Fellwechsel beim Hund
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Fellwechsel beim Hund ist ein zweimal jährlich ablaufender, hormonell und lichtgesteuerter Prozess, bei dem dein Hund sein Deckhaar und einen Großteil seiner Unterwolle erneuert. Im Frühjahr verliert er die dichte Winterunterwolle, im Herbst wird ein dichteres, isolierendes Winterfell aufgebaut. Wie stark der Fellwechsel ausfällt, hängt von Rasse, Haltung, Hormonstatus, Ernährung und Lichtverhältnissen ab. Bei Hunden, die ganzjährig in beheizten Wohnungen leben, kann der Wechsel ganzjährig stattfinden und in zwei stärkere Schübe münden. In dieser Phase sind tägliches Bürsten, eine angepasste Ernährung und eine gute Hautbeobachtung entscheidend, damit dein Hund nicht juckt, stinkt oder kahle Stellen entwickelt. Du erfährst hier, wann der Fellwechsel beginnt, wie lange er dauert, welche Bürste zu welchem Felltyp passt, wie du die Haut von innen und außen unterstützt und ab wann ein Tierarztbesuch in Deutschland und Österreich angezeigt ist. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Wichtiger Hinweis
Starker Haarausfall mit kahlen Stellen, geröteter Haut, Schuppen, Geruch oder Juckreiz gehört nicht zum normalen Fellwechsel. In diesen Fällen solltest du in Deutschland oder Österreich eine Tierarztpraxis aufsuchen, denn Hormonstörungen, Parasiten oder Allergien lassen sich nicht durch Bürsten lösen.
Wann beginnt der Fellwechsel beim Hund und wie lange dauert er?
Der Fellwechsel ist eng an die Tageslichtdauer gekoppelt, weniger an die Temperatur. Sobald die Tage im späten Februar und März länger werden, registriert die Zirbeldrüse die geänderte Lichtmenge und steuert über das Hormon Melatonin den Beginn des Frühjahrswechsels. Im Spätsommer setzt mit kürzer werdenden Tagen der Herbstwechsel ein. Beide Phasen dauern bei einem gesunden Hund in der Regel sechs bis acht Wochen. Hunde, die viel draußen leben, zeigen oft einen klar abgegrenzten, intensiven Fellwechsel. Wohnungshunde, die täglich künstliches Licht und konstante Raumtemperaturen erleben, haaren häufig ganzjährig in geringerem Umfang und durchlaufen lediglich zwei verstärkte Phasen.
Welpen wechseln zwischen dem vierten und siebten Lebensmonat erstmals von Welpenfell auf Erwachsenenfell. Dieser Wechsel verläuft meist unauffällig, denn das alte Fell wird nicht in großen Mengen abgestoßen, sondern nach und nach ersetzt. Senioren ab etwa zehn Jahren zeigen oft einen verlangsamten Fellwechsel, weil Stoffwechsel und Schilddrüsenleistung mit dem Alter nachlassen. Wenn dein Hund länger als zwei Monate kontinuierlich büschelweise Haare verliert, ist das nicht mehr typischer Fellwechsel, sondern ein Hinweis auf eine Grunderkrankung.

Welche Hunderassen haaren besonders stark?
Rassen mit doppelschichtigem Fell, also Deckhaar plus dichter Unterwolle, haaren am stärksten. Dazu zählen Labrador Retriever, Golden Retriever, Deutscher Schäferhund, Berner Sennenhund, Husky, Malamute, Australian Shepherd und Border Collie. Bei diesen Hunden fallen während des Fellwechsels mehrere Hundert Gramm Unterwolle pro Woche an. Kurzhaarrassen wie Mops oder Französische Bulldogge haaren kontinuierlich, dafür weniger sichtbar. Pudel, Malteser, Bichon Frisé und einige Doodle-Mischungen verlieren kaum lose Haare, weil ihr Haarkleid eher wächst und gekürzt werden muss. Hier ersetzt regelmäßiges Scheren oder Trimmen den klassischen Fellwechsel.
Drahthaarige Rassen wie Schnauzer, Foxterrier oder Rauhaardackel sollten zweimal jährlich getrimmt werden, weil ihr abgestorbenes Haar nicht von selbst ausfällt. Wird das Trimmen versäumt, verfilzt das Fell und reizt die Haut. Bei Nordischen Rassen ist eine vollständige Schur dagegen kontraproduktiv, denn das Doppelfell schützt im Sommer vor Hitze und im Winter vor Kälte. Wenn du unsicher bist, welche Pflege deine Rasse braucht, lohnt der Blick in die rassetypische Pflegeempfehlung deiner Züchterin oder deiner Tierärztin.
Welche Bürste passt zu welchem Felltyp?
Die Wahl der richtigen Bürste entscheidet, ob der Fellwechsel zur Belastung wird oder zur entspannten Routine. Für kurzhaarige Hunde ohne nennenswerte Unterwolle eignet sich ein Gummistriegel oder eine weiche Naturhaarbürste. Sie nimmt lose Haare auf und massiert die Haut, ohne sie zu reizen. Bei Hunden mit Unterwolle ist eine Unterwollharke oder ein Trimmkamm das wichtigste Werkzeug, denn nur damit kommst du an die ausfallenden Unterwollhaare unter dem Deckhaar heran. Furminator-ähnliche Werkzeuge funktionieren gut, müssen aber mit Augenmaß eingesetzt werden, weil sie bei zu viel Druck das Deckhaar mit ausreißen.
Für langhaarige Rassen wie Setter, Cocker Spaniel oder Bernhardiner ist eine Kombination aus Zupfbürste, grobem Metallkamm und Entfilzungskamm ideal. Lockige oder seidige Felle wie beim Pudel oder Havaneser brauchen eine weiche Slickerbürste plus engzinkigen Kamm, damit sich keine Filzknoten bilden. Bürste deinen Hund während der Hochphase des Fellwechsels täglich für zehn bis fünfzehn Minuten. Außerhalb der Wechselphasen reichen zwei bis drei Termine pro Woche. Beginne immer am Kopf, arbeite dich zur Rute vor und vergiss die Bereiche hinter den Ohren, an den Achseln und an der Innenseite der Hinterläufe nicht, denn dort verfilzt das Fell zuerst.
Vorsicht bei Hautreizungen durch Bürsten
Aggressive Drahtbürsten oder zu starker Druck mit Furminator-Werkzeugen können die Haut deines Hundes mikroverletzen und sogenannte Bürstenbrand-Stellen verursachen. Wenn du nach dem Bürsten gerötete, schuppige oder druckempfindliche Stellen siehst, wechsle das Werkzeug und reduziere den Druck.
Wie unterstützt du den Fellwechsel von innen?
Ein neues Fell zu produzieren kostet deinen Hund Energie und Nährstoffe. Hochwertiges Fell besteht zu rund 95 Prozent aus dem Strukturprotein Keratin, das wiederum aus schwefelhaltigen Aminosäuren wie Cystein und Methionin aufgebaut wird. Eine eiweißreiche, gut verdauliche Ration mit hochwertigen Fleisch- oder Fischanteilen liefert dafür die Bausteine. Achte zusätzlich auf Omega-drei-Fettsäuren aus Lachs-, Krill- oder Algenöl, denn sie reduzieren Hautentzündungen und unterstützen die Talgschicht. Zink und Biotin sind weitere wichtige Bausteine, die in den meisten Alleinfuttermitteln in ausreichender Menge enthalten sind. Eine pauschale Zufütterung von Mineralien ohne Anlass ist nicht sinnvoll und kann bei langfristiger Überdosierung sogar zu Mangelerscheinungen anderer Spurenelemente führen.
Wenn dein Hund bei jedem Fellwechsel sichtbar müder wird, an Glanz verliert oder besonders viele Schuppen entwickelt, lohnt sich eine Blutuntersuchung beim Tierarzt. Häufig zeigt sich dann ein Mangel an essenziellen Fettsäuren, ein latenter Eisenmangel oder eine beginnende Schilddrüsenunterfunktion. Die Schilddrüsenunterfunktion beim Hund ist eine der häufigsten endokrinen Ursachen für stumpfes, sprödes Fell und symmetrischen Haarausfall. Frisches Trinkwasser ist während des Fellwechsels besonders wichtig, denn Hautstoffwechsel und Talgproduktion brauchen ausreichend Flüssigkeit.
Wie pflegst du Haut und Fell von außen?
Baden ist während des Fellwechsels nur dann sinnvoll, wenn dein Hund sich richtig verschmutzt hat. Zu häufiges Shampoonieren reizt den Säureschutzmantel und kann Schuppen oder Juckreiz auslösen. Wenn du badest, verwende ein mildes Hundeshampoo mit pH-Wert um sieben, niemals Shampoo für Menschen. Föhne deinen Hund nach dem Bad lauwarm, das löst zusätzlich abgestorbenes Unterhaar. Ein Bad alle vier bis acht Wochen ist für die meisten Hunde völlig ausreichend. Mehr Routine zur Fellpflege beim Hund findest du in unserem ausführlichen Pflegeratgeber.
Achte während des Fellwechsels besonders auf die Pfoten, denn lose Haare sammeln sich zwischen den Zehen und können zu Druckstellen oder Filzknoten führen. Schau dir auch regelmäßig die Pfoten deines Hundes an. Die Ohrinnenseiten sammeln in der Wechselphase mehr Haar, was bei Hängeohrhunden zu mehr Cerumen und höherer Anfälligkeit für Ohrenentzündungen führt. Sanftes Auswischen mit einem hundespezifischen Ohrreiniger einmal pro Woche reicht meist aus.
Wann sind Schuppen, Juckreiz oder kahle Stellen ein Warnsignal?
Normaler Fellwechsel zeigt sich durch große Mengen Unterwolle, jedoch ohne kahle Stellen, ohne Juckreiz und ohne gereizte Haut. Wenn dein Hund sich häufig kratzt, beleckt oder benagt, spricht das gegen einen normalen Wechsel. Häufige Ursachen sind Floh- oder Milbenbefall, eine atopische Dermatitis beim Hund, eine Pollenallergie, ein Hautpilz oder bakterielle Sekundärinfektionen.
Symmetrischer Haarausfall an Flanken, Rute oder Hals ohne Juckreiz weist häufig auf hormonelle Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder das Cushing-Syndrom hin. Schuppen mit fettigem Glanz und unangenehmem Geruch deuten auf eine Seborrhö hin, oft sekundär zu einer Hauterkrankung. Wenn dein Hund neben dem Haarausfall noch andere Symptome wie Gewichtsveränderungen, Trinkmenge, Antriebslosigkeit oder Hautverdickungen zeigt, gehört er zeitnah in tierärztliche Untersuchung.

Wie hältst du Wohnung und Auto im Fellwechsel sauber?
Während der Hochphase produzieren große Hunde mit Unterwolle teils mehrere hundert Gramm loses Haar pro Woche. Tägliches Bürsten draußen oder im Bad reduziert die Menge in der Wohnung deutlich. Glatte Böden lassen sich täglich mit einem Mikrofaserwischer oder einem Akkusauger reinigen. Auf Polstermöbeln helfen Gummi-Bürstenhandschuhe, Fusselrollen oder spezielle Tierhaarsauger mit motorbetriebener Bürstwalze. Decken und Hundebetten lassen sich vor dem Waschen mit einem Gummibesen abziehen, das spart Filter und Pumpe der Waschmaschine.
Im Auto bewährt sich eine waschbare Decke oder ein Schondecken-Bezug, den du nach jeder Fahrt ausschütteln und alle zwei Wochen waschen kannst. Wer sehr viel mit dem Hund unterwegs ist, profitiert von einer Hundebox mit herausnehmbarer Bodenmatte. Tierhaare auf Stoffsitzen entfernst du am besten mit leicht angefeuchteten Gummihandschuhen, die du in eine Richtung über den Stoff streichst. Ein guter Sauger mit HEPA-Filter hilft zusätzlich Allergikerinnen und Allergikern im Haushalt.
Welche saisonalen Besonderheiten gibt es in Deutschland und Österreich?
In Mitteleuropa läuft der Fellwechsel von Hunden recht synchron mit dem Wechsel der Jahreszeiten ab. Der Frühjahrswechsel beginnt in Deutschland und Österreich meist Ende Februar und kommt im April zum Höhepunkt, sobald die Tageslichtdauer rund zwölf Stunden überschreitet. Hunde in höheren Lagen, etwa in den österreichischen Alpen oder im Schwarzwald, hängen oft zwei bis drei Wochen hinterher, weil die Schneeschmelze später einsetzt und die Temperaturen kühler bleiben. Der Herbstwechsel startet typischerweise Mitte August, wenn die Nächte spürbar kürzer werden, und erreicht seinen Höhepunkt im Oktober. Bis spätestens Mitte November sollte das Winterfell stabil stehen.
Hunde, die im Garten oder Zwinger leben, bauen ein dichteres Winterfell auf als Wohnungshunde, weil ihr Körper auf den realen Temperaturwechsel reagiert. Wer seinen Hund im Winter nur kurz Gassi führt und sonst in der beheizten Wohnung hält, sollte bei Frostgraden über einen leichten Hundemantel nachdenken, vor allem bei kurzhaarigen Rassen wie Whippet, Pinscher oder Französischer Bulldogge. In Allergikerhaushalten lohnt sich während des Fellwechsels das tägliche Bürsten draußen plus zusätzliches Saugen mit HEPA-Filter, denn die feinen Unterwollhaare tragen Hautschuppen und damit auch Allergene.
Tierärztlicher Blick
Aus tierärztlicher Sicht ist der Fellwechsel ein guter Anlass, deinen Hund einmal gründlich von Kopf bis Rute zu kontrollieren. Tasten Lymphknoten, kleine Knubbel, Zecken und Hautveränderungen ab und schau dir Pfoten, Ohren und Zähne an. Wenn du im Frühjahr oder Herbst trotz konsequenter Pflege das Gefühl hast, dass dein Hund müde, schuppig oder einfach nicht in Form ist, sprich mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt. Eine kleine Blutuntersuchung kann eine beginnende Schilddrüsenunterfunktion, einen Eisenmangel oder eine chronische Entzündung sichtbar machen, lange bevor andere Symptome auftreten. Eine geprüfte Praxis in deiner Nähe in Deutschland und Österreich findest du in der Tierarztsuche von Go4Vet.
Welche Rolle spielen Parasiten während des Fellwechsels?
Im Frühjahr und Herbst, also genau in der Hauptzeit des Fellwechsels, sind Zecken, Flöhe und Milben besonders aktiv. Loses Haar erschwert das Erkennen von Parasiten, gleichzeitig sind die offenen Hautareale empfindlicher. Eine konsequente Parasitenprophylaxe nach Empfehlung der ESCCAP-Leitlinien ist deshalb gerade in dieser Zeit wichtig. Wenn du deinen Hund entwurmen möchtest, sprich mit deiner Tierarztpraxis über ein passendes Schema. Eine reine Sichtkontrolle reicht nicht aus, denn viele Endoparasiten zeigen sich erst sehr spät klinisch.
Demodex- und Sarcoptes-Milben werden im Fellwechsel oft erst bemerkt, weil das ausdünnende Fell die geröteten oder krustigen Hautstellen freilegt. Bei Verdacht ist ein Hautgeschabsel beim Tierarzt der diagnostische Goldstandard. Die Räude ist eine ernsthafte, ansteckende Erkrankung und gehört in tierärztliche Behandlung. Auch der Milbenbefall wird leicht mit normaler Schuppenbildung verwechselt.
Häufige Fragen zum Fellwechsel beim Hund
Quellen
MSD Vet Manual: The Skin of Dogs and Cats. Integumentary System (2024) (letzter Zugriff: 1.5.2026)
WSAVA: Global Nutritional Assessment Guidelines (2020) (letzter Zugriff: 1.5.2026)
ESCCAP: Guidelines for Parasite Control in Dogs and Cats (2024) (letzter Zugriff: 1.5.2026)
VetMedUni Wien: Dermatologische Klinik (2025) (letzter Zugriff: 1.5.2026)
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