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Zecken beim Hund

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Zecken beim Hund sind im DACH-Raum längst kein saisonales Randthema mehr, sondern eine ganzjährige Herausforderung mit erheblichem Krankheitspotenzial. Daten der Veterinärmedizinischen Universität Wien, der ESCCAP und des Robert-Koch-Instituts zeigen, dass die Aktivität von Ixodes ricinus, Dermacentor reticulatus und zunehmend auch Rhipicephalus sanguineus in Österreich, Deutschland und der Schweiz seit zehn Jahren deutlich steigt. Mildwinter, milde Frühjahre und veränderte Verbreitungsgebiete sorgen dafür, dass Zecken bereits ab fünf bis sieben Grad Celsius aktiv sind, also fast das ganze Jahr über.

In diesem Ratgeber bekommst du einen vollständigen Überblick zu Zeckenarten und ihrer Verbreitung, lernst die wichtigsten durch Zecken übertragenen Erreger kennen, erfährst, wie du eine Zecke korrekt entfernst, und welche Prävention nach aktuellem Wissensstand wirklich schützt. Wichtig ist die Botschaft: Permethrin ist beim Hund in zugelassenen Spot-on-Präparaten ein hoch wirksamer Schutz, für die Katze ist derselbe Wirkstoff hingegen lebensgefährlich, was Mehrtierhalter zwingend wissen müssen. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

Wichtiger Hinweis

Wichtiger Hinweis

Permethrin ist für Hunde in tierärztlich zugelassenen Präparaten sicher und wirksam. Für Katzen ist derselbe Stoff hochgradig giftig und kann tödliche Vergiftungen auslösen. Wenn Hund und Katze im selben Haushalt leben, müssen direkter Kontakt nach Anwendung sowie gemeinsame Liegeplätze ausgeschlossen werden, idealerweise wechselst du auf einen für beide Spezies geeigneten Wirkstoff.

Welche Zeckenarten sind im DACH-Raum relevant?

Im deutschsprachigen Raum dominiert der Gemeine Holzbock Ixodes ricinus, der für die Übertragung von Borreliose, Anaplasmose, Babesiose-Subtypen, Rickettsiose und FSME beim Hund verantwortlich ist. Er ist im gesamten Bundesgebiet verbreitet, mit hoher Dichte in Wäldern, Wiesen, Stadtparks und Gartenanlagen. Aktivitätsspitzen liegen klassisch im Frühling zwischen März und Mai sowie im Herbst zwischen September und November, doch warme Winter führen zu praktisch ganzjähriger Aktivität.

Die Auwaldzecke Dermacentor reticulatus hat in den letzten Jahren stark zugenommen, vor allem in Auenlandschaften an Donau, March, Inn, Mur und Rhein, sowie in den Hauptstädten und ihrem Umland inklusive Großräumen Wien, Berlin, München und Bern. Sie überträgt die Babesiose des Hundes, die unbehandelt zur lebensbedrohlichen Hämolyse führt. Charakteristisch ist die Aktivität im zeitigen Frühjahr und im Spätherbst, oft schon ab Februar.

Die Braune Hundezecke Rhipicephalus sanguineus ist ursprünglich mediterran, hat sich aber durch Reiseverkehr und gestiegene Temperaturen auch in Österreich, Deutschland und der Schweiz festgesetzt. Sie ist der einzige Zeckenart, die sich in Wohnungen vermehren kann, was sie nach Rückreisen aus dem Süden besonders problematisch macht. Sie überträgt Ehrlichiose und mediterrane Babesiose. Wer mit Hund nach Italien, Kroatien, Spanien, Portugal oder Griechenland reist, sollte Reise-Prophylaxe und Nachkontrolle nach Rückkehr fest einplanen. Eine ausführliche Übersicht findest du in unserem Beitrag zum Zeckenstich beim Hund.

Zecken beim Hund – go4vet

Welche Krankheiten übertragen Zecken auf Hunde?

Die wichtigsten zeckenübertragenen Erkrankungen beim Hund sind Borreliose, Anaplasmose, Babesiose, Ehrlichiose und FSME. Borreliose, ausgelöst durch Borrelia burgdorferi sensu lato, kann zu Lahmheiten, Fieber, Lymphknotenschwellung und in seltenen Fällen Niereninsuffizienz führen. Die Diagnose erfolgt über Serologie und PCR, die Therapie über Doxycyclin. Mehr dazu in unserem Artikel zur Borreliose beim Hund.

Anaplasmose durch Anaplasma phagocytophilum führt häufig zu hohem Fieber, Apathie, Thrombozytopenie und Polyarthritis. Sie spricht gut auf Doxycyclin an, vorausgesetzt, sie wird rechtzeitig erkannt. Eine Vertiefung bietet unser Beitrag zur Anaplasmose beim Hund. Die Babesiose, vor allem durch Babesia canis ausgelöst und über die Auwaldzecke übertragen, ist die gefährlichste der heimischen zeckenübertragenen Erkrankungen beim Hund. Sie zerstört die roten Blutkörperchen, führt zu Ikterus, dunklem Harn und kann unbehandelt innerhalb weniger Tage tödlich verlaufen. Diagnose erfolgt über Blutausstrich und PCR, die Therapie über Imidocarb in stationärer Betreuung.

Ehrlichiose tritt vor allem nach Reisen in den Süden auf, FSME ist beim Hund seltener als beim Menschen klinisch auffällig, kann aber zentralnervöse Symptome verursachen. Hyalomma-Zecken, die mit Zugvögeln nach Mitteleuropa eingeschleppt werden, übertragen das Krim-Kongo-Fieber-Virus, was bisher nur in Einzelfällen beim Hund klinisch relevant ist, aber von Universitäten in Wien und Hohenheim eng beobachtet wird, weil sich diese Art unter den Bedingungen des Klimawandels weiter ausbreiten könnte.

Wie entfernst du eine Zecke richtig?

Eine festgesaugte Zecke gehört möglichst schnell entfernt, idealerweise innerhalb von zwölf bis vierundzwanzig Stunden, weil die Übertragungsrate mehrerer Erreger mit der Saugdauer steigt. Geeignet sind Zeckenzangen, Zeckenkarten oder spezielle Zeckenhebel aus dem Tierfachhandel oder der Apotheke. Die Zecke wird hautnah gegriffen und mit gleichmäßigem Zug, ohne Drehen oder Quetschen, herausgezogen. Drehen ist nicht zwingend nötig, manche Werkzeuge nutzen es zur Erleichterung.

Was du nicht tun solltest: Klebstoff, Öl, Nagellack oder ein Streichholz auf die Zecke aufbringen. Diese Methoden führen dazu, dass die Zecke gestresst zusätzliche Erreger ins Tier abgibt und erhöhen das Infektionsrisiko deutlich. Auch das Abreißen mit den Fingernägeln ist riskant, weil Mundwerkzeuge in der Haut zurückbleiben können, was lokale Entzündungen verursacht.

Nach der Entfernung wird die Stelle desinfiziert und in den folgenden vier bis sechs Wochen beobachtet. Bei Rötung, Schwellung, Wanderröte (Erythema migrans), Fieber, Lahmheit, Inappetenz oder Apathie gehört der Hund zeitnah zur tierärztlichen Untersuchung mit gezielter Erregerdiagnostik. Wenn du unsicher bist, ob du die Zecke vollständig entfernt hast, lass den Befund in der Praxis kontrollieren. Eine Anlaufstelle in deiner Nähe findest du jederzeit über die go4vet-Tierarztsuche.

Welche Präventionsmittel gibt es heute?

Die Prävention hat sich in den letzten zehn Jahren stark weiterentwickelt. Aktuell stehen drei Hauptklassen zur Verfügung. Erstens Spot-on-Präparate mit Permethrin, Fipronil, Imidacloprid oder Dimpylat. Permethrin wirkt nicht nur abtötend, sondern auch repellent, also abwehrend, was bei Mittelmeerreisen wichtig ist. Permethrin ist beim Hund sicher, beim Katze hochgiftig, weshalb Mehrtierhaushalte vorsichtig sein müssen.

Zweitens Halsbänder mit Imidacloprid und Flumethrin, die acht Monate Schutz bieten und bei korrekter Anwendung zuverlässig wirken. Drittens Tabletten aus der Klasse der Isoxazoline, also Fluralaner, Sarolaner, Lotilaner und Afoxolaner. Diese wirken systemisch über vier bis zwölf Wochen, in Einzelpräparaten sogar länger, und sind besonders praktisch bei Hunden, die schwimmen oder häufig gebadet werden, weil sie nicht abgewaschen werden können. Sie wirken nicht repellent, töten aber Zecken zuverlässig binnen weniger Stunden ab. Die Wahl des Präparats sollte mit der Tierärztin abgestimmt sein und Reiseverhalten, Alter, Gewicht, Vorerkrankungen sowie Mehrtierhaushalt berücksichtigen.

Eine wirksame Impfung gibt es derzeit nur gegen Borreliose und mit Einschränkungen hinsichtlich der Wirksamkeit gegen alle relevanten Borrelienstämme, sie ersetzt keine Antiparasitika. Die FSME-Impfung beim Hund ist nicht etabliert. Komplementäre Methoden wie Bernsteinketten oder Knoblauch im Futter sind nach aktueller Studienlage unwirksam und im Fall von Knoblauch sogar schädlich, weil er beim Hund hämolytisch wirkt.

Welche regionalen Besonderheiten gelten in Österreich, Deutschland und der Schweiz?

Die Zeckenkarte des DACH-Raums hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verändert. In Österreich gelten weite Teile von Wien, Niederösterreich, Burgenland, der Steiermark und Kärnten als FSME-Risikogebiet, weshalb in diesen Regionen besondere Aufmerksamkeit auf Repellenz gelegt werden sollte. Die Vetmeduni Wien sammelt fortlaufend Daten zur Zeckendichte und Verbreitung neuer Arten wie Hyalomma, das mit Zugvögeln auch in den Norden gelangt.

In Deutschland sind vor allem Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen und Thüringen FSME-Hochrisikoregionen. Auch in Norddeutschland steigt die Zeckendichte stetig, das frühere Bild eines vor allem süddeutschen Themas trifft längst nicht mehr zu. In der Schweiz sind das Mittelland und der Großraum Zürich besonders betroffen.

Wer mit dem Hund in Risikogebieten unterwegs ist, sollte ein integriertes Konzept aus Antiparasitika, Spaziergangs-Hygiene und gegebenenfalls Borreliose-Impfung mit der Tierärztin abstimmen. Auch Halter in städtischen Parks dürfen sich nicht in falscher Sicherheit wiegen, denn Wiener Stadtparks, Münchner Englischer Garten oder Berliner Tiergarten sind nachweislich zeckenreiche Habitate.

Zecken beim Hund – go4vet

Was ist bei Welpen, Senioren und kranken Hunden zu beachten?

Welpen unter acht Wochen, sehr kleine Hunde unter zwei Kilogramm, trächtige oder säugende Hündinnen und Tiere mit Vorerkrankungen brauchen eine angepasste Prophylaxe. Nicht alle Wirkstoffe sind in jedem Alter und jeder Lebensphase zugelassen. Die Auswahl gehört in tierärztliche Hand. Auch bei Hunden mit Epilepsie ist der Einsatz mancher Isoxazoline kritisch zu prüfen, da neurologische Nebenwirkungen in Einzelfällen beschrieben sind, hier helfen alternative Präparate aus der Spot-on- oder Halsband-Klasse.

Senioren mit Lebererkrankungen oder Nierenproblemen vertragen viele systemische Wirkstoffe schlechter. Eine engmaschige Verlaufskontrolle der Organwerte kann sinnvoll sein. Außerdem haben Senioren oft schwächere Immunabwehr, was sie für zeckenübertragene Erkrankungen anfälliger macht.

Bei Reisen in den Mittelmeerraum sollten Hunde unabhängig vom Alter mit einem repellenten Präparat wie Permethrin- oder Dimpylat-Spot-on geschützt werden, idealerweise drei bis vier Wochen vor Abreise. Eine ergänzende Beratung über Mittelmeerkrankheiten wie Leishmaniose, Ehrlichiose, Dirofilariose und Hepatozoonose ist Pflicht, da diese Erkrankungen Lebensqualität und Lebenserwartung erheblich beeinflussen können und manche Erreger erst Monate nach der Reise klinisch auffällig werden. Eine Übersicht zur Leishmaniose findest du in unserem Artikel zur Leishmaniose beim Hund.

Wie sieht ein sinnvolles Gesamtkonzept aus?

Ein sinnvolles, ganzheitliches Zeckenmanagement kombiniert mehrere aufeinander abgestimmte Bausteine. Erstens eine ganzjährige medikamentöse Prophylaxe mit einem für deinen Hund passenden Präparat. Zweitens das tägliche Absuchen nach Spaziergängen, vor allem an Lieblingsstellen wie Ohrmuscheln, Halsband, Achseln, Leisten und Pfoten. Drittens eine ordentliche Werkzeugausstattung für die Notfallentfernung, also Zeckenkarte oder Zange in jeder Spaziergangstasche.

Viertens ein Bewusstsein für saisonale Risikospitzen, fünftens das Vermeiden besonders zeckendichter Habitate während Risikozeiten, also hohe Wiesen im Frühjahr und Herbst. Sechstens die regelmäßige Kontrolle des Hundes auf Bisswunden mit Wanderröte oder ungewöhnliche Allgemeinsymptome wie Fieber oder Lahmheit. Bei diabetischen oder anderweitig vorerkrankten Hunden gehört eine engmaschige Tierarztanbindung dazu, weil zeckenübertragene Infektionen die Stoffwechsellage zusätzlich destabilisieren.

Auch der Garten sollte als Lebensraum geprüft werden. Hohe Gräser, Laubhaufen und feuchte Schattenecken fördern Zeckenpopulationen. Regelmäßiges Mähen und das Entfernen von Falllaub reduzieren das Risiko. Igel und Mäuse sind Wirtstiere für Larven und Nymphen, weshalb naturnahe Gärten naturgemäß höhere Zeckendichten aufweisen. Bei wiederkehrenden Befällen ist eine professionelle Beratung sinnvoll, gegebenenfalls mit Zecken-Monitoring im Garten und gezielten Maßnahmen zur Reduktion der Wirtspopulationen. Für die Kostenseite lohnt sich eine Tierkrankenversicherung, weil Babesiose-Therapie oder Anaplasmose-Aufarbeitung schnell vierstellig werden können.

Notfall

Wann sofort zum Tierarzt?

Sofortige Vorstellung bei dunklem, kaffeebraunem Harn (Verdacht Babesiose), bei plötzlich hohem Fieber kombiniert mit Apathie und Erbrechen, bei akuten Lahmheiten mit Schwellungen mehrerer Gelenke, bei Blutungen aus Mund oder Nase (Thrombozytopenie) sowie bei Vergiftungsverdacht durch Permethrin bei der Katze, das ist immer ein lebensbedrohlicher Notfall.

Tierärztlicher Blick

Aus tierärztlicher Sicht ist die Zeckenprophylaxe einer der Bereiche, in denen wir Halter konsequent begleiten und gleichzeitig ehrlich beraten müssen. Wir sehen viele Hunde, die mit gut gemeinten Hausmitteln oder Online-Halsbändern geschützt werden sollen und dann mit Babesiose oder schwerer Anaplasmose vorgestellt werden. Der Schaden ist vermeidbar, wenn moderne, geprüfte Präparate eingesetzt werden, idealerweise nach individueller Beratung.

Gleichzeitig nehmen wir das Anliegen ernst, möglichst wenig systemische Substanzen zu geben. Repellente Spot-on-Präparate, Halsbänder oder eine schmal indizierte Tablette sind nicht dasselbe wie Dauerchemie. Wir helfen, das Risiko deines Hundes anhand seiner Lebensweise einzuschätzen, etwa Stadt versus Land, Schwimmen ja oder nein, Reisen in den Süden, und stimmen die Wirkstoffwahl darauf ab. Für die Katze im Mehrtierhaushalt gilt: Permethrin niemals, Punkt. Nutze unsere Tierarztsuche für die individuelle Empfehlung in deiner Region.

Häufige Fragen zu Zecken beim Hund

Ab welcher Temperatur sind Zecken aktiv?
Zecken werden ab etwa fünf bis sieben Grad Celsius aktiv. In milden Wintern in Wien, München oder Zürich bedeutet das praktisch ganzjährige Aktivität. Eine durchgehende Prophylaxe ist deshalb sinnvoller als ein saisonales Konzept.
Ist Permethrin für Hunde wirklich sicher?
In tierärztlich zugelassenen Spot-on-Produkten ist Permethrin beim Hund sicher und seit Jahrzehnten bewährt. Bei der Katze ist derselbe Stoff lebensgefährlich. In Mehrtierhaushalten sollte ein für beide Spezies geeignetes Produkt verwendet werden.
Wie schnell muss eine Zecke entfernt werden?
Idealerweise innerhalb von zwölf bis vierundzwanzig Stunden. Borreliose-Übertragung beginnt nach etwa sechzehn bis vierundzwanzig Stunden Saugzeit, Anaplasmose und Babesiose teils noch schneller. Schnelle Entfernung reduziert das Infektionsrisiko erheblich.
Brauche ich eine Borreliose-Impfung für meinen Hund?
Eine Borreliose-Impfung kann in Hochrisikoregionen und bei Hunden mit hoher Exposition sinnvoll sein. Sie ist aber kein Ersatz für eine Antiparasitika-Prophylaxe und sollte individuell mit der Tierärztin entschieden werden.
Welches Präparat ist für meinen Welpen geeignet?
Welpen unter acht Wochen brauchen besondere Sorgfalt. Nicht alle Wirkstoffe sind in jeder Altersklasse zugelassen. Die Auswahl trifft die Tierärztin nach Alter, Gewicht und Lebenssituation. Hausmittel und Off-label-Anwendungen sind zu vermeiden.
Was tun bei Verdacht auf Babesiose nach Auslandsreise?
Sofort tierärztliche Vorstellung mit Hinweis auf Reise und mögliche Zeckenexposition. Babesiose kann perakut tödlich verlaufen, eine schnelle Diagnostik mit Blutausstrich und PCR plus rechtzeitige Imidocarb-Therapie rettet Leben.
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