Hund entwurmen
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Eine Wurmkur beim Hund ist kein fester Termin im Kalender, sondern hängt davon ab, wie dein Hund lebt. Ein Hund, der fast nur in der Wohnung ist, braucht laut der europäischen Expertenorganisation ESCCAP ein- bis zweimal im Jahr eine Entwurmung oder Kotuntersuchung. Ein Hund, der jagt, Mäuse frisst oder rohes Fleisch bekommt, kann bis zu zwölf Behandlungen im Jahr brauchen.
ESCCAP steht für European Scientific Counsel Companion Animal Parasites, ein unabhängiges Gremium von Parasitologen, das Empfehlungen für Tierärzte in ganz Europa herausgibt, auch für Österreich und Deutschland. Die aktuelle Leitlinie zur Wurmbekämpfung ist die siebte Auflage vom Juni 2025. Sie teilt Hunde in vier Risikogruppen ein, A bis D.
Das Wichtigste in Kürze
- Wie oft dein Hund entwurmt werden sollte, richtet sich nach seinem Lebensstil: ESCCAP empfiehlt je nach Risikogruppe ein- bis zwölfmal im Jahr.
- Lässt sich das Risiko nicht sicher einschätzen, gilt: mindestens viermal im Jahr entwurmen oder den Kot untersuchen lassen. Ein- bis dreimal im Jahr schützt laut Studien nicht ausreichend.
- Eine Kotuntersuchung ist für Spul-, Haken-, Peitschen- und Lungenwürmer eine Alternative, wenn sie genauso oft gemacht wird. Bandwürmer werden damit unsicher erkannt.
- Eine Wurmkur wirkt nur gegen die Würmer, die im Moment im Darm sind. Sie schützt nicht vorbeugend vor einer neuen Ansteckung.
Wie oft muss ein Hund entwurmt werden?
ESCCAP fragt dafür nach wenigen Punkten: Lebt der Hund überwiegend drinnen oder hat er regelmäßig Auslauf? Läuft er unbeaufsichtigt, jagt er, frisst er Beutetiere, Aas oder Innereien oder bekommt er rohes Fleisch? Und frisst er Schnecken oder Gras oder hat er Kontakt zu Schnecken? Daraus ergibt sich die Risikogruppe.
| Risikogruppe | Lebensstil des Hundes | Spulwürmer und andere Darmwürmer | Bandwürmer |
|---|---|---|---|
| A | lebt ausschließlich oder fast nur drinnen, kein direkter Kontakt zu anderen Hunden, kein Park oder Garten, kein rohes Fleisch, frisst keine Schnecken oder Beutetiere | 1 bis 2 Mal pro Jahr behandeln oder Kotuntersuchung | keine eigene Empfehlung |
| B | regelmäßiger Auslauf und Kontakt zu anderen Hunden, frisst keine Schnecken und kein Gras | 4 Mal pro Jahr behandeln oder Kotuntersuchung | keine eigene Empfehlung |
| C | regelmäßiger Auslauf, frisst Schnecken oder Gras oder hat Kontakt zu Schnecken | 4 bis 12 Mal pro Jahr gegen Darm- und Lungenwürmer behandeln oder Kotuntersuchung | keine eigene Empfehlung |
| D | läuft oft unbeaufsichtigt, jagt, frisst Beutetiere oder Innereien oder bekommt rohes Fleisch | 4 bis 12 Mal pro Jahr gegen Darm- und Lungenwürmer behandeln oder Kotuntersuchung | 12 Mal pro Jahr, also monatlich |
Quelle: ESCCAP Guideline 01, siebte Auflage, Juni 2025.
Die Frequenz der Kotuntersuchungen soll laut ESCCAP der empfohlenen Behandlungsfrequenz entsprechen. Die meisten Familienhunde mit täglichem Spaziergang und Kontakt zu anderen Hunden auf der Wiese gehören mindestens in Gruppe B. Welche Gruppe auf deinen Hund passt, besprichst du am besten mit deinem Tierarzt, denn die Einteilung ist vereinfacht und Grenzfälle sind häufig.
Wann braucht mein Hund zusätzliche Wurmkuren?
Für bestimmte Situationen empfiehlt ESCCAP unabhängig von der Risikogruppe zusätzliche Behandlungen:
- Welpen: erstmals am 14. Lebenstag gegen Spulwürmer, dann alle zwei Wochen bis zwei Wochen nach dem Absetzen. Bei weiter erhöhtem Risiko, etwa in Welpengruppen, monatlich bis zum Alter von sechs Monaten.
- Säugende Hündinnen: gleichzeitig mit der ersten Behandlung der Welpen.
- Trächtige Hündinnen: Eine Behandlung in der späten Trächtigkeit kann die Ansteckung der Welpen verringern, das Mittel wählt dein Tierarzt.
- Hunde in Pensionen, bei Ausstellungen oder Sportwettkämpfen: je eine Behandlung höchstens zwei Wochen vor und zwei Wochen nach dem Ereignis.
- Hunde in Familien mit Kindern unter fünf bis sechs Jahren, älteren oder immungeschwächten Menschen: je nach Risiko monatliche Entwurmung oder monatliche Kotuntersuchung.
- Rohfütterung: Wird rohes Fleisch nicht ausreichend erhitzt (zehn Minuten bei 65 Grad Kerntemperatur) oder eingefroren (eine Woche bei minus 17 bis minus 20 Grad), alle vier Wochen gegen Bandwürmer. Mehr dazu unter BARF-Risiken.
- Nach einem Floh- oder Haarlingsbefall: einmal gegen den Gurkenkernbandwurm, der über Flöhe übertragen wird.
- Reisen in Gebiete mit Fuchsbandwurm oder Herzwurm: nach eigenem Schema vor, während und nach der Reise. Hinweise dazu stehen im Ratgeber Parasitenschutz auf Reisen.
Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) kommt laut ESCCAP im mittel- und osteuropäischen Raum vor, Hauptwirt ist der Rotfuchs. Hunde stecken sich an, wenn sie infizierte Mäuse fressen. Für Menschen ist die Infektion gefährlich, weil sich in der Leber tumorartige Zysten bilden können, die unbehandelt lebensbedrohlich sind. Deshalb empfiehlt ESCCAP für Hunde mit Zugang zu Nagetieren in diesen Gebieten eine Behandlung alle vier Wochen mit einem gegen Bandwürmer wirksamen Mittel. Das ist der Hauptgrund für die monatliche Empfehlung in Gruppe D, etwa bei Jagdhunden. Mehr dazu steht im Ratgeber Jagdhund, Zecken und Parasiten.
Ist eine Kotuntersuchung eine Alternative zur Wurmkur?
Für viele Würmer ja. Laut ESCCAP kann eine regelmäßige Kotuntersuchung bei Spulwürmern, Hakenwürmern, Peitschenwürmern und Lungenwürmern die Routine-Entwurmung ersetzen, wenn sie genauso oft gemacht wird wie die empfohlene Behandlung. Ist der Befund positiv, behandelt dein Tierarzt gezielt. So bekommt ein Hund in Gruppe B zum Beispiel viermal im Jahr eine Kotprobe untersucht statt viermal eine Tablette.
Bei Bandwürmern ist die Kotuntersuchung unzuverlässig, weil Eier und Bandwurmglieder nicht regelmäßig ausgeschieden werden. Ein negativer Befund schließt eine Infektion deshalb nicht aus. Für Hunde mit erhöhtem Bandwurmrisiko empfiehlt ESCCAP darum die Behandlung statt der Untersuchung. Eine Ausnahme ist der Gurkenkernbandwurm, für den es einen empfindlichen Antigentest gibt.
Für eine aussagekräftige Untersuchung brauchst du eine Sammelkotprobe. ESCCAP Deutschland nennt etwa einen Teelöffel Kot pro Tag, gesammelt an drei aufeinanderfolgenden Tagen, weil Würmer ihre Eier nicht täglich ausscheiden. Untersucht wird meist mit einem Anreicherungsverfahren, der Flotation, bei der die leichten Wurmeier an der Oberfläche einer Salzlösung aufschwimmen. Lungenwürmer brauchen eine eigene Methode, das Auswanderverfahren nach Baermann. Mehr zum Lungenwurm steht im Ratgeber Lungenwurm bei Hunden.
Woran erkenne ich, dass mein Hund Würmer hat?
Oft gar nicht. Laut ESCCAP verläuft ein Befall mit den häufigsten Wurmarten bei erwachsenen Hunden meist ohne Symptome, und trotzdem scheidet der Hund massenhaft Wurmeier aus, die lange in der Umgebung überleben. Darum reicht es nicht, erst bei Beschwerden zu entwurmen. Mögliche Anzeichen bei stärkerem Befall sind:
- Durchfall, teils blutig, und Gewichtsverlust
- Blutarmut, erkennbar an blassen Schleimhäuten
- Abmagerung und aufgeblähter Bauch bei Welpen
- Juckreiz am After, der Hund rutscht auf dem Hinterteil („Schlittenfahren“)
- Sichtbare, bewegliche Bandwurmglieder im Kot oder im Fell um den After
- Husten oder Atemnot bei Lungenwürmern
Welpen können sich schon im Mutterleib und über die Muttermilch mit Spulwürmern anstecken und schwer erkranken, bevor eine Kotuntersuchung überhaupt anschlägt. Hat dein Welpe Durchfall, findest du Hinweise im Ratgeber Durchfall beim Welpen. Bei blutigem Durchfall, deutlicher Schwäche oder Atemnot gehört dein Hund sofort zum Tierarzt.

Welche Wirkstoffe enthalten Wurmkuren?
Eine Wurmkur ist ein Arzneimittel, ein sogenanntes Anthelminthikum, meist als Tabletten, Paste oder Lösung zum Eingeben, manche auch zum Auftropfen in den Nacken. Es tötet die Würmer, die zum Zeitpunkt der Gabe im Hund leben, wirkt aber nicht vorbeugend über Wochen. Keine Wirkstoffgruppe erfasst alle Würmer, deshalb kombinieren viele Präparate mehrere Wirkstoffe. Laut Merck Veterinary Manual und ESCCAP sind diese Gruppen für Hunde wichtig:
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | wirkt vor allem gegen |
|---|---|---|
| Praziquantel | Praziquantel | Bandwürmer, auch Fuchsbandwurm |
| Benzimidazole | Fenbendazol, Febantel, Flubendazol | Spul-, Haken- und Peitschenwürmer |
| Tetrahydropyrimidine | Pyrantel | Spul- und Hakenwürmer |
| Makrozyklische Laktone | Milbemycinoxim, Moxidectin | Rundwürmer, Lungenwürmer, Herzwurm-Vorbeugung |
| Zyklische Oktadepsipeptide | Emodepsid | Rundwürmer |
Welches Mittel passt, hängt von Risikogruppe, Gewicht, Alter und Gesundheitszustand deines Hundes ab. Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht, deshalb solltest du deinen Hund vor der Gabe wiegen. Hunde mit einem Gendefekt, der den Transport von Wirkstoffen aus dem Gehirn stört (MDR1-Defekt), reagieren laut Merck Veterinary Manual empfindlich auf manche makrozyklische Laktone. Betroffen sind vor allem Collies, Australian Shepherds, Shelties und verwandte Rassen, ein Gentest ist möglich. Präparate für andere Tierarten, etwa Wurmpasten für Pferde, darfst du deinem Hund nie geben. Welche Präparate du in Österreich und Deutschland ohne Rezept bekommst, ist je nach Wirkstoff verschieden. Lass dich in der Tierarztpraxis oder Apotheke beraten.
Zugelassene Wurmkuren wurden behördlich geprüft, die Risiken sind laut der Wiener Parasitologin Anja Joachim, die für ESCCAP schreibt, sehr beschränkt. Wenn Nebenwirkungen auftreten, sind sie meist mild und vorübergehend, etwa kurzes Erbrechen oder weicher Kot. Hält das länger an oder zeigt dein Hund neurologische Symptome wie Zittern oder Taumeln, ruf deinen Tierarzt an. Hausmittel und pflanzliche Mittel als „natürliche Wurmkur“ sind kein Ersatz. ESCCAP rät davon ab, weil Wirksamkeit und Nebenwirkungen nicht geprüft sind. Manche, wie Knoblauch, können schon in kleinen Mengen zu einer Vergiftung führen.
Wie schütze ich meine Familie vor Wurmeiern?
Einige Spul- und Bandwürmer können sich von Hunden und Katzen auf Menschen übertragen. Menschen infizieren sich meist, wenn sie Wurmeier aus der Umgebung über die Hände in den Mund bringen. Laut ESCCAP sind die Eier in der Umgebung sehr widerstandsfähig und bleiben Monate bis Jahre ansteckend. Neben der Entwurmung helfen einfache Hygieneregeln:
- Hundekot täglich aufsammeln und im Restmüll oder in Kotbeuteln-Behältern entsorgen, nicht im Kompost für Gemüse und nicht in der Toilette.
- Nach dem Kontakt mit dem Hund und vor dem Essen Hände waschen, besonders bei Kindern.
- Sandkisten abdecken.
- Vierbeiner nicht an Aas, Kot oder rohe Innereien lassen. Rohes Fleisch als Futter nur ausreichend erhitzt oder tiefgefroren geben.
Einen Überblick über alle Parasiten von Flöhen bis Giardien findest du im Ratgeber Parasiten beim Hund, den Ablauf der Entwurmung im Ratgeber Hund entwurmen.

Was kostet eine Wurmkur oder Kotuntersuchung?
In Deutschland rechnet die Tierarztpraxis nach der Gebührenordnung für Tierärzte ab (GOT, in Kraft seit 22. November 2022). Die Praxis darf bis zum dreifachen Satz berechnen. Dazu kommen das Präparat selbst, das nach Gewicht des Hundes dosiert wird, und die Umsatzsteuer. Viele Praxen schicken Kotproben an ein externes Labor, dann gilt dessen Preis.
| Leistung | GOT-Nummer | einfacher Satz | dreifacher Satz |
|---|---|---|---|
| Allgemeine Untersuchung mit Beratung, Hund | 16 | 23,62 € | 70,86 € |
| Eingeben von Medikamenten, oral | 210 | 4,13 € | 12,39 € |
| Mikroskopische Untersuchung, Nativpräparat | 148 | 10,26 € | 30,78 € |
| Mikroskopische Untersuchung mit Anreicherungsverfahren | 150 | 20,54 € | 61,62 € |
In Österreich gibt es keine verbindliche Gebührenordnung, jede Praxis legt die Preise selbst fest. Frag vorab nach diesen Punkten: Preis der Kotuntersuchung inklusive Laborversand, Preis des Präparats für das Gewicht deines Hundes und ob für die Abgabe eine Untersuchung nötig ist. Eine Praxis in deiner Nähe findest du über die Tierarztsuche.
Häufige Fragen
Quellen
ESCCAP: Worm Control in Dogs and Cats. ESCCAP Guideline 01, Seventh Edition, June 2025. https://www.esccap.org/uploads/docs/ag51r456_0778_ESCCAP_GL1__English_2026_v23.pdf
ESCCAP Deutschland: Wie oft muss ich mein Tier entwurmen? Flyer für Tierhalter, 2022. https://www.esccap.de/v2/wp-content/uploads/2020/06/2022-Flyer-Endo.pdf
ESCCAP Deutschland: Ihr Haustier richtig entwurmen, Stand März 2026. https://www.esccap.de/ihr-haustier-richtig-entwurmen
Joachim A: Muss man Hunde überhaupt entwurmen? ESCCAP-Expertenrat, Stand März 2026. https://www.esccap.de/muss-man-hunde-ueberhaupt-entwurmen
Claerebout E, Lanusse CE: Safety of Anthelmintics in Animals. Merck Veterinary Manual, Professional Version, Stand 04/2025. https://www.merckvetmanual.com/pharmacology/anthelmintics/safety-of-anthelmintics-in-animals
Merck Veterinary Manual: Anthelmintics, Pharmacology (Wirkstoffklassen). https://www.merckvetmanual.com/pharmacology/anthelmintics
Gebührenordnung für Tierärzte, Anlage (Gebührenverzeichnis), Nr. 16, 148, 150, 210. https://www.gesetze-im-internet.de/got_2022/anlage.html
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