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Pferd scheren: Wann es sinnvoll ist und welche Schur passt

Pferd scheren: Wann es sinnvoll ist und welche Schur passt

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Ein Pferd zu scheren heißt, im Herbst oder Winter einen Teil des Winterfells abzunehmen, damit das Tier bei der Arbeit weniger schwitzt und schneller trocknet. Sinnvoll ist das vor allem für Pferde, die im Winter regelmäßig und kräftig gearbeitet werden. Für ein Freizeitpferd im Offenstall mit leichter Arbeit ist eine Schur oft unnötig oder nur in kleinem Umfang angebracht.

Die Entscheidung hat Folgen für den ganzen Winter. Ein geschorenes Pferd verliert seinen natürlichen Kälteschutz und braucht in Ruhephasen fast immer eine Decke. Deshalb lohnt es sich, vor dem ersten Schnitt ehrlich zu prüfen, wie viel dein Pferd im Winter tatsächlich arbeitet und wie es gehalten wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Scheren hilft Pferden, die im Winter intensiv arbeiten: Sie werden während der Arbeit weniger warm, schwitzen weniger und trocknen danach schneller.
  • Je mehr Fell abkommt, desto mehr Schutz braucht das Pferd danach. Eine Vollschur ohne Decke ist im Winter nicht pferdegerecht.
  • Das Schermuster richtet sich nach Arbeit und Haltung: Halsschur und Irische Schur für leichte Arbeit, Jagd- oder Vollschur für Sportpferde.
  • Tasthaare am Kopf und Haare in den Ohren bleiben stehen. In Österreich ist das Entfernen der Tasthaare gesetzlich verboten, in Deutschland gilt es laut Leitlinie als tierschutzwidrig.

Warum soll ich mein Pferd überhaupt scheren?

Das Winterfell ist ein hervorragender Kälteschutz. Die langen Haare stellen sich bei Kälte auf und halten eine isolierende Luftschicht am Körper. Genau das wird bei der Arbeit zum Problem: Ein Pferd mit dichtem Winterfell gibt die Wärme aus den arbeitenden Muskeln schlecht ab, schwitzt stark und braucht danach oft Stunden, bis es trocken ist. Ein nasses Pferd im kalten Stall oder auf dem Paddock kühlt aus.

Die Wärmeregulation (Thermoregulation) wurde in mehreren Studien untersucht. In einer schwedischen Studie mit sechs Trabern stieg die Bluttemperatur bei intensiver Laufbandarbeit nach der Schur weniger stark an, die Pferde gaben mehr Wärme über die Haut ab, und die Atemfrequenz normalisierte sich danach schneller. Eine zweite schwedische Studie mit drei Pferden im Freien bei minus ein bis minus neun Grad zeigte ein ähnliches Bild: Ungeschoren waren die Pferde nach der Arbeit überhitzt, gemessen an Atemfrequenz und erhöhter Körpertemperatur, und ihr Fell war stark durchnässt. Geschoren blieben sie trocken. Beide Studien sind klein, die Richtung ist aber eindeutig.

Wichtig ist die Kehrseite, die dieselbe Arbeitsgruppe beschreibt: Geschorene Pferde brauchen in Ruhe eine Decke, sonst fehlt ihnen der Schutz. Eine Befragung von 373 Pferdehaltern in Deutschland ergab, dass über 90 Prozent der geschorenen Pferde Tag und Nacht eingedeckt waren. Wer schert, entscheidet sich also auch für eine Decke im ganzen Winter.

Braucht mein Pferd eine Schur oder nicht?

Die Antwort hängt an drei Fragen: Wie viel arbeitet dein Pferd im Winter, wie wird es gehalten und wie dicht ist sein Fell? Eine Orientierung gibt diese Übersicht.

Situation Empfehlung
Freizeitpferd, leichte Arbeit, Offenstall meist keine Schur, höchstens kleine Halsschur
Freizeitpferd, regelmäßige Arbeit mit Schwitzen, Box mit Paddock Irische Schur oder Rennschur, Decke bei Kälte
Sportpferd, tägliches Training, Turniere im Winter Decken-, Jagd- oder Vollschur, durchgehend Decke
Senior mit sehr langem Fell, das nicht abwirft zuerst Tierarzt, dann angepasste Teilschur
Robustrasse ganzjährig draußen ohne Decke keine Schur

Bei älteren Pferden mit auffällig langem, lockigem Fell, das im Frühjahr nicht ausfällt, lohnt sich ein Blick auf die Ursache. Häufig steckt eine Hormonstörung dahinter, das Cushing beim Pferd (PPID). Eine Schur verschafft solchen Pferden im Sommer Erleichterung, ersetzt aber nicht die Diagnose beim Tierarzt.

Zwei Pferde mit Winterdecke am Koppelzaun

Wann ist der beste Zeitpunkt, um mein Pferd zu scheren?

Die erste Schur erfolgt meist im Herbst, wenn der Fellwechsel zum Winterfell weitgehend abgeschlossen ist. Wer zu früh schert, muss öfter nachscheren, weil das Winterfell noch weiter wächst. Viele Pferde werden deshalb im Oktober oder November das erste Mal geschoren. Mehr zur Umstellung vom Sommer- auf das Winterfell und zur Fütterung in dieser Zeit steht im Ratgeber zum Fellwechsel beim Pferd.

Wie oft nachgeschoren werden muss, unterscheidet sich stark von Pferd zu Pferd. Manche kommen mit einer einzigen Schur durch den Winter, bei anderen wächst das Fell so schnell nach, dass sie mehrmals nachgeschoren werden. Das landwirtschaftliche College CAFRE in Nordirland nennt zwei bis drei Schuren pro Winter als üblich.

Für die letzte Schur im Jahr gibt es keine feste Grenze. Ratgeber nennen Ende Januar bis März als Zeitraum, weil danach bei vielen Pferden schon das Sommerfell nachwächst. Wird zu spät geschoren, kann das neue Fell ungleichmäßig aussehen. Achte darauf, wann dein Pferd im Frühjahr anfängt, das Winterfell zu verlieren, und plane die letzte Schur davor.

Schere bei trockenem, nicht zu kaltem Wetter und plane einen Tag ein, an dem dein Pferd danach keine anstrengende Arbeit hat. Frisch geschoren reagieren manche Pferde empfindlich auf Kälte und Berührung.

Welche Schermuster gibt es und welches passt zu meinem Pferd?

Die Namen der Schermuster sind nicht einheitlich, die Grundformen aber schon. Sie unterscheiden sich darin, wie viel Fell abkommt und wo das Pferd geschützt bleibt.

Schermuster Was geschoren wird Was stehen bleibt Passt zu
Halsschur (Lätzchenschur) Unterseite von Hals und Brust fast alles leichte Arbeit, Offenstall
Irische Schur Hals unten, Brust, Teil der Schulter, schräg bis zur Flanke Rücken, Kruppe, Beine, Kopf leichte bis mittlere Arbeit
Rennschur (Trace Clip) Unterseite von Hals, Brust und Bauch, Flanken Rücken, Kruppe, Beine mittlere Arbeit
Deckenschur Hals, Brust, Bauch, Flanken deckenförmiges Feld auf Rücken und Kruppe, Beine mittlere bis intensive Arbeit
Jagdschur (Hunter Clip) fast der ganze Körper Beine, Sattelfeld intensive Arbeit
Vollschur der ganze Körper mit Beinen und Kopf Tasthaare und Ohrinnenhaare Hochleistungssport, Turniere im Winter

Die Halsschur und die Irische Schur nehmen nur dort Fell weg, wo das Pferd am stärksten schwitzt. Rücken und Nieren bleiben geschützt. Diese Muster sind ein guter Kompromiss für Pferde, die regelmäßig, aber nicht sportlich gearbeitet werden. Bei der Rennschur und der Deckenschur kommt mehr Fell ab, die Beine und der Rücken bleiben aber bedeckt.

Bei der Jagdschur bleibt das Fell an den Beinen als Schutz vor Matsch, Kälte und kleinen Verletzungen. Das Sattelfeld schützt vor Scheuerstellen unter dem Sattel. Eine Vollschur sieht man vor allem bei Turnierpferden. Sie verlangt eine sehr sorgfältige Haltung mit Decken, warmem Stall und genug Energie im Futter.

In der deutschen Befragung waren die Jagdschur und die Deckenschur, jeweils ohne Kopf, die häufigsten Muster.

Zwei Pferde mit dichtem Winterfell im Schnee

Kann ich mein Pferd scheren, ohne es einzudecken?

Ja, aber nur mit einer kleinen Teilschur. Bei einer Halsschur oder einer kleinen Irischen Schur bleiben Rücken, Kruppe und Flanken mit Winterfell bedeckt. Ein gesundes Pferd mit Unterstand, genügend Raufutter und Schutz vor Wind und Nässe kommt damit meist ohne Decke zurecht. Beobachte dein Pferd aber genau: Steht es mit eingeklemmtem Schweif und aufgekrümmtem Rücken im Wind oder zittert es, braucht es zusätzlichen Schutz.

Ab der Rennschur wird eine Decke bei Kälte, Wind und Regen nötig. Bei Deckenschur, Jagdschur und Vollschur trägt das Pferd im Winter durchgehend eine Decke, oft mit unterschiedlichen Stärken für Tag und Nacht und eine Abschwitzdecke nach der Arbeit. Ein Unterstand bleibt trotzdem wichtig. In einer norwegischen Studie suchten auch eingedeckte Pferde bei Regen und Wind deutlich häufiger den Unterstand auf, die Decke machte ihn also nicht überflüssig.

Was gilt beim Scheren im Offenstall?

Im Offenstall bewegen sich die Pferde viel, stehen aber auch bei Wind und Regen draußen. Dort ist eine große Schur heikel. Bewährt haben sich die Halsschur oder eine kleine Irische Schur, die das Schwitzen bei der Arbeit verringert, ohne den Rücken freizulegen. Wenn du ein Pferd in der Herde scherst, denk daran, dass ein eingedecktes Pferd sich nicht mehr gegenseitig mit den anderen kraulen kann und Decken in der Herde leiden.

Ein geschorenes Pferd braucht im Winter mehr Energie, weil es mehr Wärme verliert. Vor allem Raufutter in ausreichender Menge hilft, denn bei der Verdauung von Heu entsteht im Darm Wärme. Wie du die Ration im Winter anpasst, steht unter Pferdefütterung im Winter. Für Boxenpferde spielt zusätzlich das Stallklima eine Rolle: Frische Luft ohne Zugluft ist auch für geschorene Pferde wichtiger als ein warmer, stickiger Stall.

Braunes Pferd auf einem Reitplatz

Welche Schermaschine eignet sich für mein Pferd?

Die Schermaschine Pferd ist das wichtigste Werkzeug, und die Auswahl ist groß. Für Pferde gibt es grundsätzlich zwei Bauarten. Maschinen mit Kabel bieten gleichmäßige Leistung über lange Zeit und eignen sich für große Flächen und dichtes Fell, das Kabel muss aber sicher geführt werden. Akku-Schermaschinen sind leiser und lassen sich freier bewegen, was bei nervösen Pferden ein Vorteil ist. Bei einer Vollschur reicht ein einzelner Akku oft nicht, ein Ersatzakku hilft.

Daneben gibt es kleine Trimmer für Kopf, Ohrenrand und Fesseln. Für die Schur am Körper sind sie zu schwach, für Feinarbeiten aber angenehmer, weil sie leiser vibrieren.

Beim Kauf zählen vor allem diese Punkte:

  • Leistung und Drehzahl passend zum Fell, dichtes Winterfell braucht kräftige Maschinen
  • Gewicht und Griff, eine Vollschur dauert lange
  • Lautstärke und Vibration
  • Erhältlichkeit von Ersatzmessern und Service für das Nachschleifen
  • Kabellänge oder Akkulaufzeit
  • Kühlung, damit der Scherkopf nicht zu heiß wird

Der Scherkopf trägt zwei Messer: das Untermesser, das am Fell anliegt, und das Obermesser, das sich darüber hin und her bewegt. Pferdemesser haben laut Herstellerangaben meist eine Schnitthöhe von etwa drei Millimetern, feinere Messer für Kopf und Beine von etwa einem Millimeter. Die verbleibende Fellhöhe hängt also vom Messer ab, nicht von der Maschine. Für die Frage, wie viel Millimeter stehen bleiben sollen, gilt: Je mehr Fell bleibt, desto mehr Schutz hat das Pferd, desto länger dauert aber auch das Trocknen.

Stumpfe Messer ziehen an den Haaren, werden heiß und machen das Scheren für das Pferd unangenehm. Lass sie regelmäßig schleifen. Reinige den Scherkopf während der Arbeit von Haaren und öle ihn nach Herstellerangaben, damit er nicht heiß läuft. Wenn mehrere Pferde mit derselben Maschine geschoren werden, desinfiziere Scherkopf und Messer zwischen den Pferden, denn Hautpilz beim Pferd wird leicht über Putzzeug und Scherköpfe übertragen.

Wie schere ich mein Pferd Schritt für Schritt?

Vorbereitung ist die halbe Arbeit. Das Pferd sollte sauber und vollständig trocken sein, denn Schmutz und Staub stumpfen die Messer ab und ziehen an den Haaren. Wasche oder putze dein Pferd am Vortag gründlich. Den Umriss des Schermusters kannst du mit Kreide oder einem nassen Stück Seife vorzeichnen, so werden beide Seiten gleich. Stelle das Pferd an einem hellen, trockenen Platz mit rutschfestem Boden auf und halte das Kabel aus dem Bereich der Hufe.

Geschoren wird gegen den Strich, also gegen die Wuchsrichtung des Fells, in langen, gleichmäßigen Bahnen mit leichtem, flachem Druck. Beginne an einer Stelle, an der dein Pferd Berührung gut verträgt, meist an der Schulter, und arbeite dich von dort vor. Empfindliche Bereiche wie Flanken, Bauch, Ellenbogen und Kopf kommen später, wenn sich das Pferd an das Geräusch gewöhnt hat. An Hautfalten, etwa am Ellenbogen, hilft es, das Bein nach vorne zu strecken, damit die Haut glatt liegt.

Prüfe zwischendurch mit dem Handrücken die Temperatur des Scherkopfes. Wird er warm, mach eine Pause. Halte eine Abschwitzdecke bereit und lege sie auf bereits geschorene Bereiche, damit dein Pferd während der Schur nicht auskühlt.

Am Kopf, an den Ohren und an den Beinen ist besondere Vorsicht nötig. Die Tasthaare (Vibrissen) an Maul, Nüstern und Augen und die Haare in den Ohren bleiben immer stehen. Das ist nicht nur eine Frage der Pflege, sondern auch eine rechtliche Vorgabe.

Was ist beim Scheren rechtlich verboten?

Die Tasthaare sind für Pferde ein wichtiges Sinnesorgan. Mit ihnen ertasten sie Futter, Hindernisse und Gegenstände nah am Kopf, die sie selbst nicht sehen können. Die Haare in den Ohren schützen vor Insekten und Schmutz.

In Österreich verbietet das Tierschutzgesetz (Paragraf sieben, Absatz eins, Ziffer sieben) das Entfernen der Vibrissen sowie das Kürzen der Vibrissen aus ästhetischen oder kommerziellen Gründen (Stand der konsolidierten Fassung 9. Oktober 2026). Erlaubt sind nur Eingriffe aus therapeutischen oder diagnostischen Gründen.

In Deutschland nennen die Leitlinien Tierschutz im Pferdesport des Bundeslandwirtschaftsministeriums (Stand Juli 2020) es ausdrücklich tierschutzwidrig, die Tasthaare im Kopfbereich oder die Haare in den Ohren zu kürzen oder zu entfernen. Ebenso tierschutzwidrig ist das Rasieren am Kronsaum. Die Leitlinien sind kein Gesetz, gelten aber als Sachverständigengutachten, auf das sich Behörden und Gerichte bei der Auslegung des Tierschutzgesetzes stützen.

Wie gewöhne ich ein ängstliches Pferd an die Schermaschine?

Viele Pferde erschrecken beim ersten Mal vor dem Brummen und der Vibration. Mit geduldigem, belohnungsbasiertem Training lässt sich das in den meisten Fällen lösen. Das Prinzip heißt schrittweise Gewöhnung: Du beginnst mit einem Reiz, den dein Pferd entspannt aushält, belohnst ruhiges Verhalten und steigerst den Reiz erst, wenn es locker bleibt.

Ein möglicher Ablauf über mehrere Tage oder Wochen: Zuerst lernt dein Pferd die ausgeschaltete Maschine kennen, darf daran schnuppern und bekommt eine Belohnung. Dann läuft die Maschine in einiger Entfernung, später nah beim Pferd. Danach legst du die laufende Maschine mit dem Griff an die Schulter, damit es die Vibration spürt, ohne dass geschoren wird. Erst wenn das entspannt klappt, folgt der erste kurze Schnitt. Zeigt dein Pferd Anspannung, geh einen Schritt zurück. Bestrafung und Zwang machen das Scheren beim nächsten Mal meist schwieriger. Mehr zum Aufbau von Vertrauen findest du im Ratgeber Vertrauen aufbauen zum Pferd.

Hat ein Pferd große Angst und lässt sich trotz Training nicht sicher scheren, kann dein Tierarzt es leicht sedieren. Das ist sicherer für Pferd und Mensch als eine Schur unter Zwang. Die Sedierung gehört in die Hand des Tierarztes, und das Pferd braucht danach Ruhe, bis es wieder sicher steht.

Wie pflege ich mein Pferd nach der Schur?

Nach der Schur bleibt die Haut empfindlicher. Bürste die Hautschuppen und losen Haarreste mit einer weichen Bürste ab. Kontrolliere die Haut auf kleine Schnitte und Rötungen, vor allem an Ellenbogen, Gurtlage und Flanken. Leg die Decke direkt nach der Schur auf, auch wenn es tagsüber mild ist, denn die Nacht wird kälter.

Passe die Decke an Wetter und Bewegung an. Dein Pferd sollte unter der Decke weder schwitzen noch frieren. Fühl dafür mit der Hand unter die Decke an Schulter und Flanke. Nach der Arbeit kommt zuerst die Abschwitzdecke drauf, bis das Fell trocken ist, dann die Stall- oder Weidedecke. Weitere Hinweise zur Pflege in der kalten Jahreszeit stehen unter Pferdepflege im Winter. Lässt du das Fell an den Beinen stehen, schützt es zusätzlich vor Nässe und Schlamm, die Mauke beim Pferd begünstigen.

Was kostet es, mein Pferd scheren zu lassen?

Die Kosten hängen davon ab, ob du selbst scherst oder einen Dienstleister beauftragst. Eine eigene Schermaschine ist eine Anschaffung für viele Jahre, dazu kommen Ersatzmesser und das regelmäßige Schleifen. Professionelle Scherer rechnen meist nach Schermuster und Aufwand ab, die Preise unterscheiden sich in Österreich und Deutschland stark nach Region. Frag vor dem Termin nach diesen Punkten: Preis je Schermuster, Aufpreis für Kopf und Beine, Anfahrt, Zuschlag für schwierige Pferde und ob Nachscheren günstiger ist.

Braucht dein Pferd eine Sedierung, kommen in Deutschland die Kosten nach der Gebührenordnung für Tierärzte dazu (GOT vom 15. August 2022, Stand der Fassung vom 15. März 2023). Je nach Aufwand darf der Tierarzt bis zum dreifachen Satz verlangen.

GOT-Nummer Leistung einfacher Satz
4 Allgemeine Untersuchung mit Beratung, Pferd 30,78 Euro
295 Sedation per Injektion, Pferd 16,50 Euro
§ 10 Wegegeld je Doppelkilometer (mindestens 13 Euro) 3,50 Euro

Dazu kommen das Medikament und die Mehrwertsteuer.

In Österreich gibt es keine verbindliche Gebührenordnung. Lass dir einen Kostenvoranschlag geben, der Untersuchung, Sedierung, Medikament und Anfahrt enthält. Eine Pferdepraxis in deiner Nähe findest du über die Tierarztsuche.

Häufige Fragen

Ist Scheren gut für Pferde?
Für Pferde, die im Winter regelmäßig schwitzen, ja. Studien zeigen, dass geschorene Pferde bei der Arbeit weniger überhitzen und schneller trocknen. Für Pferde mit wenig Arbeit, die viel draußen stehen, bringt eine Schur dagegen kaum Vorteile, weil sie das Winterfell als Schutz brauchen.
Was sind Hungerhaare beim Pferd?
So nennen Reiter lange, einzelne Haare, die im Winterfell an Kinn, Kehle, Bauch und Beinen herausstehen. Dass sie auf Futtermangel hinweisen, ist wissenschaftlich nicht belegt. Ob dein Pferd gut versorgt ist, erkennst du verlässlicher an Gewicht, Rippen und Muskulatur als an einzelnen Haaren.
Wie viel Millimeter Fell bleiben beim Scheren stehen?
Das hängt vom Messer ab. Gängige Pferdemesser lassen nach Herstellerangaben etwa drei Millimeter Fell stehen, feine Messer für den Kopf etwa einen Millimeter. Für Freizeitpferde, die viel draußen stehen, ist ein längeres Fell sinnvoller, weil es mehr Schutz bietet.
Darf ich mein Pferd im Sommer scheren?
Ja, in Ausnahmefällen. Pferde mit Cushing, die ihr Winterfell nicht abwerfen, leiden im Sommer unter Hitze. Eine Schur bringt ihnen Erleichterung. Bei gesunden Pferden ist eine Sommerschur nicht nötig, weil das Sommerfell kurz genug ist. Vergiss den Sonnenschutz bei hellen Pferden nicht.
Muss ein geschorenes Pferd immer eine Decke tragen?
Bei einer kleinen Halsschur meist nicht, bei Decken-, Jagd- und Vollschur ja. Je mehr Fell abkommt, desto mehr Schutz braucht das Pferd. Achte darauf, dass dein Pferd unter der Decke nicht schwitzt, und passe die Stärke an Temperatur und Bewegung an.
Kann ich mein Pferd selbst scheren?
Ja, mit etwas Übung, einer guten Maschine, scharfen Messern und einem ruhigen Pferd. Für die erste Schur hilft es, einer erfahrenen Person zuzusehen. Beginne mit einem einfachen Muster wie der Halsschur. Bei nervösen Pferden ist Hilfe von einer zweiten Person sinnvoll.

Quellen

Morgan K, Funkquist P, Nyman G: The effect of coat clipping on thermoregulation during intense exercise in trotters. Equine Vet J 34 (2002), 564–567. DOI: 10.1111/j.2042-3306.2002.tb05484.x.

Wallsten H, Olsson K, Dahlborn K: Temperature regulation in horses during exercise and recovery in a cool environment. Acta Vet Scand 54 (2012), 42. DOI: 10.1186/1751-0147-54-42.

Steinhoff-Wagner J: Coat Clipping of Horses: A Survey. J Appl Anim Welf Sci 22 (2019), 171–187. DOI: 10.1080/10888705.2018.1454319.

Jørgensen GHM, Mejdell CM, Bøe KE: The effect of blankets on horse behaviour and preference for shelter in Nordic winter conditions. Appl Anim Behav Sci 218 (2019), 104822. DOI: 10.1016/j.applanim.2019.06.003.

Tierschutzgesetz (TSchG) Österreich, § 7, Fassung vom 9.10.2026. https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20003541

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Leitlinien Tierschutz im Pferdesport, Juli 2020, Abschnitt 6.4.

CAFRE (College of Agriculture, Food and Rural Enterprise): Horse Clipping Tips, 30.11.2020. https://www.cafre.ac.uk/2020/11/30/horse-clipping-tips/

Tierärztegebührenordnung (GOT) vom 15.8.2022, geändert am 15.3.2023. https://www.gesetze-im-internet.de/got_2022/

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