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Arthrose beim Pferd: Symptome, Therapie & Bewegungs-Management

Arthrose beim Pferd: Symptome, Therapie & Bewegungs-Management

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Arthrose beim Pferd ist eine fortschreitende, degenerative Gelenkerkrankung, die deinen vierbeinigen Sportpartner früher betreffen kann, als du denkst. Studien aus Österreich und Deutschland zeigen, dass bereits jedes zweite Pferd ab dem fünfzehnten Lebensjahr deutliche radiologische Veränderungen an mindestens einem Gelenk aufweist. Auch jüngere Sport- und Freizeitpferde sind betroffen, vor allem wenn Fehlstellungen, Überlastung oder schlechte Hufpflege ins Spiel kommen. Die Folgen reichen von leichter Steifheit am Morgen bis zur dauerhaften Lahmheit, die ein normales Reiten unmöglich macht.

Du erkennst die Krankheit nicht immer sofort, denn Pferde kompensieren Schmerzen lange. Genau deshalb lohnt sich ein wacher Blick auf kleine Veränderungen im Bewegungsablauf. Mit einer rechtzeitigen Diagnose, einer angepassten Therapie und einem klugen Bewegungs-Management bleibt dein Pferd oft viele Jahre arbeitsfähig und zufrieden. In diesem Ratgeber erfährst du, wie Arthrose entsteht, welche modernen Therapien Tierärztinnen und Tierärzte heute einsetzen und was du im Alltag konkret tun kannst, um die Lebensqualität deines Pferdes zu sichern. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

Hinweis

Frühe Anzeichen ernst nehmen

Wenn dein Pferd am Morgen steif aus der Box kommt, im Schritt anfangs holprig wirkt und sich erst „warmlaufen“ muss, ist das selten harmlos. Lass die Gelenke abklären, denn je früher die Therapie beginnt, desto länger bleibt der Knorpel funktionsfähig. Eine Untersuchung kostet in Österreich rund neunzig bis hundertfünfzig Euro und ist gut investiertes Geld.

Was passiert bei Arthrose im Pferdegelenk?

Arthrose, in der Fachsprache Osteoarthritis oder degenerative Gelenkerkrankung, beschreibt einen langsamen Verschleiß des Gelenkknorpels mit gleichzeitiger Reaktion des angrenzenden Knochens und der Gelenkkapsel. Im gesunden Gelenk gleitet glatter, glasiger Hyalinknorpel auf einer dünnen Schicht Synovialflüssigkeit. Diese Flüssigkeit wirkt wie hochwertiges Motoröl, sie schmiert, dämpft und versorgt den Knorpel mit Nährstoffen.

Sobald die Belastung dauerhaft zu hoch ist, der Knorpel verletzt wird oder die Synovia chronisch entzündet ist, kippt das System. Knorpelzellen sterben ab, die Oberfläche wird rau, der Knochen darunter reagiert mit Verdichtung und mit knöchernen Anbauten, den sogenannten Osteophyten. Der Gelenkspalt wird enger, Bewegungen werden eingeschränkt, und Schmerz entsteht durch die freiliegenden Nervenenden im Knochen sowie durch die entzündete Gelenkkapsel.

Besonders betroffen sind beim Pferd Sprunggelenk (Spat), Fesselgelenk, Hufgelenk (Schale), Karpalgelenk (Knie) und Kniegelenk. Auch die Halswirbelsäule und das Kreuz-Darmbein-Gelenk können arthrotisch werden, was sich oft in unspezifischen Rittigkeitsproblemen zeigt. Welche Gelenke zuerst betroffen sind, hängt von Rasse, Beruf und Belastungsgeschichte ab. Westernpferde zeigen häufig Spat, Springpferde eher Fessel- und Hufgelenksarthrose, Dressurpferde reagieren früh in der Halswirbelsäule.

Wie erkennst du Arthrose bei deinem Pferd?

Die ersten Hinweise sind subtil. Dein Pferd braucht länger zum Warmwerden, stolpert öfter, will im Schritt nicht so recht anlaufen oder zeigt nach der Stehzeit eine deutliche Steifheit. Manche Tiere wirken nach harten Trainingseinheiten am nächsten Tag steif, während sie auf weichem Boden auffallend besser laufen als auf hartem. Fortgeschrittene Arthrose zeigt sich in dauerhafter Lahmheit, Muskelschwund am betroffenen Bein und einer sichtbaren Verdickung des Gelenks.

Auch Verhaltensveränderungen gehören dazu. Ein vorher kooperatives Pferd verweigert plötzlich das Aufsteigen, beißt beim Gurten, stürmt unter dem Reiter oder taktet im Trab unsauber. Du solltest genau hinschauen, ob die Probleme wirklich „Mucken“ sind oder ob hier Schmerz im Spiel ist. Tierärztinnen und Tierärzte führen eine systematische Lahmheitsuntersuchung durch, die aus Adspektion, Palpation, Beugeproben, Vorführen auf hartem und weichem Boden, Longieren in beiden Händen und gegebenenfalls Reitprobe besteht.

Bestätigt sich der Verdacht, folgen bildgebende Verfahren. Das Röntgen zeigt knöcherne Veränderungen wie Osteophyten, Gelenkspaltverengung und subchondrale Sklerose. Ultraschall stellt Weichteile, Gelenkkapsel und Synoviamenge dar. Bei unklaren Fällen helfen Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) weiter, beide Verfahren werden in Österreich an der Vetmeduni Wien sowie in spezialisierten Pferdekliniken angeboten. Diagnostische Anästhesien (Leitungsanästhesien und intraartikuläre Anästhesien) lokalisieren den Schmerz, bevor man ein Bild interpretiert.

Welche Therapien stehen heute zur Verfügung?

Eine Heilung gibt es bei Arthrose nicht, denn der einmal verlorene Hyalinknorpel wächst nicht nach. Ziel jeder Therapie ist es daher, Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu kontrollieren und das Fortschreiten zu verlangsamen. Die moderne Pferdeorthopädie arbeitet mit einem Stufenmodell, das je nach Stadium und Befund kombiniert wird.

Auf der ersten Stufe stehen nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID) wie Phenylbutazon, Meloxicam oder Firocoxib. Sie reduzieren Schmerz und Entzündung zuverlässig, sollten aber nicht dauerhaft hochdosiert eingesetzt werden, denn sie belasten Magen, Niere und Darm. Eine längere NSAID-Therapie gehört in die Hand der Tierärztin, die Blutwerte regelmäßig kontrolliert. Bei Senioren mit Spat ist eine niedrig dosierte Dauergabe oft die einzige Option, um Lebensqualität zu erhalten.

Auf der zweiten Stufe stehen intraartikuläre Injektionen. Hyaluronsäure (HA) verbessert die Viskosität der Synovia und reduziert die Reibung. Polysulfatierte Glykosaminoglykane (PSGAG) wirken knorpelprotektiv. Kortikosteroide wie Triamcinolon oder Methylprednisolon dämpfen die Entzündung deutlich, ihr Einsatz wird heute zurückhaltender gehandhabt, denn hohe Dosen können den Knorpel langfristig schädigen. Eine moderne Variante ist IRAP (Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist-Protein), bei dem aus dem Eigenblut deines Pferdes ein körpereigener Wirkstoff gewonnen und ins Gelenk gespritzt wird. Auch ACS (Autologes Conditioniertes Serum) und PRP (plättchenreiches Plasma) gehören in diese Kategorie regenerativer Verfahren.

Auf der dritten Stufe finden sich physikalische Therapien wie extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT), Magnetfeldtherapie, Wassertretband und gezielte Physiotherapie. Die Stoßwelle hat sich besonders bei Spat und chronischen Sehnenbeteiligungen bewährt, die Behandlung kostet in Österreich pro Sitzung zwischen einhundertfünfzig und dreihundert Euro, meist sind drei bis fünf Sitzungen nötig. Auf der vierten Stufe stehen chirurgische Verfahren wie die arthroskopische Spülung, die Entfernung freier Gelenkkörper oder die operative Versteifung kleiner Gelenke (Arthrodese), wie sie bei fortgeschrittenem Spat im unteren Sprunggelenk durchgeführt wird.

Wie sieht das richtige Bewegungs-Management aus?

Bewegung ist bei Arthrose kein Feind, sondern Medizin. Ein Pferd mit Arthrose, das den ganzen Tag in der Box steht, wird steifer, schmerzempfindlicher und entwickelt Folgeschäden in anderen Gelenken. Die Kunst liegt in der richtigen Dosierung und in der gleichmäßigen Verteilung der Belastung über den Tag. Tägliche Weide oder Paddockzeit von mindestens sechs bis acht Stunden ist Standard. Optimal ist ein Offenstall mit weichem Untergrund, denn die kontinuierliche, ruhige Bewegung schmiert die Gelenke besser als jede Reitstunde.

Reitarbeit bleibt erlaubt, sollte aber an die Gelenke angepasst werden. Lange Aufwärmphasen im Schritt (mindestens fünfzehn Minuten am langen Zügel) sind Pflicht. Vermeide harten, tiefen oder ungleichmäßigen Boden, denn er belastet den Knorpel zusätzlich. Springen oder enge Wendungen reduzierst du, gerade Linien, Geländeritte im Schritt und ruhiger Trab auf elastischem Boden sind ideal. Wassertretband, sofern verfügbar, baut Muskulatur auf, ohne die Gelenke zu belasten.

Pausen brauchen Pferde mit Arthrose nicht in Form von Boxenruhe, sondern in Form reduzierter Intensität. Ein Ruhetag bedeutet langer Spaziergang im Schritt oder Weidegang, nicht stundenlange Box. Auch ein gut sitzender Beschlag (oder eine ausgewogene Barhufpflege durch eine erfahrene Hufpflegerin) ist Teil der Therapie, denn jede Hebelwirkung am Huf landet direkt im darüberliegenden Gelenk. Bei manchen Befunden helfen orthopädische Beschläge, etwa Eiereisen, Stegverschluss oder Keile, deine Tierärztin spricht das gemeinsam mit der Hufschmiedin ab.

Was bedeutet Arthrose für das Senior-Pferd?

Mit zunehmendem Alter nehmen Häufigkeit und Schwere der Arthrose zu. Senior-Pferde ab fünfzehn Jahren brauchen ein abgestimmtes Programm aus Schmerzmanagement, weicher Haltung, kontrollierter Bewegung und einem Auge auf das Körpergewicht. Übergewicht erhöht die Gelenkbelastung erheblich, jedes Kilo zu viel wirkt im Trab mit dem Drei- bis Vierfachen auf die Gelenke. Eine ausgewogene Ration aus strukturreichem Heu, wenig Kraftfutter und einer angepassten Mineralergänzung ist Grundlage, mehr dazu liest du im Ratgeber zur Fütterungsempfehlung Pferd.

Ergänzungsfutter mit Glucosamin, Chondroitin, MSM, Grünlippmuschel oder Hagebuttenpulver sind beliebt, ihre wissenschaftliche Evidenz ist gemischt. Sie schaden in der Regel nicht und können bei manchen Pferden subjektiv die Beweglichkeit verbessern, ein Wundermittel sind sie nicht. Wichtig ist, dass du nicht auf eigene Faust hochdosiert ergänzt, sondern die Ration mit deiner Tierärztin abstimmst. Auch Vitamine beim Pferd spielen im Alter eine größere Rolle, vor allem Vitamin E zur Muskelpflege und antioxidative Substanzen.

Ein arthrotisches Senior-Pferd braucht außerdem einen geschützten Sozialverband. Rangkämpfe und schnelle Manöver auf der Weide können Schubzustände auslösen. Wähle eine ruhige Gruppe und biete Rückzugsmöglichkeiten. Im Winter ist eine trockene, weiche Liegefläche entscheidend, denn Kälte und Nässe verstärken die Beschwerden. Eine Decke ist bei vielen Senioren mit Arthrose sinnvoll, vor allem bei Stockmaßen unter einhundertsechzig Zentimetern und magerer Bemuskelung.

Welche Rolle spielen Stoffwechsel und Begleiterkrankungen?

Arthrose ist selten ein isoliertes Problem. Begleiterkrankungen wie Equines Cushing-Syndrom (PPID), Equines Metabolisches Syndrom (EMS) oder chronische Hufrehe verstärken die Beschwerden und erschweren die Therapie. Pferde mit gestörtem Glukosestoffwechsel haben oft eine schwächere Knorpelregeneration und reagieren empfindlicher auf Kortikosteroide. Bei Verdacht auf eine zugrunde liegende Stoffwechselstörung beim Pferd gehört eine Blutuntersuchung mit ACTH und Insulin zur Basisdiagnostik, idealerweise schon bei der ersten Lahmheitsabklärung im Senior-Alter.

Auch chronische Hufgesundheitsprobleme schlagen auf die Gelenke. Eine vernachlässigte Hufrolle, Trachtenzwang oder einseitige Belastung führen über Jahre zur Hufgelenksarthrose. Regelmäßige Kontrollen alle sechs bis acht Wochen durch eine erfahrene Hufschmiedin sind Pflicht. Auch Blutwerte beim Pferd liefern wertvolle Hinweise auf Entzündungsbereitschaft, Mineralstoffversorgung und Begleiterkrankungen, die du in die Therapieplanung einbeziehen solltest.

Tierärztlicher Blick auf Arthrose beim Pferd

Aus tierärztlicher Sicht ist Arthrose eine Diagnose, die Geduld und Teamwork verlangt. Ein einmal verschlissenes Gelenk ist wie ein abgenutzter Reifen, du kannst die Fahrt verlängern, aber der Verschleiß bleibt. Wir Tierärztinnen und Tierärzte sehen häufig zwei Fehler: Entweder wird zu lange gewartet, bis der Knorpel weitgehend zerstört ist, oder es wird zu aggressiv mit hochdosierten Kortikosteroiden behandelt, ohne das Grundproblem (Beschlag, Haltung, Belastung) anzugehen.

Eine gute Therapie beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: In welcher Disziplin und mit welcher Intensität soll dein Pferd noch arbeiten? Was kannst du im Alltag verändern? Welche Begleiterkrankungen liegen vor? Erst dann werden Medikamente, Injektionen und physikalische Verfahren sinnvoll abgestimmt. Such dir eine Tierärztin oder einen Tierarzt mit orthopädischem Schwerpunkt, ein Verzeichnis findest du unter go4vet Tierarztsuche. Eine Pferdekrankenversicherung mit OP-Schutz ist bei jüngeren Pferden eine Überlegung wert, denn diagnostische MRT, Arthroskopie oder Arthrodese kosten schnell zwischen viertausend und zwölftausend Euro.

Häufige Fragen zu Arthrose beim Pferd

Kann mein Pferd mit Arthrose noch geritten werden?
In den meisten Fällen ja. Mit einem angepassten Trainingsplan, langer Aufwärmphase und elastischem Boden bleiben viele arthrotische Pferde noch viele Jahre rittig. Entscheidend sind die Lokalisation, das Stadium und ein konsequentes Schmerzmanagement. Bei fortgeschrittener Arthrose im Hufgelenk oder Karpus kann der Reitbetrieb eingeschränkt sein, ein ruhiger Geländeritt oder Bodenarbeit ist fast immer möglich.
Was kostet die Diagnose und Behandlung in Österreich?
Eine Lahmheitsuntersuchung mit Beugeproben kostet zwischen neunzig und einhundertfünfzig Euro, Röntgenaufnahmen pro Bein zwischen einhundertzwanzig und zweihundertfünfzig Euro. Intraartikuläre Injektionen mit Hyaluronsäure und Kortikosteroid liegen bei zweihundert bis dreihundertfünfzig Euro pro Gelenk, IRAP-Therapien bei achthundert bis tausendfünfhundert Euro für eine Serie. Eine MRT-Untersuchung kostet zwischen tausendzweihundert und zweitausend Euro.
Helfen Glucosamin und Chondroitin wirklich?
Die Studienlage ist gemischt. Einzelne Untersuchungen zeigen subjektive Verbesserungen bei Pferden mit leichter Arthrose, hochwertige doppelblinde Studien fehlen weitgehend. Schaden tun die Substanzen in empfohlener Dosierung nicht. Wenn du sie einsetzt, plane eine Probezeit von sechs bis acht Wochen ein und beurteile ehrlich, ob dein Pferd beweglicher wirkt.
Was ist Spat und unterscheidet er sich von „normaler“ Arthrose?
Spat ist der traditionelle Name für die Arthrose im unteren Sprunggelenk des Pferdes. Die Gelenkflächen verschmelzen langfristig durch knöcherne Brücken, was die Schmerzen am Ende sogar reduziert (sogenannter „ausgespateter“ Zustand). Bis dahin können Jahre vergehen, in denen Schmerzmittel und Bewegungsmanagement nötig sind. Eine chemische oder chirurgische Versteifung beschleunigt diesen Prozess.
Sollte ich mein arthrotisches Pferd im Winter eindecken?
Bei magerer Bemuskelung, hohem Alter und feucht-kalten Wintertagen ja. Eine wasserdichte, atmungsaktive Decke mit fünfzig bis hundertfünfzig Gramm Füllung schützt vor Auskühlung der Muskulatur, die rund um arthrotische Gelenke besonders verspannt. Robuste, gut bemuskelte Mittelgewichtspferde brauchen meist keine Decke, sofern Unterstand und Heu reichlich vorhanden sind.
Wie unterscheide ich Arthrose von einer akuten Verletzung?
Arthrose entwickelt sich schleichend über Wochen und Monate, mit typischer Anlauflahmheit, die sich „warm läuft“. Eine akute Verletzung tritt plötzlich auf, oft mit Schwellung, Wärme, deutlicher Lahmheit ohne Besserung in der Bewegung. Im Zweifel rufst du immer die Tierärztin, denn frische Verletzungen brauchen eine andere Therapie als chronische Arthrose.
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