West-Nil-Virus beim Pferd: Risiko in Österreich, Symptome, Impfung
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Das West-Nil-Virus beim Pferd ist eine von Stechmücken übertragene Infektion, die in den meisten Fällen unbemerkt bleibt, bei einem Teil der Tiere aber Gehirn und Rückenmark angreift. In Österreich hat die AGES im Jahr 2026 bisher vier Pferde mit Nachweis registriert, in Deutschland bestätigte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bis Anfang September zwei Fälle.
Das Virus kommt ursprünglich aus Afrika und hat sich über Zugvögel in Europa festgesetzt. Seit einigen Jahren überwintert es auch in Mitteleuropa in Mücken und Vögeln. Für dich als Halter heißt das: Das Risiko schwankt stark von Jahr zu Jahr, verschwindet aber nicht mehr. Eine Impfung schützt zuverlässig vor der schweren Verlaufsform.
Das Wichtigste in Kürze
- Österreich 2026: vier Pferde mit West-Nil-Nachweis (Wien und Niederösterreich), Stand AGES 8. Oktober 2026.
- Deutschland 2026: zwei bestätigte Pferdefälle bis 3. September 2026 (FLI), nach 204 Fällen im Jahr 2024 und vier im Jahr 2025.
- Rund 90 Prozent der Infektionen verlaufen ohne Symptome, von den erkrankten Pferden stirbt laut AGES bis zu 40 Prozent.
- Die StIKo Vet zählt die West-Nil-Impfung zu den essenziellen Impfungen in betroffenen Gebieten. Grundimmunisierung mit zwei Dosen, danach jährlich auffrischen.
Wie gefährlich ist das West-Nil-Virus für mein Pferd?
Das West-Nil-Virus (WNV) gehört zu den Flaviviren, derselben Familie wie das FSME-Virus. Natürliche Wirte sind Vögel, laut AGES sind über 300 Vogelarten betroffen. Stechmücken der Gattung Culex (die gewöhnliche Hausmücke und ihre Verwandten) nehmen das Virus beim Blutsaugen an Vögeln auf und geben es weiter. Pferd und Mensch sind sogenannte Fehlwirte: Sie können erkranken, das Virus aber nicht an Mücken oder andere Tiere weitergeben. Dein Pferd steckt also weder andere Pferde im Stall noch dich an.
Bei der Mehrheit der Pferde bleibt die Infektion unbemerkt. Die AGES gibt an, dass etwa 90 Prozent der Fälle ohne Symptomatik verlaufen. Erkrankt ein Pferd aber mit Beteiligung des Nervensystems, endet das laut AGES in bis zu 40 Prozent der Fälle tödlich. Pferde, die überleben, brauchen oft Wochen bis Monate zur Erholung.
Eine Studie aus Ostdeutschland mit 940 Pferden fand 2020 bei 5,8 Prozent der Tiere Antikörper gegen das West-Nil-Virus, in Landkreisen mit früheren Fällen deutlich mehr. Als Risikofaktoren zeigten sich Ponyrassen, Haltung rund um die Uhr im Freien und ein Unterstand auf der Weide. Das passt zur Lebensweise der Mücken, die vor allem in der Dämmerung stechen.
Wie viele Fälle gibt es aktuell in Österreich?
Die AGES überwacht das West-Nil-Virus seit 2011 mit einem bundesweiten Programm, in dem Pferde auf Antikörper untersucht werden, dazu kommt ein Mücken-Monitoring an festen Standorten. Von Juni bis Ende November berichtet die AGES wöchentlich auf ihrer Website.
| Jahr | Pferde | Wildvögel | Menschen | Stand |
|---|---|---|---|---|
| 2026 | 4 (Wien 2, Bezirk Mistelbach 1, Bezirk St. Pölten-Land 1) | 13 (Wien, Niederösterreich, Burgenland) | 9 Meldungen, davon 8 im Inland erworben | AGES, 8.10.2026 |
| 2025 | Einzelfälle (Bezirk Baden, Bezirk Innsbruck-Land) | 2 | 1, importiert | AGES, 8.10.2026 |
Die Schwerpunkte liegen seit Jahren im Osten: Wien, das Wiener Umland in Niederösterreich und das Nordburgenland rund um den Neusiedler See. Dort gibt es viele Wasserflächen und Feuchtgebiete, in denen Mücken und Wasservögel gute Bedingungen finden. Ein Fall in Tirol im Jahr 2025 zeigt aber, dass das Virus auch im Westen auftauchen kann.
In Österreich ist eine Infektion von Pferden und Vögeln mit dem West-Nil-Virus nach dem EU-Tiergesundheitsrecht überwachungs- und meldepflichtig. Schon der Verdacht wird dem Amtstierarzt gemeldet, das übernimmt in der Regel dein Tierarzt.

Wie viele Fälle gibt es aktuell in Deutschland?
In Deutschland wurde das Virus 2018 erstmals bei Vögeln und Pferden nachgewiesen. Das FLI führt als nationales Referenzlabor alle bestätigten Fälle zusammen.
| Jahr | Pferde | Vögel | Stand |
|---|---|---|---|
| 2026 | 2 | 5 Wild- und Zoovögel | FLI, Daten bis 3.9.2026 |
| 2025 | 4 | 16 | Sächsisches Sozialministerium mit FLI-Daten, 9.3.2026 |
| 2024 | 204 | k. A. | Sächsisches Sozialministerium mit FLI-Daten, 9.3.2026 |
Im Rekordjahr 2024 waren vor allem Niedersachsen (68 Pferde), Brandenburg (57), Sachsen (17), Sachsen-Anhalt (zwölf) und Schleswig-Holstein (acht) betroffen. 2026 lagen die Nachweise bei Vögeln im Rhein-Neckar-Kreis, in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, also in Gebieten, die das FLI als bekannte Verbreitungsgebiete mit jährlich wiederkehrenden Infektionen beschreibt. Das FLI geht davon aus, dass das Virus auf zwei getrennten Wegen nach Deutschland gelangt ist.
Die niedrigen Zahlen der Jahre 2025 und 2026 sind kein Entwarnungssignal. Wie stark sich das Virus ausbreitet, hängt vor allem von warmen Sommern und der Zahl der Mücken ab. Die Infektion beim Pferd ist in Deutschland eine anzeigepflichtige Tierseuche, die aktuelle Karte findest du im Tierseuchen-Informationssystem (TSIS) des FLI.
Welche Symptome zeigt mein Pferd bei einer West-Nil-Infektion?
Die Anzeichen sind anfangs oft unspezifisch und erinnern an andere Infektionen. Erst die Kombination mit neurologischen Ausfällen macht das West-Nil-Virus wahrscheinlich. AGES und das österreichische Verbrauchergesundheitsportal nennen:
- Fieber beim Pferd, oft nur kurz
- Apathie, Schwäche, Fressunlust
- Muskelzittern, vor allem an Hals und Schulter
- Stolpern, unsicherer Gang, Schwäche in der Hinterhand
- Sehstörungen
- Lähmungen einzelner Körperteile
- Festliegen, Krämpfe, Koma
Der unsichere Gang heißt in der Fachsprache Ataxie beim Pferd und hat viele mögliche Ursachen, vom Rückenmarksschaden bis zur Herpesinfektion. Gerade die Abgrenzung zur neurologischen Form von EHV-1 beim Pferd ist wichtig, weil Herpes im Gegensatz zum West-Nil-Virus von Pferd zu Pferd ansteckt.
Sofort zum Tierarzt, wenn dein Pferd Fieber hat und gleichzeitig stolpert, zittert, schwankt oder sich nicht mehr sicher auf den Beinen hält. Liegt ein Pferd fest und kommt nicht hoch, ist das ein Notfall. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der tierärztliche Notdienst.

Wie stellt mein Tierarzt die Diagnose?
Die Diagnose stützt sich auf eine Blutprobe. Im Labor wird zunächst nach Antikörpern gegen Flaviviren gesucht, anschließend nach IgM-Antikörpern gegen das West-Nil-Virus, die auf eine frische Infektion hinweisen. Ein Neutralisationstest grenzt das West-Nil-Virus von verwandten Viren wie FSME und Usutu ab. In der ostdeutschen Studie reagierte nur rund die Hälfte der auffälligen Proben tatsächlich auf das West-Nil-Virus. Wichtig für die Auswertung ist, ob dein Pferd geimpft ist, denn auch die Impfung erzeugt Antikörper.
Eine Therapie, die gezielt gegen das Virus wirkt, gibt es nicht. Dein Tierarzt behandelt die Entzündung und die Folgen, etwa mit Infusionen, entzündungshemmenden Medikamenten und Hilfe beim Aufstehen. Schwer betroffene Pferde gehören in eine Klinik.
Welche Impfstoffe gegen das West-Nil-Virus sind zugelassen?
In der EU sind drei Impfstoffe für Pferde zentral zugelassen, die Zulassung gilt damit in Österreich und Deutschland gleichermaßen. In Österreich sind Impfstoffe seit 2011 verfügbar.
| Impfstoff | Hersteller | Art | Grundimmunisierung | Auffrischung |
|---|---|---|---|---|
| Equilis West Nile | MSD Tiergesundheit | inaktivierter Impfstoff (Chimäre aus Gelbfieber- und West-Nil-Virus) | ab 6 Monaten, 2 Dosen im Abstand von 3 bis 5 Wochen | jährlich |
| Proteq West Nile | Boehringer Ingelheim | Lebendimpfstoff auf Kanarienpockenvirus-Basis | ab 5 Monaten, 2 Dosen im Abstand von 4 bis 6 Wochen | jährlich |
| Equip WNV | Zoetis | inaktiviertes West-Nil-Virus | laut Fachinformation | jährlich |
Equip WNV ist laut EU-Arzneimitteldatenbank derzeit weder in Österreich noch in Deutschland im Handel, in der Praxis kommen hier die ersten beiden Impfstoffe zum Einsatz. Welchen Impfstoff dein Tierarzt nimmt, hängt auch von der Verfügbarkeit ab. Bleib bei der Grundimmunisierung beim selben Präparat.
Der Impfschutz baut sich erst nach der zweiten Dosis vollständig auf, laut AGES zwei bis drei Wochen danach. Wer im Frühjahr startet, muss also rund zwei Monate einplanen. Mögliche Nebenwirkungen laut Fachinformationen sind vorübergehende Schwellungen an der Einstichstelle, leichtes Fieber und Mattigkeit für ein bis zwei Tage. Bei einem jungen Pferd lässt sich die Impfung in den normalen Plan einbauen, wie bei Fohlen impfen beschrieben.

Was empfiehlt die StIKo Vet zur West-Nil-Impfung?
Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am FLI gibt in Deutschland die fachlichen Impfempfehlungen heraus. In ihrer Leitlinie zur Impfung von Pferden (5. Auflage, 2025) stuft sie die Impfungen gegen Tetanus und das West-Nil-Virus als essenziell ein, um das einzelne Pferd vor der Erkrankung zu schützen. Sie empfiehlt ausdrücklich die Impfung von Pferden in betroffenen Gebieten. Das betrifft auch Pferde, die nur vorübergehend dort stehen, etwa bei Turnieren oder im Urlaub.
Zeitlich gilt: Grundimmunisierung oder Auffrischung sollen zu Beginn der Mückensaison abgeschlossen sein. Sachsen nennt dafür Ende Mai. Einige Tierseuchenkassen, etwa in Sachsen, zahlen einen Zuschuss zur Impfung, frag dort nach.
In Österreich gibt es keine eigene staatliche Impfkommission für Tiere. Die AGES und das Gesundheitsministerium verweisen auf die verfügbaren Impfstoffe und ihren wirksamen Schutz. Für Pferde in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland ist die Impfung nach der aktuellen Fallverteilung besonders sinnvoll, ebenso für Pferde, die zu Turnieren oder in den Urlaub nach Südeuropa reisen.
Wie schütze ich mein Pferd zusätzlich vor Mücken?
Die Impfung ist der wichtigste Schutz, Mückenschutz senkt aber zusätzlich das Risiko. Culex-Mücken stechen vor allem in der Dämmerung und nachts. Hilfreich sind:
- Pferde in der Dämmerung aufstallen, wenn das machbar ist
- stehendes Wasser in Eimern, alten Reifen oder Planen beseitigen
- Tränken regelmäßig reinigen und frisch füllen
- Fliegendecken und Insektenschutzmittel für Pferde verwenden
- Ventilatoren im Stall, weil Mücken bei Luftbewegung schlecht fliegen
Viele dieser Maßnahmen helfen auch gegen das Sommerekzem beim Pferd, das durch Kriebelmücken und Gnitzen ausgelöst wird.
Was kostet die West-Nil-Impfung beim Pferd?
In Deutschland rechnet dein Tierarzt nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT vom 15. August 2022, Stand der Fassung vom 15. März 2023) ab. Für eine Impfung fallen typischerweise diese Positionen an, jeweils im einfachen Satz. Je nach Aufwand darf der Tierarzt bis zum dreifachen Satz berechnen.
| GOT-Nummer | Leistung | einfacher Satz |
|---|---|---|
| 4 | Allgemeine Untersuchung mit Beratung, Pferd | 30,78 Euro |
| 212 | Injektion intramuskulär, Pferd | 11,50 Euro |
| 87 | Impfbescheinigung | 6,16 Euro |
| § 10 | Wegegeld je Doppelkilometer (mindestens 13 Euro) | 3,50 Euro |
Dazu kommen der Impfstoff selbst und die Mehrwertsteuer. Für die Grundimmunisierung brauchst du zwei Termine, danach einen pro Jahr. Viele Ställe organisieren Sammeltermine, dann teilen sich die Pferdehalter das Wegegeld.
In Österreich gibt es keine verbindliche Gebührenordnung, die Preise legt jede Praxis selbst fest. Frag vor dem Termin nach einem Kostenvoranschlag mit diesen Punkten: Untersuchung vor der Impfung, Preis je Impfdosis, Eintrag in den Equidenpass, Anfahrt und ein möglicher Rabatt bei mehreren Pferden im Stall. Passende Pferdepraxen in deiner Nähe findest du in der Tierarztsuche.
Ob deine Versicherung die Impfung übernimmt, hängt vom Tarif ab. Reine OP-Tarife zahlen Vorsorge in der Regel nicht, manche Krankenvollschutz-Tarife enthalten ein Budget dafür. Einen Überblick gibt der Pferdeversicherung Vergleich.
Häufige Fragen
Quellen
AGES: West Nil Virus, Fallzahlen Österreich 2025 und 2026, Stand 8.10.2026. https://www.ages.at/mensch/krankheit/krankheitserreger-von-a-bis-z/west-nil-virus
Verbrauchergesundheit.gv.at (BMSGPK): West Nil Virus (WNV), letzte Aktualisierung 8.9.2026. https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/tiere/tierkrankheiten/West-Nil-Virus–WNV-.html
Friedrich-Loeffler-Institut: The West Nile virus has shown only moderate activity so far this year, 4.9.2026. https://www.fli.de/en/news/short-messages/short-message/the-west-nile-virus-has-shown-only-moderate-activity-so-far-this-year/
Sächsisches Staatsministerium für Soziales: West-Nil-Virus, Ständige Impfkommission Veterinärmedizin empfiehlt Impfung für Pferde, 9.3.2026. https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/1095539
Europäische Kommission, Union Product Database: Equilis West Nile, Proteq West Nile, Equip WNV. https://medicines.health.europa.eu/veterinary/
Tierärztegebührenordnung (GOT) vom 15.8.2022, geändert am 15.3.2023. https://www.gesetze-im-internet.de/got_2022/
Hol dir deinen persönlichen Bereich mit gespeicherten Beiträgen, Empfehlungen und Tierarzt-Terminen.
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