Kaum kommt dein Hund aus dem Regen zurück, breitet sich im Flur dieser typische Geruch aus, den wohl jeder Hundehalter kennt. Er ist muffig, ein wenig süßlich und erinnert vielleicht an feuchte Wolle oder einen nassen Teppich. Der Geruch ist normalerweise völlig harmlos, hat eine klare Ursache und kann dir sogar Hinweise darauf geben, wie es um Haut und Fell deines Hundes steht.
Das Wichtigste in Kürze
- Der typische Geruch eines nassen Hundes entsteht, wenn Feuchtigkeit Stoffwechselprodukte von Hefen und Bakterien auf Haut und Fell löst und diese beim Trocknen in die Luft gelangen.
- Solche Mikroorganismen gehören bei jedem gesunden Hund zur natürlichen Hautflora. Der Geruch allein ist daher kein Zeichen für eine Erkrankung oder mangelnde Pflege.
- Auffällig wird es, wenn dein Hund auch im trockenen Zustand stark riecht, sich der Geruch verändert oder zusätzlich Juckreiz, Rötungen oder Probleme mit den Ohren auftreten.
- Gründliches Abtrocknen, regelmäßiges Bürsten und Baden nur bei Bedarf helfen dabei, den Geruch in Grenzen zu halten, ohne die natürliche Hautbarriere unnötig zu belasten.
Warum riecht mein Hund eigentlich?
Auf der Haut deines Hundes lebt ganz natürlich eine große Gemeinschaft aus Bakterien und Hefepilzen. Das ist weder ungewöhnlich noch ein Zeichen mangelnder Hygiene, denn diese Mikroorganismen gehören zur normalen Hautflora und erfüllen wichtige Aufgaben für die Hautbarriere. Bei ihrem Stoffwechsel entstehen verschiedene flüchtige Stoffe, die bei trockenem Fell größtenteils im Talgfilm gebunden bleiben und deshalb kaum auffallen.
Wird das Fell nass, verändert sich die Situation. Die Feuchtigkeit löst einen Teil dieser Stoffe, und beim anschließenden Verdunsten gelangen sie verstärkt in die Luft. Deshalb riecht dein Hund direkt nach einem Regenspaziergang oft besonders intensiv, während der Geruch mit zunehmender Trocknung wieder nachlässt.
Auch der natürliche Talg auf Haut und Fell trägt zum typischen Geruch bei. Wie stark du ihn wahrnimmst, hängt unter anderem davon ab, wie viel Wasser das Fell aufnimmt und wie schnell es wieder trocknet. Ein Hund mit sehr dichtem Fell und viel Unterwolle bleibt deshalb meist länger feucht und riecht entsprechend länger als ein kurzhaariger Hund mit dünnem Fell.
Warum riechen manche Hunde stärker als andere?
Ein wichtiger Faktor ist die Fellstruktur. Hunde mit dichter Unterwolle, etwa Retriever, Hütehunde oder nordische Rassen, speichern viel Feuchtigkeit nah an der Haut und brauchen länger zum Trocknen. Bei Rassen mit ausgeprägten Hautfalten, zum Beispiel Bulldoggen oder Shar-Peis, kommen zusätzlich warme und feuchte Hautbereiche hinzu, in denen sich Hefen besonders wohlfühlen können.
Auch Hängeohren können eine Rolle spielen, weil im schlecht belüfteten Gehörgang leichter ein warmes und feuchtes Milieu entsteht. Darüber hinaus beeinflussen Alter, Hautzustand, Hormone und individuelle Talgproduktion den Eigengeruch eines Hundes. Manche Hunde riechen deshalb von Natur aus etwas stärker als andere, ohne dass etwas nicht stimmt.
Hinzu kommt der Alltag deines Hundes. Wer gern in Pfützen, Seen oder Tümpeln badet, bringt zusätzlich Schmutz und Mikroorganismen von außen mit ins Fell. Und genau wie Menschen haben auch Hunde einen ganz eigenen Körpergeruch, den ihre Halter oft erstaunlich gut wiedererkennen können.
Wann ist der Geruch ein Warnsignal?
Normalerweise wird der typische Geruch deutlich schwächer, sobald das Fell vollständig getrocknet ist. Auffällig wird es dagegen, wenn dein Hund auch trocken stark riecht, sich der Geruch plötzlich verändert oder besonders süßlich, hefig beziehungsweise unangenehm scharf wird. Kommen zusätzlich Juckreiz, gerötete Haut, fettiges Fell oder dunkle Verfärbungen hinzu, kann eine verstärkte Vermehrung von Hefen oder eine andere Hauterkrankung dahinterstecken.
Besonders häufig fallen solche Veränderungen zwischen den Zehen, in den Achseln, in Hautfalten oder an anderen schlecht belüfteten Stellen auf. Dort bleibt Feuchtigkeit länger bestehen und die Haut ist stärker beansprucht. Mehr zu möglichen Pilzerkrankungen findest du im Ratgeber Hautpilz beim Hund.
Auch die Ohren können für einen auffälligen Geruch verantwortlich sein. Wird der Geruch deutlich stärker, wenn du dich dem Kopf näherst, und schüttelt oder kratzt sich dein Hund häufiger, solltest du einen Blick auf die Ohren werfen. Dunkles Sekret, gerötete Haut oder ein unangenehmer Geruch können auf eine Ohrenentzündung hindeuten, die ohne Behandlung chronisch werden kann.
Mehr dazu erfährst du im Ratgeber Ohrenentzündung beim Hund. Auch Zahnprobleme, volle Analdrüsen oder Hauterkrankungen infolge einer Allergie können den Gesamtgeruch deines Hundes verändern. Als einfache Faustregel gilt: Riecht dein Hund plötzlich anders als sonst, bleibt der Geruch auch im trockenen Zustand bestehen oder kommen weitere Beschwerden hinzu, solltest du die Ursache tierärztlich abklären lassen.
Wie bekomme ich den Geruch meines Hundes in den Griff?
Der wichtigste Schritt nach einem nassen Spaziergang ist gründliches Abtrocknen. Ein saugfähiges Handtuch oder ein Hundebademantel nimmt bereits einen großen Teil der Feuchtigkeit auf und verkürzt die Zeit, in der das Fell nass bleibt. Bei sehr dichtem Fell kann zusätzlich ein Föhn auf niedriger und möglichst kühler Stufe helfen, sofern dein Hund langsam daran gewöhnt wurde und sich damit wohlfühlt.
Achte beim Trocknen besonders auf Stellen, an denen Feuchtigkeit lange bleibt. Dazu gehören unter anderem Achseln, Leisten, Pfoten und die Bereiche rund um die Ohren. Je schneller diese Stellen wieder trocken sind, desto weniger lange hält sich auch der typische Geruch.
Regelmäßiges Bürsten hilft ebenfalls. Dabei entfernst du lose Unterwolle, abgestorbene Hautschuppen und Schmutz, die Feuchtigkeit und Gerüche festhalten können. Besonders während des Fellwechsels im Herbst lohnt es sich, häufiger zur Bürste zu greifen.
Wie du dabei am besten vorgehst, zeigt der Ratgeber Fellpflege beim Hund. Was während des saisonalen Fellwechsels passiert, erfährst du außerdem im Beitrag Fellwechsel beim Hund. So kannst du die Pflege passend an Felltyp und Jahreszeit anpassen.
Baden ist sinnvoll, wenn dein Hund stark verschmutzt ist oder sich in etwas gewälzt hat, das unangenehm riecht. Gegen den normalen Geruch eines nassen Hundes solltest du ihn jedoch nicht ständig baden, denn sehr häufiges Waschen kann den natürlichen Talgfilm der Haut beeinträchtigen. Verwende bei Bedarf ein mildes Hundeshampoo, das für die Hundehaut geeignet ist, und spüle das Fell anschließend gründlich aus.
Nach dem Baden gilt dasselbe wie nach einem Regenspaziergang: Das Fell sollte möglichst gut trocknen. Auch die Pfoten verdienen dabei etwas Aufmerksamkeit, weil zwischen den Ballen leicht Feuchtigkeit zurückbleibt. Wie du sie richtig pflegst, erfährst du im Ratgeber zur Pfotenpflege.
Tierärztlicher Blick
Wir haben eine Tierärztin aus dem go4vet-Netzwerk gefragt, wie sie mit diesem Thema in der Praxis umgeht. Ihre Einschätzung: „Der Geruch nach dem Regen ist für mich zunächst kein Grund zur Sorge, sondern gehört bei vielen Hunden einfach dazu. Hellhörig werde ich dann, wenn Halter erzählen, dass ihr Hund seit einigen Wochen anders riecht und der Geruch auch bei trockenem Fell bestehen bleibt.“
„Dann schaue ich mir zuerst die Ohren, die Bereiche zwischen den Zehen und mögliche Hautfalten genauer an. Häufig steckt eine verstärkte Vermehrung von Hefen dahinter, die sich mit einem geeigneten Shampoo und gegebenenfalls einer Behandlung der zugrunde liegenden Ursache gut in den Griff bekommen lässt. Von Parfümsprays oder ständigem Baden gegen den Geruch rate ich dagegen ab, weil das die Haut zusätzlich reizen kann.“
Was kostet die Abklärung beim Tierarzt?
Eine allgemeine Untersuchung mit Kontrolle von Haut und Ohren kostet in Österreich und Deutschland meist zwischen 40 und 70 Euro. Wird zusätzlich ein Abstrich genommen oder eine Probe unter dem Mikroskop untersucht, können etwa 20 bis 50 Euro dazukommen. Spezialshampoos gegen Hefen kosten häufig zwischen 15 und 30 Euro pro Flasche.
Steckt eine Allergie hinter den Hautproblemen, können weitere Untersuchungen notwendig werden. Die Kosten reichen dann je nach Ursache und Vorgehen von einer begleiteten Ausschlussdiät bis hin zu mehreren hundert Euro für weiterführende Untersuchungen. Welche Tierarztpraxis in deiner Nähe liegt, findest du über die Tierarztsuche von go4vet.