Pferd hustet: Ursachen, Tierarztbesuch und Futterstrategien
Ein Pferd hustet selten zufällig. Hinter gelegentlichem Räuspern, einem Hustenanfall beim Antraben oder einem chronischen Hüsteln in der Box können harmlose Staubreize stehen, genauso aber auch ernste Erkrankungen wie equines Asthma, eine Influenza-Infektion oder das Equine Herpesvirus. Wer die Signale richtig liest, weiß wann der Tierarztbesuch unaufschiebbar ist, wann eine Anpassung der Stallhaltung und Heuqualität reicht und wo Zusatzfutter als sinnvolle Begleitung zur tierärztlichen Therapie Platz findet.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓Bei Husten ist immer eine tierärztliche Abklärung der erste Schritt, besonders bei Fieber, Nasenausfluss oder Leistungseinbruch.
- ✓Die häufigsten Ursachen reichen von Staub und Schimmelsporen im Heu über Virusinfektionen (Influenza, EHV-1, EHV-4) bis zu equinem Asthma (RAO und IAD).
- ✓Zusatzfutter wie Bronchicalma unterstützt die Bronchien als Akut-Kur über drei bis fünf Tage, ersetzt aber keine tierärztliche Therapie.
- ✓Horse Vital Plus kann das Immunsystem im Fellwechsel und nach Infekten stärken.
- ✓Beide Produkte unterliegen laut FN-Reglement einer 48-Stunden-Absetzfrist vor dem Turnier.
- ✓EHV-1 ist in Deutschland und Österreich meldepflichtig, bei Verdacht sofort den Tierarzt informieren.
Symptome und Warnsignale erkennen
Husten ist beim Pferd keine eigenständige Krankheit, sondern eine Schutzreaktion der Atemwege. Entscheidend ist deshalb, welche Art von Husten du beobachtest.
Ein trockener Husten klingt kurz und hart, meist ohne sichtbaren Schleim. Er tritt häufig bei Staubbelastung auf, kann aber auch am Anfang einer Virusinfektion oder bei equinem Asthma in einer frühen Phase vorkommen.
Ein produktiver Husten ist dagegen feuchter und oft länger gezogen. Häufig hörst du dabei Schleimgeräusche oder siehst Nasenausfluss. Das spricht eher für eine Entzündung der unteren Atemwege.
Typisch ist auch der sogenannte Belastungshusten. dein Pferd beginnt dabei beim Antraben, im Galopp oder kurz nach Trainingsbeginn zu husten. Das kann ein früher Hinweis auf eine beginnende chronische Atemwegsproblematik sein.
Hält der Husten über mehrere Wochen an oder bessert sich nicht, sollte das immer tierärztlich abgeklärt werden. Chronische Erkrankungen wie die rezidivierende Atemwegsobstruktion, früher als COB oder Dämpfigkeit bezeichnet, entwickeln sich oft schleichend aus zunächst harmlos wirkenden Reizphasen.
Neben dem Husten selbst solltest du auf weitere Anzeichen achten. Dazu gehören Leistungsabfall, eine erhöhte Atemfrequenz in Ruhe, sichtbare Bauch- oder Flankenatmung, geblähte Nüstern sowie Nasenausfluss. Auch Atemgeräusche wie Pfeifen oder Giemen sind ernstzunehmende Warnsignale.
Als grober Richtwert gilt: Ein erwachsenes Pferd sollte in Ruhe zwischen acht und 16 Atemzüge pro Minute haben. Liegt die Frequenz darüber, solltest du genauer hinschauen.
Ursachen, warum dein Pferd hustet
Die Gründe für Husten sind vielfältig, lassen sich aber grob in vier Gruppen einteilen: Umweltfaktoren, Infektionen, chronisch-entzündliche oder allergische Erkrankungen sowie seltenere organische Ursachen.
Umweltfaktoren
In der Praxis sind Umweltfaktoren die häufigste Ursache. Staub aus Heu, Schimmelsporen in Einstreu oder Raufutter, Ammoniak aus schlecht gemisteten Boxen und mangelhafte Stallbelüftung belasten die Atemwege dauerhaft. Dabei ist wichtig zu wissen: Auch optisch sauberes Heu kann stark belastet sein, wenn es zu feucht eingelagert wurde. Schimmelsporen sind oft nicht sichtbar. Ein weiterer Punkt ist die Fütterungshöhe. Beim Fressen aus einer erhöhten Raufe ist die Staubbelastung deutlich höher, teilweise bis zum Fünffachen im Vergleich zur Fütterung am Boden.
Infektionen
Infektiöse Ursachen umfassen vor allem Viren und Bakterien. Die Pferdeinfluenza ist ein klassisches Beispiel: hohes Fieber, trockener Husten und Nasenausfluss, dazu eine hohe Ansteckungsgefahr. Auch Herpesviren spielen eine Rolle. EHV-1 und EHV-4 verursachen Atemwegserkrankungen, wobei EHV-1 zusätzlich Aborte bei tragenden Stuten und neurologische Symptome auslösen kann. Bakterielle Infektionen treten häufig als Folge einer Virusinfektion auf. Typisch sind eitriger Nasenausfluss und anhaltender Husten, zum Beispiel bei Infektionen mit Streptokokken oder Pasteurellen.
Chronisch-entzündliche und allergische Erkrankungen
Ein großer Bereich sind chronische Atemwegserkrankungen, die heute unter dem Begriff equines Asthma zusammengefasst werden. Man unterscheidet zwei Hauptformen: IAD, eine mildere Form, die häufig bei jüngeren Sportpferden vorkommt und RAO, die schwere chronische Variante, die vor allem ältere Pferde betrifft. Beide entstehen durch eine Überreaktion der Atemwege auf Staub, Schimmelsporen oder Pollen. Die Schleimhäute reagieren empfindlich, entzünden sich und produzieren vermehrt Schleim.
Seltenere Ursachen
Neben den häufigen Auslösern gibt es auch seltenere Gründe für Husten. Dazu gehören zum Beispiel Herzprobleme oder Fremdkörper in den Atemwegen. Diese spielen in der Praxis eine kleinere Rolle, sollten aber bei unklaren Verläufen mitgedacht werden.
Wann muss der Tierarzt kommen?
Die Grundregel ist einfach: Wenn dein Pferd länger als zwei bis drei Tage hustet oder zusätzliche Symptome zeigt, solltest du den Tierarzt dazuholen. Warte nicht darauf, dass sich der Husten von allein legt. Unbehandelte Atemwegsprobleme können sich zu chronischem equinem Asthma entwickeln, und ein Teil der verlorenen Lungenfunktion ist später nicht mehr rückgängig zu machen.
⚠️ Wichtig: Bei Fieber über 38,5 °C, blutigem Nasenausfluss, plötzlich starkem Husten mit Atemnot, deutlicher Flankenatmung, massivem Leistungseinbruch oder Bewegungsstörungen musst du sofort den Tierarzt rufen. Das gilt besonders bei Verdacht auf EHV-1, Influenza oder eine bakterielle Lungenentzündung.
Was der Tierarzt untersucht
Die tierärztliche Abklärung beginnt mit einer gründlichen Allgemeinuntersuchung. Dazu gehören Fiebermessen, das Abhören der Lunge und je nach Befund weitere Schritte.
Bei Bedarf folgen ein Belastungs-EKG, Blutuntersuchungen auf Entzündungswerte und Antikörper oder bei Verdacht auf chronische Atemwegserkrankungen eine Endoskopie der Atemwege. Dabei wird häufig eine bronchoalveoläre Lavage durchgeführt, um Zellen und Sekret aus den unteren Atemwegen zu untersuchen. Wenn der Verdacht auf EHV-1 besteht, wird zusätzlich ein Nasentupfer oder eine Blutprobe entnommen und per PCR im Labor analysiert.
EHV-1: Besonderes Augenmerk
EHV-1 ist nicht nur medizinisch relevant, sondern auch rechtlich. Sobald ein neurologischer Verlauf auftritt, besteht in Österreich Meldepflicht nach dem Tierseuchengesetz und in Deutschland nach der Pferdeseuchenverordnung.
In solchen Fällen kann ein kompletter Stall unter Quarantäne gestellt werden. Wenn neben Atemwegssymptomen auch neurologische Auffälligkeiten auftreten, etwa Gleichgewichtsstörungen oder Lähmungserscheinungen an Hinterhand oder Schweif, musst du sofort handeln. Vermeide jeden Kontakt zu anderen Pferden und ziehe umgehend den Tierarzt hinzu.
Futterstrategie für die Bronchien
Die Fütterung spielt bei Atemwegsproblemen eine wichtige Rolle, ersetzt aber nie die tierärztliche Behandlung. In der Praxis haben sich drei Schwerpunkte bewährt: möglichst wenig Staub, geeignete Heu-Alternativen und gezielte Unterstützung durch Kräuter.
Staub reduzieren: Der wichtigste Hebel
Bei hustenden Pferden ist staubfreies Futter entscheidend. Am effektivsten ist bedampftes Heu. Beim Bedampfen über 60 bis 90 Minuten bei etwa 100 °C werden Schimmelsporen und Milben zuverlässig reduziert, ohne größere Nährstoffverluste. Wässern ist eine Alternative. Dabei wird das Heu mindestens zehn Minuten, maximal etwa 30 Minuten eingeweicht und anschließend direkt verfüttert. Staub wird gebunden, allerdings gehen auch wasserlösliche Nährstoffe teilweise verloren. Bei stärker betroffenen Pferden kann Heusilage eine gute Option sein, da sie von Natur aus sehr staubarm ist.
Haltung und Fütterung anpassen
Auch die Art der Fütterung macht einen Unterschied. Fressen in Bodennähe unterstützt den natürlichen Abfluss von Sekret aus den Atemwegen. Hoch angebrachte Raufen sind für empfindliche Pferde weniger geeignet. Die Einstreu sollte staubarm sein. Gut geeignet sind zum Beispiel Holzspäne, Strohpellets, Hanf oder Leinstroh. Zusätzlich sollte die Box mehrmals täglich gemistet werden, um Ammoniakbelastung zu vermeiden.
Unterstützung mit Kräutern
Ergänzend können Kräuter die Atemwege unterstützen. Entscheidend ist die Qualität der Rohstoffe.
Eibischwurzel bildet eine schützende Schleimschicht auf gereizten Schleimhäuten. Thymian enthält ätherische Öle, die traditionell bei Bronchialproblemen eingesetzt werden. Spitzwegerich kann reizlindernd wirken, und Isländisches Moos liefert schleimhautschonende Polysaccharide. Diese Kombination findest du in Bronchicalma von SanoVet. Das Produkt wird zur Akutunterstützung eingesetzt, typischerweise als Kur über drei bis fünf Tage. Die Dosierung erfolgt über Sachets mit jeweils 40 Gramm und wird begleitend zur tierärztlichen Behandlung gefüttert. Wichtig bleibt: Auch hier gilt, Ergänzungsfutter unterstützt, ersetzt aber keine Diagnose und keine Therapie.
Stallhaltung und Heuqualität als Prävention
Bei Atemwegserkrankungen ist Vorbeugung oft wirksamer als jede Behandlung im Nachhinein. Wenn du die Haltungsbedingungen passend gestaltest, kannst du das Risiko für chronische Probleme wie equines Asthma deutlich senken. Entscheidend sind vor allem Heuqualität, Stallklima und ausreichend Bewegung.
Heuqualität richtig einschätzen
Gutes Heu erkennst du an mehreren Merkmalen: Es hat eine grünlich bis leicht bräunliche Farbe, riecht angenehm aromatisch und zeigt eine strukturreiche Mischung aus Gräsern und Blüten. Beim Aufschütteln sollte keine Staubwolke entstehen.
Schlechtes Heu fällt dagegen schnell auf. Es riecht muffig oder säuerlich, ist stark verfärbt, etwa grau, schwarz oder sehr dunkelbraun, staubt deutlich und kann sichtbare Schimmelstellen enthalten. Wenn du unsicher bist, lohnt sich eine Heuanalyse. Landwirtschaftliche Untersuchungsstellen in Österreich und Deutschland bieten solche Tests an, meist im Bereich von etwa 40 bis 80 Euro.
Stallklima im Blick behalten
Das Stallklima wird vor allem durch Luftaustausch, Temperatur und Luftfeuchtigkeit bestimmt. Eine gute Belüftung ist entscheidend, allerdings ohne Zugluft. Offenställe oder gut geplante Boxen mit ausreichender Fensterlüftung erfüllen diese Anforderungen meist problemlos. Enge, schlecht belüftete Innenboxen sind dagegen oft kritisch. Im Winter sollte die Stalltemperatur möglichst nicht über etwa 10 °C liegen. Wärmere Luft begünstigt die Entwicklung von Keimen und erhöht die Staubbelastung.
Bewegung als natürlicher Atemwegsschutz
Regelmäßige Bewegung an frischer Luft ist einer der wichtigsten Faktoren für gesunde Atemwege. Paddockhaltung oder mehrere Stunden Weidegang pro Tag reduzieren die Staubbelastung deutlich und unterstützen die Selbstreinigung der Atemwege. Zusätzlich wird die Atemmuskulatur trainiert und Schleim kann besser abtransportiert werden. An heißen Sommertagen mit hoher Ozonbelastung solltest du die Arbeit in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen.
Unterstützung des Immunsystems
In Phasen mit erhöhter Belastung, etwa im Fellwechsel, nach Infektionen oder bei bekannten Atemwegsthemen, kann eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein. Horse Vital Plus von SanoVet kombiniert Sanddorn, Nukleotide und ausgewählte Kräuter zur Unterstützung des Immunsystems. Typischerweise wird es im Frühjahrs- und Herbstfellwechsel als Kur über mehrere Wochen gefüttert. Die empfohlene Tagesmenge liegt bei 40 Gramm.
Turnierpferd und Doping-Bestimmungen
Wenn du dein Pferd im FN- oder FEI-Bereich startest und Atemwegsprodukte fütterst, musst du die Absetzfristen genau beachten. Kräuterprodukte gelten nach FEI-Richtlinien meist nicht als Doping, können aber im FN-System eine Karenzzeit haben. Bei SanoVet betrifft das Bronchicalma sowie Horse Vital Plus. Für beide gilt eine Absetzfrist von 48 Stunden vor dem Start.
Wenn du im internationalen Sport unterwegs bist oder ein Kaderpferd betreust, solltest du zusätzlich die aktuellen FEI-Listen und die FN-Regeln zur Anti-Doping- und Medikamentenkontrolle im Blick behalten. Ein praktischer Ansatz ist, Kräuterkuren außerhalb der Turniersaison zu planen oder mit ausreichend zeitlichem Abstand zum nächsten Start. Bei akuten Atemwegsproblemen gehört dein Pferd ohnehin nicht aufs Turnier, sondern in tierärztliche Behandlung.
Produkt-Empfehlung für hustende Pferde
Bronchicalma (40 g Sachet)
Zur kurzfristigen Unterstützung der Atemwege. Enthält Eibischwurzel, Thymian, Spitzwegerich und Isländisches Moos in geprüfter Qualität. Wird typischerweise über drei bis fünf Tage als Kur eingesetzt, begleitend zur tierärztlichen Therapie. Absetzfrist im Turniersport: 48 Stunden.
Horse Vital Plus (40 g)
Zur Unterstützung des Immunsystems, zum Beispiel im Fellwechsel, nach Infektionen oder in intensiven Belastungsphasen. Enthält Sanddorn, Nukleotide und eine abgestimmte Kräuterkombination. Wird über mehrere Wochen gefüttert. Ebenfalls mit 48 Stunden Absetzfrist vor Turnieren.
Beide Produkte sind als Ergänzung gedacht. Sie unterstützen die Fütterung, ersetzen aber weder eine Diagnose noch eine tierärztliche Behandlung.