Woran erkennt man hochwertiges Katzenfutter?
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Hochwertiges Katzenfutter zu erkennen ist im DACH-Raum schwieriger geworden, nicht einfacher. Über 5.000 Produkte konkurrieren in Österreich und Deutschland um den Platz im Napf, fast jede Marke wirbt mit „Premium“, „natürlich“ oder „artgerecht“, ohne dass diese Begriffe gesetzlich definiert sind. Wer eine wirklich gute Wahl treffen will, braucht klare Kriterien jenseits der Marketingversprechen. Die Antwort liegt in der Etikettenanalyse: Was steht wirklich drauf? Wie ist der Fleischanteil deklariert? Welche Sammelbegriffe verstecken sich? Welche Mengen an Rohfaser, Rohasche, Phosphor und Taurin liefert das Futter? Und welche Aussagen erlauben dir die FEDIAF-Standards und die österreichische Futtermittelkennzeichnung? Dieser Ratgeber ist dein praktischer Guide für den Einkauf. Er erklärt dir die Deklarationspflichten, zeigt dir versteckte Marketingfallen und gibt dir konkrete Faustregeln für die schnelle Beurteilung im Supermarkt oder Onlineshop. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Auf einen Blick
Hochwertige Katzenfutter haben mindestens 60 Prozent Fleischanteil mit klarer Tierartbezeichnung („Hühnerherz“, „Rindleber“), eine kurze Zutatenliste ohne Sammelbegriffe wie „pflanzliche Nebenerzeugnisse“, einen niedrigen Rohaschegehalt unter 2 Prozent (Nass) bzw. unter 7 Prozent (Trocken), keine Zuckerzusätze, klare Angaben zu Phosphor und Taurin, eine FEDIAF-konforme Vollwertdeklaration und ein Mindesthaltbarkeitsdatum mit Chargenrückverfolgung. Bio-Zertifizierung ist optional, kein Qualitätsbeweis allein.
Wie liest du die Zutatenliste richtig?
Die Zutatenliste auf einer Futterverpackung ist gesetzlich vorgeschrieben und muss in absteigender Mengenordnung angegeben werden. Der Inhaltsstoff mit dem höchsten Anteil steht ganz vorne. Bei einem hochwertigen Nassfutter steht idealerweise eine konkrete Fleischzutat an erster Stelle, gefolgt von weiteren tierischen Bestandteilen. Beispiel einer guten Deklaration: „Hühnerherz 30 Prozent, Hühnerleber 20 Prozent, Hühnermuskelfleisch 15 Prozent, Hühnerbrühe, Mineralstoffe, Lachsöl 0,5 Prozent“. Eine schlechte Deklaration sieht so aus: „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse 50 Prozent, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Mineralstoffe“.
Der Begriff „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ ist ein Sammelbegriff und sagt fast nichts. Er kann hochwertiges Muskelfleisch enthalten, aber genauso gut Schlachtreste wie Federn, Klauen, Hufe, Schnäbel oder Knochenmehl. Diese Stoffe haben für die Katze deutlich geringeren Nährwert. Wenn du nicht weißt, welche Tierart und welches Gewebe verwendet wurde, ist das ein Warnsignal.
Auch „pflanzliche Nebenerzeugnisse“ und „pflanzliche Eiweißextrakte“ sind kritisch. Sie können Rückstände aus der industriellen Verarbeitung sein, etwa Maiskleber oder Sojaprotein, die für eine obligat karnivor ernährte Katze nicht artgerecht sind. Eine Katze braucht hochwertiges tierisches Eiweiß. Pflanzliche Eiweißquellen können das nicht vollständig ersetzen.
Eine kurze, klare Zutatenliste mit fünf bis zehn Positionen ist meist besser als eine endlose Liste mit 30 Inhaltsstoffen. Bei kurzen Listen siehst du schnell, was drin ist. Lange Listen verstecken oft minderwertige Komponenten in kleinen Mengen.

Was bedeuten Rohfaser, Rohasche und Rohprotein?
Die analytischen Bestandteile sind eine zweite Pflichtangabe und geben einen quantitativen Überblick über die Nährstoffzusammensetzung. Du findest sie meist in einer Tabelle auf der Verpackung. Die wichtigsten Werte sind Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchtigkeit (Wassergehalt). Diese Werte sagen aber nichts über die Qualität der Inhaltsstoffe, sondern nur über die Menge.
Rohprotein ist die Gesamtmenge an Eiweiß. Bei Nassfutter sollten mindestens 8 bis 12 Prozent Rohprotein enthalten sein, bei Trockenfutter 30 bis 40 Prozent. Wichtig ist die Herkunft: tierisches Eiweiß ist für die Katze deutlich besser verwertbar als pflanzliches.
Rohfett liefert Energie und essentielle Fettsäuren. Bei Nassfutter sind 4 bis 8 Prozent ein guter Wert, bei Trockenfutter 12 bis 20 Prozent. Achte zusätzlich auf Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl oder Lachsöl, sie unterstützen Haut, Fell und Gelenke.
Rohfaser ist der Anteil an pflanzlichen Faserstoffen. Bei Katzen sollte er moderat sein, etwa 0,5 bis 2 Prozent bei Nassfutter, weil Katzen als Karnivoren wenig Faserstoffe brauchen. Zu hohe Werte deuten auf billige Füllstoffe hin.
Rohasche ist der mineralische Rückstand nach Veraschung des Futters. Sie umfasst alle Mineralstoffe wie Calcium, Phosphor, Natrium und Spurenelemente. Bei Nassfutter sollten weniger als 2 Prozent Rohasche enthalten sein, bei Trockenfutter weniger als 7 Prozent. Hohe Rohaschewerte (über 3 Prozent Nass, über 10 Prozent Trocken) deuten auf hohe Knochenanteile oder Mineralergänzungen hin und können bei empfindlichen Katzen Nierenstress verursachen.
Feuchtigkeit ist bei Nassfutter mit 75 bis 80 Prozent normal, bei Trockenfutter unter 12 Prozent. Eine ausreichende Wasseraufnahme ist für Katzen lebenswichtig, vor allem zur Vorbeugung von Blasenproblemen. Mehr unter Blasenentzündung Katze und Nassfutter für Katzen.
Was ist der FEDIAF-Standard und warum ist er wichtig?
Die European Pet Food Industry Federation (FEDIAF) gibt seit Jahrzehnten Ernährungsempfehlungen für Hunde und Katzen heraus. Die FEDIAF-Nutritional-Guidelines sind das wissenschaftliche Standardwerk für die Petfood-Industrie in Europa und werden regelmäßig aktualisiert (zuletzt 2024). Sie definieren minimale und maximale Mengen für alle essentiellen Nährstoffe, abhängig von Lebensphase und Energiebedarf.
Ein hochwertiges Alleinfuttermittel muss FEDIAF-konform sein, also alle essentiellen Nährstoffe in adäquater Menge enthalten. Die Hersteller sind nicht verpflichtet, das auf der Verpackung zu deklarieren, aber seriöse Marken weisen es aus. Achte auf Hinweise wie „nach FEDIAF-Empfehlungen formuliert“ oder „erfüllt die Nährstoffanforderungen für erwachsene Katzen nach FEDIAF Nutritional Guidelines for Cats and Dogs“.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Alleinfutter und Ergänzungsfutter. Ein Alleinfuttermittel deckt den gesamten Nährstoffbedarf, wenn es als einzige Nahrung gefüttert wird. Ein Ergänzungsfutter (zum Beispiel reine Fleischmenüs ohne Mineralergänzung) muss kombiniert werden, sonst entstehen Mängel. Bei BARF und reinen Frischfleisch-Konzepten ist das ein häufiges Problem. Mehr zur Grundlage findest du unter artgerechte Ernährung Katze.
Bei Spezialdiäten (Senior, Kitten, Adipositas, Niere, Magen-Darm) sind die Anforderungen anders gelagert. Hier weichen einzelne Nährstoffe gezielt von den Standardempfehlungen ab. Diese Diäten sollten nur auf tierärztliche Empfehlung hin verfüttert werden, weil sie bei falscher Anwendung schaden können.
Was schreibt die österreichische Futtermittelkennzeichnung vor?
In Österreich gilt das Futtermittelgesetz 1999 sowie die EU-Verordnung 767/2009 zum Inverkehrbringen und zur Verwendung von Futtermitteln. Diese Vorschriften regeln die Pflichtangaben auf jeder Verpackung. Sie umfassen Bezeichnung des Futtermittels (Allein- oder Ergänzungsfutter), Tierartbezeichnung, Zutatenliste in absteigender Mengenfolge, analytische Bestandteile, Zusatzstoffe (vor allem Vitamine und Spurenelemente), Mindesthaltbarkeitsdatum, Charge oder Lot-Nummer, Hersteller oder Inverkehrbringer mit vollständiger Adresse, Nettomasse, Fütterungsempfehlung und gegebenenfalls Hinweise zu Zielgruppen oder Lebensphasen.
Eine Verpackung, die diese Pflichtangaben nicht vollständig liefert, ist im Handel illegal. Verbraucherorganisationen wie die Arbeiterkammer Wien testen regelmäßig Petfood-Produkte, und Verstöße werden öffentlich gemacht. Wenn du Zweifel hast, ist die Information beim Hersteller direkt nachzufragen. Eine seriöse Marke beantwortet Halterfragen innerhalb weniger Tage und liefert detaillierte Auskünfte zu Herkunft, Verarbeitung und Nährstoffen.
Bei Bio-Futter kommt die EU-Öko-Verordnung dazu. „EU-Bio“ und das österreichische „AT-Bio“ garantieren kontrollierte ökologische Tierhaltung der Rohstofflieferanten, Verzicht auf chemische Pestizide und gentechnisch veränderte Zutaten. Auf der Verpackung muss das EU-Bio-Sechseck mit dem entsprechenden Code (zum Beispiel AT-BIO-301) sichtbar sein. Bio sagt aber nichts über die ernährungsphysiologische Eignung. Ein Bio-Futter kann genauso schlecht zusammengesetzt sein wie ein konventionelles, wenn es zu wenig Fleisch oder einen unpassenden Phosphorgehalt enthält.
Achte auf den Phosphorgehalt, vor allem bei älteren Katzen. Ein erhöhter Phosphorwert belastet die Niere und beschleunigt eine bestehende Niereninsuffizienz. Hochwertiges Senior-Futter enthält weniger als 0,8 Gramm Phosphor pro 100 Gramm Trockensubstanz. Mehr unter Niereninsuffizienz Katze.

Welche Marketingfallen solltest du kennen?
Die Petfood-Branche ist ein Marketing-Wettbewerb mit über 80 Prozent Markentreue, daher arbeiten viele Hersteller mit emotionalen Versprechen. „Mit echtem Hühnchen“ kann fünf Prozent Hühneranteil bedeuten und ist trotzdem rechtlich zulässig. „Reich an Fleisch“ definiert sich oft mit weniger als 20 Prozent Fleischanteil. „Premium“ und „Super-Premium“ haben keine gesetzliche Definition. „Sensitiv“ bedeutet meist nur, dass eine bestimmte Zutat (oft Hühnerfleisch oder Getreide) nicht enthalten ist, ohne dass eine Unverträglichkeit nachgewiesen werden müsste.
Ein häufiger Trick ist die Bewerbung einer einzelnen, hochwertigen Zutat in der Frontansicht (zum Beispiel ein großes Bild von einem Lachs), während im Kleingedruckten dann nur 4 Prozent Lachs enthalten sind. Achte immer auf die exakten Mengenangaben, nicht auf die Bilder. Wer wirklich hochwertig produziert, weist die Anteile prozentgenau aus.
Auch „getreidefrei“ ist nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal. Manche getreidefreien Futter ersetzen Getreide einfach durch Kartoffeln, Erbsen oder Tapioka, die ähnlich wenig Nährwert für die Katze haben. Studien aus den USA (FDA-Bericht 2018) haben sogar einen Zusammenhang zwischen bestimmten getreidefreien Futtern und einer dilatativen Kardiomyopathie bei Hunden vermutet, bei Katzen ist die Datenlage unklar, aber „getreidefrei“ allein ist kein Qualitätsmerkmal.
Auch „kaltgepresst“ ist nicht automatisch besser. Es ist eine schonendere Verarbeitung, bedeutet aber nicht zwangsläufig hochwertige Inhaltsstoffe. Wenn das Grundrezept schlecht ist, hilft auch die schonendste Verarbeitung nicht. Erst die Kombination aus hochwertigen Zutaten und schonender Verarbeitung macht ein Produkt wirklich gut.
Vermeide Futter mit Zuckerzusätzen (auch in Form von Karamell, Saccharose, Glukosesirup), künstlichen Farb- und Aromastoffen sowie konservierenden Antioxidantien wie BHA, BHT oder Ethoxyquin. Diese Stoffe sind weder nötig noch gesundheitlich vorteilhaft. Mehr Hintergrund findest du im Beitrag zu Trockenfutter für Katzen.
Welche praktischen Faustregeln helfen dir im Alltag?
Für den Alltag im Supermarkt oder Onlineshop reichen sieben einfache Faustregeln. Erstens: Schau auf die Zutatenliste, der erste Inhaltsstoff sollte eine konkret benannte Fleischzutat sein, idealerweise mit Prozentangabe. Zweitens: Vermeide Sammelbegriffe wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ oder „pflanzliche Nebenerzeugnisse“.
Drittens: Achte auf einen niedrigen Rohaschegehalt unter 2 Prozent bei Nassfutter, unter 7 Prozent bei Trockenfutter. Viertens: Prüfe den Phosphorgehalt, vor allem bei Senior-Futter, er sollte unter 0,8 Gramm pro 100 Gramm Trockensubstanz liegen. Fünftens: Bevorzuge Nassfutter als Hauptmahlzeit, weil Katzen ihren Wasserbedarf bevorzugt über die Nahrung decken.
Sechstens: Vermeide Futter mit Zuckerzusätzen, künstlichen Farbstoffen oder den Konservierern BHA, BHT und Ethoxyquin. Siebtens: Achte auf eine vollständige Pflichtkennzeichnung mit Hersteller, Charge und Mindesthaltbarkeit. Wenn diese fehlt, lass das Produkt im Regal.
Praktisch lohnt sich eine kurze Phase des Vergleichs. Notiere dir bei zwei oder drei Produkten die Eckdaten und vergleiche sie nebeneinander. Du wirst schnell merken, wie groß die Qualitätsunterschiede zwischen Discounter-Linien und Premium-Marken wirklich sind. Der Preis pro Tag ist oft weniger unterschiedlich, als du denkst, weil hochwertiges Futter besser sättigt und die Tagesmenge geringer ausfällt.
Bei Mehrkatzenhaushalten oder bei besonderen Bedürfnissen (Senior, Kitten, Erkrankung) lohnt sich die Beratung durch eine Tierärztin oder eine zertifizierte Tierernährungsberaterin. Mehr zur richtigen Umstellung findest du unter Futterumstellung bei der Katze.
Tierärztlicher Blick: Wann lohnt sich die Investition wirklich?
Aus tierärztlicher Sicht gibt es vier zentrale Empfehlungen. Erstens: Setze bei der Hauptnahrung auf Nassfutter mit hoher Fleischqualität. Trockenfutter darf gerne dazu, sollte aber nicht die einzige Nahrungsquelle sein, weil die geringe Wasseraufnahme das Risiko für Blasen- und Nierenprobleme erhöht. Eine ausgewachsene Vier-Kilo-Katze braucht etwa 200 bis 250 Milliliter Wasser pro Tag, der Großteil sollte über die Nahrung kommen.
Zweitens: Spare nicht bei der Qualität, sondern bei der Verpackungsgröße oder der Marke. Eine hochwertige Premium-Linie kostet zwischen 1,50 und 3 Euro pro Tag bei einer Vier-Kilo-Katze, also etwa 45 bis 90 Euro pro Monat. Im Vergleich zu Tierarztkosten bei chronischen Erkrankungen ist das eine sinnvolle Investition. Eine Katzenversicherung mit OP- und Behandlungstarif kann zudem teure Folgekosten abfedern, falls trotzdem etwas auftritt.
Drittens: Lass dir bei besonderen Bedürfnissen (Senior, Niereninsuffizienz, Diabetes, Übergewicht) ein konkretes Diätfutter empfehlen. Es gibt mehrere veterinärmedizinische Diätlinien (Royal Canin, Hill’s, Purina Veterinary Diets, Specific), die wissenschaftlich validierte Rezepturen für spezifische Erkrankungen anbieten. Diese sind teurer als Standardfutter, aber für betroffene Tiere oft therapeutisch wertvoll.
Viertens: Frische Beobachtung schlägt jede Marketingverpackung. Eine gut ernährte Katze hat glänzendes Fell, festen geformten Stuhl, ausreichende Aktivität, gesundes Gewicht und stabile Blutwerte bei der Routineuntersuchung. Wenn diese Indikatoren stimmen, ist dein gewähltes Futter geeignet. Wenn nicht, lohnt sich die Anpassung in Absprache mit der Tierärztin.
Eine erfahrene Praxis findest du im Tierarzt-Finder, in der Bundeshauptstadt direkt unter Tierarzt Wien. Die Österreichische Tierärztekammer und die Bundestierärztekammer empfehlen jährliche Vorsorgeuntersuchungen mit Gewichts- und Ernährungscheck, halbjährlich ab dem zwölften Lebensjahr. Die FEDIAF-Standards sind die wissenschaftliche Grundlage für jede ernährungsphysiologische Empfehlung.
Häufige Fragen zu hochwertigem Katzenfutter
Quellen
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