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Hufrehe beim Pferd im Frühling: Ursachen, Symptome & Vorbeugung

Hufrehe beim Pferd im Frühling: Ursachen, Symptome & Vorbeugung

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Hufrehe beim Pferd im Frühling ist eine der häufigsten und gefürchtetsten Saisonerkrankungen in Österreich und Deutschland. Wenn die ersten warmen Tage kommen und das Gras zu sprießen beginnt, beginnt auch die Hochsaison für Hufrehe. Dieser Ratgeber zeigt dir, warum gerade das Frühjahrsgras so riskant ist, wie du erste Anzeichen erkennst, was du sofort tun musst und wie du dein Pferd langfristig schützt. Du erfährst, welche Pferde besonders gefährdet sind, wie das richtige Anweidemanagement aussieht und welche Stoffwechselerkrankungen das Risiko erhöhen. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft und richtet sich an Pferdebesitzer, Reitbeteiligungen und Stallpersonal, die ihre Tiere durch eine sichere Frühjahrssaison bringen wollen. Am Ende findest du eine ausführliche FAQ und vier seriöse Quellen.

Notfall

Notfall: Sofort handeln

Klemmiger Gang, häufiges Umtreten, eingeknickte Vorderbeine oder warme Hufe sind Notfallzeichen. Hole dein Pferd sofort von der Weide, stelle es weich (Sand, Späne, Gummimatte) und kühle die Hufe mit kaltem Wasser oder Eis für mindestens vierzig Minuten. Rufe binnen einer Stunde den Tierarzt. Jede Stunde Verzögerung verschlechtert die Prognose erheblich, weil sich Hufbein und Hornkapsel bei Hufrehe verschieben können.

Was ist Hufrehe und warum tritt sie im Frühling auf?

Hufrehe ist eine schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut, die zu einer Lockerung der Verbindung zwischen Hufbein und Hornkapsel führt. Im schlimmsten Fall sinkt das Hufbein in die Hornkapsel ab oder dreht sich, was massive Schmerzen und chronische Schäden auslöst. Im Frühjahr liegt der Auslöser fast immer im Frischgras. Junges Gras enthält besonders viel Fruktan, einen Mehrfachzucker, der von der Bauchspeicheldrüse nicht verstoffwechselt werden kann und im Dickdarm zu massiven Veränderungen der Mikroflora führt. Die freigesetzten Toxine gelangen über die Blutbahn an die Huflederhaut und lösen die Entzündung aus.

Besonders riskant sind kühle Frühlingsnächte mit Frost und sonnige Tage. Bei Temperaturen unter fünf Grad nachts kann das Gras die durch Photosynthese gebildeten Zucker nicht mehr in Wachstum umsetzen und speichert sie. Am Mittag enthält das Gras dann besonders viel Fruktan. Auch nach Trockenphasen oder Frösten steigt der Fruktangehalt im Gras stark an. Wer sein Pferd in dieser Zeit unkontrolliert auf die Weide lässt, riskiert binnen weniger Stunden eine akute Rehe-Attacke. Eine ausführliche Übersicht zu Krankheiten beim Pferd findest du in unserem Pferderatgeber.

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Welche Pferde sind besonders gefährdet?

Nicht alle Pferde sind gleich anfällig für Hufrehe. Besonders gefährdet sind Tiere mit dem Equinen Metabolischen Syndrom (EMS), Pferde mit Cushing-Erkrankung (PPID), übergewichtige Pferde, Robust- und Ponyrassen wie Haflinger, Norweger, Shetlandponys oder Tinker, sowie Pferde mit bereits durchgemachten Reheschüben. Auch trainings- und bewegungsarme Pferde, die viel Standfutter und wenig Heu bekommen, gehören zur Risikogruppe. Bei Robustpferden ist der Stoffwechsel evolutionär an karge Bergweiden angepasst, sodass sie auf das energiereiche Mitteleuropa-Frühjahrsgras besonders empfindlich reagieren.

Wer einen Risikopatienten im Stall hat, sollte das Anweiden besonders behutsam planen, eventuell ganz auf Frühjahrsweide verzichten und stattdessen einen Auslauf mit altem Heu oder eingezäunten Bereichen ohne Gras nutzen. Eine Blutuntersuchung beim Tierarzt klärt, ob EMS oder PPID vorliegt. Beide Erkrankungen lassen sich gut managen, sofern sie früh erkannt werden. Eine sorgfältige Fütterungsempfehlung Pferd hilft, das Risiko zu senken. Auch eine angepasste Vitamin- und Mineralstoffversorgung stabilisiert den Stoffwechsel.

Wie erkennst du eine beginnende Hufrehe?

Die ersten Anzeichen sind subtil und werden oft übersehen. Das Pferd tritt häufiger um, will sich nicht so leicht hochheben lassen, geht klemmig oder steifbeinig, vor allem auf hartem Boden. Die typische Sägebock-Stellung mit nach vorne gestreckten Vorderbeinen und den Hinterbeinen weit unter den Bauch zur Entlastung der Vorderhufe ist ein Spätzeichen, dann ist die Rehe meist schon ausgeprägt. Warme Hufe, ein verstärkter Pulsschlag in den Hufpulsen, die du an der Fessel ertasten kannst, und ein insgesamt unruhiges Verhalten sind weitere Warnzeichen.

Sobald du eines dieser Symptome bemerkst, gilt: Pferd sofort von der Weide nehmen, weich aufstellen (mindestens fünfzehn Zentimeter Sand, Späne oder Gummimatte), Hufe mit kaltem Wasser kühlen und Tierarzt rufen. Jede Bewegung ist Belastung für die entzündete Huflederhaut, daher Box statt Paddock. Auf keinen Fall Schmerzmittel aus der Hausapotheke geben, denn diese verschleiern Symptome und erschweren die Diagnose. Notiere alle Beobachtungen für den Tierarzt: Zeitpunkt der ersten Auffälligkeit, letzte Fütterung, Weidezeit, Wetter der letzten Tage und bisheriger Gesundheitszustand.

Welches Anweidemanagement ist sicher?

Anweiden ist die wichtigste Vorbeugemaßnahme gegen Frühjahrsrehe. Beginne mit einer kurzen Weidezeit von fünfzehn Minuten am ersten Tag und steigere täglich um etwa zehn Minuten. Innerhalb von zwei bis drei Wochen erreichst du dann eine Weidezeit von zwei bis drei Stunden. Bevor das Pferd auf die Weide kommt, sollte es bereits Heu gefressen haben, damit der Magen nicht leer ist und die Aufnahme von frischem Gras langsamer erfolgt. Plane die Weidezeit auf den frühen Morgen oder späten Nachmittag, wenn der Fruktangehalt im Gras niedriger ist als am Mittag.

Bei Risikopferden empfiehlt sich ein Maulkorb mit Fressbremse, der die Grasaufnahme reduziert, oder eine vollständige Verweigerung der Frühjahrsweide bis zum Sommer. Alternativ bietet sich ein Sandpaddock mit Heu in Heunetzen an. Auch ein bereits abgegrastes, kurzes Stoppelfeld reduziert das Risiko. Vermeide Weidegang an frostigen Nächten gefolgt von sonnigen Tagen, denn dann ist der Fruktangehalt am höchsten. Eine moderne Lösung sind eingezäunte Trail-Systeme oder Streifenweiden, die kontrollierte Bewegung mit dosierter Grasaufnahme kombinieren.

Welche Rolle spielt das Heu?

Hochwertiges, fruktanarmes Heu ist die Grundlage einer reheschützenden Fütterung. Heu, das spät am Nachmittag oder Abend geschnitten wurde, enthält weniger Fruktan als morgens geschnittenes Heu. Lagerung über mindestens sechs Wochen reduziert den Fruktangehalt zusätzlich. Bei stark gefährdeten Pferden kann das Heu eine Stunde lang in Wasser gewässert werden, was den Zuckergehalt um bis zu dreißig Prozent senkt. Verwende dafür einen sauberen Behälter und schütte das Wasser nach dem Wässern ab.

Ein Heunetz mit kleiner Maschenweite verlängert die Fresszeit und sorgt für eine kontinuierliche, langsame Aufnahme. Plane mindestens 1,5 Kilogramm Heu pro hundert Kilogramm Pferdegewicht und Tag, besser zwei Kilogramm. Verzichte auf Kraftfutter mit hohem Stärke- und Zuckergehalt. Müslis mit Melasse, Pellets mit Maisanteil oder Hafer sind für Reherisikopferde ungeeignet. Stattdessen bewährt haben sich strukturreiche Mineralfutter ohne Getreide. Mehr zur Heu- und Kraftfütterung liest du unter Hafer fürs Pferd.

Welche Behandlung führt der Tierarzt durch?

Bei akuter Hufrehe leitet der Tierarzt eine Sofortbehandlung mit entzündungshemmenden Mitteln, Schmerzmitteln und Kreislaufstabilisierung ein. Die Hufe werden weich gepolstert, oft mit speziellen Reheboots oder Verbänden, die das Hufbein abstützen. Eine Röntgenaufnahme klärt, ob das Hufbein bereits abgesunken oder gedreht ist. Bei chronischer Rehe oder Hufbeinrotation kommt der Hufschmied ins Spiel, der mit speziellem Beschlag oder orthopädischen Maßnahmen die Belastung umverteilt. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Tierarzt, Hufschmied und Halter ist entscheidend.

Begleitend wird die Ursache abgeklärt: Blutuntersuchung auf EMS und PPID, Anpassung der Fütterung, Reduktion des Körpergewichts und Erstellung eines individuellen Bewegungsplans. Eine Behandlung kann je nach Schweregrad mehrere Wochen bis Monate dauern. In Österreich und Deutschland kosten Behandlung, Diagnostik, Beschlag und Nachsorge oft mehrere Tausend Euro, daher ist eine Pferdekrankenversicherung mit Reheschutz eine sinnvolle Vorsorge. Eine Liste pferdeerfahrener Tierärzte findest du auf Tierarzt finden.

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Tierärztlicher Blick: Was Pferdeprofis raten

Pferdetierärztinnen und Pferdetierärzte betonen drei zentrale Punkte. Erstens: Hufrehe ist immer ein Notfall, kein Wartefall. Wer beim ersten klemmigen Gang noch zwei Tage beobachtet, riskiert dauerhafte Schäden. Zweitens: Vorbeugung ist günstiger und wirksamer als Behandlung. Konsequentes Anweidemanagement, Gewichtskontrolle, Bewegung und angepasste Fütterung verhindern die meisten Reheschübe. Drittens: Risikopferde benötigen ein lebenslanges Management. Eine einmal durchgemachte Rehe erhöht das Risiko für weitere Schübe deutlich, daher ist Routine wichtig. Plane regelmäßige Stoffwechselchecks beim Tierarzt ein.

In der Praxis werden bei Hufrehe Blutbild, ACTH-Test (für PPID), Insulin- und Glukosewerte sowie ein Röntgenbild der Hufe eingesetzt. Eine Therapie umfasst neben Schmerzmedikamenten auch eine intensive Hufpflege, oft mit Aufpolsterungen, weichem Boden und schonender Bewegung. Vermeide jegliche eigene Diagnostik mit Internet-Tipps oder Hausmitteln. Apfelessig, Kohlblattumschläge oder homöopathische Globuli ersetzen keine fachärztliche Versorgung. Bei akuter Rehe zählt jede Stunde. Eine ausführliche Übersicht zu Pferdethemen findest du in unserem Pferderatgeber sowie unter Stallhygiene.

Welche Stoffwechselerkrankungen erhöhen das Reherisiko?

Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) ist eine hormonelle Störung, die bei vielen Robust- und Ponyrassen vorkommt. Betroffene Pferde haben eine Insulinresistenz, ein verändertes Fettverteilungsmuster (Mähnenkamm, Schweifansatz, Fettpolster über den Augen) und neigen zu wiederkehrender Hufrehe. Eine sichere Diagnose erfolgt über einen oralen Zuckerbelastungstest oder einen Insulin-Spiegel beim Tierarzt. Die Therapie umfasst eine streng zucker- und stärkearme Fütterung, Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung und in manchen Fällen Medikamente wie Metformin.

Cushing oder PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction) ist eine hormonelle Erkrankung der Hirnanhangdrüse, die vor allem ältere Pferde ab fünfzehn Jahren betrifft. Symptome sind ein langes, dichtes Fell, das nicht ausfällt, vermehrtes Trinken und Harnen, Muskelabbau und ein erhöhtes Reherisiko. Die Diagnose erfolgt über einen ACTH-Test im Blut. Behandelt wird mit dem Wirkstoff Pergolid, der lebenslang gegeben wird. Beide Erkrankungen lassen sich gut managen, sofern sie früh erkannt werden. Eine jährliche Stoffwechseluntersuchung ab dem zehnten Lebensjahr ist empfehlenswert, vor allem bei Risikorassen.

Wie verläuft die Genesung nach einem Rehe-Schub?

Die Genesung nach einer akuten Hufrehe ist langwierig und braucht Geduld. In den ersten Wochen steht das Pferd in einer weich eingestreuten Box mit minimaler Bewegung. Schmerzmittel werden über mehrere Tage bis Wochen verabreicht, der Tierarzt kontrolliert engmaschig. Sobald die Akutphase überstanden ist, beginnt der schrittweise Wiederaufbau mit kontrollierter Bewegung im Schritt am Halfter. Reiten oder Anweiden sind frühestens nach drei bis sechs Monaten möglich, sofern die Röntgenkontrolle eine stabile Hufsituation zeigt.

Mittelfristig empfiehlt sich eine vollständige Bestandsaufnahme: Welcher Auslöser war verantwortlich? Liegt EMS oder PPID vor? Wie sieht die Fütterung aus? Pass das Management an, plane regelmäßige Tierarzt- und Hufschmiedtermine ein und führe ein Pferdetagebuch mit allen Werten, Beschlägen, Fütterungsplänen und Auffälligkeiten. Eine erfolgreiche Rehabilitation ist möglich, viele Pferde leben nach einem Reheschub noch viele Jahre gesund weiter, sofern das Management konsequent umgestellt wird. Bei Risikopferden lohnt sich auch der Kontakt zu einem Hufrehe-spezialisierten Hufschmied, der mit orthopädischem Beschlag arbeiten kann. Eine ausreichende Vitalstoffversorgung mit Magnesium, Zink und Antioxidantien unterstützt die Hufgesundheit. Bewährt hat sich auch eine konsequente Dokumentation: Notiere Datum, Schmerzlevel, Bewegungspensum, Fütterungsplan und alle medikamentösen Maßnahmen. So kannst du dem Tierarzt bei jedem Folgetermin eine klare Verlaufsdarstellung präsentieren und wirst gemeinsam zur besten Therapieentscheidung kommen. Die emotionale Belastung für Halter und Pferd ist während einer Rehe-Behandlung hoch, daher tut es gut, Unterstützung im Stall, in Pferdeforen oder in einer Halterinnen-Selbsthilfegruppe zu suchen. Wer sich vernetzt, profitiert von Erfahrungsberichten und mentaler Stärkung. Plane zudem in deinem Pferdebudget einen jährlichen Notgroschen für tierärztliche Akutfälle ein, denn eine Hufrehe-OP, Reheboots oder spezielle orthopädische Beschläge können auch bei guter Vorsorge teuer werden. Eine Operationskostenversicherung mit Reheabdeckung ist in Österreich und Deutschland bei mehreren Anbietern verfügbar und lohnt sich besonders für Risikopferde, sofern noch kein Reheschub vorliegt. Vergleiche Tarife frühzeitig, denn nach einem ersten Reheschub schließt kein Versicherer mehr ab oder schließt Hufrehe explizit aus.

Häufige Fragen zu Hufrehe im Frühling

Wann beginnt die Reherisikozeit im Frühjahr?
Sobald das Gras zu wachsen beginnt, meist ab Mitte März in tieferen Lagen. Besonders gefährlich sind kühle Nächte mit Frost und sonnige Tage.
Wie lange dauert das Anweiden?
Mindestens zwei bis drei Wochen mit täglicher Steigerung um zehn Minuten, beginnend mit fünfzehn Minuten. Bei Risikopferden länger oder ganz ohne Frühjahrsweide.
Hilft ein Maulkorb wirklich?
Ja, ein Maulkorb mit Fressbremse reduziert die Grasaufnahme um bis zu siebzig Prozent und ist für Risikopferde ein bewährtes Hilfsmittel.
Welche Hausmittel sind erlaubt?
Im akuten Notfall: kaltes Wasser oder Eis zur Hufkühlung. Sonst nichts, jede Verzögerung der tierärztlichen Behandlung verschlechtert die Prognose.
Was kostet die Behandlung in Österreich?
Eine akute Reheversorgung kostet zwischen 500 und 2.500 Euro, chronische Verlaufsformen mehrere Tausend Euro über Wochen und Monate.
Kann ich mein Pferd nach einer Rehe wieder reiten?
Ja, aber frühestens nach drei bis sechs Monaten und nur nach tierärztlicher Freigabe mit Röntgenkontrolle.
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