Shetlandpony: Rasseporträt mit Steckbrief, Haltung und Gesundheit
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Das Shetlandpony, liebevoll Shetty genannt, ist ein kleines, robustes Pony von den Shetland-Inseln im Norden Schottlands. Laut Zuchtbuch darf es höchstens 107 Zentimeter Stockmaß haben. Shettys gelten als klug und genügsam, das Zuchtziel nennt sogar Langlebigkeit als Rassemerkmal. In Österreich und Deutschland sind sie beliebte Kinderponys, Fahrponys und Begleiter für größere Pferde.
Die Genügsamkeit, die den Shetlandponys auf den kargen Inseln das Überleben gesichert hat, wird bei Haltung auf fetter Weide zum Problem. Shetlandponys gehören zu den Rassen mit dem höchsten Risiko für Equines Metabolisches Syndrom, Hufrehe und Hyperlipämie. Wer ein Shetty hält, braucht deshalb vor allem einen guten Plan für Fütterung und Bewegung.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Ursprungszuchtbuch führt die Shetland Pony Stud-Book Society in Schottland. Ein Shetlandpony darf höchstens 107 Zentimeter groß sein.
- In einer australischen Studie hatten 61 Prozent der untersuchten Shetland- und Welsh-Ponys eine Insulinstörung, den wichtigsten Risikofaktor für Hufrehe.
- Hyperlipämie ist eine lebensbedrohliche Fettstoffwechselentgleisung. Sie trifft vor allem übergewichtige, tragende Ponystuten, die plötzlich weniger fressen.
- Ein Shetty braucht Artgenossen, tägliche Bewegung und rationiertes Raufutter. Allein im Garten zu halten ist nicht tiergerecht.
Welche Eckdaten zum Shetlandpony sollte ich kennen?
| Merkmal | Shetlandpony |
|---|---|
| Herkunft | Shetland-Inseln, Schottland |
| Stockmaß | höchstens 107 cm (42 Inches), gemessen mit Stockmaß auf ebenem Boden |
| Farben | alle Farben außer Tigerscheckung |
| Gewicht | im Zuchtprogramm nicht festgelegt |
| Lebenserwartung | laut Zuchtziel langlebig, keine Studiendaten zum Durchschnitt |
| Ursprungszuchtbuch | Shetland Pony Stud-Book Society, Perth (Schottland) |
| Zuchtverbände Deutschland | Filialzuchtbücher bei FN-Mitgliedsverbänden, zum Beispiel Rheinisches Pferdestammbuch |
| Verwendung | Reit- und Fahrpony, Anfangspony für Kinder, Freizeit |
Woher kommt das Shetlandpony?
Die Shetland-Inseln liegen im Nordatlantik zwischen Schottland und Norwegen. Auf den windigen, kargen Inseln entstand über lange Zeit das kleine, sehr robuste Pony, das mit wenig Futter, Wind, Regen und Kälte zurechtkommt. Das Ursprungszuchtbuch führt heute die Shetland Pony Stud-Book Society mit Sitz in Perth. Sie legt die Rassebeschreibung fest, die auch in Deutschland gilt.
In Deutschland führen mehrere Mitgliedsverbände der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ein Filialzuchtbuch. Allein beim Rheinischen Pferdestammbuch waren zum 1. Jänner 2024 insgesamt 132 Stuten und 69 Hengste eingetragen. Neben dem Shetlandpony gibt es in Deutschland das Deutsche Part-Bred Shetland Pony, das ein eigenes Zuchtbuch hat. In diese Population sind früher auch Ponys mit amerikanischer oder unbekannter Abstammung eingeflossen. Seit dem Geburtsjahrgang 2005 können Nachkommen aus dem Part-Bred-Zuchtbuch nicht mehr als Shetlandpony eingetragen werden.
Auch in Österreich werden Shetlandponys gezüchtet und gehalten. Welcher Verband für dein Pony zuständig ist, steht im Equidenpass und in der Zuchtbescheinigung.

Wie sieht ein typisches Shetlandpony aus?
Die Rassebeschreibung der Shetland Pony Stud-Book Society verlangt einen kleinen, gut proportionierten Kopf mit breiter Stirn, großen, dunklen Augen und kleinen, aufgestellten Ohren. Der Körper ist kräftig mit breiter Brust und gut gewölbten Rippen, die Beine haben flache, kräftige Knochen und kurze Röhrbeine. Die Hufe sind hart und rund. Ein Shetty darf jede Farbe haben, nur Tiger, also getupfte Ponys, sind nicht zugelassen.
Auffällig ist das Fell. Im Winter tragen Shetlandponys ein doppeltes Fell mit Deckhaaren, die den Regen abweisen und die Haut auch bei schlechtem Wetter trocken halten. Im Sommer ist das Fell kurz und glänzend. Mähne und Schweif sind lang, glatt und sehr dicht. Laut Stud-Book Society ist das wichtigste Merkmal eines Shetlandponys seine Ausstrahlung von Lebenskraft, Ausdauer und Robustheit.
Bei der Größe gilt eine feste Grenze. Registrierte Shetlandponys dürfen nicht größer als 107 Zentimeter sein. Das Zuchtprogramm unterscheidet außerdem Ponys unter 87 Zentimetern, für die die Leistungsprüfung nicht verpflichtend ist. Diese sehr kleinen Shettys werden oft Mini-Shetlandponys genannt.
Welchen Charakter hat ein Shetlandpony?
Das Zuchtziel beschreibt das Shetlandpony als klug, genügsam, langlebig, fruchtbar und robust mit gutartigem Temperament. Viele Shettys sind mutig, neugierig und sehr selbstständig. Diese Klugheit hat eine Kehrseite: Ein Shetty merkt schnell, wie es an Futter kommt oder einer Aufgabe ausweicht.
Gerade weil Shettys klein sind, werden sie oft nicht konsequent erzogen. Ein Pony, das schiebt, beißt oder sich losreißt, ist für Kinder gefährlich. Gute Erziehung mit Belohnung und klaren Regeln ist bei einem kleinen Pony genauso wichtig wie bei einem großen Pferd. Hilfreiche Grundlagen zeigt der Ratgeber Kommunikation mit Pferden.

Ist ein Shetlandpony ein gutes Kinderpony?
Laut Zuchtziel wird ein kleines Reit- und Fahrpony gezüchtet, das besonders als Anfangspony für Kinder geeignet ist. Das heißt aber nicht, dass jedes Shetty für jedes Kind passt. Ein junges, unerfahrenes Pony und ein Kind, das erst reiten lernt, sind keine gute Kombination. Junge Ponys brauchen einige Jahre Ausbildung, bevor sie ein Kind sicher tragen. Kinder brauchen ein gut ausgebildetes, ruhiges Pony und immer einen Erwachsenen, der führt und aufpasst.
Für größere Kinder und erwachsene Reiter ist ein Shetlandpony wegen seiner Größe meist zu klein. Studien zum tragbaren Reitergewicht gibt es für Shettys nicht. Gut eignen sich Shettys dagegen zum Fahren vor einem kleinen Wagen. Dabei können auch Erwachsene mit dem Pony arbeiten. Bodenarbeit und Spaziergänge an der Hand sind eine gute Ergänzung, Ideen dafür findest du im Ratgeber Bodenarbeit mit dem Jungpferd. Für größere Kinder ist ein Haflinger oft die passendere Wahl, mehr dazu im Rasseporträt Haflinger.
Wie halte ich ein Shetlandpony richtig?
Shetlandponys sind Herdentiere. Sie brauchen Kontakt zu Artgenossen, tägliche Bewegung und einen Unterstand. Der Winter mit Kälte, Wind und Regen macht ihnen dank ihres Fells wenig aus, sofern sie trocken liegen können. Eine Decke brauchen gesunde Shettys mit Winterfell in der Regel nicht.
In Österreich gilt die 1. Tierhaltungsverordnung auch für Ponys. Für eine Einzelbox schreibt sie bei einem Stockmaß bis 120 Zentimeter mindestens sechs Quadratmeter vor. Bei freiem Auslauf muss die Fläche mindestens doppelt so groß sein wie für Einzelboxen. Die Anbindehaltung ist verboten, und Boxentrennwände müssen Sichtkontakt zu Artgenossen ermöglichen. Stacheldraht ist für Koppeln und Ausläufe verboten.
In Deutschland gibt es keine eigene Verordnung für Pferde. Die Behörden orientieren sich an den Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten des Bundeslandwirtschaftsministeriums (Juni 2009). Sie nennen für eine Einzelbox als Richtwert eine Fläche von zwei mal Widerristhöhe zum Quadrat und betonen, dass Pferde in Gruppen leben und Sozialkontakt brauchen. Gerichte haben gestützt auf diese Leitlinien die Einzelhaltung eines Pferdes ohne Kontakt zu Artgenossen als nicht artgerecht beurteilt.
Ein einzelnes Shetty im Garten ist deshalb keine gute Idee. Plane mindestens zwei Ponys oder einen Stall, in dem dein Shetty mit anderen Pferden zusammenleben kann. Ein kleiner, magerer Auslauf ist für ein Shetty oft besser als eine große, fette Wiese. Mehr zu Boxenmaßen findest du im Pferdebox-Ratgeber.

Wie füttere ich ein Shetlandpony?
Die Fütterung ist beim Shetty die wichtigste Stellschraube für die Gesundheit. Grundlage ist Raufutter, also Heu oder Heulage in einer Menge, die den Bedarf deckt, ohne dick zu machen. Kraftfutter braucht ein Shetty in der Freizeit fast nie. Ein Mineralfutter sichert die Versorgung mit Spurenelementen.
Die europäische Fachgesellschaft für Pferdeinnere Medizin (ECEIM) empfiehlt bei Ponys mit Insulinstörung eine Ration mit wenig Zucker und Stärke. Heu einzuweichen senkt nach ihrem Konsensuspapier den Anstieg von Blutzucker und Insulin nach dem Fressen. Weide mit viel Zucker im Gras verstärkt die Insulinstörung. Rationierte Weidezeiten, ein Paddock mit Heu und eine Fressbremse helfen, die Aufnahme zu begrenzen. Wichtig ist aber auch: Ein Pony darf nie hungern. Abnehmen soll es langsam, denn eine zu schnelle Gewichtsabnahme kann die Fettwerte im Blut gefährlich steigen lassen.
Weitere Hinweise zur passenden Ration stehen im Ratgeber Raufutter für Pferde, Tipps für den Start in die Weidesaison unter Pferd anweiden im Frühling.
Welche Krankheiten sind beim Shetlandpony belegt?
Equines Metabolisches Syndrom und Hufrehe: Beim Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) reagiert der Körper gestört auf Insulin. Die ECEIM nennt diese Insulinstörung als wichtigsten Risikofaktor für Hufrehe, also die schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut. Shetlandponys zählt sie ausdrücklich zu den gefährdeten Rassen, ebenso wie Esel und Minipferde. Sie beschreibt außerdem, dass Shetlandponys häufiger übergewichtig sind als Vollblüter.
Eine australische Studie testete 167 Shetland- und Welsh-Ponys. 61 Prozent hatten eine Insulinstörung. Das Risiko stieg mit dem Alter, mit einem dicken Mähnenkamm und wenn die Halter ihr Pony selbst als übergewichtig einschätzten. Mehr zur Erkrankung findest du unter Equines Metabolisches Syndrom.
Typische Warnzeichen für Hufrehe sind ein klammer, vorsichtiger Gang, häufiges Liegen, Gewichtsverlagerung auf die Hinterbeine und warme Hufe. Das ist ein Notfall, ruf sofort deinen Tierarzt. Alle Details stehen im Ratgeber Hufrehe beim Pferd.
Hyperlipämie: Bei der Hyperlipämie mobilisiert der Körper bei Energiemangel große Mengen Fett, das Blut ist mit Fett überladen, und Leber und Nieren werden geschädigt. Ponys sind dafür besonders anfällig, weil sie laut einer klassischen Übersicht deutlich weniger empfindlich auf Insulin reagieren als große Pferde. Am häufigsten betroffen sind übergewichtige Ponys in der späten Trächtigkeit, also kurz bevor das Fohlen kommt. Stress verstärkt die Entgleisung. Wer mit seiner Stute in die Zucht gehen will, sollte deshalb besonders auf Gewicht und Fressverhalten achten. In einer britischen Fallserie mit 18 Tieren waren elf Shetlandponys, die meisten Stuten und viele tragend. Zwei Drittel der Tiere starben.
Sofort zum Tierarzt musst du, wenn dein Shetty, vor allem eine tragende oder dicke Stute, weniger frisst oder das Futter ganz verweigert, matt wirkt oder sich absondert. Jede Futterverweigerung beim Pony ist ein Notfall. Den Notdienst in deiner Nähe findest du unter Notdienst.
Cushing im Alter: Viele Shettys werden alt. Mit dem Alter steigt das Risiko für Cushing (PPID), eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse, die ebenfalls Hufrehe auslösen kann. Langes, lockiges Fell, das im Frühjahr nicht ausfällt, ist ein typisches Zeichen. Mehr dazu unter Cushing beim Pferd.
Wie alt wird ein Shetlandpony?
Das Zuchtziel nennt Langlebigkeit ausdrücklich als Eigenschaft der Rasse. Eine Studie mit einer Durchschnittszahl zur Lebenserwartung gibt es aber nicht. In der australischen Studie lag das Alter der getesteten Ponys zwischen vier und 21 Jahren. Wie alt Pferde und Ponys allgemein werden, liest du im Ratgeber zur Lebenserwartung eines Pferdes.
Worauf achte ich beim Kauf eines Shetlandponys?
Shettys werden in Österreich und Deutschland häufig angeboten, von Züchtern, über Verbände und in Online-Anzeigen. Gerade bei günstigen Angeboten lohnt sich ein genauer Blick.
Diese Fragen solltest du vor dem Kauf stellen:
- Größe und Rasse: Ist das Pony als Shetlandpony oder als Deutsches Part-Bred Shetland Pony eingetragen?
- Gewicht und Körperzustand: Hat das Pony einen harten, dicken Mähnenkamm oder Fettpolster?
- Hufe: Gab es schon einmal Hufrehe? Gibt es Ringe oder Verformungen an den Hufen?
- Alter und Fell: Wirft ein älteres Pony sein Winterfell normal ab?
- Ausbildung: Ist das Pony an Kinder gewöhnt, lässt es sich führen, putzen und die Hufe geben?
- Haltung: Wo kann das Pony mit Artgenossen leben?
Lass vor dem Kauf eine Ankaufsuntersuchung beim Pferd machen und bitte deinen Tierarzt, bei Verdacht auf EMS oder Cushing Blutwerte zu bestimmen. Eine Praxis in deiner Nähe findest du über die Tierarztsuche. Worauf du beim Pferdekauf außerdem achtest, bis hin zum Kaufvertrag, erklärt der Ratgeber Pferd kaufen.
Wie teuer ist ein Shetlandpony?
Belegbare Durchschnittspreise für Shetlandponys gibt es weder für Österreich noch für Deutschland. Die Preise hängen von Alter, Ausbildung, Abstammung und Zuchtbuchstatus ab. Ein gut ausgebildetes, kinderfreundliches Pony ist meist teurer als ein Jungpony, aber für Familien die sicherere Wahl.
Achte beim Vergleich auf diese Punkte: Eintragung im Zuchtbuch, Ausbildungsstand mit Kindern, bekannte Vorerkrankungen wie Hufrehe, Ergebnis einer aktuellen Ankaufsuntersuchung und ob ein zweites Pony oder Ausrüstung dabei ist.
Die laufenden Kosten sind bei einem Shetty niedriger als bei einem großen Pferd, aber Hufschmied, Tierarzt, Impfungen, Entwurmung und Zahnkontrolle fallen genauso an. Einen Überblick gibt der Ratgeber Was kostet ein Pferd?. Auch für ein Pony ist eine Pferdehaftpflicht wichtig, denn als Halter haftest du in Österreich und Deutschland für Schäden, die dein Pony verursacht.
Häufige Fragen
Quellen
Rheinisches Pferdestammbuch e.V.: Zuchtprogramm für die Rasse des Shetland Ponys, mit Rassebeschreibung der Shetland Pony Stud-Book Society (Stand 06.10.2015), Population Stand 01.01.2024. https://www.pferdezucht-rheinland.de/images/pdf/Zuchtprogramme/022025/Zuchtprogramm%20Shetland%20Pony.pdf
1. Tierhaltungsverordnung Österreich, Anlage 1, Fassung vom 9.10.2026. https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20003820
Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten, Juni 2009.
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