Kotwasser beim Pferd: Ursachen und Fütterung
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Kotwasser beim Pferd bedeutet, dass das Pferd normal geformte Kotballen absetzt, vorher, dabei oder danach aber eine wässrige Flüssigkeit ausscheidet. Die Flüssigkeit verschmutzt Schweif und Hinterbeine und kann die Haut reizen. Anders als bei Durchfall ist der Kot selbst fest, das Pferd wirkt meist munter und frisst normal.
Kotwasser ist eines der häufigsten Verdauungsprobleme bei Freizeitpferden in Mitteleuropa, besonders im Winter und beim Wechsel von der Weide auf Heu oder Heulage. Die ehrliche Antwort auf die Frage nach der Ursache lautet aber: Die Forschung kennt sie bisher nicht. Es gibt einige gut untersuchte Hinweise, viele Vermutungen und kaum geprüfte Behandlungen. Dieser Ratgeber trennt beides.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Ursache von Kotwasser ist wissenschaftlich nicht geklärt. In mehreren Studien hatten Pferde mit Kotwasser keine andere Darmflora als gesunde Stallgefährten.
- Bei der Fütterung gibt es Hinweise: Betroffene Pferde bekamen in einer Studie mehr Kraftfutter, mehr Stärke und Zucker und weniger Faser. Ein Wechsel des Raufutters half laut Halterbefragung oft.
- Auch Stress spielt wohl eine Rolle. Rangniedere Pferde, die ihr Futter nicht verteidigen, waren in einer Studie häufiger betroffen.
- Hausmittel wie Heilerde, Bananen oder Zeolith sind für Kotwasser nicht in Studien geprüft. Erst den Tierarzt andere Ursachen ausschließen lassen, dann die Fütterung systematisch ändern.
Was ist Kotwasser und wie unterscheidet es sich von Durchfall?
In der Fachliteratur heißt Kotwasser Free Faecal Water oder Free Faecal Liquid: freies Wasser, das getrennt vom Kot ausgeschieden wird. Typisch ist, dass die Kotballen normal oder nur etwas weicher aussehen, während Flüssigkeit vor, während oder nach dem Absetzen austritt. Manche Pferde zeigen das nur gelegentlich, andere täglich bei fast jedem Kotabsatz. Kotwasser ist dabei eher ein Symptom als eine eigene Krankheit, und der Auslöser kann von Pferd zu Pferd verschieden sein. Viele haben Kotwasser saisonal, oft im Herbst und Winter.
Beim Durchfall dagegen ist der gesamte Kot breiig bis wässrig, oft kommen Fieber, Mattigkeit oder Fressunlust dazu. Akuter Durchfall beim Pferd kann schnell gefährlich werden, weil Pferde viel Flüssigkeit und Salze verlieren. Was dann zu tun ist, steht im Ratgeber Durchfall beim Pferd.
Sofort zum Tierarzt, wenn zum Kotwasser Fieber, Fressunlust, Koliksymptome, Gewichtsverlust oder breiiger Kot hinzukommen. Auch wenn ein Fohlen oder ein sehr altes Pferd betroffen ist oder das Kotwasser plötzlich stark zunimmt, solltest du nicht abwarten. Einen Pferdetierarzt in deiner Nähe findest du in der Tierarztsuche.
Was weiß die Forschung über die Ursachen von Kotwasser?
Lange galt eine gestörte Darmflora (Dysbiose) als Hauptverdacht. Inzwischen haben mehrere Studien die Bakterien im Kot von Pferden mit und ohne Kotwasser verglichen:
- Schweden und Norwegen 2021: 50 betroffene und 50 gesunde Pferde aus denselben Betrieben, die Zusammensetzung der Kotbakterien war insgesamt ähnlich. Nur einzelne Bakteriengattungen kamen in unterschiedlichen Anteilen vor.
- Schweiz 2020: 16 betroffene und 15 gesunde Pferde im Frühjahr und Herbst, kaum Unterschiede, unabhängig von der Jahreszeit.
- Niederlande 2021: keine Unterschiede in der Darmflora zwischen betroffenen und gesunden Pferden.
- Kanada 2024: 14 betroffene und elf gesunde Pferde, keine Unterschiede. Die Autoren sehen darin einen weiteren Hinweis, dass Dysbiose nicht die Ursache ist.
Eine Feldstudie der Universität München von 2016 suchte nach Risikofaktoren. Auffällig waren ein niedriger Rang in der Herde, Wallache und die Rasse Paint Horse. Von den Pferden mit Kotwasser verteidigten 62 Prozent ihr Futter nicht gegen andere Pferde, in der Vergleichsgruppe waren es 27 Prozent. Kein Zusammenhang fand sich dagegen mit Wurmbefall, Heulagefütterung oder Zahnproblemen. Die Studie war allerdings klein und beruhte auf Fragebögen.
Zusammengefasst: Kotwasser hat wahrscheinlich nicht die eine Ursache, sondern entsteht durch das Zusammenspiel von Fütterung, Stress und individueller Veranlagung. Wie genau, ist offen.

Welche Rolle spielt die Fütterung beim Kotwasser?
Die Fütterung ist der Bereich, in dem es die meisten praktischen Hinweise gibt. In einer Fall-Kontroll-Studie aus Schweden und Norwegen mit Pferden auf 50 Betrieben bekamen Pferde mit Kotwasser ähnlich viel Heulage wie gesunde Pferde. Sie erhielten aber einen höheren Anteil Kraftfutter in der Ration, weniger Stroh und weniger Luzerne. Daraus ergab sich eine höhere Aufnahme von Stärke und Zucker und eine geringere Aufnahme von Faser und Eiweiß. Die Unterschiede waren klein, die Autoren werten sie als Spur für weitere Forschung, nicht als Beweis.
In einer Befragung von Haltern, ebenfalls aus Schweden, besserte sich das Kotwasser oft, wenn von Heulage auf Heu, auf die Weide oder auf eine andere Heulage-Charge umgestellt wurde. Das passt zu dem Namen, den Halter in Skandinavien dem Problem geben: Heulage-Unverträglichkeit. Gleichzeitig waren in dieser Befragung Pferde mit allen Fütterungsformen betroffen. Eine italienische Fallserie beschreibt Pferde, bei denen ein Wechsel auf ein Heu besserer Qualität das Kotwasser beendete. Auch das sind Einzelfälle, keine kontrollierte Studie.
Für die Praxis ergibt sich daraus eine nachvollziehbare Reihenfolge. Sie ist nicht bewiesen, aber durch die vorhandenen Daten begründet:
- Raufutter in den Mittelpunkt stellen, ausreichend Menge über den ganzen Tag verteilt
- Raufutterqualität prüfen: Staub, Schimmel, Geruch, Schnittzeitpunkt, bei Heulage Trockenmasse und Gärqualität
- bei Heulage probeweise auf Heu oder eine andere Charge wechseln
- Kraftfutter, Stärke und Zucker reduzieren, wo es die Arbeit des Pferdes zulässt
- Stroh als Teil der Raufutterration prüfen
- Futterwechsel immer langsam über mehrere Tage
- nur eine Sache auf einmal ändern und mindestens zwei bis drei Wochen beobachten
Wie du die Qualität von Heu erkennst, steht im Ratgeber Heu für Pferde. Worauf es bei Heulage ankommt, liest du unter Silage und Heulage für Pferde. Eine Futteranalyse im Labor zeigt, wie viel Faser, Zucker und Eiweiß dein Raufutter tatsächlich enthält. Wenn du dabei Unterstützung brauchst, hilft eine unabhängige Futterberatung beim Pferd.
Warum tritt Kotwasser oft im Herbst und Winter auf?
Viele Halter beobachten Kotwasser vor allem nach dem Ende der Weidesaison. Das hat mehrere mögliche Gründe. Mit dem Wechsel von Gras auf Heu oder Heulage ändert sich die Ration innerhalb kurzer Zeit stark, und die Mikroorganismen im Dickdarm, die beim Pferd einen großen Teil der Verdauung übernehmen, müssen sich umstellen. Gerade in dieser Phase kann Kotwasser erstmals auftreten. Im Winter stehen Pferde öfter auf engem Raum, bewegen sich weniger und haben mehr Konkurrenz am Futterplatz. Dazu kommt, dass oft neue Heuchargen angebrochen werden, deren Qualität schwankt.
Ob einer dieser Faktoren tatsächlich ursächlich ist, hat bislang keine Studie sauber gezeigt. In der schweizerischen Untersuchung unterschied sich die Darmflora betroffener Pferde weder im Frühjahr noch im Herbst von der gesunder Pferde. Plane den Übergang von der Weide auf das Winterfutter trotzdem behutsam, wie im Ratgeber Pferdefütterung im Winter beschrieben.

Kann Stress Kotwasser auslösen?
Die Daten deuten darauf hin. In der Münchner Feldstudie waren rangniedere Pferde, die ihr Futter nicht gegen andere verteidigten, deutlich häufiger betroffen. Stress verändert die Darmbewegung, das kennen viele Reiter vom Turnier oder vom Transport, wenn Pferde plötzlich weicheren Kot absetzen.
Hilfreich ist deshalb ein Blick auf die Herde und den Futterplatz. Hat dein Pferd genug Zeit und Ruhe zum Fressen? Steht es an der Raufe oft am Rand oder wird es vertrieben? Mehrere Fressplätze, eine ruhige Ecke oder getrenntes Füttern können helfen. Auch Veränderungen wie Stallwechsel, neue Herdenmitglieder oder weniger Auslauf im Winter solltest du im Zusammenhang mit dem Kotwasser notieren.
Wie geht mein Tierarzt bei Kotwasser vor?
Bevor du an der Fütterung schraubst, sollte dein Tierarzt andere Ursachen ausschließen. Auch wenn die Münchner Studie keinen Zusammenhang mit Würmern und Zähnen fand, können beide im Einzelfall eine Rolle spielen und sind leicht zu prüfen. Typisch sind:
- allgemeine Untersuchung mit Abhören des Darms
- Kotuntersuchung auf Parasiten, siehe Parasiten beim Pferd
- Kontrolle der Zähne, denn schlecht gekautes Futter belastet den Dickdarm
- Sandtest bei Pferden, die auf sandigen Böden fressen
- bei Bedarf Blutuntersuchung, Ultraschall des Bauchraums oder rektale Untersuchung
Hinter dauerhaft weichem Kot kann in seltenen Fällen auch eine Darmentzündung beim Pferd stecken. Dabei ist die Darmschleimhaut entzündet und nimmt weniger Wasser auf. Erkrankungen im Magen, etwa Magengeschwüre, werden ebenfalls immer wieder als Begleiterkrankung diskutiert, ein Zusammenhang mit Kotwasser ist aber nicht belegt.
Eine Behandlung, die in kontrollierten Studien Kotwasser zuverlässig beseitigt, gibt es nicht. In einer niederländischen Studie mit zehn Pferden besserten sich die Symptome nach einer Kotübertragung von gesunden Spendern (fäkale Mikrobiota-Transplantation) vorübergehend, allerdings ohne Kontrollgruppe und mit großen Unterschieden zwischen den Pferden. Die Autoren fordern selbst kontrollierte Studien, bevor die Methode weiter verbreitet wird.

Helfen Hausmittel und Zusatzfutter gegen Kotwasser?
Im Internet und im Stall kursieren viele Empfehlungen: Heilerde, Bananen, Möhren, Leinsamen, Flohsamen, Kräuter, Futterkohle, Hefen, Probiotika oder Zeolith für Pferde. Für keines dieser Mittel gibt es eine Studie, die eine Wirkung gegen Kotwasser zeigt. Das heißt nicht, dass sie im Einzelfall nicht helfen können, aber du solltest keine sicheren Versprechen erwarten.
Wenn du ein Zusatzfutter ausprobieren willst, dann gezielt: ein Produkt, eine feste Dauer von einigen Wochen, ein Tagebuch über Kotwasser, Fütterung und Haltung. Ändere in dieser Zeit nichts anderes, sonst weißt du am Ende nicht, was gewirkt hat. Probiotika und Darmflora-Produkte sind nach den Studien zur Darmflora eher nicht der erste Ansatzpunkt.
Zusätzlich hilft Pflege gegen die Folgen: Wasche Schweif und Hinterbeine mit lauwarmem Wasser, trockne sie gut und schütze gereizte Haut mit einer Pflegecreme. So beugst du Hautentzündungen vor.
Was kostet die Abklärung von Kotwasser beim Tierarzt?
In Deutschland gilt die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT vom 15. August 2022, Stand der Fassung vom 15. März 2023). Je nach Aufwand darf der Tierarzt bis zum dreifachen Satz verlangen. Häufige Positionen:
| GOT-Nummer | Leistung | einfacher Satz |
|---|---|---|
| 4 | Allgemeine Untersuchung mit Beratung, Pferd | 30,78 Euro |
| 435 | Kotprobe rektal entnehmen, Pferd | 11,45 Euro |
| 150 | Mikroskopische Untersuchung mit Anreicherungsverfahren (Kot auf Parasiten) | 20,54 Euro |
| 439 | Rektale Untersuchung, Pferd | 43,50 Euro |
| 180 | Ultraschalldiagnostik | 58,92 Euro |
| § 10 | Wegegeld je Doppelkilometer (mindestens 13 Euro) | 3,50 Euro |
Dazu kommen Laborkosten, eine eventuelle Zahnbehandlung und die Mehrwertsteuer. Eine Futtermittelanalyse im Labor wird separat abgerechnet.
In Österreich gibt es keine verbindliche Gebührenordnung. Frag vor dem Termin nach den Kosten für Untersuchung, Kotuntersuchung, Zahnkontrolle, Blutbild, Ultraschall und Anfahrt. Ob eine Pferdekrankenversicherung die Abklärung zahlt, hängt vom Tarif ab, mehr dazu unter Pferdeversicherung Vergleich.
Häufige Fragen
Quellen
Tierärztegebührenordnung (GOT) vom 15.8.2022, geändert am 15.3.2023. https://www.gesetze-im-internet.de/got_2022/
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