Qualzucht: Welche Rassen betroffen sind und was Käufer wissen müssen
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Qualzucht bedeutet, dass Tiere so gezüchtet werden, dass sie oder ihre Nachkommen wegen eines erblichen Merkmals Schmerzen, Leiden oder Schäden haben. Typische Beispiele sind sehr kurze Nasen, die das Atmen erschweren, Knorpelschäden durch Faltohren oder Taubheit durch bestimmte Fellfarben. In Österreich und Deutschland ist Qualzucht verboten, die Gesetze sind aber unterschiedlich konkret.
Betroffen ist nie eine Rasse als Ganzes, sondern ein Merkmal und seine Ausprägung. Ein Mops mit längerer Nase und offenen Nasenlöchern ist anders zu beurteilen als ein Mops, der schon beim Spaziergang nach Luft ringt. Hier findest du die Rechtslage, die wichtigsten Merkmale mit Studienlage und eine Checkliste für den Kauf. Rechtsstand: 9. Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Österreich verbietet Qualzucht im Tierschutzgesetz mit einer Liste konkreter Symptome. Seit 1. Jänner 2025 gilt zusätzlich ein Verbot, Tiere mit Qualzuchtmerkmalen zu importieren, zu erwerben, weiterzugeben, auszustellen oder in der Werbung zu zeigen.
- Deutschland verbietet in Paragraf 11b Tierschutzgesetz Zuchten, die erblich bedingt zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führen. Der Kauf ist dort nicht verboten, Ausstellungen betroffener Hunde aber schon.
- Am besten untersucht sind brachyzephale, also kurzköpfige Rassen wie Mops und Französische Bulldogge. Bei ihnen ist das Risiko für Atemnot stark erhöht.
- Beim Kauf zählen offene Nasenlöcher, Gesundheitsnachweise der Elterntiere und ein Züchter, der dich die Elterntiere sehen lässt.
Was ist Qualzucht genau?
Von Qualzucht spricht man, wenn Menschen bei der Zucht gezielt Merkmale fördern, die für das Tier mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Angst verbunden sind. Oft geht es um Aussehen: eine flache Nase, große runde Augen, ein besonders kurzer Körper, Faltohren, haarlose Haut oder eine bestimmte Fellfarbe. Diese Merkmale haben genetische Ursachen und werden an die Nachkommen weitergegeben, manche sind seit Jahrzehnten bekannt. Einige Merkmale führen schon beim einzelnen Tier zu Beschwerden, andere erst, wenn zwei Träger miteinander verpaart werden. Bei Heimtieren betrifft das vor allem Hunde und Katzen, Qualzuchten betreffen aber auch andere Tiere, das österreichische Gesetz nennt zum Beispiel ausdrücklich Federkleid, Schnabel und die Beschuppung von Reptilien.
Das Problem ist nicht neu. Neu ist, dass Gesetzgeber und Forschung genauer hinschauen. Große Auswertungen von Praxisdaten wie das britische Programm VetCompass zeigen, wie stark sich die Gesundheit einzelner Rassen vom Durchschnitt unterscheidet. Gleichzeitig treibt die Nachfrage nach bestimmten Rassen, gerade über Online-Inserate und soziale Medien, die Zucht weiter an.
Was sagt das Gesetz in Österreich zur Qualzucht?
Österreich gilt mit seinem Tierschutzgesetz als besonders streng. Der Paragraf zum Verbot der Tierquälerei nennt Qualzüchtungen ausdrücklich. Verboten sind Züchtungen, bei denen vorhersehbar ist, dass sie für das Tier oder seine Nachkommen mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Angst verbunden sind. Das Gesetz zählt dazu konkrete Symptome auf, die nicht nur vorübergehend und mit wesentlichen Auswirkungen auf die Gesundheit auftreten:
- Atemnot
- Bewegungsanomalien und Lahmheiten
- Entzündungen der Haut
- Einschränkungen durch fehlendes Haar- oder Federkleid oder fehlende Beschuppung bei Reptilien
- Entzündungen oder Missbildungen der Augen, Blindheit und Exophthalmus (hervortretende Augäpfel)
- Taubheit, neurologische Symptome oder Funktionsverlust von Sinnesorganen
- Fehlbildungen von Gebiss, Kiefer oder Schnabel
- Missbildungen der Schädeldecke
- Körperformen, bei denen natürliche Geburten sehr wahrscheinlich nicht möglich sind
Mit der Novelle BGBl. I Nr. 124/2024 hat Österreich nachgeschärft, die meisten Regeln gelten seit 1. Jänner 2025. Seither ist es verboten, Tiere außerhalb der landwirtschaftlichen Tierhaltung mit Qualzuchtsymptomen oder äußerlich erkennbaren Qualzuchtmerkmalen zu importieren, zu erwerben, zu vermitteln oder weiterzugeben. Das Verbot trifft also auch dich als Käufer. Ausnahmen gibt es für die Vermittlung von Tieren durch Tierheime, für die Weitergabe einzelner eigener Tiere durch den Halter und für Erbschaften. Tiere, die vor der Novelle rechtmäßig gezüchtet oder eingeführt wurden, dürfen weiter abgegeben und erworben werden. Seit 1. Juli 2026 gehört das Thema Qualzucht in Österreich auch zum Pflichtkurs für neue Hundehalter, mehr dazu im Ratgeber Sachkundenachweis.
Dazu kommen ein Ausstellungsverbot und ein Werbeverbot: Tiere mit Qualzuchtmerkmalen dürfen weder auf Ausstellungen präsentiert noch zu Werbezwecken abgebildet werden. Züchter von Hunden und Katzen müssen Gesundheitsuntersuchungen dokumentieren und Risikofaktoren ihrer Rasse kennen. Eine wissenschaftliche Kommission beim Gesundheitsministerium soll Qualzuchtmerkmale definieren, besonders die Brachyzephalie bei Hunden. Eine Verordnung, die einzelne Rassen von der Zucht ausschließt, ist im Gesetz vorgesehen, war im RIS aber bis 9. Oktober 2026 nicht kundgemacht.

Was gilt in Deutschland nach Paragraf 11b Tierschutzgesetz?
Paragraf 11b des deutschen Tierschutzgesetzes verbietet es, Wirbeltiere zu züchten, wenn zu erwarten ist, dass bei den Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen, untauglich oder umgestaltet sind und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Verboten ist auch die Zucht, wenn die Nachkommen erblich bedingte Verhaltensstörungen zeigen, kein artgemäßer Kontakt mit Artgenossen ohne Schmerzen möglich ist oder die Haltung nur unter Leiden möglich ist. Die Behörde kann anordnen, dass Tiere unfruchtbar gemacht werden.
Anders als in Österreich zählt das deutsche Gesetz keine konkreten Symptome auf, sondern beschreibt die Folgen allgemein. Behörden stützen sich deshalb auf Fachgutachten, etwa das Gutachten zur Auslegung von Paragraf 11b aus dem Jahr 1999. Ein Regierungsentwurf von 2024 sah eine Liste möglicher Qualzuchtsymptome wie Blindheit, Taubheit oder Atemnot vor, wurde aber in der damaligen Wahlperiode nicht beschlossen. Tierschutzorganisationen wie der Deutsche Tierschutzbund fordern weiterhin konkretere Regeln, weil das Verbot seit Jahrzehnten besteht und trotzdem selten durchgesetzt wird.
Konkreter ist die Tierschutz-Hundeverordnung: Sie verbietet seit 2022, Hunde mit erblich bedingten Schäden im Sinn von Paragraf 11b auszustellen. Den Kauf eines betroffenen Tieres verbietet das deutsche Recht nicht. Wer Qualzucht betreibt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 25.000 Euro geahndet werden kann.
Auf EU-Ebene ist seit 30. August 2026 die Verordnung (EU) 2026/1818 über das Wohlergehen von Hunden und Katzen in Kraft. Sie verbietet unter anderem die gezielte Zucht auf übertriebene Merkmale mit Gesundheitsrisiken. Die meisten Regeln gelten aber erst ab 31. August 2028.
Welche Merkmale und Rassen sind betroffen?
Die folgende Tabelle zeigt gut untersuchte Merkmale. Sie bedeutet nicht, dass jedes Tier dieser Rassen krank ist oder dass die Zucht jedes Tieres verboten ist. Entscheidend ist die Ausprägung beim einzelnen Tier und seinen Eltern.
| Merkmal | Typische Rassen | Mögliche Folgen | Studienlage |
|---|---|---|---|
| Kurzköpfigkeit (Brachyzephalie) beim Hund | Mops, Französische Bulldogge, Englische Bulldogge, auch Pekinese, Shih Tzu | Atemnot (BOAS), Hitzeunverträglichkeit, Hornhautgeschwüre | Packer 2015, O’Neill 2015, 2021, 2022 |
| Kurzköpfigkeit bei der Katze | Perser, Exotic Shorthair | Atemprobleme, Tränenfluss | Farnworth 2016 |
| Faltohren | Scottish Fold, Highland Fold | Osteochondrodysplasie (Knorpel- und Knochenveränderungen), Schmerzen | Gandolfi 2016 |
| Zu kleiner Hinterkopf | Cavalier King Charles Spaniel | Chiari-artige Fehlbildung mit Syringomyelie (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Rückenmark), Schmerzen | Rusbridge und Knowler 2004 |
| Kurzbeinigkeit (Chondrodystrophie) | Dackel, Französische Bulldogge, Beagle | Bandscheibenvorfall | Brown 2017 |
| Merle-Fellfarbe, vor allem doppelt | Australian Shepherd, Collie, Chihuahua und andere Merle-Linien | Taubheit, Augenfehlbildungen | Strain 2009 |
| Haarlosigkeit | Sphynx, Nackthunde | fehlender Schutz der Haut, bei Katzen fehlende oder verkümmerte Tasthaare | Tierschutzgesetz Österreich nennt Haarlosigkeit ausdrücklich |
Am besten belegt sind die Folgen der Kurzköpfigkeit beim Hund. In einer Studie von Packer und Kollegen mit 700 Hunden trat das Brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS) nur bei Hunden auf, deren Schnauze kürzer als die Hälfte der Schädellänge war. Je kürzer die Schnauze, desto höher das Risiko, ein dicker Hals und Übergewicht erhöhten es zusätzlich. Eine Auswertung von O’Neill und Kollegen mit Daten von mehr als 900.000 Hunden in Großbritannien ergab für den Mops eine rund 54-fach erhöhte Chance auf eine BOAS-Diagnose im Vergleich zu anderen Hunden, bei Französischen Bulldoggen war sie rund 31-fach erhöht. Weitere Informationen zu Symptomen und Behandlung findest du im Ratgeber zum Brachyzephalen Syndrom.
Bei Katzen zeigt eine Studie von Farnworth und Kollegen mit 1.000 Halterangaben: Je kürzer Nase und Schnauze, desto häufiger berichteten Halter von Atemproblemen. Perser und Exotic Shorthair gelten aufgrund ihrer flachen Gesichter als Risikorassen. Bei der Scottish Fold ist die Ursache genetisch geklärt: Die Faltohren entstehen durch eine dominante Variante im Gen TRPV4, die zugleich Knorpel und Knochen verändert. Merle ist bei doppelten Trägern besonders riskant: In der Studie von Strain und Kollegen waren 15 Prozent der doppelten Merle-Hunde auf beiden Ohren taub, bei einfachen Trägern unter ein Prozent.

Ist der Cavalier King Charles Spaniel eine Qualzucht?
Der Cavalier ist nicht per Gesetz als Qualzucht eingestuft, weder in Österreich noch in Deutschland. Die Rasse hat aber bekannte erbliche Risiken. Rusbridge und Knowler haben gezeigt, dass die Fehlbildung am Hinterkopf mit Syringomyelie in der Rasse gehäuft vorkommt und bei stärkerer Inzucht früher und schwerer auftritt. Dazu kommt ein hohes Risiko für Herzklappenerkrankungen.
Ob ein einzelner Wurf unter das Qualzuchtverbot fällt, hängt davon ab, ob die Elterntiere selbst betroffen sind und ob der Züchter gezielt auf Gesundheit selektiert, etwa mit MRT-Untersuchungen und Herzuntersuchungen der Zuchttiere. Frag beim Cavalier King Charles Spaniel deshalb gezielt nach diesen Befunden.
Woran erkenne ich als Käufer eine verantwortungsvolle Zucht?
Die wichtigste Regel: Kauf nicht spontan und nicht über anonyme Online-Inserate. Ein seriöser Züchter zeigt dir die Mutterhündin oder Mutterkatze, gibt dir Zeit und stellt selbst Fragen. Bei Züchtern, die das ablehnen oder sogar drängen, lass lieber die Finger vom Kauf. Diese Punkte helfen dir bei der Prüfung:
- Offene Nasenlöcher und eine erkennbare Schnauze bei kurzköpfigen Rassen. Hör, ob die Elterntiere in Ruhe schnarchen oder röcheln.
- Gesundheitsnachweise der Elterntiere passend zur Rasse, etwa ein standardisierter Atemtest bei Mops und Bulldogge, Herz- und MRT-Befunde beim Cavalier, Gentests bei Merle.
- Keine Verpaarung zweier Merle-Tiere und keine Verpaarung zweier Faltohrkatzen.
- Elterntiere, die normal laufen, spielen und sich bewegen, ohne schnell zu ermüden.
- Ein Kaufvertrag, Heimtierausweis, Chip und in Österreich die Registrierung in der Heimtierdatenbank.
- Kein Welpe unter acht Wochen, kein Verkauf auf Parkplätzen oder aus dem Kofferraum.
Wenn du dich für eine betroffene Rasse interessierst, schau dir die Porträts an, etwa zum Mops, zur Französischen Bulldogge, zur Perserkatze oder zur Scottish Fold. Überleg auch, ob ein erwachsener Hund oder ein Welpe besser passt. Ein erwachsenes Tier aus dem Tierschutz hilft einem Tier, ohne die Nachfrage nach problematischen Zuchten zu erhöhen. Wie du einen seriösen Züchter erkennst und illegalen Welpenhandel meidest, erklärt der Ratgeber Welpe kaufen.

Was tue ich, wenn mein Tier Qualzuchtmerkmale hat?
Wenn du schon ein Tier einer betroffenen Rasse hast, kann es mit guter Betreuung ein gutes Leben haben, wenn du seine Risiken kennst. Achte auf Warnzeichen und geh sofort zum Tierarzt, wenn dein Hund oder deine Katze in Ruhe mit offenem Maul atmet, beim Atmen laute Geräusche macht, blaue Schleimhäute zeigt, zusammenbricht oder bei Wärme nicht mehr zur Ruhe kommt. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der Notdienst. Einen Tierarzt in deiner Nähe findest du über die Tierarztsuche.
Bei kurzköpfigen Hunden helfen schlankes Gewicht, ein Brustgeschirr statt Halsband und Vorsicht bei Hitze. Bei schwerem BOAS kann eine Operation die Atmung verbessern. Lass dich dazu tierärztlich beraten, denn Art und Zeitpunkt hängen vom einzelnen Tier ab.
Was kostet Qualzucht für Halter und Züchter?
Für Züchter kann ein Verstoß teuer werden. In Österreich ist Qualzucht eine Verwaltungsübertretung mit einer Geldstrafe bis 7.500 Euro, im Wiederholungsfall bis 15.000 Euro. Das gilt auch für Verstöße gegen das Erwerbs-, Weitergabe- und Ausstellungsverbot, also auch für Käufer. In Deutschland kann Qualzucht als Ordnungswidrigkeit mit bis zu 25.000 Euro geahndet werden.
Für Halter entstehen vor allem Behandlungskosten. Österreich hat keine verbindliche Gebührenordnung für Tierärzte, frag deshalb vor geplanten Eingriffen nach einem Kostenvoranschlag. In Deutschland rechnen Tierärzte nach der GOT ab, Richtwerte findest du unter Tierarztkosten beim Hund. Diese Punkte gehören in den Kostenvoranschlag:
- Voruntersuchung, Röntgen oder Computertomographie
- Narkose und Überwachung
- Operation, etwa Erweiterung der Nasenlöcher oder Kürzung des Gaumensegels
- stationärer Aufenthalt und Nachkontrollen
- Medikamente
Prüf vor dem Kauf, ob eine OP-Versicherung erblich bedingte und rassetypische Erkrankungen abdeckt und welche Wartezeiten gelten.
Häufige Fragen
Quellen
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