Natürliches Katzenfutter: Was steckt dahinter?
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„Natürliches Katzenfutter“ ist einer der meistbeworbenen Begriffe der Petfood-Branche, aber es gibt keine gesetzliche Definition dafür. Was die Verpackung verspricht, hat oft wenig mit dem zu tun, was tatsächlich in der Dose steckt. „Natürlich“ kann alles bedeuten: hoher Fleischanteil, Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe, Bio-Zertifizierung, Rohfleischfütterung oder einfach nur ein Marketing-Anstrich auf einem Standardprodukt. In Österreich und Deutschland (DACH) tummeln sich auf dem Markt Hunderte von Produkten mit „Natur“-Versprechen, von BARF-Konzepten über kaltgepresstes Trockenfutter bis zu Bio-Nassfutter aus der Steiermark. Dieser Ratgeber sortiert das Angebot und zeigt dir, was hinter den Begriffen steckt, was deine Katze ernährungsphysiologisch wirklich braucht und welche Konzepte funktionieren. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Auf einen Blick
Eine Katze ist obligater Karnivor, sie braucht hochwertiges tierisches Eiweiß, ausreichend Wasser, Taurin, Arachidonsäure, Vitamin A und Vitamin D. „Natürlich“ sollte konkret bedeuten: hoher Fleischanteil mit benannter Tierart, kein Zucker, keine Sammelbegriffe, keine künstlichen Aromen. Bio, BARF und Rohfleisch sind Optionen, nicht Pflicht. Vor jedem Konzept gehört eine tierärztliche Bedarfsabklärung, vor allem bei Senioren oder bei chronischen Erkrankungen.
Was bedeutet „natürlich“ beim Katzenfutter überhaupt?
Es gibt kein EU-Recht, das den Begriff „natürlich“ beim Tierfutter klar definiert. Hersteller dürfen ihn relativ frei verwenden, solange keine offensichtliche Irreführung vorliegt. In der Praxis steckt dahinter meist eines von vier Konzepten: ein hoher, klar deklarierter Fleischanteil ohne Zusätze (1), Bio-Zertifizierung mit kontrollierter Tierhaltung (2), Rohfleischfütterung wie BARF oder Frischfleisch (3) oder besonders schonende Verarbeitung wie Kaltpressung beim Trockenfutter (4). Jedes dieser Konzepte hat Vor- und Nachteile.
Der seriöse Kern dahinter ist die Idee, deine Katze möglichst nah an ihrer evolutionären Ernährung zu versorgen. In freier Wildbahn frisst eine Katze kleine Beutetiere wie Mäuse, kleine Vögel oder Insekten. Diese Mahlzeit besteht zu rund siebzig Prozent aus Wasser, der Rest verteilt sich auf Eiweiß, Fett, eine kleine Menge Knochen und winzige Mengen an Mageninhalt der Beute. Dieses Profil lässt sich industriell gut nachbauen, etwa über hochwertiges Nassfutter mit hohem Fleischanteil. Mehr zur evolutionären Grundlage findest du in unserem Artikel zur artgerechten Ernährung der Katze.
Was dabei nicht naturnah ist: pflanzliche Sammelbegriffe wie „pflanzliche Nebenerzeugnisse“, hohe Getreideanteile als Füllstoff, Zuckerzusätze (auch in Form von Karamell, Saccharose oder Glukosesirup), künstliche Farb- und Aromastoffe und konservierende Antioxidantien wie BHA, BHT oder Ethoxyquin. Wenn dir „natürlich“ wichtig ist, lies das Etikett genau und prüfe, ob die Zutatenliste kurz, klar und nachvollziehbar ist.

Bio, AT-Bio, EU-Bio: Was steht hinter den Siegeln?
Bio-Zertifizierung beim Katzenfutter unterliegt der EU-Öko-Verordnung. „EU-Bio“ und das österreichische AT-Bio garantieren kontrollierte ökologische Tierhaltung der Rohstofflieferanten, Verzicht auf chemische Pestizide bei Futtermitteln, Verzicht auf gentechnisch veränderte Zutaten und eine gewisse Begrenzung von Zusatzstoffen. Achte auf die EU-Bio-Sechseck-Marke und den entsprechenden Code (z. B. AT-BIO-301), der den zuständigen Kontrollverband ausweist.
Bio sagt allerdings nichts über die ernährungsphysiologische Eignung aus. Ein Bio-Futter kann genauso schlecht zusammengesetzt sein wie ein konventionelles, wenn es zu wenig Fleisch oder einen unpassenden Phosphorgehalt enthält. Umgekehrt ist konventionelles Futter nicht automatisch schlecht. Entscheidend bleibt die Kombination aus klarer Deklaration, hohem Fleischanteil, vollständiger Mikronährstoffversorgung und Verzicht auf unnötige Zusätze.
In Österreich gibt es mehrere Hersteller, die hochwertiges Bio-Nassfutter mit klarer Tierherkunft produzieren, oft aus regionaler Landwirtschaft. Wenn dir Tierwohl der Rohstofflieferanten wichtig ist, ist Bio sinnvoll. Rein gesundheitlich für deine Katze ist eine konventionelle Premium-Linie mit klarer Deklaration meist gleichwertig. Im Zweifel entscheidet deine Geldbörse und dein persönlicher Wertekompass.
BARF und Rohfleischfütterung als Naturansatz
BARF steht für „Biologisch Artgerechte Rohfütterung“ und basiert auf der Idee, dass eine Katze möglichst nah an ihrer Beute ernährt werden soll. Eine BARF-Ration besteht typischerweise aus rund achtzig Prozent Muskelfleisch, zehn Prozent Innereien, fünf Prozent Knochen oder Knochenmehl und kleinen Anteilen Gemüse, Öl und Mineralstoffmischungen. Bei korrekter Berechnung deckt das den Bedarf einer gesunden Katze. Bei falscher Zusammenstellung entstehen schnell Mangelerscheinungen.
BARF für die Katze ist deutlich anspruchsvoller als für den Hund. Katzen brauchen unbedingt Taurin (essentielle Aminosäure, im Muskelfleisch enthalten, aber empfindlich gegenüber Hitze und Lagerung), Arachidonsäure (in Fleisch und Innereien), Vitamin A (in Leber, allerdings in Maßen wegen Überdosierungsrisiko) und Vitamin D. Eine Berechnung ohne professionelle Beratung führt fast zwangsläufig zu Defiziten. Wenn du BARF ernsthaft umsetzen willst, plane Beratungstermine bei einer zertifizierten Tierernährungsberaterin und kontrolliere regelmäßig per Blutbild, ob dein Plan funktioniert.
Hygienisch ist Rohfleisch eine Herausforderung. Salmonellen, Campylobacter und Listerien können sowohl die Katze als auch deine Familie krank machen. Besonders kritisch ist das in Haushalten mit Kindern, Schwangeren oder immungeschwächten Personen. Rohes Schweinefleisch ist absolut tabu, weil das Aujeszky-Virus für Katzen tödlich ist. Wer BARF nutzt, sollte hochwertige, tiefgefrorene Ware aus dem Fachhandel beziehen, sauber arbeiten und alle Flächen nach jeder Mahlzeit gründlich reinigen. Mehr Hintergrund findest du im Beitrag zu selbst gekochtem Katzenfutter, das eine etwas weniger riskante Alternative darstellt.
Kaltgepresstes Trockenfutter und „natürliche“ Verarbeitung
Klassisches Trockenfutter wird im Extrusionsverfahren bei hohen Temperaturen (oft über hundert Grad Celsius) hergestellt. Dabei werden hitzeempfindliche Vitamine und Aminosäuren teilweise zerstört, was über Vitaminzusätze später wieder ausgeglichen werden muss. Kaltgepresstes Trockenfutter wird hingegen schonender bei rund vierzig bis siebzig Grad Celsius hergestellt. Die Idee: Mehr Nährstoffe bleiben in ihrer ursprünglichen Form erhalten.
Das klingt zunächst überzeugend, hat aber Einschränkungen. Kaltgepresstes Futter quillt im Magen weniger als extrudiertes, was bei manchen Tieren zu Verdauungsproblemen führen kann. Außerdem ist die Haltbarkeit kürzer, weil weniger Konservierungsverfahren angewendet werden. Wer kaltgepresstes Futter nutzt, sollte kleine Packungen kaufen und sie zügig aufbrauchen. Ein direkter ernährungsphysiologischer Vorteil ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, aber für Halterinnen und Halter mit dem Wunsch nach möglichst schonender Verarbeitung eine sinnvolle Option.
Wichtig bei aller Naturnähe: Trockenfutter ist nie ideal für Katzen, weil es nur sieben bis zehn Prozent Wasser enthält und die natürliche Wasseraufnahme über die Beute nicht ersetzt. Für die meisten Katzen ist hochwertiges Nassfutter die bessere Basis, ergänzt um eine kleine Menge Trockenfutter zur Knabberei. Die Hauptnahrung sollte den Wasserbedarf möglichst weitgehend decken. Mehr dazu findest du im Beitrag zu Nassfutter für Katzen.
Wie du naturnah und alltagstauglich fütterst
Du musst nicht alles oder nichts machen. Eine sinnvolle naturnahe Fütterung kann pragmatisch aussehen: hochwertiges Nassfutter mit klar deklarierter Proteinquelle als Hauptmahlzeit, gelegentlich frisches Fleisch (gekocht, ohne Gewürze) als Topping, und gegebenenfalls eine kleine Menge kaltgepresstes Trockenfutter als Knabberei. Ergänze regelmäßig frisches Wasser an mehreren Stellen in der Wohnung, gerne mit einem Trinkbrunnen. Vermeide Zucker, künstliche Aromen und Sammelbegriffe.
Bei Mehrkatzenhaushalten ist die Praxis komplizierter, weil unterschiedliche Tiere unterschiedliche Bedürfnisse haben können. Eine Senior-Katze mit beginnender CNI braucht andere Nährwerte als eine junge, sportliche Wohnungskatze. Trenne Futterstellen oder nutze chip-gesteuerte Futterautomaten, damit jedes Tier sein passendes Futter bekommt. Bei Freigängern ist die Kontrolle ohnehin begrenzt, weil draußen Mäuse, Vögel oder Mahlzeiten bei Nachbarn dazukommen können.
Plane das Budget realistisch. Hochwertiges naturnahes Futter ist teurer als günstige Standardprodukte. Eine Vier-Kilo-Katze mit Premium-Nassfutter kostet etwa zwei bis drei Euro pro Tag in der Fütterung, also sechzig bis neunzig Euro pro Monat. BARF kann je nach Bezugsquelle ähnlich oder sogar teurer sein, vor allem wenn hochwertige Ergänzungen dazukommen. Eine Katzenversicherung kann zwar nicht das Futter, aber teure Folgekosten chronischer Erkrankungen abfedern, die durch falsche Ernährung entstehen können.

Marketing-Floskeln, die dich nichts kosten sollten
Manche Versprechen klingen gut und sagen wenig. „Sensitiv“ ist nicht geschützt und bedeutet meist nur „ohne Hühnerfleisch“ oder „ohne Getreide“, ohne dass nachweislich eine Unverträglichkeit reduziert wird. „Mit Liebe gemacht“ ist Folklore. „Premium“ hat keine gesetzliche Definition. „Reich an Fleisch“ kann fünfzehn Prozent Fleischanteil bedeuten und ist damit eher dürftig. „Frische Zutaten“ sagt nichts über die Verarbeitung danach.
Echte Qualitätssignale sind hingegen konkret: Der genaue Fleischanteil in Prozent, die Tierart („Hühnerherz“, „Rindleber“), die Bezeichnung „Alleinfuttermittel“ mit Angabe der Lebensphase, der Phosphorgehalt in Gramm pro hundert Gramm, der Tauringehalt mit Angabe der Menge, eine kurze Inhaltsliste ohne Sammelbegriffe. Wenn diese Angaben fehlen oder der Hersteller sie auf Nachfrage nicht liefert, ist das ein Warnsignal.
Achte auch auf das Mindesthaltbarkeitsdatum und die Chargenrückverfolgung. Seriöse Hersteller machen ihre Produktion transparent und beantworten Anfragen zur Herkunft der Rohstoffe innerhalb weniger Tage. Wer auf Nachfrage abblockt oder mit Allgemeinplätzen antwortet, hat in der Regel etwas zu verbergen. Tausch dich auch mit deiner Tierärztin aus, viele Praxen haben eine kurze Liste empfohlener Hersteller, die sich in der Praxis bewährt haben.
Sonderfälle: Kitten, Trächtigkeit, Senior
Naturnahe Fütterung muss in jeder Lebensphase anders gedacht werden. Kitten bis ein Jahr brauchen besonders viel Energie, Eiweiß und Mikronährstoffe für Wachstum und Knochenaufbau. Ein BARF-Plan ohne ausreichend Calcium und Vitamin D kann hier zu schweren Skelettschäden führen. Sicherer ist hochwertiges Kitten-Nassfutter mit klarer Deklaration, ergänzt um gelegentlich frisches Fleisch. Mehr dazu im Beitrag zu Katzenfutter für Kitten.
Trächtige und säugende Kätzinnen haben einen Energiebedarf, der bis zum Doppelten der Erhaltungsdosis steigen kann. Ein zu knapper Plan kann zu Milchmangel, geringerem Geburtsgewicht der Kitten und Erschöpfung der Mutter führen. Wer hier naturnah füttern will, sollte unbedingt mit der Tierärztin den Plan abstimmen und regelmäßig wiegen. Besonders wichtig sind Calcium, hochwertige Proteine und ausreichende Energie aus Fett.
Senioren brauchen meist weniger Energie, aber genauso viel oder mehr Eiweiß zur Erhaltung der Muskelmasse. Phosphor sollte moderat dosiert sein, vor allem bei beginnender Niereninsuffizienz. Eine BARF-Ration mit hohem Knochenanteil ist hier riskant, weil der Phosphorgehalt schnell zu hoch wird. Hochwertiges Nassfutter mit angepassten Werten ist meist die einfachere Lösung. Eine Senior-Vorsorgeuntersuchung pro Jahr (ab zwölf besser zwei) ist Pflicht.
Tierärztlicher Blick: Wann brauchst du Beratung?
Eine tierärztliche Ernährungsberatung lohnt sich vor jeder größeren Umstellung, vor allem bei BARF, bei Bio-Konzepten mit selbst gemischten Bestandteilen oder bei Senior-Katzen mit chronischen Erkrankungen. Eine erste Beratung in der Praxis kostet in Österreich etwa fünfzig bis hundertfünfzig Euro und liefert dir einen klaren Plan. Bei BARF ist eine zertifizierte Tierernährungsberaterin oder ein entsprechend qualifizierter Tierarzt die beste Anlaufstelle. Eine wohnortnahe Beratung findest du über unseren Tierarzt-Finder, in der Bundeshauptstadt unterstützt der Tierarzt in Wien.
Im Alltag solltest du in die Praxis, wenn deine Katze nach einer Futterumstellung anhaltende Verdauungsprobleme zeigt, plötzlich Gewicht verliert oder zunimmt, mehr trinkt und uriniert als vorher oder ihr Putzverhalten verändert. Diese Hinweise können sowohl auf eine ungeeignete Diät als auch auf eine entstehende Erkrankung hinweisen. Eine systematische Abklärung mit Blutbild ist meist günstiger als monatelanges Probieren.
Ein häufig unterschätztes Thema ist die langfristige Kontrolle. Auch wenn deine Katze auf einem naturnahen Futter gut zurechtkommt, lohnt sich einmal pro Jahr (ab zehn Jahren besser zweimal) ein Blutbild mit Schilddrüse, Nieren und Glukose, dazu eine Urinkontrolle. So fängst du beginnende Erkrankungen früh ab und kannst die Diät rechtzeitig anpassen, bevor irreversible Schäden entstehen.
Notfall erkennen
Verweigert deine Katze nach einer Umstellung mehr als vierundzwanzig Stunden Futter und Wasser, erbricht sie wiederholt oder hat blutigen Durchfall, ist das ein Notfall. Eine längere Futterverweigerung kann bei Katzen binnen weniger Tage zur lebensbedrohlichen Leberverfettung führen.
Häufige Fragen zu natürlichem Katzenfutter
Quellen
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