Lipizzaner: Rasseporträt mit Geschichte, Charakter und Haltung
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Der Lipizzaner ist eine barocke Pferderasse aus dem ehemaligen Hofgestüt Lipica im heutigen Slowenien und weltweit bekannt durch die Spanische Hofreitschule in Wien. Die Spanische Hofreitschule bezeichnet ihn als älteste Kulturpferderasse Europas. Typisch sind der kräftige, rechteckige Körper, die hohe Knieaktion und die weiße Farbe, die sich erst im Lauf der Jahre zeigt: Lipizzaner kommen dunkel zur Welt.
Heute wird die Rasse in vielen Ländern Europas gezüchtet. Das Ursprungszuchtbuch führt das Lipizzanergestüt Piber in der Steiermark. Weil die meisten Lipizzaner Schimmel sind, betrifft sie ein bekanntes Gesundheitsthema besonders: Melanome, also Tumoren aus Pigmentzellen, die bei älteren Schimmeln sehr häufig auftreten.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Lipizzaner stammt aus dem 1580 gegründeten Hofgestüt Lipica, seit 1920 ist Piber in der Steiermark das Nachfolgegestüt in Österreich.
- Das bevorzugte Stockmaß liegt laut Ursprungszuchtbuch bei 153 bis 158 Zentimetern, mehr als 90 Prozent der Lipizzaner sind Schimmel.
- In einer Studie mit 296 Lipizzaner-Schimmeln hatte die Hälfte Melanome, am häufigsten unter dem Schweif. Regelmäßige Kontrolle gehört zur Haltung.
- Lipizzaner gelten als spätreif und langlebig. Die Hengste der Spanischen Hofreitschule gehen mit 25 bis 30 Jahren in Pension.
Welche Eckdaten zum Lipizzaner sollte ich kennen?
| Merkmal | Lipizzaner |
|---|---|
| Herkunft | Hofgestüt Lipica (heute Slowenien), Nachfolgegestüt Piber (Steiermark, Österreich) |
| Stockmaß (bevorzugt) | 153–158 cm |
| Farben | alle Farben zugelassen, über 90 % Schimmel, selten Braune und Rappen |
| Gewicht | im Zuchtprogramm nicht festgelegt |
| Lebenserwartung | laut Gestüt Piber überdurchschnittlich langlebig, Ruhestand mit 25 bis 30 Jahren |
| Ursprungszuchtbuch | Spanische Hofreitschule und Lipizzanergestüt Piber |
| Zuchtverbände | Verband der Lipizzanerzüchter in Österreich; in Deutschland Filialzuchtbuch beim Rheinischen Pferdestammbuch |
| Hengststämme | acht anerkannte Stämme, in Piber wird mit sechs gezüchtet |
| Verwendung | klassische Reitkunst, Dressur, Gespannfahren, Freizeit |
Was sollte ich über die Geschichte des Lipizzaners wissen?
Die Geschichte des Lipizzaners ist eng mit dem Haus Habsburg verbunden. Laut Spanischer Hofreitschule gründete Erzherzog Karl II. von Innerösterreich im Jahr 1580 das Hofgestüt am Karst beim Dorf Lipica, das damals zu Österreich gehörte und heute in Slowenien liegt. Er bestückte es mit Pferden aus Spanien. In den folgenden Jahrhunderten züchteten die Habsburger daraus eine Rasse, die den Anforderungen der klassischen Reitkunst ideal entsprach. Bis 1780 hießen die Pferde „Spanische Karster“, erst danach Lipizzaner.
Die Spanische Hofreitschule in Wien wird in einem Dokument vom 20. September 1565 zum ersten Mal erwähnt. Ab dem Bau der Winterreitschule, die 1735 fertiggestellt wurde, ritt man dort fast ausschließlich Hengste aus Lipica. Der Name der Schule erinnert an die spanische Herkunft der Pferde.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Herde zwischen Österreich und Italien aufgeteilt. Österreich erhielt 97 der 241 Lipizzaner, die in Laxenburg bei Wien und im Gestüt Kladrub standen. Sie kamen 1920 nach Piber in der Weststeiermark, das seither das Nachfolgegestüt des kaiserlichen Hofgestüts ist. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Pferde nach Hostau im Böhmerwald gebracht, erst 1952 kehrten sie in die Steiermark zurück. Seit 2001 bilden die Spanische Hofreitschule und das Gestüt Piber eine gemeinsame Gesellschaft öffentlichen Rechts im Eigentum des Bundes. Die Lipizzanerzucht ist seit 2016 nationales und seit 2022 in einer multinationalen Einreichung immaterielles Kulturerbe der Menschheit der UNESCO.

Wer züchtet Lipizzaner in Österreich und Deutschland?
Das Zuchtbuch über den Ursprung der Rasse führt das Bundesgestüt Piber in Köflach. Es legt fest, welche Hengststämme und Stutenfamilien anerkannt sind. Neue Linien werden nicht mehr aufgenommen. Anerkannt sind acht Hengststämme: Pluto, Conversano, Maestoso, Favory, Neapolitano, Tulipan, Incitato und Siglavy. In Piber selbst wird mit sechs Hengstlinien und allen 17 klassischen Stutenfamilien gezüchtet, laut Gestüt als einziges Gestüt weltweit.
In Österreich gibt es neben Piber private Züchter, die im Verband der Lipizzanerzüchter in Österreich organisiert sind. Der Verband führt ein Filialzuchtbuch nach den Grundsätzen des Ursprungszuchtbuchs. In Deutschland führt das Rheinische Pferdestammbuch ein Filialzuchtbuch für Lipizzaner, die gemeldete Population ist dort aber sehr klein. Gestüte mit Lipizzanern gibt es außerdem in Slowenien, Ungarn, Kroatien, Italien und weiteren Ländern. Weitere Rassen, deren Ursprungszuchtbuch in Österreich geführt wird, sind der Haflinger und der Noriker.
Der Name eines Lipizzaners verrät seine Abstammung. Nach der Tradition des Hofgestüts setzt sich der Name eines Hengstes aus dem Namen des Vaters und der Mutter zusammen, zum Beispiel Pluto Presciana. Stuten bekommen traditionelle Namen ihrer Stutenfamilie.
Wie sieht ein typischer Lipizzaner aus?
Zuchtziel ist laut Ursprungszuchtbuch der reinrassige Lipizzaner im Typ des barocken Prunkpferdes. Das Gesamtbild ist harmonisch, der Rahmen eher rechteckig als quadratisch. Das bevorzugte Stockmaß des ausgewachsenen Pferdes liegt zwischen 153 und 158 Zentimetern. Ein weiteres Pferd im barocken Typ ist der Friese.
Der Kopf ist ausdrucksvoll mit großen schwarzen Augen und gerader oder leicht konvexer Nasenlinie, fallweise mit Ramsnase. Der Hals ist hoch angesetzt und gebogen, der Rücken breit und muskulös, die Kruppe rund und kräftig. Die Beine sind relativ kurz, kräftig und trocken mit harten Hufen. Typisch ist die hohe Knieaktion, die den Paradeschritt so elegant macht.

Warum werden Lipizzaner dunkel geboren und erst später weiß?
Lipizzaner sind fast alle Schimmel. Schimmel kommen mit dunklem Fell zur Welt, meist braun oder schwarz, und verlieren über die Jahre die Pigmente im Haar. Dieses Ausschimmeln dauert beim Lipizzaner mehrere Jahre. Ursache ist eine Genvariante, die zu frühem Ergrauen der Haare führt und die eine schwedische Forschungsgruppe 2008 beschrieben hat. Dieselbe Variante erhöht das Risiko für Melanome.
Früher waren Lipizzaner bunt. Laut Spanischer Hofreitschule gab es im 18. Jahrhundert Braune, Füchse, Falben, Isabellen, Schecken und Rappen, aber keinen einzigen Schimmel. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts und im 19. Jahrhundert setzte sich die weiße Farbe durch, weil sie bevorzugt gezüchtet wurde. Heute sind alle Farben zugelassen, braune Lipizzaner sind aber selten. Zur Tradition der Spanischen Hofreitschule gehört es, dass mindestens ein brauner Hengst im Stall steht. Er gilt als Glücksbringer.
Welchen Charakter hat ein Lipizzaner?
Das Ursprungszuchtbuch nennt als Charakteristika Härte, Ausdauer, Temperament, Genügsamkeit, Gelehrigkeit, Gangfreudigkeit, Gehorsamkeit, Willigkeit und Gutmütigkeit. Das Gestüt Piber beschreibt Lipizzaner zusätzlich als hochsensibel, intelligent, menschenbezogen und mit außerordentlich gutem Gedächtnis.
Ein gutes Gedächtnis hat zwei Seiten. Lipizzaner lernen schnell, merken sich aber auch schlechte Erfahrungen. Für die Ausbildung heißt das: ruhig, geduldig und mit Belohnung arbeiten, keine Konflikte erzwingen. Der Ratgeber Vertrauen aufbauen zum Pferd zeigt Übungen, die auch bei sensiblen Pferden funktionieren.

Wofür ist ein Lipizzaner geeignet?
Gezüchtet wird der Lipizzaner als Parade- und Dressurpferd für die klassische Hohe Schule und als traditionelles Fahrpferd. In der Spanischen Hofreitschule kommen die Hengste mit etwa vier Jahren vom Gestüt Piber in das Trainingszentrum Heldenberg und nach Wien. Die Ausbildung durchläuft drei Stufen: Remontenschule, Campagneschule und Hohe Schule. Durchschnittlich dauert es sechs Jahre, bis ein Hengst in der Schulquadrille eingesetzt wird. Die Schulsprünge Levade, Courbette und Kapriole beherrschen nur wenige, besonders talentierte Hengste.
Außerhalb Wiens sind Lipizzaner gute Pferde für die klassische Dressur, für das Fahren im Gespann und für Freizeitreiter, die ein kompaktes, trittsicheres Pferd mit Ausstrahlung suchen. Weil sie spätreif sind, brauchen sie Zeit. Ein früher Ausbildungsbeginn mit hoher Belastung ist nicht sinnvoll. Für die Planung der ersten Jahre hilft der Ratgeber zur Bodenarbeit mit dem Jungpferd.
Wie halte und füttere ich einen Lipizzaner richtig?
Die Jungpferde aus Piber verbringen drei Sommer auf der Hochalm, um Gesundheit, Abhärtung und Trittsicherheit zu fördern. Das zeigt, was Lipizzaner brauchen: viel Bewegung, Herdenkontakt und Platz. Ein Offenstall oder eine Box mit täglichem Auslauf und Weidegang passen gut.
Lipizzaner gelten als genügsam. Grundlage der Fütterung ist ausreichend Heu, Kraftfutter nur nach Leistung. In leichter Arbeit kommen viele Lipizzaner mit Heu und Mineralfutter aus und neigen eher zu Übergewicht als zu Mangel. Wie du die Ration im Alter anpasst, steht im Ratgeber Alte Pferde richtig füttern.
Bei weißen Pferden lohnt sich etwas Extrapflege. Helles Fell zeigt Verschmutzungen sofort, und an Stellen mit rosa Haut, etwa am Maul, kann im Sommer Sonnenbrand entstehen. Für die Fellpflege eignet sich der Ratgeber Pferd waschen.
Welche Krankheiten sind beim Lipizzaner belegt?
Melanome beim Schimmel: Melanome sind Tumoren aus Pigmentzellen. Bei Schimmeln treten sie sehr häufig auf, meist ab einem Alter von fünf Jahren. Eine Wiener Studie untersuchte 296 Lipizzaner-Schimmel aus mehreren Gestüten. Die Hälfte der Pferde hatte Melanome in der Haut. Von den 68 Pferden über 15 Jahre waren 51 betroffen, also drei Viertel. In 75,6 Prozent der Fälle saßen die Tumoren unter dem Schweif. Keines der betroffenen Pferde war schwer krank oder in seiner Leistung eingeschränkt. Alter und Gestüt erklärten einen Teil der Unterschiede, die Erblichkeit war nachweisbar.
Die genetische Grundlage ist die Schimmel-Variante selbst. Eine Studie in Nature Genetics zeigte 2008, dass dieselbe Genveränderung, die das Ausschimmeln auslöst, auch die Anfälligkeit für Melanome erhöht. Wie stark die Tumoren wachsen, unterscheidet sich von Pferd zu Pferd.
Was du tun kannst: Kontrolliere Schweifunterseite, After, Scheide oder Schlauch, Lippen, Augenlider und Ohrspeicheldrüse regelmäßig auf Knoten. Halte neue oder wachsende Knoten in einem Foto mit Datum fest. Zeig jeden neuen Knoten deinem Tierarzt. Sofort zum Tierarzt solltest du, wenn ein Knoten aufbricht, blutet, sehr schnell wächst oder dein Pferd Probleme beim Kotabsatz, Kolik oder Fressprobleme zeigt. Dann können innere Melanome die Ursache sein. Hinweise zur Kolik findest du unter Kolik beim Pferd.
Altersbedingte Erkrankungen: Weil Lipizzaner lange leben und lange geritten werden, sind Erkrankungen des älteren Pferdes ein Thema, etwa Arthrose, Zahnprobleme und Cushing. Einen Überblick gibt der Ratgeber Pferdekrankheiten im Alter.
Wie alt wird ein Lipizzaner?
Das Gestüt Piber beschreibt Lipizzaner als spätreif und überdurchschnittlich langlebig, bis ins hohe Alter zur Zucht und zur Arbeit unter dem Sattel geeignet. Laut Spanischer Hofreitschule gehen Stuten und Hengste mit 25 bis 30 Jahren in den Ruhestand und verbringen ihn in einem eigenen Pensionistenstall in Piber. Eine Studie mit einer Durchschnittszahl zur Lebenserwartung gibt es nicht. Mehr zum Thema allgemein findest du im Ratgeber zur Lebenserwartung eines Pferdes.
Worauf achte ich beim Kauf eines Lipizzaners?
Lipizzaner kannst du direkt beim Gestüt Piber kaufen, das jedes Jahr Verkaufspferde anbietet: Pferde, die nicht für die Spanische Hofreitschule oder die Zucht ausgewählt wurden, rohe Jungpferde, angerittene oder eingefahrene Pferde und Zuchtpferde. Laut Gestüt werden alle Verkaufspferde regelmäßig geimpft und vor der Übergabe untersucht. Daneben verkaufen private Züchter in Österreich, Slowenien, Ungarn und anderen Ländern.
Vor dem Kauf solltest du diese Punkte klären:
- Abstammung: Ist das Pferd einem anerkannten Hengststamm und einer Stutenfamilie zugeordnet?
- Haut: Gibt es Knoten unter dem Schweif, am After oder an den Lippen?
- Bewegung und Rücken: Passen Ausbildung und Belastung zum Alter?
- Charakter: Wie reagiert das Pferd auf neue Situationen?
- Vorgeschichte: Liegen Unterlagen zu Impfungen, Entwurmung und früheren Befunden vor?
Lass das Pferd vor dem Kauf durch einen Tierarzt deiner Wahl untersuchen. Wie eine Ankaufsuntersuchung beim Pferd abläuft, steht dort. Bitte deinen Tierarzt, vorhandene Melanome zu dokumentieren. Eine Pferdepraxis in deiner Nähe findest du über die Tierarztsuche. Worauf du beim Pferdekauf außerdem achtest, bis hin zum Kaufvertrag, erklärt der Ratgeber Pferd kaufen.
Was kostet ein Lipizzaner?
Belegbare Durchschnittspreise für Lipizzaner gibt es nicht, weder für Österreich noch für Deutschland. Das Gestüt Piber veröffentlicht seine Verkaufspferde, nennt die Preise aber nur auf Anfrage. Der Preis hängt von Abstammung, Alter, Ausbildung, Geschlecht und Gesundheitsstatus ab.
Wenn du Angebote vergleichst, frage nach diesen Punkten: Zuchtbuchzugehörigkeit und Stutenfamilie, Ausbildungsstand mit Nachweisen, Ergebnis einer aktuellen Ankaufsuntersuchung, bekannte Melanome und ob Transport oder Ausrüstung im Preis enthalten sind.
Zum Kaufpreis kommen die laufenden Kosten für Stall, Futter, Hufschmied und Tierarzt. Einen Überblick gibt der Ratgeber Was kostet ein Pferd?. Gegen hohe Tierarztkosten, etwa bei der Operation eines Melanoms, schützt eine passende Pferdekrankenversicherung. Prüfe dabei, ob bereits bekannte Melanome vom Versicherungsschutz ausgeschlossen werden.
Häufige Fragen
Quellen
Spanische Hofreitschule – Bundesgestüt Piber: Zuchtbuch über den Ursprung der Rasse Lipizzaner, November 2010. https://www.pferdezucht-austria.at/download/zap/zuchtbuch/Ursprungszuchtbuch_Lipizzaner.pdf
Spanische Hofreitschule & Lipizzanergestüt Piber: Lipizzaner – Das Pferd. https://www.srs.at/de/lipizzaner
Spanische Hofreitschule & Lipizzanergestüt Piber: Geschichte der Spanischen Hofreitschule. https://www.srs.at/de/ueber-uns/geschichte
Spanische Hofreitschule & Lipizzanergestüt Piber: Pferdeverkauf. https://www.srs.at/de/lipizzaner/pferdeverkauf
Rheinisches Pferdestammbuch e.V.: Zuchtprogramm Lipizzaner. https://pferdezucht-rheinland.de/images/pdf/Zuchtprogramme/022025/Zuchtprogramm%20Lipizzaner.pdf
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