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Lungenwurm bei Katzen

Lungenwurm bei Katzen

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Lungenwurm bei Katzen klingt nach einem exotischen Problem, ist es in Deutschland und Österreich aber längst nicht mehr. Vor allem Freigänger holen sich die kleinen Parasiten regelmäßig über Schnecken oder Beutetiere wie Mäuse und Vögel. Die Würmer setzen sich in den Atemwegen fest und führen über Wochen zu hartnäckigem Husten, Atemnot und Leistungsabfall. Das Tückische: Die Symptome werden oft mit einer Erkältung oder einer chronischen Bronchitis verwechselt.

In diesem Ratgeber liest du, wie sich der Lungenwurm überträgt, welche Anzeichen typisch sind, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungswege heute Standard sind. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

Lunge

Husten ist nie harmlos

Wenn deine Katze über mehrere Tage hustet, würgt oder schwer atmet, ist das kein Hairball-Problem mehr. Lungenwurmbefall, Asthma und Herzerkrankungen lassen sich nur in der Praxis sauber unterscheiden. Je früher die Diagnose steht, desto einfacher ist die Behandlung.

Wie steckt sich eine Katze mit Lungenwurm an?

Der häufigste Erreger in der DACH-Region ist Aelurostrongylus abstrusus, ein winziger Fadenwurm. Die Katze infiziert sich nicht direkt von einer anderen Katze, sondern über sogenannte Zwischenwirte. Schnecken und Nacktschnecken nehmen die Larven aus dem Boden auf, danach landen sie über Mäuse, Vögel, Frösche oder Reptilien im Beutemagen der Katze. Im Katzenkörper wandern die Larven über Lymphgefäße und Blutbahn in die kleinen Bronchien und Lungenbläschen.

Vier bis sechs Wochen nach der Aufnahme beginnen die ausgewachsenen Würmer mit der Eiablage in der Lunge. Die Larven werden hochgehustet, geschluckt und mit dem Kot ausgeschieden, von dort schließt sich der Kreislauf wieder. Besonders gefährdet sind junge Freigänger im ersten und zweiten Lebensjahr, weil sie viel jagen und ein noch nicht voll entwickeltes Immunsystem haben. Wohnungskatzen sind nicht vollkommen sicher, da Schnecken auf Balkonpflanzen oder mit eingeschleppter Erde in die Wohnung gelangen können.

Welche Symptome sind typisch?

Die Erkrankung verläuft schleichend und bleibt oft monatelang unentdeckt. Frühe Anzeichen sind ein trockener, würgender Husten, der sich nach Belastung oder am Morgen verstärkt. Im weiteren Verlauf kommt eine beschleunigte Atmung dazu, manche Katzen atmen mit offenem Maul, was bei der Katze immer ein Alarmsignal ist und sofort tierärztlich abgeklärt werden muss.

Bei stärkerem Befall sieht man Gewichtsverlust, ein stumpfes Fell und allgemeinen Leistungsabfall. Junge Katzen mit massiver Infektion können eine Bronchopneumonie entwickeln, bei der hohes Fieber, schwerste Atemnot und blau-violette Schleimhäute auftreten. Solche Verläufe sind ein Notfall. Die Symptome ähneln stark dem felinen Asthma, einer chronischen Bronchitis oder einer Herzerkrankung. Eine Eigendiagnose ist deshalb nicht möglich.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Der erste Schritt ist immer die klinische Untersuchung mit Abhören der Lunge. Tierärztinnen und Tierärzte hören typische trockene oder feuchte Rasselgeräusche, die Atmung ist verschärft. Den entscheidenden Hinweis gibt der Kotnachweis nach dem Baermann-Verfahren. Dabei werden Larven aus einer Sammelkotprobe von drei aufeinanderfolgenden Tagen ausgeschwemmt. Eine einzelne Tagesprobe ist nicht aussagekräftig, weil die Ausscheidung schwankt.

Ergänzend kommen Röntgenbilder der Brust zum Einsatz, auf denen sich verdichtete Bronchien und fleckige Lungenveränderungen zeigen. Eine bronchoalveoläre Lavage, also eine Spülprobe aus der Lunge unter Narkose, kann Larven direkt nachweisen, wird aber nur in Spezialfällen genutzt. Im Blutbild fällt häufig eine Eosinophilie auf, die auf einen Parasitenbefall hinweist. Bei unklarem Bild ist die Differenzialdiagnose zum felinen Asthma wichtig, denn die Therapie ist eine andere. Mehr im Ratgeber zu Parasiten bei Katzen.

Katze beim Tierarzt zur Untersuchung

Wie wird Lungenwurm behandelt?

Die gute Nachricht zuerst: Bei rechtzeitiger Diagnose ist Lungenwurm gut behandelbar. Mittel der Wahl sind makrocyclische Laktone, vor allem Spot-on-Präparate mit Emodepsid plus Praziquantel oder Selamectin und Eprinomectin. Die Anwendung erfolgt zwei bis drei Mal im Abstand von zwei bis vier Wochen, damit auch nachreifende Larven erfasst werden. Bei schwerem Husten unterstützen Bronchienerweiterer und in Einzelfällen Glukokortikoide die Atmung, während die Würmer absterben.

Bei massiver Lungenentzündung kann ein stationärer Aufenthalt mit Sauerstoffzufuhr nötig sein. Wichtig ist, dass nach Therapieende eine Kontrolle per Baermann-Verfahren erfolgt, damit der Erfolg dokumentiert ist. Selbstmedikation mit handelsüblichen Spot-ons aus dem Drogeriemarkt ist riskant, weil viele rezeptfreie Mittel keine Wirksamkeit gegen Lungenwürmer haben.

Wie sieht die Prognose aus?

Bei jungen, sonst gesunden Katzen mit moderatem Befall ist die Prognose sehr gut. Innerhalb von zwei bis vier Wochen nach Therapiebeginn klingen Husten und Atemprobleme ab, die Lunge regeneriert. Wird die Diagnose erst spät gestellt und liegt bereits eine ausgeprägte Bronchopneumonie vor, kann die Erholung Monate dauern, in seltenen Fällen bleiben Vernarbungen im Lungengewebe zurück.

Senioren oder immungeschwächte Tiere brauchen mehr Geduld und engmaschigere Kontrollen. Eine Reinfektion ist jederzeit möglich, vor allem bei Freigängern, deshalb ist die Prophylaxe nach erfolgreicher Behandlung kein optionales Extra, sondern Pflicht. Mehr im Ratgeber zur Katzenerkältung zur Abgrenzung der Symptome.

Wie kannst du vorbeugen?

Echte Prophylaxe gibt es nur bei konsequenter Entwurmung. Für reine Wohnungskatzen reichen vier Entwurmungen pro Jahr, bei Freigängern sind es mindestens sechs, in jagdaktiven Regionen oft zwölf. Wichtig ist, dass das verwendete Mittel auch gegen Lungenwürmer wirkt. Standardpräparate gegen Spul- und Bandwürmer schließen den Lungenwurm nicht zwangsläufig ein. Die Tierarztpraxis empfiehlt das passende Schema je nach Lebensstil.

Wer einen Garten hat, kann die Schneckenpopulation niedrig halten, ohne giftige Köder einzusetzen, etwa über Schneckenzäune und das Aufsammeln in den Morgenstunden. Selbstgepflückte oder nasse Wiesenpflanzen sollten Freigängern nicht als Frischfutter angeboten werden. Bei einem Mehrkatzenhaushalt mit positivem Befund werden alle Tiere gleichzeitig behandelt, sonst rollt die Infektion immer wieder durchs Haus.

Lungenwurm bei Katzen – go4vet

Wie unterscheidest du Lungenwurm von Asthma oder Erkältung?

Die Symptome überschneiden sich stark, weshalb eine Abgrenzung ohne Praxis nicht zuverlässig möglich ist. Eine klassische Erkältung beim Katzenschnupfen läuft mit Niesen, Augenausfluss und Fieber, eher selten mit isoliertem Husten. Felines Asthma zeigt sich oft als anfallsartiges Husten und Pfeifen, häufig nach Belastung, besonders bei Wohnungskatzen mit Allergie auf Staub oder Streu.

Lungenwurm verläuft meist progressiver, mit zunehmender Atemnot über Wochen, und ist klassischerweise bei jagenden Freigängern zu finden. Eine Herzerkrankung mit Lungenödem führt ebenfalls zu Atemnot, hier liegt der Fokus aber meist auf Schwäche und schneller Erschöpfung. Die Praxis nutzt Kotuntersuchung, Röntgen, Ultraschall und Blutbild, um die richtige Diagnose zu sichern.

Was kostet Diagnose und Therapie?

Die Eingangsuntersuchung mit Anamnese und Lungenabhören liegt zwischen 40 und 80 Euro. Eine Baermann-Kotuntersuchung kostet zwischen 30 und 60 Euro, Röntgenaufnahmen je nach Praxis 80 bis 180 Euro. Eine Spot-on-Behandlung mit modernem Wirkstoff kostet pro Anwendung 25 bis 45 Euro, multipliziert mit zwei oder drei Anwendungen pro Therapie.

Bei kompliziertem Verlauf mit Lungenentzündung und stationärem Aufenthalt liegen die Gesamtkosten schnell bei 600 bis 1.200 Euro. Eine Katzenkrankenversicherung oder eine OP-Versicherung federt diese Beträge ab, vor allem bei jungen Freigängern. Die jährliche Prophylaxe mit korrekter Entwurmung kostet je nach Schema 60 bis 150 Euro und ist die mit Abstand günstigste Variante.

Wie geht der Alltag während der Behandlung weiter?

Während der ersten zwei Wochen einer Therapie sollte die Katze möglichst geschont werden. Das heißt nicht eingesperrt, aber bewusst weniger Spielreize, die zu starken Atemschüben führen. Der Hustenreiz kann sich kurz nach der ersten Spot-on-Anwendung sogar verstärken, weil absterbende Würmer Reiz im Gewebe verursachen. Das ist meist normal, sollte aber engmaschig mit der Praxis besprochen werden.

Frisches Wasser, eine ruhige Liegefläche und eine Umgebung ohne Zigarettenrauch oder stark riechende Reinigungsmittel unterstützen die Heilung. Bei Freigängern ist es sinnvoll, die ersten Tage die Tür geschlossen zu halten und das Tier zu beobachten. Mehr im Ratgeber zu wenn die Katze nicht frisst, falls der Appetit unter der Behandlung leidet.

Tierärztlicher Blick

Aus Sicht der Praxis ist Lungenwurm bei Katzen ein unterschätztes Problem. Viele Halterinnen und Halter denken bei chronischem Husten zuerst an Hairballs oder eine Erkältung und kommen erst nach Wochen in die Sprechstunde. Eine Baermann-Kotuntersuchung bei Freigängern mit Husten gehört heute zum Standardvorgehen, ist aber nur aussagekräftig, wenn drei Tage lang gesammelt wird. Wer den Verdacht hat, sollte gezielt danach fragen.

Über unsere Tierarztsuche findest du Praxen mit Schwerpunkt Innere Medizin und Endoskopie, die auch komplizierte Fälle sicher abklären. Bei Mehrkatzenhaushalten lohnt sich die strategische Beratung zur Entwurmung in Deutschland und Österreich, weil ESCCAP-Empfehlungen je nach Risikogruppe deutlich unterschiedlich ausfallen.

Was du beim Lungenwurm mitnehmen solltest

Lungenwurm bei Katzen ist gut behandelbar, wenn er rechtzeitig erkannt wird. Hartnäckiger Husten über mehrere Tage ist immer ein Grund für den Praxisbesuch, besonders bei jungen Freigängern. Die Diagnose über das Baermann-Verfahren ist günstig, die Therapie mit modernen Spot-ons effektiv und gut verträglich. Wer sein Tier konsequent entwurmt und auf die individuellen Risiken Rücksicht nimmt, beugt zuverlässig vor.

Wichtig ist, beim ersten Husten nicht selbst zu therapieren, sondern eine richtige Diagnose stellen zu lassen. Felines Asthma, Herzprobleme und Lungenwurm sehen sich auf den ersten Blick ähnlich, brauchen aber komplett unterschiedliche Behandlungen. Vertiefend findest du Hinweise im Ratgeber zur Impfung der Katze und zu Freigänger-Schutz.

Häufige Fragen zum Lungenwurm bei Katzen

Können sich Wohnungskatzen mit Lungenwurm anstecken?
Ja, wenn auch deutlich seltener. Schnecken können auf Balkonpflanzen, an Schuhen oder mit Topferde in die Wohnung gelangen. Bei chronischem Husten einer Wohnungskatze sollte Lungenwurm trotzdem differenzialdiagnostisch geprüft werden.
Ist Lungenwurm auf den Menschen übertragbar?
Aelurostrongylus abstrusus ist nicht zoonotisch, eine Übertragung auf Menschen ist nicht beschrieben. Trotzdem gilt die übliche Hygiene nach Kontakt mit Katzenkot, vor allem bei der Reinigung des Katzenklos.
Wie schnell wirkt die Behandlung?
Innerhalb der ersten Woche bessert sich der Allgemeinzustand bei den meisten Katzen deutlich. Die vollständige Genesung mit Abklingen des Hustens dauert zwei bis vier Wochen. Eine Kontrolle per Baermann-Verfahren bestätigt den Therapieerfolg.
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