Hund kratzt sich am Ohr
Hol dir deinen persönlichen Bereich mit gespeicherten Beiträgen, Empfehlungen und Tierarzt-Terminen.
Mein go4vet kostenlos starten
Wenn dein Hund sich am Ohr kratzt, den Kopf schief hält, schüttelt oder mit den Pfoten am Ohrgang reibt, steckt fast immer eine medizinische Ursache dahinter. Ohrenprobleme gehören in Österreich (AT) und Deutschland (DE) zu den drei häufigsten Vorstellungsgründen in tierärztlichen Praxen. Sie reichen von akuten Infektionen über chronische Allergien, Fremdkörper, Polypen, Trommelfell-Risse, Tumoren und hormonelle Erkrankungen bis hin zu rasse-typischen anatomischen Engpässen wie tiefen Hängeohren beim Cocker Spaniel oder schmalen Gehörgängen bei Shar Pei und Französischer Bulldogge. Wer rechtzeitig reagiert, verhindert chronische Verläufe, dauerhaftes Ohrentrommelfell-Schaden und damit verbundene Hörminderungen oder Schmerzen. Dieser Ratgeber erklärt dir, welche Ursachen am häufigsten infrage kommen, wie du erste Symptome richtig deutest, was du selbst tun kannst und wann der Tierarztbesuch unverzichtbar ist. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Wichtiger Hinweis
Ohrenkrankheiten beim Hund verlaufen oft schmerzhaft und entwickeln sich rasch chronisch. Bei Schiefhaltung des Kopfes, dunklem Sekret, üblem Geruch oder starkem Kratzen solltest du nicht zuwarten, sondern eine Tierarztpraxis in Wien, Linz, Graz, München oder deiner Nähe aufsuchen.
Welche Ursachen kommen für Juckreiz am Ohr infrage?
Die häufigste Ursache ist eine Otitis externa, also eine Entzündung des äußeren Gehörgangs. Sie wird typischerweise durch Hefepilze (Malassezia pachydermatis), Bakterien (Staphylokokken, Pseudomonas), Ohrmilben (Otodectes cynotis) oder eine Kombination dieser Erreger ausgelöst. Bei vielen Hunden steckt allerdings eine zugrundeliegende Allergie dahinter, die das Ohrmilieu so verändert, dass sich Hefepilze und Bakterien überproportional vermehren. Atopische Dermatitis und Futtermittelallergie sind die wichtigsten Auslöser einer chronischen, immer wiederkehrenden Otitis.
Weitere Ursachen sind Fremdkörper im Ohr (vor allem Grannen von Wildgräsern), Polypen, Tumore wie das Ceruminaldrüsen-Adenom oder das Plattenepithelkarzinom, Hormonstörungen wie Schilddrüsenunterfunktion und Cushing-Syndrom, anatomische Besonderheiten (verengte oder behaarte Gehörgänge bei Pudel, Shar Pei, Französische Bulldogge, Cocker Spaniel) sowie Verletzungen durch zu enthusiastisches Reinigen mit Wattestäbchen. Bei chronischen Fällen kommen oft Trommelfell-Defekte und Mittelohrentzündungen (Otitis media) dazu, die deutlich aufwändigere Diagnostik und Therapie erfordern. Eine sorgfältige Differenzialdiagnose ist daher der Schlüssel zum nachhaltigen Therapieerfolg.

Welche Symptome zeigen ein Ohrenproblem beim Hund?
Achte auf eine ganze Reihe von Hinweisen. Dein Hund kratzt sich häufiger am Ohr, schüttelt den Kopf, hält ihn schief, reibt das Ohr am Boden oder an Möbeln, jault beim Berühren des Ohres oder zieht sich zurück. Bei Hefepilzbefall riecht das Ohr oft süßlich-fischig, bei bakterieller Otitis eher faulig oder eitrig. Das Sekret kann braunschwarz und kaffeesatzartig (typisch für Ohrmilben), rotbraun (Malassezia), gelb-eitrig (bakteriell) oder serös-klar sein. Bei chronischen Fällen verdickt sich der Gehörgang, wird narbig und damit zunehmend schwieriger zu behandeln.
Schwere Verläufe zeigen sich durch Schmerzen beim Kauen, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Fieber, Bewegungsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Augenrollen (Nystagmus), Gesichtslähmungen oder Hörverlust. Diese Symptome sprechen für Mittel- oder Innenohrentzündungen und sind tiermedizinische Notfälle. Wenn dein Hund den Kopf dauerhaft schief hält, kreisförmig läuft oder das Gleichgewicht verliert, suche umgehend eine Tierklinik auf. Vergleiche regelmäßig beide Ohren miteinander, denn einseitige Probleme sind oft Hinweise auf Fremdkörper, Polypen oder Tumore und brauchen besondere Aufmerksamkeit. Achte auch auf Verhaltensänderungen, denn schmerzhafte Ohren machen Hunde gereizt und mitunter auch aggressiv beim Anfassen.
Notfall erkennen
Bei plötzlicher Schiefhaltung des Kopfes, Gleichgewichtsstörungen, Augenrollen, Gesichtslähmung oder starken Schmerzen mit Lethargie solltest du sofort eine Tierklinik in Wien, Salzburg oder deiner Region aufsuchen. Mittelohr- und Innenohrerkrankungen können das Nervensystem dauerhaft schädigen.
Wie diagnostiziert die Tierarztpraxis Ohrenprobleme?
Die Diagnostik beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und einer otoskopischen Untersuchung, also einer Ohrenspiegelung. Dabei werden Gehörgang und Trommelfell sichtbar gemacht. Bei stark schmerzenden Ohren ist eine Sedierung oder kurze Vollnarkose nötig, denn nur dann lässt sich das Ohr vollständig beurteilen. Aus dem Sekret wird ein Abstrich entnommen und mikroskopisch untersucht (Zytologie), um Hefepilze, Bakterien und Ohrmilben zu identifizieren. Bei bakterieller Otitis kommt eine Bakterienkultur mit Antibiogramm dazu, denn multiresistente Pseudomonas-Stämme nehmen zu und brauchen gezielte Antibiotika.
Bei chronischen, einseitigen oder therapieresistenten Fällen folgen weitere Diagnostik-Schritte. Eine Video-Otoskopie ermöglicht hochauflösende Bilder, eine CT- oder MRT-Untersuchung deckt Mittel- oder Innenohrbeteiligungen auf, eine Hautbiopsie hilft bei Tumorverdacht. Endokrinologische Tests prüfen Schilddrüsen- und Cortisol-Werte. Bei Allergie-Verdacht werden Eliminationsdiäten oder Allergietests gestartet. Wichtig ist, dass die Diagnostik nicht beim ersten Symptom abbricht. Eine reine antibiotische Behandlung ohne zugrundeliegende Diagnose führt häufig zu wiederkehrenden Otiten und chronischen Verläufen, die später nur noch operativ saniert werden können (etwa über eine Total-Ear-Canal-Ablation, TECA).
Welche Behandlungen helfen bei Ohrenentzündungen?
Die Therapie richtet sich strikt nach Erreger und Ursache. Bei Hefepilzbefall werden ketoconazol- oder miconazolhaltige Ohrentropfen oder -gele eingesetzt, oft kombiniert mit einem Reinigungslösung. Bei bakteriellen Infektionen kommen lokale Antibiotika nach Antibiogramm zur Anwendung, manchmal ergänzt durch systemische Antibiotika. Bei Ohrmilben wirken Selamectin, Moxidectin, Sarolaner oder andere Isoxazoline zuverlässig, oft reicht eine einmalige Spot-on-Behandlung. Bei stark verschmutzten Gehörgängen ist eine professionelle Ohrenspülung in Sedierung nötig, sie sollte nicht zu Hause versucht werden, denn unsachgemäßes Spülen kann das Trommelfell perforieren.
Bei zugrundeliegender Allergie ist die Behandlung der Grunderkrankung entscheidend. Oclacitinib (Apoquel), Lokivetmab (Cytopoint), spezifische Immuntherapie oder Eliminationsdiät reduzieren das Auftreten chronischer Otiten deutlich. Bei narbig verengten Gehörgängen oder dauerhaft entzündetem Mittelohr kann eine TECA-Operation die einzige Möglichkeit sein, den Hund schmerzfrei zu machen. Sie wird heute mit gutem Erfolg durchgeführt, der Hund verliert auf der operierten Seite allerdings das Gehör. Eine begleitende Schmerztherapie ist während aller Behandlungsphasen Standard, denn Ohrenentzündungen sind ausgesprochen schmerzhaft. Mehr Informationen findest du im Ratgeber zu atopischer Dermatitis, der die häufigste Grunderkrankung beleuchtet.
Wie reinigst du die Ohren deines Hundes richtig?
Regelmäßige Ohrenkontrolle ist sinnvoll, übertriebene Reinigung allerdings schädlich. Schau dir die Ohren deines Hundes ein- bis zweimal pro Woche an, prüfe Geruch, Sekret und Haut am Ohrrand. Bei sauberen Ohren ohne Auffälligkeiten ist keine aktive Reinigung nötig. Wenn du reinigen musst, verwende ausschließlich tiermedizinisch zugelassene Ohrenreinigungslösungen, niemals Wattestäbchen tief im Gehörgang, denn sie schieben Schmutz nach innen und können das Trommelfell verletzen. Bringe die Lösung in den Gehörgang ein, massiere die Ohrwurzel sanft, lass deinen Hund sich schütteln und wische anschließend nur den sichtbaren Bereich mit einem weichen Tuch oder einer Mullkompresse aus.
Hunde mit Hängeohren, viel Behaarung im Gehörgang oder häufigem Schwimmen brauchen meist regelmäßige Reinigung, etwa wöchentlich oder zweiwöchentlich, je nach Empfehlung der Tierarztpraxis. Trockne die Ohren nach jedem Schwimmen oder Bad gründlich, denn Feuchtigkeit ist ein Hauptauslöser für Hefepilzwachstum. Vermeide menschliche Ohrentropfen, Alkohol, Wasserstoffperoxid oder Hausmittel wie Apfelessig im Gehörgang, sie reizen die Haut und verschlimmern Entzündungen. Bei Welpen sollten Ohrenreinigungen sehr behutsam und positiv-konditioniert eingeführt werden, das erleichtert spätere Behandlungen enorm. Mehr Hintergrund zur generellen Pflegeroutine deines Hundes findest du im weiterführenden Ratgeber.
Welche Rolle spielen Rasse, Anatomie und Lebensstil?
Manche Hunderassen sind anatomisch deutlich anfälliger für Ohrenprobleme. Cocker Spaniel, Basset Hound, Beagle und Setter haben tief hängende Ohren, die den Gehörgang verschließen und ein feucht-warmes Klima schaffen. Pudel, Shih Tzu und Schnauzer haben behaarte Gehörgänge, die regelmäßig professionell gestrippt werden sollten, damit Belüftung und Sekretabfluss erhalten bleiben. Französische Bulldoggen, Mops und Shar Pei haben enge, gewundene Gehörgänge, die schwer zu reinigen sind und chronische Otiten begünstigen. Labrador Retriever, Golden Retriever und Wasserrettungshunde leiden durch häufiges Schwimmen unter Feuchtigkeit im Ohr.
Lebensstil beeinflusst das Risiko zusätzlich. Hunde, die häufig im Wald laufen, fangen sich öfter Grannen ein. Hunde mit Allergien zeigen meist im Frühjahr und Herbst Symptomspitzen. Hunde in feuchten Klimazonen oder mit häufigen Bädern brauchen intensivere Trocknungsroutinen. Senior-Hunde mit hormonellen Erkrankungen entwickeln eher chronische Otiten, weil ihr Immunsystem schwächer wird. Wer die Risikofaktoren seines Hundes kennt, kann gezielter vorbeugen und früher reagieren. Plane bei Risikorassen halbjährliche Ohren-Checks beim Tierarzt ein.

Wie kannst du Ohrenprobleme langfristig vermeiden?
Die wirksamste Prävention besteht aus drei Säulen. Erstens regelmäßige Sicht- und Geruchskontrollen zu Hause, kombiniert mit professionellen Ohren-Checks ein- bis zweimal jährlich. Zweitens konsequente Behandlung von Grunderkrankungen wie Allergien, Hormonstörungen oder Hauterkrankungen. Drittens angepasste Pflegeroutinen für deinen Hundetyp, mit milden Reinigungslösungen und gründlicher Trocknung nach Wasserkontakt. Vermeide aggressive Reinigung, achte auf Anzeichen einer beginnenden Entzündung und reagiere früh, bevor sich die Mikrobiologie chronifiziert.
Eine ausgewogene Fütterung mit hochwertigem Hundefutter oder altersgerechtem Welpenfutter stärkt das Immunsystem und die Hautbarriere zusätzlich. Bei Hunden mit nachgewiesener Futtermittelallergie ist eine speziell zusammengestellte Eliminationsdiät oder hydrolysierte Diät der Schlüssel zur langfristigen Beruhigung der Ohrmikrobiologie. Auch Omega-3-Fettsäuren aus Lachsöl oder Algenöl unterstützen die Hautgesundheit. Bei chronischen Otiten lohnt sich die Überweisung an eine dermatologische Spezialsprechstunde, denn nur sie kann komplexe Fälle systematisch durchdiagnostizieren.
Welche Komplikationen können bei unbehandelten Ohrenproblemen auftreten?
Wer eine Otitis verschleppt oder mit ungeeigneten Hausmitteln behandelt, riskiert eine Reihe ernsthafter Folgen. Die Entzündung kann vom äußeren Gehörgang über das Trommelfell ins Mittelohr (Otitis media) und weiter ins Innenohr (Otitis interna) wandern. Dort schädigt sie Gleichgewichtsorgan und Hörnerv, was zu dauerhaften Gleichgewichtsstörungen, Schiefhaltung des Kopfes und Hörverlust führen kann. Bei chronischen Verläufen vernarbt der Gehörgang, verengt sich und kann irgendwann nicht mehr konservativ behandelt werden, eine TECA-Operation wird dann unvermeidbar.
Multiresistente Keime, vor allem Pseudomonas aeruginosa, sind ein wachsendes Problem. Sie entstehen vor allem bei wiederholten, unsystematischen Antibiotika-Behandlungen ohne Antibiogramm. Daher gilt bei jeder bakteriellen Otitis die Regel, lieber einmal Kultur und Antibiogramm machen lassen als wiederholt blind zu behandeln. Auch bei Tumoren verschlechtert das Verschleppen die Prognose deutlich. Polypen und Tumore wachsen langsam, werden aber unbehandelt immer schwerer entfernbar. Eine frühe Diagnose verbessert die Heilungschancen entscheidend, weshalb du auch bei vermeintlich harmlosem Kopfschütteln nicht zu lange zuwarten solltest.
Tierärztlicher Blick: Wann gehört dein Hund in die Praxis?
Suche zeitnah eine Tierärztin oder einen Tierarzt auf, wenn dein Hund das Ohr länger als ein bis zwei Tage scheuert, dunkles oder eitriges Sekret produziert, schlecht riecht, der Kopf schief gehalten wird, das Ohr schmerzt, der Allgemeinzustand sich verschlechtert oder Welpen, Senioren beziehungsweise immungeschwächte Hunde betroffen sind. Sofort suchst du eine Tierklinik auf, wenn dein Hund das Gleichgewicht verliert, im Kreis läuft, Augen rollen oder Gesichtslähmungen zeigt, denn das sind Anzeichen für Mittel- oder Innenohrbeteiligung mit Nervenbeteiligung.
In Österreich und Deutschland findest du qualifizierte Tierarztpraxen über die Go4Vet Tierarztsuche. Bei chronischen oder komplexen Fällen lohnt sich die Überweisung an eine dermatologische oder otologische Spezialsprechstunde, viele Tierkliniken in Wien, München, Hannover, Bern oder Zürich haben entsprechend qualifizierte Teams. Eine offene Kommunikation mit deinem tierärztlichen Team ist entscheidend, denn nur sie können Diagnostik, Therapie und Prophylaxe individuell auf deinen Hund abstimmen. Mit konsequenter Behandlung, geduldiger Heimpflege und regelmäßigen Kontrollen lassen sich auch chronische Ohrenerkrankungen gut managen, sodass dein Hund schmerzfrei und mit einem klaren Hörsinn durchs Leben gehen kann. Frühe Reaktion verhindert Chronifizierung, ein gutes Behandlungskonzept verbessert die Lebensqualität spürbar.
Häufige Fragen, wenn der Hund sich am Ohr kratzt
Quellen
Hol dir deinen persönlichen Bereich mit gespeicherten Beiträgen, Empfehlungen und Tierarzt-Terminen.
Mein go4vet kostenlos starten