Kastrationspflicht für Katzen: Wo sie 2026 gilt und was sie kostet
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Eine Kastrationspflicht für Katzen gibt es in Österreich schon seit Jahren für alle Freigänger. In Deutschland fehlt eine bundesweite Regel, stattdessen entscheiden Länder und Gemeinden. 2026 sind mit Hamburg, Schleswig-Holstein und der Stadt Bremen wichtige neue Regelungen hinzugekommen.
Hintergrund ist das Leid der Straßenkatzen. Unkastrierte Freigänger vermehren sich unkontrolliert, und ihr Nachwuchs wächst oft verwildert, krank und unterernährt auf. Tierschutzvereine und Tierheime kämpfen seit Jahren mit dieser Situation und übernehmen einen großen Teil der Kosten. Die Verantwortung trägt aber der Halter: Wer seine Katze nach draußen lässt, entscheidet mit darüber, ob weiter ungewollte Kitten geboren werden.
Das Wichtigste in Kürze
- In Österreich müssen alle Katzen mit regelmäßigem Freigang kastriert werden, außer gemeldete Zuchtkatzen. Das gilt seit 2016 auch für Katzen in bäuerlicher Haltung.
- In Deutschland gibt es keine bundesweite Kastrationspflicht. Landesweit gilt sie in Berlin, Hamburg, Schleswig-Holstein und in der Stadt Bremen, sonst über Katzenschutzverordnungen einzelner Gemeinden.
- Wohnungskatzen ohne Freigang sind in beiden Ländern nicht betroffen.
- In Deutschland richten sich die Kosten nach der GOT. Die Kastration einer Kätzin ist deutlich teurer als die eines Katers.
Was regelt die Kastrationspflicht in Österreich?
Die 2. Tierhaltungsverordnung bestimmt: Werden Katzen mit regelmäßigem Zugang ins Freie gehalten, sind sie von einem Tierarzt kastrieren zu lassen, sofern sie nicht zur Zucht verwendet werden. Die Pflicht gilt bundesweit für Kater und Kätzinnen. Bis 2016 waren Katzen in bäuerlicher Haltung ausgenommen. Diese Ausnahme ist seit 1. April 2016 gestrichen, wie das Land Oberösterreich ausdrücklich betont.
Ausgenommen sind nur zwei Gruppen:
- Wohnungskatzen ohne regelmäßigen Zugang ins Freie
- Katzen, die zur Zucht verwendet werden. Wer züchtet, muss das bei der Behörde melden, und Zuchtkatzen müssen gechipt und mit ihren Daten in der Heimtierdatenbank registriert werden. Eine Ausnahme für Freigängerkatzen ohne Zuchtmeldung besteht nicht.
Wer gegen die Kastrationspflicht verstößt, begeht eine Verwaltungsübertretung. Das Land Oberösterreich nennt dafür eine Geldstrafe von bis zu 3.750 Euro nach dem Tierschutzgesetz. Kontrolliert wird in der Regel nach Anzeigen, etwa wenn auf einem Hof immer wieder Kitten auftauchen.
Wenn du deine Katze an den Freigang gewöhnen willst, plane die Kastration vorher ein. Wie du dabei vorgehst, steht im Beitrag Katze an Freigang gewöhnen.
Gibt es in Deutschland eine bundesweite Kastrationspflicht?
Nein. Das Tierschutzgesetz (§ 13b) ermächtigt die Landesregierungen, zum Schutz freilebender Katzen Gebiete festzulegen, in denen der unkontrollierte Freigang fortpflanzungsfähiger Katzen verboten oder beschränkt wird. Zusätzlich können Kennzeichnung und Registrierung vorgeschrieben werden. Viele Länder haben diese Befugnis an Städte und Gemeinden übertragen. Deshalb gibt es in Deutschland hunderte unterschiedliche kommunale Katzenschutzverordnungen.
Tierschutzverbände wie der Deutsche Tierschutzbund fordern seit Jahren eine bundesweite Regel. Bis dahin bleibt das Thema Sache der Länder und Gemeinden, und du musst weiterhin selbst prüfen, was an deinem Wohnort gilt. Frag beim Ordnungsamt, beim Veterinäramt oder beim örtlichen Tierschutzverein nach.

In welchen Bundesländern gilt eine landesweite Pflicht?
Stand Oktober 2026 gelten diese landesweiten oder stadtweiten Regelungen:
| Bundesland | Regelung | seit | Inhalt |
|---|---|---|---|
| Berlin | Katzenschutzverordnung | Juni 2022 | kein unkontrollierter Freigang für unkastrierte Katzen, Freigänger gechipt und registriert |
| Hamburg | Katzenschutzverordnung | 1.1.2026 | Freigänger ab fünf Monaten kastriert, gechipt und registriert |
| Schleswig-Holstein | Landesverordnung über den Schutz freilebender Katzen | 1.7.2026 | fortpflanzungsfähige Freigänger kastriert, gechipt und registriert |
| Bremen (Stadtgemeinde) | Ortsgesetz | Kastration seit 2011, Chip und Register ab 17.7.2026 | Freigänger kastriert, Chip nach Vollendung des dritten Lebensmonats, Registrierung; Verstöße sind bußgeldbewehrt |
Schleswig-Holstein ist laut Deutschem Tierschutzbund das erste Flächenland mit einer landesweiten Verordnung. In allen anderen Bundesländern gibt es Regelungen nur auf Ebene einzelner Städte, Kreise oder Gemeinden. Deren Zahl wächst ständig.
Was muss ich als Halter in Deutschland konkret tun?
In Gebieten mit Katzenschutzverordnung gilt fast immer dasselbe Prinzip: Darf deine Katze unkontrolliert nach draußen, muss sie kastriert, mit einem Mikrochip gekennzeichnet und in einem Haustierregister wie FINDEFIX oder TASSO registriert sein. Die Registrierung ist dort derzeit kostenlos. Wohnungskatzen, die keinen Zugang nach draußen haben, dürfen auch in diesen Gebieten unkastriert bleiben. Unkontrolliert heißt: Die Katze läuft frei herum, ohne Leine, ohne gesicherten Garten oder Katzennetz.
Die Kennzeichnung hilft, Hauskatzen von verwilderten Tieren zu unterscheiden und entlaufene Katzen schnell zurückzubringen. Wie das Chippen abläuft, liest du im Beitrag Mikrochip bei der Katze. Ab welchem Alter eine Kastration sinnvoll ist, erklärt der Beitrag Wann Kitten kastrieren lassen?.

Welche Vorteile hat die Kastration für meine Katze?
Neben dem Tierschutz spricht vieles für die Kastration. Kastrierte Kater markieren meist weniger, streunen weniger weit und geraten seltener in Revierkämpfe, bei denen Bisswunden und Erkrankungen wie das Katzen-Immunschwächevirus FIV übertragen werden können. Kastrierte Kätzinnen werden nicht mehr rollig und können keine ungewollten Würfe mehr bekommen. Die Rolligkeit ist für viele Katzen und ihre Menschen sehr belastend.
Nach der Kastration sinkt der Energiebedarf. Achte deshalb auf die Futtermenge, damit deine Katze nicht zunimmt. Ablauf, Zeitpunkt und Nachsorge beschreibt der Ratgeber Kastration der Katze ausführlich. Für Freigänger ist außerdem der Impfschutz wichtig, siehe Freigänger-Katze impfen.
Wer hilft bei Straßenkatzen und Kastrationsaktionen?
Für Straßenkatzen ohne Halter gibt es in Österreich und Deutschland Kastrationsprojekte von Tierschutzvereinen, Gemeinden und teils Ländern. Die Tiere werden eingefangen, kastriert, gekennzeichnet und wieder an ihrem Futterplatz freigelassen. In Deutschland erlaubt die GOT dafür ausdrücklich, die einfachen Gebührensätze zu unterschreiten, wenn die Kastration für einen anerkannt gemeinnützigen Tierschutzverein erfolgt.
Wenn du eine Futterstelle mit unkastrierten Katzen kennst, kannst du helfen, indem du den Tierschutzverein darauf hinweist. Ob es in deiner Region gerade eine Kastrationsaktion gibt, erfährst du beim örtlichen Tierschutzverein, beim Tierheim oder bei der Gemeinde. Einen Tierarzt in deiner Nähe findest du über die Tierarztsuche.

Was kostet die Kastration einer Katze?
In Deutschland richtet sich das Honorar nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT, Fassung vom 15. März 2023). Die einfachen Sätze sind Mindestpreise, üblich ist eine Spanne bis zum dreifachen Satz. Zur eigentlichen Operation kommen Untersuchung, Narkose, Medikamente und Material hinzu.
| Leistung | GOT-Nummer | einfacher Satz | dreifacher Satz |
|---|---|---|---|
| Kastration Kater | 378 | 30,32 € | 90,96 € |
| Ovariohysterektomie Kätzin (Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter) | 605 | 89,00 € | 267,00 € |
| Allgemeine Untersuchung mit Beratung, Katze | 16 | 23,62 € | 70,86 € |
| Inhalationsnarkose Hund, Katze, Frettchen | 337 | 61,57 € | 184,71 € |
| Implantation eines Transponders (Chip) | 238 | 10,24 € | 30,72 € |
Statt einer Inhalationsnarkose kommt oft eine Injektionsnarkose mit eigener Gebührenposition zum Einsatz. Die Endsumme hängt daher von Praxis, Narkoseform und Nachsorge ab. Ein wichtiger Hinweis: Lass dir vorher einen Kostenvoranschlag geben, damit du weißt, welche Positionen deine Praxis ansetzen wird.
In Österreich gibt es keine verbindliche Gebührenordnung. Frag bei der Praxis nach einem Kostenvoranschlag und lass dir aufschlüsseln, ob Voruntersuchung, Narkose, Schmerzmittel, Wundschutz und Nachkontrolle enthalten sind. Für Freigänger lohnt es sich, Chip und Registrierung gleich mitzuerledigen. Einen Überblick über weitere Behandlungskosten bietet der Beitrag Tierarztkosten Katze.
Häufige Fragen
Quellen
Österreich, 2. Tierhaltungsverordnung, Anlage 1 Punkt 2 Abs. 10 (Kastrationspflicht für Katzen mit regelmäßigem Zugang ins Freie), Fassung vom 09.10.2026. https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20003860
Österreich, Tierschutzgesetz, § 24a Abs. 3a (Kennzeichnung von Zuchtkatzen) und § 38 Abs. 3 (Strafbestimmungen), tagesaktuelle Fassung, abgerufen am 09.10.2026. https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20003541
Land Oberösterreich: Appell zum Weltkatzentag, Kastrationspflicht auch in bäuerlicher Haltung. https://www.land-oberoesterreich.gv.at/263094.htm
Deutschland, Tierschutzgesetz, § 13b. https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__13b.html
Senatsverwaltung Berlin: Berliner Katzenschutzverordnung. https://www.berlin.de/sen/verbraucherschutz/aufgaben/tierschutz/katzenschutzverordnung/artikel.1206331.php
Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Justiz und Verbraucherschutz: Senat erlässt Katzenschutzverordnung, 07.01.2025. https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bjv/aktuelles/2025-01-07-bjv-senat-erlaesst-katzenschutzverordnung-1006462
Land Schleswig-Holstein: Katzenschutzverordnung, gültig ab 01.07.2026. https://www.schleswig-holstein.de/DE/fachinhalte/T/tierschutz/katzen
Deutscher Tierschutzbund: Katzenschutzverordnung tritt in Schleswig-Holstein in Kraft, 25.06.2026. https://www.tierschutzbund.de/ueber-uns/aktuelles/presse/meldung/katzenschutzverordnung-tritt-in-schleswig-holstein-in-kraft/
Freie Hansestadt Bremen, Gesetzblatt Nr. 45 vom 17.04.2026 (Änderung des Ortsgesetzes, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für freilaufende Katzen). https://www.gesetzblatt.bremen.de/fastmedia/218/2026_04_17_GBl_Nr_0045_signed.pdf
Deutschland, Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), § 5 Abs. 2 und Anlage, zuletzt geändert am 15.03.2023. https://www.gesetze-im-internet.de/got_2022/
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