Vitamin E und Selen beim Pferd: Muskelregeneration, antioxidativer Zellschutz und Mangelerscheinungen
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Vitamin E und Selen sind das wichtigste antioxidative Nährstoffpaar im Pferdekörper. Sie schützen Muskel-, Nerven- und Immunzellen vor oxidativem Stress, der bei jeder Muskelarbeit und im Rahmen vieler Krankheiten entsteht. Ein Mangel ist tückisch: Er bleibt oft lange unerkannt und zeigt sich häufig erst, wenn ein Pferd eine Muskelerkrankung entwickelt.
Warum braucht man Vitamin E und Selen beim Pferd?
Vitamin E ist der Oberbegriff für eine Gruppe fettlöslicher Vitamine, von denen Alpha-Tocopherol beim Pferd am wichtigsten ist. Es sitzt in den Zellmembranen und schützt mehrfach ungesättigte Fettsäuren vor Oxidation. Ohne ausreichend Vitamin E können Muskel- und Nervenmembranen unter Belastung Schaden nehmen. Das kann sich durch Muskelsteife, Koordinationsstörungen oder eine schlechte Regeneration zeigen.
Selen ist ein Spurenelement und Bestandteil des Enzyms Glutathionperoxidase. Dieses Enzym wandelt Wasserstoffperoxid und andere reaktive Sauerstoffspezies in unschädliche Substanzen um. Vitamin E und Selen ergänzen sich dabei: Vitamin E bremst die Kettenreaktion in Fettmembranen, während selenabhängige Enzyme die entstehenden Produkte auf der wässrigen Seite abbauen. Beide Nährstoffe werden gleichzeitig gebraucht. Einer allein reicht oft nicht aus.
Besonders wichtig sind Vitamin E und Selen für Sportpferde, junge Pferde im Wachstum, Zuchtstuten und ältere Pferde. Immer dort, wo oxidativer Stress hoch ist oder die Regeneration besonders gefordert wird, steigt der Bedarf. Eine intensive Trainingseinheit kann den Vitamin-E-Bedarf um bis zu 50 Prozent über den Erhaltungsbedarf hinaus erhöhen.

Wie erkennt man einen Vitamin-E- und Selenmangel beim Pferd?
Die häufigsten Ursachen für einen Vitamin-E- und Selenmangel sind:
• einseitige Fütterung mit altem Heu ohne Weidezugang, da gelagertes Heu schnell Vitamin E verliert• Böden mit niedrigem Selengehalt, da viele Regionen in Deutschland und Österreich als selenarm gelten• viel Kraftfutter, wenig hochwertiges Raufutter und fehlendes Mineralfutter• hohe Trainingsbelastung ohne entsprechende Ergänzung• ältere Pferde mit eingeschränkter Futterverwertung oder Cushing• Trächtigkeit und Laktation ohne angepasste Mineralisierung
Die Symptome reichen von subtil bis akut. Leichte Anzeichen können eine langsamere Regeneration nach Belastung, Leistungsabfall oder gelegentliche Muskelsteife am Morgen sein. Schwere Anzeichen können im Zusammenhang mit Equine Motoneuron Disease (EMD), Kreuzverschlag oder bei Fohlen mit der Weißmuskelkrankheit auftreten. Selenmangel selbst zeigt sich häufig durch chronische Müdigkeit und eine erhöhte Infektanfälligkeit.
Die einzige sichere Methode ist eine tierärztliche Blutuntersuchung. Dabei werden Vitamin E im Serum oder Plasma sowie Selen gemessen. Noch aussagekräftiger kann Glutathionperoxidase als Selen-Statusparameter sein. Tierärzte aus der Region kennen häufig die typischen Werte vor Ort und können die Dosierung entsprechend anpassen.
Worauf sollte man bei Dosierung und Produktwahl achten?
Der Erhaltungsbedarf eines Warmbluts liegt nach GfE-Empfehlung bei etwa 800 internationalen Einheiten (iE) Vitamin E pro Tag. In Arbeit oder bei Krankheit kann der Bedarf auf 2.000 bis 4.000 iE steigen. Der Selenbedarf liegt bei etwa zwei Milligramm pro Tag. Gleichzeitig hat Selen nur ein schmales Toleranzfenster.
Hochkonzentrierte Tonika wie E 60.000 liefern hohe Vitamin-E-Mengen pro Dosierung und sind für akute Aufbauphasen oder gezielte Kuren konzipiert. Extreme 100 ist ebenfalls als Hochdosispräparat angelegt und eignet sich für Sportpferde sowie Pferde in der Rekonvaleszenz.
Die Anwendung erfolgt typischerweise als Kur über vier bis acht Wochen. Danach sollte eine Pause eingelegt oder auf eine bedarfsgerechte Erhaltung über ein Mineralfutter wie Horse Vital Plus umgestellt werden. Zwei Vitamin-E-Präparate sollten niemals ohne tierärztliche Kontrolle parallel gefüttert werden. Vitamin E selbst ist zwar gut verträglich, die gleichzeitige Selenzufuhr kann jedoch kritisch werden.
Wann sollte man Vitamin E und Selen bei Sport- und Freizeitpferden einsetzen?
Ein Vitamin-E-Tonikum ist nicht für jedes Pferd dauerhaft sinnvoll. Es gibt aber bestimmte Phasen, in denen eine zusätzliche Ergänzung einen Unterschied machen kann:
- ✓Beim Saisonstart eines Sportpferdes eignet sich eine Kur über vier bis sechs Wochen vor dem ersten Turnier, parallel zum Trainingsaufbau.
- ✓Nach einer Krankheit oder Verletzung kann eine Regenerationskur über sechs bis acht Wochen sinnvoll sein.
- ✓Bei älteren Pferden mit Muskelabbau ist oft eine dauerhafte Erhaltung über ein Mineralfutter sinnvoll. Akutkuren können bei Bedarf zusätzlich eingesetzt werden.
- ✓Bei jungen Pferden im Anreiten kann eine Kur während der intensiven Trainingsphase unterstützen.
- ✓Bei Zuchtstuten kann eine Ergänzung im letzten Trächtigkeitsdrittel und in der Laktation sinnvoll sein, da das Fohlen Vitamin-E-Vorräte aus der Mutter zieht.
- ✓Beim Weidewechsel von Winterheu auf die erste Frühjahrsweide kann eine Ergänzung helfen, den abrupten Anstieg des oxidativen Stresses abzufedern.
Jede Kur sollte mit einer realistischen Bestandsaufnahme beginnen: Blutbild, Fütterungsanalyse und Gespräch mit dem Tierarzt. Ohne diese Basis bleibt jede Dosierung geraten.
Warum muss man bei Selen besonders vorsichtig sein?
Selen hat unter den Spurenelementen einen besonders schmalen Sicherheitsbereich. Der Bedarf liegt bei etwa 0,1 Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse im Futter. Eine Überdosierung ab etwa zwei Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse kann toxisch werden. Zwischen optimaler Versorgung und Überdosierung liegt also nur ein vergleichsweise kleiner Spielraum.
Symptome einer Selenvergiftung sind Haarausfall, vor allem an Mähne und Schweif, Hufrisse oder in schweren Fällen Hufabrisse, Atemwegsbeschwerden, Leistungsabfall und Sehnenschwäche. Das ist selten, kommt aber vor, wenn mehrere selenhaltige Produkte unbedacht parallel gefüttert werden oder regional bereits ein hoher Selengehalt im Boden vorhanden ist.
Die wichtigste Regel lautet: nur nach Blutbild ergänzen, nur ein selenhaltiges Präparat aktiv füttern und andere Mineral- sowie Ergänzungsfutter auf ihren Selengehalt prüfen. In Regionen mit hohem natürlichem Selengehalt, etwa in manchen Teilen Süddeutschlands, der Schweiz oder auf einzelnen österreichischen Böden, ist eine zusätzliche Gabe selten nötig. In selenarmen Regionen ist sie dagegen umso wichtiger.
Wie sorgt man für ein gesundes Vitamin-E- und Selen-Niveau?
Ein robustes, gesundes Pferd mit gutem Zugang zu frischem Gras, hochwertigem Heu und einem soliden Mineralfutter ist meist gut versorgt. Wer keinen Weidezugang hat, kann bei Vitamin E jedoch ein potenzielles Problem haben. Wer in einer selenarmen Region lebt, sollte die Versorgung zusätzlich mit dem Tierarzt besprechen.
Hier ein paar praktische Empfehlungen:
- ✓Weide oder Weidegrasanteil im Futter sichern, vor allem im Sommer
- ✓hochwertiges Heu trocken und kühl lagern, möglichst nicht länger als 18 Monate
- ✓dauerhaft ein vollwertiges Mineralfutter füttern, nicht erst im Fellwechsel beginnen
- ✓hoch dosierte Vitamin-E-Kuren bei Bedarfsspitzen einsetzen
- ✓jährliche oder zweijährliche Blutkontrolle bei Sport- und Seniorpferden durchführen
- ✓bei Zuchtstuten einen spezifischen Fütterungsplan für Trächtigkeit und Laktation erstellen

Wie unterscheidet sich die Selenversorgung regional in Deutschland und Österreich?
Die Selenversorgung hängt stark vom Standort ab. Viele Regionen in Deutschland und Österreich gelten als eher selenarm, einzelne Gebiete können aber höhere natürliche Selenwerte haben. Deshalb reicht eine grobe regionale Einschätzung oft nicht aus.
Mehr Sicherheit geben eine Boden- oder Heuanalyse alle drei bis fünf Jahre und ein Blutbild beim Pferd. Landwirtschaftskammern, Tierärztekammern und Veterinärämter können bei standortspezifischen Empfehlungen helfen. Besonders wichtig ist das, wenn Heu dauerhaft aus nur einer Quelle gefüttert wird.
Warum muss man Weißmuskelkrankheit beim Fohlen ernst nehmen?
Die Weißmuskelkrankheit ist eine schwere Muskeldegeneration bei Fohlen. Sie kann durch einen Vitamin-E- und Selenmangel der Mutterstute oder des Fohlens ausgelöst werden. Mögliche Symptome sind:
- ✓Ein steifer Gang oder die Unfähigkeit zu stehen können erste deutliche Warnzeichen sein.
- ✓Schwellungen und schmerzhafte Muskeln sprechen für eine starke Belastung der Muskulatur.
- ✓Schluck- und Kaustörungen können auftreten, wenn auch die Zungen- und Kaumuskulatur betroffen ist.
- ✓In schweren Fällen kann es durch eine Beteiligung des Herzmuskels zu einem plötzlichen Tod kommen.
Die Vorbeugung beginnt schon vor der Belegung mit einer ausreichenden Versorgung der Mutterstute. Besonders wichtig sind die letzten zwei Trächtigkeitsmonate und die ersten Lebenswochen des Fohlens, da in dieser Zeit der Hauptbedarf besteht.
In Regionen mit niedrigen Bodenwerten ist eine kontrollierte Selen- und Vitamin-E-Ergänzung der Zuchtstute besonders wichtig. Ein dauerhaftes Mineralfutter wie Horse Vital Plus mit angepasstem Selengehalt kann dafür eine sinnvolle Basis sein. Eine zusätzliche Vitamin-E-Kur sollte kontrolliert und passend zur Versorgungslage eingesetzt werden.
Wie kann ein praktischer Fütterungsplan für Vitamin E und Selen aussehen?
Ein klar strukturierter Jahresplan für Vitamin E und Selen sieht je nach Pferdetyp unterschiedlich aus. Ein Freizeitpferd hat einen anderen Rhythmus als ein Sport- oder Zuchtpferd. Als Grundorientierung gilt:
- ✓Bei einem Freizeitpferd mit Weidezugang reicht oft eine dauerhafte Versorgung über ein Mineralfutter wie Horse Vital Plus. Vor dem Saisonbeginn kann bei Bedarf eine Kur sinnvoll sein.
- ✓Bei einem Sportpferd in regelmäßiger Arbeit kann eine E-60.000-Kur über vier bis sechs Wochen vor dem Saisonstart sinnvoll sein. Dazu sollte dauerhaft ein passendes Mineralfutter gefüttert werden.
- ✓Bei einem Sportpferd in Höchstleistung, etwa im Turnier-, Spring- oder Distanzsport, können zwei Kuren pro Jahr sinnvoll sein: eine vor der Saison und eine vor einer wichtigen Wettkampfphase.
- ✓Bei einer Zuchtstute sollte ein eigener Plan für Trächtigkeit und Laktation erstellt werden. In der Laktation ist häufig eine erhöhte Vitamin-E-Zufuhr nötig.
- ✓Bei einem jungen Pferd im Aufbau kann eine Kur während einer intensiven Trainingsphase unterstützen. Ein dauerhaftes Mineralfutter bleibt trotzdem die Basis.
- ✓Bei einem älteren Pferd ab 15 Jahren sind regelmäßige Blutkontrollen sinnvoll. Je nach Befund kann auch eine dauerhafte Erhöhung der Vitamin-E-Versorgung notwendig sein.
Die exakte Dosierung richtet sich nach den Herstellerangaben und nach der tierärztlichen Empfehlung. Besonders wichtig ist, dass die Selenzufuhr aus allen Quellen addiert wird: Heu, Kraftfutter, Mineralfutter und Kuren zählen zusammen. Selen hat nur einen schmalen Sicherheitsbereich, deshalb ist eine Kontrolle der Gesamtration alle zwei bis drei Jahre sinnvoll.
In Regionen mit hohem natürlichem Selengehalt im Boden, etwa in manchen Teilen Süddeutschlands oder der Schweiz, kann eine zusätzliche Selenzufuhr problematisch sein. Eine Boden- oder Heuanalyse, kombiniert mit einem Blutbild, schafft Klarheit. Landwirtschaftskammern und Veterinärämter in beiden Ländern bieten dazu Beratung an.
Auch die Qualität des Heus ist wichtig. Denn eine lange Lagerung, Schimmel oder ungeeignete Trocknung können den Vitamin-E-Gehalt deutlich reduzieren. Frisches Gras ist im Sommer die beste natürliche Vitamin-E-Quelle und zeigt, wie wertvoll Weidegang für die Versorgung sein kann.
Was sollte man in der Praxis zusätzlich beachten?
Die hier vorgestellten Empfehlungen und Produkte sind als Orientierungshilfe gedacht. Jedes Pferd, jede Haltung und jede Fütterungssituation hat eigene Besonderheiten. Deshalb sollte eine Ergänzung immer zum Einzeltier passen und gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt bewertet werden. Eine pauschale Anwendung ohne Blick auf das einzelne Pferd ist nicht zielführend.
Wichtig ist auch der Austausch mit erfahrenen Haltern, fachlich qualifizierten Ausbildern und Pferdetierärzten, die das Pferd als Ganzes beurteilen können. Die Vielfalt an Meinungen und Ansätzen kann verwirrend sein. Eine fundierte tierärztliche Begleitung hilft dabei, Empfehlungen richtig einzuordnen.
Die Produkte von SanoVet, von Horse Vital Plus über spezialisierte Tonika bis hin zu speziellen Ergänzungsfuttern, sind in Deutschland und Österreich gut verfügbar. Die Zusammenarbeit mit Go4Vet und einer professionellen Ernährungsberatung ergänzt das Produktangebot um fachliches Know-how. Das kann den Unterschied zwischen einer sinnvollen und einer ungünstigen Anwendung machen.
Langfristig zahlt sich die Investition in fachliches Wissen, hochwertige Produkte und eine konsequente Anwendung aus. Gesunde, leistungsfähige und langlebige Pferde brauchen eine ganzheitliche Betreuung, bei der Fütterung, Training, Gesundheit und Sozialhaltung gemeinsam betrachtet werden.
Häufige Fragen zu Vitamin E und Selen beim Pferd
Quellen
Vetmeduni Wien, Klinik für Innere Medizin Pferde: Vitamin E und Selen beim Pferd
GfE Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden
TiHo Hannover, Institut für Tierernährung: Selenstatus deutscher PferdebeständeAGES Österreich: Spurenelemente in der Tierernährung, Leitfaden
MSD Veterinary Manual: Nutritional Myodegeneration of Horses, Online-Ausgabe
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