Pferdepflege im Winter
Pferdepflege im Winter stellt besondere Anforderungen an Halterinnen und Halter. Kalte Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit, weniger Tageslicht und matschige Paddocks bringen Belastungen mit sich, die von Sommerwetter komplett verschieden sind. Pferde sind grundsätzlich gut an kalte Witterung angepasst, vorausgesetzt sie haben ausreichend Wasser, energiereiches Futter, schützende Unterstände und trockene Liegeflächen. Doch gerade die Übergangszeiten zwischen Herbst und Winter sowie wechselhaftes Wetter im Februar und März fordern Aufmerksamkeit. Hufe weichen auf, Atemwege sind durch staubiges Heu belastet, Mauke an den Fesseln tritt häufiger auf und ältere Pferde verlieren schneller an Gewicht. In diesem Ratgeber erfährst du, worauf du bei Fütterung, Bewegung, Hufpflege, Eindecken, Stallklima und Gesundheitsvorsorge im Winter achten solltest. Du bekommst praktische Tipps für die typischen Wintermonate in Deutschland und Österreich (AT), Hinweise zu typischen Winterproblemen wie Hufabszessen, Mauke oder Atemwegsreizung, und du erfährst, wie du dein Pferd im Frühling gesund aus der kalten Jahreszeit herausführst. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Eisige Tränke ist Notfall
Eingefrorene Tränken sind im Winter eine der häufigsten Ursachen für Koliken. Pferde brauchen täglich 30 bis 60 Liter Wasser, kaltes Wasser trinken sie ungern. Kontrolliere Tränken zweimal täglich, sorge für beheizte Wasserstellen und biete bei Frost lauwarmes Wasser an, das fördert die Trinkmenge spürbar.
Wie ändert sich die Fütterung im Winter?
Im Winter steigt der Energiebedarf von Pferden, weil ein Teil der aufgenommenen Energie für die Körperwärme verbraucht wird. Die Faustregel lautet: Pro Grad Celsius unter null Grad Außentemperatur steigt der Erhaltungsbedarf um etwa zwei bis drei Prozent. Heu ist das wichtigste Wärmemittel, denn die Verdauung im Dickdarm produziert nennenswerte Wärme. Mehr zur Heuqualität und Auswahl findest du im Ratgeber zu Pferde-Heu. Plane mindestens 1,5 bis zwei Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht ein, im Winter eher zwei bis 2,5 Kilogramm. Saftfutter wie Karotten oder Rüben ergänzen die Ration, sollten aber nicht eingefroren angeboten werden. Mehr dazu im Ratgeber zum Saftfutter. Bei alten Pferden, hohen Belastungen oder dünner Kondition ist zusätzliches Kraftfutter sinnvoll, etwa Hafer, Müsli oder Mash. Eine generelle Übersicht zu Mengen und Häufigkeit findest du im Beitrag wie oft sollte man ein Pferd füttern. Wichtig: Jede Futterumstellung schrittweise über zehn bis 14 Tage vornehmen, um Verdauungsprobleme zu vermeiden.
Welches Wasser braucht das Pferd im Winter?
Wasser ist im Winter das unterschätzteste Pflegethema. Pferde trinken bei kaltem Wasser deutlich weniger, was zu Verstopfungskoliken führen kann. Studien zeigen, dass die Trinkmenge bei lauwarmem Wasser (15 bis 20 Grad) um 30 bis 60 Prozent steigt. Investiere daher in beheizte Tränken oder erwärme das Wasser mehrmals täglich. Eingefrorene Tränken sind ein Notfall: Schon 24 Stunden ohne Wasser können bei einem Pferd zu Koliken oder Stoffwechselstörungen führen. Auch im Auslauf sollten Tränken eisfrei sein. Tränkebecken mit Wärmeplatten oder Frostschutzmanschetten sind hier eine Investition, die sich langfristig rechnet. Wer keinen Stromanschluss am Paddock hat, muss die Tränken mehrmals täglich von Eis befreien, idealerweise morgens, mittags und abends. Salzlecksteine sollten ganzjährig zur Verfügung stehen, im Winter besonders, weil sie zum Trinken animieren. Achte auch auf saubere Tränken: Algen, Futterreste oder Sand werden schnell zum Hygieneproblem. Wasserqualität ist Tierschutz, das sollten alle Stallbetreiber im Hinterkopf haben. Wenn dein Stall keine konsequente Wasserhygiene betreibt, sprich es offen an oder denke über einen Wechsel nach.
Wie pflege ich Hufe im winterlichen Matsch?
Matschige Paddocks und Boxen mit feuchter Einstreu sind die Hauptursache für Hufprobleme im Winter. Das ständige Wechselbad zwischen Nass und Trocken weicht das Hufhorn auf, was Strahlfäule, Hufabszesse und Mauke begünstigt. Tägliches Auskratzen der Hufe ist Pflicht, besonders abends bevor du das Pferd in die Box stellst. Achte dabei auf üblen Geruch, schwarze Verfärbungen am Strahl, Risse oder lose Stellen am Tragrand. Treten solche Symptome auf, ist die Hufschmiedin oder der Hufschmied der erste Ansprechpartner. Trimmintervalle bleiben im Winter meist gleich (alle sechs bis acht Wochen), bei Eisenpferden eventuell etwas länger weil weniger Abrieb erfolgt. Bei Pferden mit Mauke-Neigung helfen Mauke-Salben mit Zink oder Ringelblume, ergänzt durch konsequent saubere und trockene Liegeflächen. Mehr zur Stallhygiene findest du im Ratgeber zur Stalldesinfektion. Bei massivem Mauke- oder Strahlfäule-Befall gehört dein Pferd in tierärztliche Behandlung, eine geeignete Praxis findest du über den Tierärztefinder. Wer Eis und Schnee im Auslauf hat, sollte zudem an Stollen oder Spezialbeschlag denken, weil glatte Hufe leicht zu Stürzen führen.
Decke ja oder nein?
Die Frage nach der Decke ist eine der häufigsten in Pferdeforen. Die Antwort ist individuell. Pferde sind grundsätzlich kälteresistent. Ein gesundes erwachsenes Pferd in artgerechter Haltung mit Winterfell und ausreichend Heu kommt mit Temperaturen bis minus 15 Grad gut zurecht, sofern es einen Unterstand hat. Eine Decke ist sinnvoll bei: geschorenen Pferden, alten Pferden mit reduziertem Körperfett, dünnen Pferden, Pferden mit Cushing-Syndrom und kranken Tieren in Rekonvaleszenz. Auch bei nassem Schneeregen oder eisigem Wind kann eine Regendecke die Lebensqualität deutlich erhöhen. Vermeide aber Überdeckung: Ein Pferd, das schwitzt, hat es zu warm. Schwitzen unter der Decke ist kontraproduktiv, weil das Fell verklebt und die Thermoregulation gestört wird. Kontrolliere täglich den Sitz der Decke, sie darf nicht scheuern oder verrutschen. Reinige die Decke regelmäßig, weil Schmutz und Kotreste die Atmungsaktivität reduzieren. In der Übergangszeit zwischen Frühling und Sommer sollte die Decke schrittweise abgelegt werden, damit das Pferd seinen natürlichen Fellwechsel vollziehen kann. Auch bei der Wahl der Decke gilt: Lieber eine atmungsaktive Qualitätsdecke als drei billige, die nass werden und Druckstellen verursachen.
Wie verhindere ich Atemwegserkrankungen?
Im Winter steigt das Risiko für Atemwegserkrankungen, weil Pferde mehr Zeit in der Box verbringen und Heustaub eine zentrale Belastung darstellt. Maßnahmen sind: Heu vor dem Füttern leicht anfeuchten oder bedampfen, gut gelüftete Boxen, staubarme Einstreu wie Späne oder Strohpellets, regelmäßiges Misten und kein dauerhaftes Schließen aller Stallfenster. Ein gutes Stallklima ist im Winter besonders wichtig, mehr dazu findest du im Stallklima-Ratgeber. Bei Pferden mit bekannter Asthmaproblematik (Recurrent Airway Obstruction) ist Heubedampfung Pflicht, ergänzt durch reichlich Auslauf an der frischen Luft. Im Sommer halbiert sich das Asthmarisiko meist, im Winter steigt es deutlich. Achte auf Symptome wie Husten, Nasenausfluss, vermehrte Atemfrequenz oder Leistungsabfall. Bei chronischem Husten gehört dein Pferd umgehend in tierärztliche Behandlung. Auch Influenza und Herpesinfektionen treten im Winter häufiger auf, eine aktuelle Impfung ist daher Pflicht. In Deutschland und Österreich ist die Influenza-Impfung für Turnierpferde vorgeschrieben, für Freizeitpferde dringend empfohlen. Plane den Impftermin idealerweise im Spätsommer, damit der Schutz im Winter optimal greift. Auch eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen unterstützt das Immunsystem, mehr dazu im Ratgeber zu Vitaminen für Pferde.
Welche Bewegung braucht das Pferd im Winter?
Bewegung ist im Winter genauso wichtig wie im Sommer, wenn nicht wichtiger. Pferde, die täglich Auslauf bekommen, leiden seltener unter Verdauungsproblemen, Bewegungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten. Reiten ist auch bei Schnee und Eis möglich, sofern die Wege rutschfest sind und du angepasst langsam gehst. Stollen oder Hufschuhe mit Profil reduzieren die Sturzgefahr. Bei Glatteis solltest du auf Reitstunden verzichten und stattdessen Bodenarbeit, Longe in der Halle oder Spaziergänge in geräumtem Gelände bevorzugen. Wichtig ist auch nach kalter Bewegung das richtige Trockenreiten: Lass dein Pferd nach dem Reiten gut abtrocknen, idealerweise unter einer Abschwitzdecke, bevor du es zurück in die Box stellst. Schwitzige Pferde, die in zugiger Box stehen, erkranken schnell. Auch lange Schritteinheiten am Anfang und Ende jeder Trainingseinheit sind im Winter besonders wichtig, weil Sehnen und Gelenke länger zum Aufwärmen brauchen. Beobachte dein Pferd auf Steifigkeit und passe die Trainingsintensität an. Tipp für ältere Pferde: Lieber häufiger kurze Einheiten als selten lange. So bleibt der Bewegungsapparat geschmeidig ohne überlastet zu werden. Auch reine Spaziergänge im Schritt sind wertvoll und werden oft unterschätzt.
Was muss ich beim Trinkverhalten beobachten?
Das Trinkverhalten ist im Winter ein zentrales Gesundheitsindiz. Ein Pferd, das plötzlich weniger trinkt, läuft Gefahr für Verstopfungskoliken. Beobachte täglich, ob die Tränke geleert wird oder ob das Wasser stehen bleibt. Bei automatischen Tränken kannst du den Wassermesser einstellen, falls vorhanden. Bei manueller Tränkung notiere die Befüllmenge. Wenn die Trinkmenge plötzlich um mehr als 30 Prozent sinkt, ist das ein Alarmsignal. Mögliche Ursachen sind kaltes Wasser, defekte Tränke, Zahnschmerzen, Beginn einer Erkrankung. Achte auch auf den Kotabsatz: Trockene, harte Pferdeäpfel weisen auf zu wenig Wasseraufnahme hin. Frischer, gut geformter Kot in normaler Frequenz (acht bis zwölf Mal täglich) ist das Ziel. Bei Veränderungen lieber einmal mehr die Tierarztpraxis kontaktieren, eine geeignete findest du über den Tierärztefinder von Go4Vet. Eine angemessene Mineralstoff- und Salzversorgung unterstützt zudem das Trinkverhalten, ein Salzleckstein in jeder Box ist Standard. Auch das Anbieten von leicht angefeuchtetem Heu erhöht die Wasseraufnahme indirekt, weil Pferde viel Speichel produzieren und damit Verdauungsflüssigkeit bilden.
Wie unterstütze ich den Fellwechsel?
Der Fellwechsel beginnt deutlich früher, als viele denken. Bereits ab Ende Dezember stellt der Pferdekörper auf den Lichtimpuls der zunehmenden Tage um, und der Wechsel zum Sommerfell startet aktiv im Februar. Diese Phase ist energetisch sehr fordernd. Ein Pferd verbraucht für den Fellwechsel etwa zehn bis 15 Prozent zusätzliche Energie, was bedarfsgerecht ergänzt werden sollte. Hochwertiges Mineralfutter mit Zink, Kupfer, Biotin und Aminosäuren wie Methionin unterstützt die Hautgesundheit und die Hornbildung. Auch Leinsamen, Schwarzkümmelöl oder andere ölhaltige Ergänzungen sind beliebt, mehr dazu im Beitrag zu Öl für Pferde. Tägliches Striegeln und Bürsten in den Wechselmonaten regt die Durchblutung der Haut an, entfernt loses Fell und stärkt die Bindung zwischen dir und deinem Pferd. Bei Cushing-Patienten verzögert sich der Fellwechsel oft, das alte Winterfell bleibt bis in den Sommer hängen. In diesem Fall solltest du tierärztlich abklären lassen, ob eine Anpassung der Medikation nötig ist. Auch eine professionelle Schur kann bei betroffenen Tieren sinnvoll sein, gerade vor warmen Sommerwochen.
Was muss ich nach dem Winter beachten?
Der Übergang vom Winter zum Frühling ist eine kritische Phase. Die ersten warmen Tage verleiten viele Pferde zu intensiver Bewegung, oft mit ungewohntem Galoppieren auf der Weide. Das kann bei untrainierten Tieren zu Sehnenverletzungen oder Muskelfaserrissen führen. Bring dein Pferd langsam in Form, idealerweise mit einer geplanten Aufbauphase über vier bis sechs Wochen. Auch die Umstellung auf Weidegras muss schrittweise erfolgen, weil der Verdauungstrakt nach einem Heu-dominierten Winter nicht sofort große Mengen frisches Gras verträgt. Beginne mit fünfzehn bis zwanzig Minuten täglich und steigere die Weidezeit über zwei bis drei Wochen langsam. Mehr zu Fütterungsgrundlagen findest du im Ratgeber zur Fütterungsempfehlung. Achte auch auf eine Frühlingsentwurmung nach Kotprobenanalyse, eine Aktualisierung der Impfungen und einen Hufcheck. Nach langen Stallphasen ist auch die Insektenabwehr ein Thema, denn Bremsen und Mücken werden ab April aktiv. Mit einem strukturierten Übergang vermeidest du die typischen Frühlingserkrankungen wie Hufrehe nach erstem Weidegang, Koliken durch zu schnelles Grasanstellen oder Muskelverspannungen durch unkontrollierten Bewegungsimpuls.
Tierärztlicher Blick
Aus tierärztlicher Sicht ist der Winter eine Hochrisikozeit für mehrere Erkrankungen. Verstopfungskoliken durch zu wenig Wasseraufnahme stehen ganz oben, gefolgt von Atemwegserkrankungen durch staubiges Heu und schlechte Stalllüftung, Mauke und Hufabszessen durch matschige Paddocks, Gewichtsverlust bei alten Pferden und Stoffwechselentgleisungen bei Cushing-Patienten. Eine vorausschauende Halterin oder ein vorausschauender Halter beugt mit guter Wasserversorgung, hochwertigem Heu, regelmäßiger Hufkontrolle, gutem Stallklima und gezieltem Eindecken der Risikogruppen vor. Plane den jährlichen Gesundheitscheck idealerweise im Spätherbst, damit alle Befunde noch vor dem Winter angepasst werden können. Achte auf Impfungen (Influenza, Tetanus, Herpes nach Risikoeinschätzung), aktuelle Wurmkur nach Kotprobenanalyse und Zahnstatus. Bei alten Pferden empfiehlt sich eine zusätzliche Blutuntersuchung im Januar oder Februar, weil Cushing oft im Winter sichtbar wird. Auch der Kontakt zu deinem Hufschmied sollte intensiver gepflegt werden, denn winterliche Hufprobleme entwickeln sich oft schleichend. Eine geeignete Praxis findest du jederzeit über den Tierärztefinder von Go4Vet. Im Februar lohnt sich auch ein Blick auf die Vorbereitung des Frühlings: Fellwechsel beginnt früh, der Stoffwechsel erwacht, Weidegang muss langsam aufgebaut werden. Wer den Winter strukturiert begleitet, holt sein Pferd gesund und vital ins neue Jahr.
Häufige Fragen zur Pferdepflege im Winter
Quellen
MSD Vet Manual: Winter Care of Horses (2024) (letzter Zugriff: 4.5.2026)
Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Winterhaltung (2024) (letzter Zugriff: 4.5.2026)
OEPS Österreichischer Pferdesportverband: Pferdehaltung im Winter (2025) (letzter Zugriff: 4.5.2026)
Vetmeduni Wien: Pferdemedizin und Haltung (2025) (letzter Zugriff: 4.5.2026)