders hübscher Volierenvogel wichtig ist, spielt der Schönsittich seine Stärken aus.
Passt ein Schönsittich zu mir?
Der Schönsittich ist ein Vogel für Menschen, die Freude am Beobachten haben und einem friedlichen, farbenprächtigen Vogel eine geräumige Voliere bieten können. Er ist leise, verträglich und optisch ein echter Hingucker, sucht aber nicht die enge Nähe zum Menschen und wird nur selten richtig handzahm. Wer einen ruhigen Volierenvogel möchte, der andere Bewohner in Frieden lässt, ist mit dem Schönsittich gut beraten. Auch für Einsteiger ist er wegen seines unkomplizierten Wesens grundsätzlich geeignet, sofern die Rahmenbedingungen stimmen.
Realistisch solltest du dir vor der Anschaffung drei Punkte klarmachen. Erstens brauchst du Platz für eine wirklich große Voliere, idealerweise mit Zugang nach draußen. Zweitens erfordert die Bodenaktivität dieser Art eine besonders gute Hygiene und regelmäßige Kontrollen auf Parasiten. Und drittens hältst du niemals nur ein einzelnes Tier, sondern immer mindestens ein Paar. Wenn du diese Voraussetzungen erfüllst und dich an einem leisen, hübschen und eigenständigen Vogel erfreuen kannst, ist der Schönsittich eine sehr schöne Wahl. Fehlt dir der Platz oder wünschst du dir einen anhänglichen Kuschelvogel, solltest du dich für eine andere Art entscheiden.
💰 Kosten: Was kostet ein Schönsittich in Österreich und Deutschland?
Ein Schönsittich kostet beim seriösen Züchter in Österreich und Deutschland meist zwischen 40 und 90 Euro pro Tier, farbenprächtige Männchen und besondere Farbschläge liegen eher am oberen Ende. Da du immer mindestens zwei Vögel brauchst, rechne für das Paar mit etwa 80 bis 180 Euro. Deutlich stärker fällt die Unterbringung ins Gewicht, denn dieser flugfreudige Grassittich braucht eine große Voliere. Eine geräumige Zimmervoliere oder eine Außenvoliere mit frostfreiem Schutzraum kostet je nach Größe zwischen 300 und 1.200 Euro. Die laufenden Kosten für Körnerfutter, frisches Grünfutter, Keimfutter, Sand und neue Nageäste liegen bei etwa 15 bis 30 Euro im Monat. Wegen der Anfälligkeit für Darmparasiten solltest du zusätzlich eine Rücklage für regelmäßige Kotuntersuchungen und Behandlungen einplanen. Eine Erstuntersuchung mit Beratung kostet in Österreich meist zwischen 40 und 70 Euro, in Deutschland zwischen 30 und 60 Euro. Was eine gründliche Untersuchung umfasst, zeigt unser Überblick zu den Kosten beim vogelkundigen Tierarzt.
Wenn dich weitere Arten interessieren, wirf auch einen Blick auf den Pflaumenkopfsittich.
Häufige Fragen zum Schönsittich
Quellen
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