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Milben beim Pferd: Erkennen, Behandeln, Vorbeugen

Milben beim Pferd: Erkennen, Behandeln, Vorbeugen

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Milben beim Pferd zählen zu den häufigsten Hautparasitosen, die du in den Wintermonaten und im Spätsommer in deinem Stall antreffen kannst. Die mikroskopisch kleinen Spinnentiere lösen heftigen Juckreiz, Krusten, kahle Stellen und in schweren Fällen großflächige Hautentzündungen aus, die deinem Pferd massiv zusetzen und ohne tierärztliche Behandlung über Wochen schlimmer werden. Besonders Kaltblüter, Tinker, Friesen und Shires mit dichtem Behang an den Fesseln sind betroffen, doch auch Warmblüter und Ponys bleiben nicht verschont. Wenn dein Pferd sich an Boxenwänden scheuert, Mähne oder Schweif ausfallen oder die Fesselbeuge nässt, solltest du innerhalb weniger Tage handeln, denn Milben breiten sich rasend schnell zwischen Stallgenossen aus und verursachen über gemeinsame Putzutensilien, Decken oder Sattelunterlagen einen Bestandsbefall, der sich nur schwer wieder eindämmen lässt. In Deutschland und Österreich sind drei Räudemilbenarten klinisch bedeutsam, dazu kommen die saisonalen Herbstgrasmilben, die zwischen August und Oktober von der Weide aufspringen. In diesem Ratgeber liest du, woran du die einzelnen Milbenarten erkennst, welche diagnostischen Schritte beim Tierarzt Standard sind, welche Wirkstoffe wirklich helfen und wie du durch konsequente Stallhygiene einen Wiederbefall verhinderst. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

Notfall

Milbenbefall ist hochansteckend

Milben springen über Putzzeug, Decken und Boxenwände binnen Tagen auf andere Pferde über. Bei Verdacht behandelst du sofort alle Stallgenossen gleichzeitig und kontaktierst deinen Tierarzt, denn halbherzige Einzelbehandlungen führen fast immer zu Rückfällen und einem chronischen Bestandsproblem.

Welche Milbenarten befallen Pferde in Deutschland und Österreich?

In der Praxis begegnen dir vor allem drei Räudemilbenarten plus eine saisonale Larvenform. Chorioptes equi ist der Erreger der sogenannten Fußräude und der mit Abstand häufigste Milbenbefall in mitteleuropäischen Ställen. Die Milbe lebt auf der Hautoberfläche, ernährt sich von Hautschuppen und befällt vorwiegend Fesselbeuge, Sprunggelenke und die Schweifrübe. Rassen mit dichtem Kötenbehang wie Tinker, Shires, Friesen und Norweger erkranken überproportional häufig, weil das lange Haar Mikroklima und Feuchtigkeit für die Milben optimal hält. Sarcoptes scabiei var. equi dagegen gräbt regelrechte Gänge in die obere Hautschicht, löst extrem starken Juckreiz aus und breitet sich rasch über große Hautareale aus. Diese Art ist seltener geworden, gilt aber als anzeigepflichtig in einzelnen Bundesländern und kann auf Hund und Mensch übergehen, wo sie als Pseudokrätze auffällt. Psoroptes equi schließlich verursacht die sogenannte Mähnenräude. Du findest sie an Mähnenkamm, Schweifrübe und in den Ohren, wo sie nässende Stellen, dicke Krusten und Mähnenausfall hinterlässt.

Saisonal relevant sind außerdem die Larvenstadien der Trombicula-Milben, im Volksmund Herbstgrasmilben oder Erntemilben genannt. Sie treten in Deutschland und Österreich von August bis Oktober auf, sitzen als winzige rote Punkte an Grashalmen, springen auf das vorbeilaufende Pferd und beißen vorwiegend an Bauch, Beinen, Maul und Augenpartie. Nach wenigen Tagen fallen die Larven von selbst ab, der Juckreiz kann aber zwei bis drei Wochen anhalten. Demodex- oder Haarbalgmilben kommen beim Pferd vor, lösen aber nur bei massiv immungeschwächten Tieren klinische Symptome aus und spielen im Praxisalltag eine untergeordnete Rolle.

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Woran erkennst du einen Milbenbefall bei deinem Pferd?

Das auffälligste Frühzeichen ist starker Juckreiz. Dein Pferd scheuert sich an Boxenwänden, Pfosten, Bäumen oder Heunetzen, stampft mit den Hinterbeinen, beißt sich in die Fessel oder reibt Mähne und Schweif blank. Du bemerkst kahle Stellen, raue Krusten, Schuppen und teilweise nässende, blutige Hautareale. An der Fesselbeuge wirkt die Haut verdickt, oft riecht sie säuerlich und du tastest kleine Knötchen unter dem Behang. Bei Mähnen- und Schweifräude fallen ganze Haarbüschel aus, der Mähnenkamm wird kahl, die Schweifrübe zeigt zerfetzte Haare und Wunden vom permanenten Scheuern. Sekundärinfektionen mit Bakterien oder Hefepilzen sind die Regel, sobald die Hautbarriere einmal aufgekratzt ist.

Ein wichtiger Unterschied zur Sommerhautentzündung wie etwa dem Sommerekzem liegt in der Verteilung. Während Sommerekzem klassisch Mähnenkamm und Schweifrübe in den warmen Monaten betrifft, sitzt Fußräude meist an den Hinterbeinen und bleibt das ganze Jahr aktiv, mit deutlicher Verschlimmerung im Winter. Wenn dein Pferd auch im Januar Juckreiz an den Fesseln zeigt und du keinen Pollen- oder Insektenkontext hast, denkst du an Milben. Ein zweites Indiz ist die Verteilung im Bestand. Sind mehrere Pferde gleichzeitig betroffen, ist ein Parasit deutlich wahrscheinlicher als eine individuelle Allergie.

Wie diagnostiziert der Tierarzt Milben beim Pferd?

Die definitive Diagnose stellt dein Tierarzt mit einem Hautgeschabsel. Dabei wird mit einer Skalpellklinge oberflächliches und tieferes Hautmaterial gewonnen, in Kalilauge aufgelöst und unter dem Mikroskop auf Milben oder Milbeneier untersucht. Chorioptes equi sitzt oberflächlich und ist in fast allen befallenen Tieren leicht nachweisbar, Sarcoptes hingegen lebt tiefer in der Haut und entgeht oft dem ersten Schabsel. Negative Befunde schließen einen Sarcoptes-Befall daher nicht sicher aus, oft sind zwei bis drei Versuche an unterschiedlichen Stellen nötig. Ergänzend kommt das sogenannte Klebebandverfahren zum Einsatz, bei dem ein Tesastreifen auf die Haut gedrückt und mikroskopiert wird. Bei Psoroptes-Verdacht im Ohr wird mit einem feuchten Tupfer Sekret entnommen.

Differenzialdiagnostisch grenzt dein Tierarzt Pilzinfektionen wie Trichophytie, bakterielle Hauterkrankungen wie die Mauke, allergische Dermatitis durch Insekten oder Futterunverträglichkeit, Sommerekzem, sowie Mangelzustände an Zink oder Biotin ab. Eine Blutuntersuchung kann sinnvoll sein, wenn der Verdacht auf eine zugrunde liegende Stoffwechselerkrankung wie Cushing besteht, denn diese Pferde sind anfälliger für Hauterkrankungen aller Art. Erfahre mehr in unserem Ratgeber zu Parasiten bei Pferden.

Welche Wirkstoffe und Behandlungen helfen wirklich?

Die wirksamste Therapie kombiniert eine systemische Wurmkur mit einer äußerlichen Behandlung und gleichzeitiger Stallhygiene. Als systemischer Wirkstoff hat sich Ivermectin in der zugelassenen Pferdedosierung bewährt, das oral als Paste verabreicht wird und gegen Sarcoptes, Psoroptes und in höherer Dosis auch gegen Chorioptes wirkt. Die Behandlung wird in der Regel nach zwei Wochen wiederholt, damit auch frisch geschlüpfte Larven erfasst werden. Bei reiner Chorioptes-Räude kommt häufig Doramectin als Injektion zum Einsatz, weil es deutlich besser in die Hautoberfläche penetriert. Beide Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig und gehören in tierärztliche Hand, eigenmächtige Dosierungen aus dem Online-Handel sind in Deutschland und Österreich nicht zulässig.

Äußerlich werden Waschungen mit zugelassenen Antiparasitika eingesetzt. Selen-Schwefel-Shampoos, Permethrin-haltige Lösungen oder spezielle Fipronil-Sprays wirken kontaktgiftig auf die Milben. Wichtig ist, das lange Behangshaar an den Fesseln vorher zu kürzen oder ganz zu scheren, weil die Wirkstoffe sonst die Haut nicht erreichen. Plane fünf bis sieben Anwendungen im Abstand von vier bis sieben Tagen ein. Bei verkrusteten Stellen weichst du die Haut zuerst mit lauwarmem Wasser und milder Seife auf, entfernst die Krusten vorsichtig und behandelst dann die freiliegende Haut. Sekundärinfektionen brauchen oft zusätzlich ein Antibiotikum oder ein lokales Antimykotikum, das dein Tierarzt rezeptiert.

Wie pflegst du die geschädigte Haut nach der Milbenbehandlung?

Nach erfolgreicher antiparasitärer Therapie braucht die Haut deines Pferdes Wochen bis Monate, um sich vollständig zu regenerieren. Unterstütze die Heilung mit milden, rückfettenden Pflegemitteln wie Kokosöl, Ringelblumensalbe oder zinkhaltigen Hautpflegeprodukten aus dem Pferdefachhandel. Vermeide aggressive Shampoos, parfümierte Sprays und harsche Bürsten in den ersten vier Wochen. Wenn du den Behang an den Fesseln gekürzt hast, lass ihn langsam nachwachsen und kontrolliere die Haut wöchentlich auf neue Stellen. Eine ausgewogene Fütterung mit ausreichend Zink, Biotin, ungesättigten Fettsäuren und Vitamin E unterstützt die Hautregeneration deutlich. Lies dazu unseren Ratgeber zu Vitaminen für Pferde und zu den passenden Mineralstoffen für Pferde.

Bei Pferden mit chronischem Mauke- oder Räudegeschehen lohnt eine Fütterungsumstellung in Absprache mit deinem Tierarzt. Stärkereduzierte Rationen, hochwertiges Raufutter und gezielte Zinkergänzung können die Hautbarriere langfristig stabilisieren. Zusätzlich solltest du das Immunsystem nicht durch Überforderung schwächen, also bei akut erkrankten Pferden reduziertes Training, ausreichend Auslauf und stressfreie Stallumgebung sicherstellen.

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Welche Rolle spielt die Stoffwechsellage und das Immunsystem deines Pferdes?

Milben gehören zur natürlichen Hautflora vieler Pferde und werden erst dann symptomatisch, wenn das Immunsystem geschwächt ist oder die Hautbarriere kippt. Pferde mit Equinem Cushing Syndrom, mit Equinem Metabolischen Syndrom oder mit chronischer Hufrehe entwickeln häufiger schwere Räudeverläufe, weil Insulinresistenz und Cortisolüberschuss die Hautregeneration ausbremsen. Lies unseren Beitrag zur Stoffwechselstörung beim Pferd, wenn du wiederkehrende Hautprobleme bei deinem älteren Pferd beobachtest. Auch akute Erkrankungen, Operationen, Stallwechsel oder Trennungsstress nach dem Absetzen können einen latenten Befall sichtbar werden lassen. In diesen Phasen empfiehlt es sich, das Hautbild engmaschig zu kontrollieren und bei den ersten Krusten oder Juckreizattacken ein Hautgeschabsel anzusetzen.

Eine ausgewogene Mineralstoffversorgung, vor allem ausreichend Zink, Selen und Vitamin E, stabilisiert die Hautbarriere langfristig. Auch die Wahl des Raufutters beeinflusst die Hautgesundheit, denn schimmeliges oder mit Milben kontaminiertes Heu kann Allergien verstärken. Setze auf hochwertiges, staubfreies Heu, prüfe die Lagerung und meide stark verschmutztes Stroh als Einstreu, wenn dein Pferd zu Hauterkrankungen neigt. Eine professionelle Futterberatung kann gezielt Mängel identifizieren, die das Risiko für Räudeschübe erhöhen.

Wie verhinderst du einen Wiederbefall im Stall?

Stallhygiene ist der entscheidende Hebel gegen Rückfälle. Räudemilben überleben außerhalb des Pferdes je nach Art zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen, vor allem in feuchter, kühler Umgebung. Du behandelst die Box mit einem zugelassenen Akarizid und entfernst dabei alle organischen Rückstände, denn Mist, Stroh und Heu schützen die Milben vor dem Wirkstoff. Decken, Sattelpads, Putzzeug und Halftern werden bei mindestens 60 Grad gewaschen oder zwei Wochen lang in einer trockenen, warmen Umgebung gelagert, wo die Milben absterben. Praktische Hinweise findest du in unserem Beitrag zur Desinfektion im Pferdestall und zur Mistentsorgung im Pferdestall.

Bei Neuzugängen in den Bestand führst du eine Quarantäne über mindestens drei Wochen durch, in der du das neue Pferd separat hältst, eigenes Putzzeug verwendest und vor dem ersten Sozialkontakt eine tierärztliche Hautuntersuchung durchführen lässt. Auch eine prophylaktische Wurmkur mit Ivermectin kann sinnvoll sein, wenn der Vorbesitzer keine sauberen Behandlungsnachweise vorlegt. Im Sommer reduzierst du das Risiko für Herbstgrasmilben, indem du befallene Weiden meidest oder kurz mähst, denn die Larven sitzen auf den Halmspitzen. Insektenschutzdecken und Repellents auf Pyrethroidbasis bieten zusätzlich einen gewissen Schutz vor Trombicula-Larven.

Tierärztlicher Blick: Wann gehst du sofort zum Tierarzt?

Du suchst sofort einen Tierarzt auf, sobald dein Pferd sich blutig scheuert, großflächig kahle Stellen entwickelt, Fieber zeigt oder mehrere Pferde im Stall gleichzeitig betroffen sind. Ein unbehandelter Milbenbefall entwickelt sich innerhalb weniger Wochen zu einer chronischen Hauterkrankung mit massiven Sekundärinfektionen, die dann nicht mehr nur antiparasitär, sondern zusätzlich antibiotisch und mit aufwendiger Wundpflege behandelt werden muss. Auch ältere Pferde mit Cushing oder anderen Stoffwechselerkrankungen brauchen zwingend tierärztliche Begleitung, weil ihr Immunsystem die Heilung erschwert. Eigenversuche mit nicht zugelassenen Produkten aus dem Onlineversand sind in Deutschland und Österreich nicht zulässig und können bei Pferden mit empfindlicher Leber zu ernsten Vergiftungen führen. Bei Verdacht auf Sarcoptes-Räude meldest du dich zusätzlich bei deinem zuständigen Veterinäramt, denn diese Form ist regional anzeigepflichtig. Eine gute Pferdekrankenversicherung federt die mehrwöchigen Behandlungskosten ab und gibt dir die Sicherheit, eine konsequente Therapie ohne Kostendruck durchzuziehen.

Häufige Fragen zu Milben beim Pferd

Wie lange dauert die Behandlung von Milben beim Pferd?
Eine konsequente Behandlung dauert in der Regel zwei bis vier Wochen, bei chronischem Befall oder Sarcoptes auch sechs bis acht Wochen. Die systemische Wurmkur wird nach 14 Tagen wiederholt, äußerliche Waschungen erfolgen fünf bis sieben Mal im Wochenrhythmus.
Sind Milben vom Pferd auf den Menschen übertragbar?
Sarcoptes-Milben können auf den Menschen übergehen und dort eine Pseudokrätze mit starkem Juckreiz auslösen. Chorioptes und Psoroptes bleiben in der Regel auf dem Pferd. Beim Umgang mit befallenen Tieren trägst du Handschuhe und wäschst Arbeitskleidung bei mindestens 60 Grad.
Was kostet eine Milbenbehandlung beim Pferd in Österreich?
Die Tierarztkosten für Untersuchung, Hautgeschabsel und Wirkstoffe liegen in Österreich und Deutschland je nach Schweregrad zwischen 80 und 350 Euro. Bei mehreren Pferden im Bestand und chronischen Verläufen können die Kosten auf 600 bis 1.000 Euro steigen, weshalb sich eine Pferdekrankenversicherung lohnt.
Helfen Hausmittel wie Essig oder Teebaumöl gegen Pferdemilben?
Hausmittel wirken bestenfalls vorübergehend gegen den Juckreiz, beseitigen aber den Parasiten selbst nicht. Teebaumöl ist in höherer Konzentration sogar hautreizend und kann die Symptome verschlimmern. Du nutzt ausschließlich tierärztlich verordnete Antiparasitika und ergänzt nach Rücksprache mit milden, hautpflegenden Produkten.
Sollte ich den Behang am Kötenbehang scheren?
Bei akutem Befall ja, denn nur dann erreichen Wirkstoffe die Haut zuverlässig. Bei Rassen mit traditionellem Behang wie Tinkern oder Friesen kürzt du nur, statt komplett zu scheren, und lässt das Haar nach Abklingen langsam nachwachsen. Im Anschluss reicht meist regelmäßige Pflege, damit kein Rückfall entsteht.
Wie unterscheide ich Milben von Mauke?
Mauke verursacht meist nässende, übelriechende Stellen in der Fesselbeuge ohne starken Juckreiz. Milben hingegen lösen heftiges Scheuern und Stampfen aus. Häufig treten beide Erkrankungen gemeinsam auf, weshalb dein Tierarzt mit Hautgeschabsel und gegebenenfalls einer bakteriellen Kultur sicher unterscheidet.
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