Fellpflege beim Hund
Hol dir deinen persönlichen Bereich mit gespeicherten Beiträgen, Empfehlungen und Tierarzt-Terminen.
Mein go4vet kostenlos starten
Die Fellpflege beim Hund ist mehr als ein optisches Thema. Sie ist ein zentrales Stück Gesundheitsvorsorge, ein wichtiger Beziehungsbaustein zwischen dir und deinem Hund und ein Frühwarnsystem für viele Erkrankungen. Wer regelmäßig bürstet, badet, Krallen schneidet und Augen, Ohren sowie Hautfalten kontrolliert, erkennt Veränderungen oft Wochen bevor sie zum Tierarztfall werden. Gleichzeitig variiert die korrekte Pflege je nach Felltyp, Alter, Aktivitätslevel und Wohnsituation enorm. Ein Border Collie aus dem Hundesport braucht ein anderes Pflegeprogramm als ein Mops im Stadtleben oder ein Labrador, der das ganze Jahr im Wasser ist. Dieser tierärztlich überprüfte Ratgeber führt dich durch alle wichtigen Pflegeroutinen, erklärt die Besonderheiten der häufigsten Felltypen, zeigt die wichtigsten Werkzeuge und Techniken und beleuchtet, wann du selbst pflegen kannst und wann du in eine Hundefriseur:in oder Tierarztpraxis musst. Für Halter:innen in Österreich (AT) und Deutschland gleichermaßen relevant. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Wichtiger Hinweis: Pflegeroutine als Gesundheitscheck
Die wöchentliche Fellpflege ist deine wichtigste Gelegenheit, Veränderungen früh zu erkennen. Tasten, Schauen und Riechen verraten Knoten, Schuppen, Parasiten, Hautrötungen, Verletzungen, Mundgeruch oder Schwellungen. Plane fünf bis zehn Minuten pro Woche fix ein, dein Hund profitiert gesundheitlich und emotional.
Warum ist die Fellpflege beim Hund so wichtig?
Das Hundefell erfüllt zentrale Funktionen. Es schützt die Haut vor UV-Strahlung, mechanischer Reizung und Temperaturextremen. Es speichert eine isolierende Luftschicht, reguliert die Wärmeabgabe und transportiert Hautsekrete an die Oberfläche. Bei einem gepflegten Fell funktionieren all diese Mechanismen reibungslos. Bei verfilztem oder schmutzigem Fell hingegen sammeln sich Hautschüppchen, Talg und Mikroorganismen, die Belüftung leidet, Sekundärinfektionen werden wahrscheinlicher.
Hinzu kommt der präventive Aspekt. Eine konsequente Pflegeroutine zeigt früh, wenn die Haut gerötet ist, das Fell stumpf wird, Krusten oder Knoten entstehen, sich Hot Spots bilden oder Parasiten wie Flöhe, Zecken oder Milben vorhanden sind. Veränderungen, die du beim Streicheln nie bemerken würdest, fallen beim Bürsten und Tasten sofort auf. Gerade bei langhaarigen Rassen ist das oft die einzige Chance, eine Hautveränderung rechtzeitig zu entdecken.
Der dritte Aspekt ist die Beziehung. Hunde, die positiv mit Fellpflege assoziieren, akzeptieren auch tierärztliche Untersuchungen, Maulkontrollen, Krallenschnitt und im Notfall Manipulation am Körper deutlich besser. Wer früh übt, spart sich im Krankheitsfall viel Stress, sowohl beim Hund als auch beim Behandlungsteam. Mehr zur grundlegenden Erziehung von Junghunden findest du im Beitrag Welpenerziehung Ratgeber.
Welche Felltypen gibt es und wie unterscheiden sie sich?
Die korrekte Fellpflege beginnt mit dem Verständnis des Felltyps. Tiermedizinisch und kynologisch unterscheiden wir grob sieben Kategorien. Kurzhaarige Rassen mit dichtem Unterfell wie Labrador, Beagle oder Boxer haaren das ganze Jahr und besonders im Frühjahr und Herbst stark. Sie brauchen wöchentliches Bürsten mit einem festen Borstenbesen und in den Fellwechselphasen einen Striegel oder Furminator.
Kurzhaarige Rassen ohne Unterwolle wie Französische Bulldogge, Boston Terrier oder Pinscher haaren weniger, brauchen aber besondere Aufmerksamkeit für die Haut, die direkt unter dem dünnen Fell liegt. Hier reicht oft ein Pflegehandschuh oder eine weiche Bürste.
Langhaarige Rassen mit Unterwolle wie Golden Retriever, Berner Sennenhund oder Australian Shepherd brauchen mehrmals wöchentliches Bürsten in der Fellwechselphase und mindestens wöchentliches Bürsten ganzjährig. Vernachlässigung führt zu Verfilzungen, Hot Spots und Hautproblemen.
Langhaarige Rassen ohne starke Unterwolle wie Yorkshire Terrier, Malteser oder Shih Tzu wachsen kontinuierlich, haaren kaum und brauchen tägliches Bürsten plus regelmäßigen Schnitt alle sechs bis acht Wochen. Hier ist die Hundefriseur:in fester Bestandteil der Pflege.
Drahthaarige Rassen wie Drahthaardackel, Foxterrier, Schnauzer oder Wire-Fox brauchen Trimmen statt Scheren. Beim Trimmen werden abgestorbene Haare aus der Wurzel gezupft, das erhält die Drahthaarstruktur. Geschorene Drahthaarhunde verlieren langfristig die typische harte Felltextur.
Lockige Rassen wie Pudel, Lagotto, Bichon Frisé oder Wasserhund haaren kaum, das Fell wächst aber kontinuierlich. Tägliches Bürsten ist Pflicht, alle vier bis sechs Wochen ist ein professioneller Schnitt nötig.
Haarlose Rassen wie Chinesischer Schopfhund oder Mexikanischer Nackthund brauchen besondere Hautpflege, Sonnenschutz und Feuchtigkeitscremes statt klassische Fellpflege. Sie sind sehr selten und gehören in spezialisierte Hände.
Welche Werkzeuge brauchst du für die Fellpflege?
Eine gute Grundausstattung kostet überschaubares Geld und hält viele Jahre. An erster Stelle steht eine Bürste oder ein Kamm passend zum Felltyp. Für kurzhaarige Hunde reicht ein Borstenbesen oder ein Gummi-Striegel, für langhaarige Hunde brauchst du eine Drahtbürste (Slicker), einen grobzinkigen Metallkamm und eventuell einen Entfilzungskamm. Für Doppelmantelrassen lohnt sich ein Unterwoll-Striegel oder ein hochwertiger Furminator, wobei Letzterer sparsam und nie auf empfindlicher Haut eingesetzt werden sollte.
Eine Krallenschere oder Krallenschleifer gehört in jeden Haushalt. Bei dunklen Krallen sind elektrische Schleifer mit Diamantkopf besonders hilfreich, weil sie das Risiko reduzieren, das Krallenmark (Quick) zu verletzen.
Hundeshampoo mit hautfreundlichem pH-Wert (zwischen 6,5 und 7,5) ist Pflicht. Menschenshampoos haben einen niedrigeren pH-Wert von rund 5,5 und stören die Hautbarriere des Hundes. Für Hunde mit Allergien, Atopie oder Hautempfindlichkeit gibt es medizinische Shampoos mit Chlorhexidin, Hafer, Aloe Vera oder Phytosphingosin. Mehr zur Hauterkrankung Atopie findest du unter atopische Dermatitis Hund.
Für die Augenpflege reicht ein weiches, fusselfreies Tuch und destilliertes Wasser. Für die Ohrenpflege brauchst du einen tierärztlich empfohlenen Ohrreiniger, niemals Wattestäbchen tief im Gehörgang. Für die Zahnpflege gehören Hundezahnbürste, enzymatische Zahnpasta und Zahnpflegekauartikel zur Grundausstattung. Mehr unter Zahnpflege beim Hund.
Eine rutschfeste Pflegematte oder ein höhenverstellbarer Trimmtisch mit Halterung schont deinen Rücken und gibt deinem Hund einen festen Bezugspunkt. Tisch oder Matte werden mit Leckerli-Training verknüpft, damit der Hund sie als positiven Pflegeort wahrnimmt.
Wie oft musst du deinen Hund baden?
Hier herrscht viel Unsicherheit. Tierdermatolog:innen empfehlen für gesunde Hunde mit normaler Haut alle vier bis acht Wochen ein Bad mit mildem Hundeshampoo. Häufiger ist nur bei medizinischer Indikation oder starker Verschmutzung sinnvoll. Wer öfter wäscht, riskiert Austrocknung der Haut, Schädigung der Hautbarriere und in Folge Schuppen, Juckreiz oder Sekundärinfektionen.
Hunde mit Hauterkrankungen wie atopische Dermatitis, Seborrhoe oder Pyodermie brauchen oft häufigere medizinische Bäder, manchmal sogar zweimal pro Woche. Diese Frequenz wird tierärztlich verordnet und der Wirkstoff (Chlorhexidin, Miconazol, Benzoylperoxid, Phytosphingosin) auf das Krankheitsbild abgestimmt. Selbsttherapie ohne Diagnose verschlechtert oft die Situation.
Beim Baden gilt: lauwarmes Wasser (rund 37 Grad), Shampoo gut aufschäumen, drei bis fünf Minuten einwirken lassen, gründlich ausspülen, mit Handtüchern trocken tupfen, kalte Föhnluft optional. Augen, Ohren und Maul aussparen, im Gehörgang bildet sich sonst feuchtes Milieu, das Otitis fördert. Mehr zur Ohrenpflege im verwandten Beitrag.
Nach dem Bad ist die Haut empfindlich. Vermeide direkte Sonne, kalte Zugluft und intensive körperliche Belastung in den nächsten Stunden. Bei Hunden mit langem Fell ist gründliches Trocknen Pflicht, sonst entsteht in den Falten ein feuchtes Milieu für Hefepilze und Bakterien.
Wie pflegst du Krallen, Augen, Ohren und Zähne richtig?
Krallen werden alle drei bis sechs Wochen kontrolliert. Hunde, die viel auf hartem Untergrund laufen, schleifen ihre Krallen oft selbst ab. Wohnungs- und Senior:innenhunde brauchen häufiger einen Schnitt. Zu lange Krallen verändern die Pfotenstellung, belasten Gelenke und führen langfristig zu Gangbildveränderungen. Schneide nur die Spitze, vermeide das rosa schimmernde Krallenmark. Bei dunklen Krallen schneide in mehreren kleinen Schritten und beobachte den Querschnitt. Sobald ein dunkler Punkt in der Mitte sichtbar wird, bist du nahe am Quick und stoppst. Bei Verletzung hilft Eisensulfat-Pulver oder ein einfacher fester Druck mit einem sauberen Tuch. Pfotenpflege im Detail findest du unter Pfotenpflege.
Augen werden täglich kontrolliert. Bei Rassen mit kurzem Nasenrücken (Mops, Französische Bulldogge, Pekinese) sammeln sich Tränen und Schleim in den Hautfalten und müssen mehrmals täglich mit einem feuchten Tuch entfernt werden. Tränenstein bei hellen Hunden (Malteser, Bichon) lässt sich mit speziellen Augenreinigungslösungen reduzieren. Bei plötzlichem Augenausfluss, Rötung, Trübung oder Lichtempfindlichkeit gehört der Hund in die Praxis, mehr unter Hund kratzt sich bei den Augen.
Ohren werden wöchentlich kontrolliert, bei Schlapp- oder Hängeohren häufiger. Riech am Ohr: süßlich oder hefig riecht es bei Malassezia, beim bakteriellen Befall riecht es ranzig. Sichtbarer Schmalz, Rötung, Schwellung, Kratzen oder Kopfschütteln sind Warnzeichen. Reinige das Außenohr mit einem ohrenpflegenden Produkt nach tierärztlicher Empfehlung, niemals Wattestäbchen tief in den Gehörgang. Mehr unter Hund hat viel Ohrenschmalz.
Zähne werden täglich oder mindestens dreimal pro Woche geputzt. Schon ab dem Welpenalter sollte das Zähneputzen positiv konditioniert werden. Hundezahnpasten enthalten enzymatische Wirkstoffe und schmecken meist nach Geflügel oder Rind. Zahnstein entsteht, wenn Plaque mineralisiert wird, dieser Prozess startet schon nach drei Tagen. Ohne Zahnpflege landet jeder zweite Hund vor dem fünften Lebensjahr in einer professionellen Zahnsanierung. Mehr unter Zahnstein beim Hund.
Wie meisterst du den Fellwechsel?
Im Frühjahr und Herbst werfen die meisten Hunde ihr Unterfell. Beim Frühlingswechsel verlieren sie das dichte Winterfell, im Herbst das leichte Sommerfell. Diese Phase dauert je nach Rasse, Geschlecht, Wohnung (Innenraum oder Garten) und Klima vier bis acht Wochen.
In dieser Zeit brauchst du täglich fünfzehn Minuten Bürsten. Ein Unterwoll-Striegel oder ein hochwertiger Entfilzungskamm holt die abgestorbenen Haare aus der zweiten Schicht. Im Sofa, Auto oder Bett landet so deutlich weniger Haar. Wer den Fellwechsel ignoriert, riskiert Verfilzungen, Hautirritationen und unangenehme Gerüche.
Eine ausreichende Versorgung mit hochwertigen Fettsäuren (Omega-3 aus Fisch- oder Algenöl, Omega-6 aus Pflanzenölen) unterstützt das Nachwachsen eines glänzenden Fells. Hochwertiges Hundefutter mit ausgewogenem Aminosäureprofil ist die Basis, mehr unter Hundefutter. Für Welpen ist die Spezialernährung in der Wachstumsphase entscheidend, mehr unter Welpenfutter.
Wenn der Fellwechsel überdurchschnittlich stark ist, schubweise auftritt oder mit kahlen Stellen kombiniert ist, kann eine Schilddrüsenunterfunktion oder Cushing-Syndrom dahinterstehen. Mehr unter Schilddrüsenunterfunktion. Auch Parasiten wie Demodex- oder Sarkoptes-Milben verursachen Haarverlust, mehr unter Räude.
Wann brauchst du eine Hundefriseur:in oder Tierärzt:in?
Bei lockigen, drahthaarigen oder langhaarigen Rassen ohne starken Fellwechsel ist die Hundefriseur:in fester Teil des Pflegeplans. Alle vier bis acht Wochen wird geschnitten, getrimmt oder entfilzt. Eine gute Hundefriseur:in arbeitet stressarm, kennt rassetypische Schnitte und beobachtet Veränderungen an Haut, Pfoten und Krallen, oft als zweite Diagnostikinstanz nach der Tierärzt:in.
Eine Tierärzt:in ist gefragt bei plötzlichen Hautveränderungen, kahlen Stellen, starkem Juckreiz, üblem Geruch, Schuppen oder bei Hot Spots. Bei chronisch wiederkehrenden Hautproblemen ist die Überweisung an eine Veterinärdermatolog:in sinnvoll, viele Universitätskliniken in Wien, Graz, Berlin oder München bieten spezialisierte Sprechstunden.
Bei Verfilzungen, die du nicht mehr lösen kannst, gehört der Hund nicht mit der Schere bearbeitet, sondern in geübte Hände. Verfilzungen an empfindlichen Stellen wie Achsel, Leiste, Flanke oder Brust können bei unsachgemäßem Schneiden tiefe Hautverletzungen verursachen. Eine sedierte Schur in der Praxis ist die schonendere Lösung.
Bei Pfotenproblemen wie eingewachsenen Krallen, Schwellungen, Lahmheit oder Wundheilungsstörungen muss zwingend tierärztlich abgeklärt werden, mehr unter Pfotenpflege. Selbst herumdoktern verschlechtert oft die Situation und verzögert die Heilung.
Tierärztlicher Blick: Was raten wir Halter:innen?
Aus tierärztlicher Sicht ist die wichtigste Botschaft: Mache die Fellpflege zur fixen, positiven Routine, nicht zur unangenehmen Pflichtübung. Hunde, die wöchentlich entspannt gebürstet werden, akzeptieren auch tierärztliche Untersuchungen, Wundbehandlung und Infusionen deutlich besser. Diese Investition zahlt sich in der gesamten Hundelebenszeit aus.
In der Tierarztpraxis sehen wir täglich Halter:innen, die erst dann zur Praxis kommen, wenn ein Hot Spot eitert, das Fell auf dem Rücken verfilzt ist oder der Hund einen unerträglichen Geruch entwickelt hat. Fast alle dieser Probleme wären mit konsequenter wöchentlicher Pflege vermeidbar gewesen. Eine Pflegeroutine spart dir mittelfristig Geld, Zeit und Stress, deinem Hund Schmerzen und Behandlungen.
Über unsere Tierarztsuche findest du Praxen mit dermatologischem Schwerpunkt sowie Empfehlungen für seriöse Hundefriseur:innen in deiner Region. Frage in der Praxis nach einer kurzen Einführung in das richtige Bürsten, Krallenschneiden und Zähneputzen für deine Rasse, viele Praxen bieten das im Rahmen einer Pflegeberatung an.
Bei rassespezifischen Pflegethemen empfehlen wir eine Beratung beim Züchter oder Rassebetreuungsverein vor dem Welpenkauf. So weißt du vorab, ob dir der wöchentliche Pflegeaufwand realistisch passt. Ein Pudel mit acht Wochen Schnittintervall ist in der laufenden Haltung deutlich teurer als ein Beagle mit Bürstenbesen.
Neige Halter:innen zu sein, der die Fellpflege als wertvolle Bindungszeit erlebt. Streichel- und Bürstenkontakt setzt Oxytocin frei, sowohl bei dir als auch bei deinem Hund. Diese täglichen Minuten stärken die Beziehung mehr als jede Trainingsstunde. Achte aber auf Stresssignale wie Hecheln, Lippenlecken, Wegdrehen oder Anspannung. Bei Stresssignalen pausiere, biete eine Belohnung an und erhöhe die Trainingsdosis langsam. Mit Geduld wird selbst aus dem skeptischsten Welpen ein Hund, der die Pflegeroutine genießt.
Häufige Fragen zur Fellpflege beim Hund
Quellen
Hol dir deinen persönlichen Bereich mit gespeicherten Beiträgen, Empfehlungen und Tierarzt-Terminen.
Mein go4vet kostenlos starten