Nährstoffmangel Pferd
Nährstoffmangel beim Pferd ist häufiger als viele denken. Selbst wenn dein Pferd gut aussieht, gut frisst und im Alltag unauffällig wirkt, können einzelne Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente oder Aminosäuren über Wochen und Monate unterversorgt sein. Folgen sind brüchige Hufe, stumpfes Fell, Muskelprobleme, Leistungsabfall, schlechte Wundheilung, Fertilitätsstörungen oder ein schwächelndes Immunsystem. Ein systematischer Blick auf die Ration verhindert genau diese schleichenden Schäden.
In diesem Ratgeber bekommst du einen praxisnahen Überblick über die häufigsten Nährstoffmängel beim Pferd, ihre typischen Symptome, sichere Diagnose und gezielte Strategien, um Mängel zu beheben oder von vornherein zu vermeiden. Wir gehen auf Risikogruppen, Heuanalysen und auf konkrete Empfehlungen für die Versorgungssituation in Deutschland und Österreich (AT) ein. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft und richtet sich an Halter:innen, die ihre Pferdefütterung evidenzbasiert optimieren wollen.
Symptome treten oft erst spät auf
Nährstoffmangel zeigt sich beim Pferd selten plötzlich. Die meisten Mängel entwickeln sich über drei bis sechs Monate, bis Hufe brüchig, Fell stumpf oder die Muskeln schwach werden. Wer einmal pro Jahr Bluttest und Heuprobe machen lässt, entdeckt Mängel, bevor sie zu echten Schäden führen.
Wie entsteht ein Nährstoffmangel beim Pferd?
Nährstoffmangel hat in der Regel mehrere Ursachen, die zusammenspielen. Die häufigste ist eine ungeprüfte Ration: Heu, Hafer und Mineralfutter werden über Jahre gleich gefüttert, ohne den Bedarf je auf Eiweiß, Energie, Vitamine, Mineralien oder Spurenelemente zu prüfen. Heu schwankt aber stark in seiner Nährstoffzusammensetzung. Spätschnitt liefert weniger Eiweiß und weniger Energie als Frühschnitt, Heu aus magerem Boden bringt deutlich weniger Spurenelemente als Heu aus düngeintensiver Landwirtschaft, und alte Heuvorräte verlieren bis zu sechzig Prozent ihrer Vitamine.
Eine zweite Ursache ist die Bodensituation in Deutschland und Österreich (AT). Weite Regionen sind selenarm, viele auch zinkarm. Pferde, deren komplette Ration von solchen Böden stammt, haben einen latenten Spurenelementmangel, der ohne Mineralfutter nicht aufzufangen ist. Hinzu kommen falsche Fütterungsstrategien wie zu wenig Heu, zu viel Stärke oder zu einseitige Krippenfuttermischungen. Schließlich erhöhen Lebensphasen wie Wachstum, Trächtigkeit, Laktation, Hochleistungssport oder hohes Alter den Bedarf an einzelnen Bausteinen, ohne dass die Standardration entsprechend angepasst wird.
Welche Nährstoffmängel treten am häufigsten auf?
Selen ist der Klassiker. In selenarmen Regionen Deutschlands und Österreichs sind viele Pferde latent unterversorgt. Folge sind Muskelverhärtungen, schlechte Belastbarkeit, Fertilitätsstörungen und in schweren Fällen die sogenannte White Muscle Disease bei Fohlen. Ein Bluttest bringt schnell Klarheit. Eine vertiefte Übersicht zur Spurenelementversorgung findest du im Ratgeber zu Mineralstoffen beim Pferd.
Vitamin E folgt direkt dahinter. Bei der Heuherstellung gehen bis zu siebzig Prozent des Vitamin-E-Gehalts verloren. Stallpferde im Winter ohne Frischgras sind die größte Risikogruppe. Symptome sind Muskelschwäche, schlechte Belastbarkeit und Bewegungsunlust. Eine vertiefte Übersicht findest du im Ratgeber zu Vitaminen für das Pferd.
Zink-, Kupfer- und Mangan-Mängel sind ebenfalls weit verbreitet, vor allem bei Pferden ohne bedarfsgerechtes Mineralfutter. Folgen sind brüchige Hufe, schuppiges Fell, Pigmentstörungen und schlechte Wundheilung. Magnesiummangel zeigt sich an Nervosität, Muskelzittern und Krampfneigung. Lysinmangel als wichtigste limitierende Aminosäure führt zu schlechter Muskelentwicklung trotz ausreichend Eiweiß, mehr dazu im Ratgeber zu Aminosäuren für Pferde.
Salzmangel ist im Sommer und bei Sportpferden häufig. Auch Vitamin-A-Mangel sieht man bei stallgebundenen Pferden im Winter, weil Heu nur einen Bruchteil des ursprünglichen Beta-Carotin-Gehalts liefert. Kalzium- und Phosphor-Imbalancen entstehen durch reine Hafer-Heu-Fütterung ohne Mineralergänzung.
Welche Symptome solltest du ernst nehmen?
Brüchige, rissige Hufe sind ein Klassiker und deuten auf Zink-, Biotin- oder Vitamin-A-Mangel hin. Stumpfes Fell, Pigmentveränderungen oder verzögerter Fellwechsel verweisen auf Kupfer-, Zink- oder Selenmangel. Muskelverhärtungen, schlechte Belastbarkeit und Leistungsabfall sind klassisch für Vitamin-E-/Selenmangel. Nervosität, Muskelzittern oder Krampfneigung deuten häufig auf Magnesium- oder Calciummangel hin.
Schlechte Wundheilung kann durch Vitamin-A-, Vitamin-C- oder Zinkmangel verursacht sein. Verminderte Fruchtbarkeit hängt häufig mit Vitamin-A-, Vitamin-E- oder Selenmangel zusammen. Häufige Infekte verweisen auf eine schwache Immunabwehr durch Vitamin-A-, Vitamin-E- oder Zinkmangel. Knochenstoffwechselstörungen sind ein typisches Zeichen für Vitamin-D-, Calcium- oder Phosphormangel. Diese Symptome sind keine Diagnosen, sondern Anlass zur Abklärung mit Bluttest und Rationscheck.
Wie wird ein Nährstoffmangel sicher diagnostiziert?
Die sicherste Diagnose entsteht durch eine Kombination aus tierärztlicher Anamnese, Bluttest und Rationsanalyse mit Heuprobe. Die Anamnese erfasst Symptome, Belastung, Lebensphase, Medikation und Fütterung. Der Bluttest bringt Klarheit zu Selen, Vitamin E, Zink, Kupfer, Eisen, Magnesium, Calcium und gegebenenfalls weiteren Parametern. Eine Heuanalyse zeigt die tatsächliche Nährstoffdichte des Grundfutters und ist die Basis jeder seriösen Rationsberechnung.
Die Kosten in Deutschland und Österreich (AT) liegen für eine Heuanalyse zwischen sechzig und einhundertzwanzig Euro, für einen umfassenden Mineralstoff-Bluttest zwischen sechzig und einhundertfünfzig Euro. Das ist eine sehr lohnende Investition, weil sie oft mehrere Hundert Euro an überflüssigen oder falsch dosierten Spezialpräparaten spart. Eine spezialisierte Praxis findest du über die Go4Vet-Tierarztsuche.
Welche Pferde sind besonders gefährdet?
Stallgebundene Pferde im Winter ohne Frischfutter sind die größte Risikogruppe für Vitamin-A-, Vitamin-D- und Vitamin-E-Mangel. Sportpferde haben einen erhöhten Bedarf an Selen, Vitamin E, Zink und Magnesium und sind ohne gezielte Ergänzung häufig unterversorgt. Trächtige und säugende Stuten brauchen deutlich mehr Calcium, Phosphor, Selen, Zink und Folsäure, weil das Fohlen über Plazenta und Milch mitversorgt wird.
Junge Pferde im Wachstum sind besonders anfällig für Calcium-, Phosphor-, Zink- und Kupfer-Mängel, die zu Wachstumsstörungen wie OCD führen können. Senioren verwerten Nährstoffe schlechter, oft kombiniert mit Zahnverlust und chronischen Darmproblemen. Sie brauchen besonders bioverfügbare Präparate, mehr dazu im Ratgeber zu alte Pferde richtig füttern.
Pferde nach Antibiotika-Therapie haben eine beeinträchtigte Darmflora und damit eine reduzierte Eigenproduktion von B-Vitaminen. Pferde mit chronischen Darmerkrankungen wie Diarrhoe oder Sandkoliken verlieren Mineralien und Vitamine vermehrt. Stoffwechselsensible Pferde mit EMS oder Cushing brauchen ein zucker- und stärkearmes Mineralfutter, um die Grundversorgung sicherzustellen, ohne den Stoffwechsel zu belasten.
Wie behebst du einen Nährstoffmangel gezielt?
Schritt eins ist immer die Rationsanalyse. Heuprobe, Krippenfutter, Mineralfutter, Salz, Öl und gegebenenfalls Spezialprodukte werden in einer Tabelle erfasst und gegen den Bedarf des Pferdes gerechnet. Schritt zwei ist der gezielte Ausgleich: Wer Selenmangel hat, braucht ein selenreiches Mineralfutter oder ein Spezialprodukt, immer mit Bluttest-Begleitung, weil Selen toxisch werden kann. Wer Vitamin-E-Mangel hat, bekommt ein Vitamin-E-Selen-Präparat in einer Tagesgabe von tausend bis zweitausend internationalen Einheiten.
Wer Zink- oder Kupfermangel hat, ergänzt am besten über organisch gebundene Spurenelemente, weil sie besser bioverfügbar sind. Wer Magnesiummangel hat, gibt zehn bis dreißig Gramm Magnesiumcitrat oder organisch gebundenes Magnesium pro Tag. Wer Lysinmangel hat, ergänzt über Sojaextraktionsschrot, Luzerne oder ein lysinverstärktes Müsli. Schritt drei ist die Kontrolle nach acht bis zwölf Wochen mit erneutem Bluttest und Beobachtung der klinischen Symptome.
Wichtig: Nicht wahllos drei oder vier Präparate parallel füttern. Das Risiko von Doppelversorgung mit Eisen, Mangan oder Selen ist real. Ein durchdachter Plan mit zwei oder maximal drei Komponenten plus Mineralfutter und Salzleckstein deckt fast alle Fälle ab.
Wie beugst du Mängeln langfristig vor?
Die beste Prävention ist eine durchdachte Grundration mit hochwertigem Heu, einem bedarfsgerechten Mineralfutter, einem Salzleckstein und ausreichend Wasser. Wer zusätzlich Krippenfutter füttert, sollte ein nachvollziehbar deklariertes Produkt mit klarer Aminosäuren- und Mineralangabe wählen, mehr dazu im Ratgeber zu Fütterungsempfehlung Pferd und im Überblick zu Raufutter für Pferde.
Saisonale Anpassungen lohnen sich. Im Winter brauchen viele Pferde mehr Vitamin E, Vitamin A und Vitamin D, im Sommer mehr Salz und Elektrolyte. Eine jährliche Rationsberechnung mit Heuprobe hält die Versorgung auf Kurs. Bei Lebensphasenwechseln (Wachstum, Trächtigkeit, Sport, Alter) sollte die Ration ohnehin angepasst werden, idealerweise mit tierärztlicher Beratung.
Wichtig ist auch eine sinnvolle Lagerung des Futters. Vitamine, vor allem Vitamin E und Vitamin A, sind oxidationsempfindlich. Mineralfutter und Spezialpräparate gehören in lichtgeschützte Verpackungen, Heu in eine trockene, gut belüftete Lagerhalle. Wer hier sauber arbeitet, schützt seine Investition und das Pferd.
Warum ist die Heuanalyse so wichtig?
Die meisten Nährstoffmängel beim Pferd entstehen, weil das Heu nicht das liefert, was die Halter:innen vermuten. Heu schwankt nach Schnittzeitpunkt, Düngung, Region und Lagerung in seiner Nährstoffdichte erheblich. Spätschnittheu hat oft deutlich weniger Eiweiß, Calcium und Spurenelemente als Frühschnitt. Heu von magerem Boden in selenarmen Regionen wie weiten Teilen Deutschlands und Österreichs liefert kaum Selen oder Zink. Heu nach mehreren Monaten Lagerung verliert bis zu sechzig Prozent seiner Vitamine.
Eine Heuanalyse schafft hier Klarheit. Für sechzig bis einhundertzwanzig Euro liefert ein zertifiziertes Labor in Deutschland oder Österreich (AT) ein vollständiges Bild über Energie, Rohprotein, Rohfaser, Calcium, Phosphor, Magnesium, Natrium, Kupfer, Zink, Selen, Mangan, Eisen und Zucker- bzw. Fruktanwerte. Auf dieser Basis lässt sich gezielt das passende Mineralfutter auswählen, statt blind teure Spezialprodukte einzukaufen. Eine Heuanalyse einmal pro Charge oder mindestens einmal pro Jahr ist eine sehr lohnende Investition.
Die Probenentnahme erfolgt über einen Heubohrer aus mehreren Ballen, damit ein repräsentatives Ergebnis entsteht. Eine einzelne Handvoll reicht nicht, weil Heu in seiner Zusammensetzung schon innerhalb desselben Ballens schwanken kann. Wer sich unsicher ist, lässt sich vom Hofbestand-Tierarzt oder einer Fütterungsberatung helfen.
Wann ist eine Kombination mehrerer Mängel typisch?
In der Praxis tritt ein Nährstoffmangel selten allein auf. Vitamin-E- und Selenmangel laufen oft zusammen, weil beide Bausteine im selben antioxidativen Schutzsystem arbeiten. Zink-, Kupfer- und Biotinmangel zeigen sich gemeinsam in brüchigen Hufen. Magnesium-, Vitamin-B-Komplex- und Lysinmangel führen oft kombiniert zu Nervosität und Muskelproblemen. Wer einen Mangel diagnostiziert bekommt, sollte daher immer auch verwandte Bausteine prüfen lassen.
Auch Wechselwirkungen mit Krankheiten sind häufig. Pferde mit chronischen Darmproblemen verlieren Mineralien und Vitamine vermehrt. Pferde mit EMS oder PPID brauchen ein zucker- und stärkearmes Mineralfutter, weil viele Standardprodukte über Melasse Zuckerlasten mitbringen. Pferde nach Antibiotika-Therapie haben eine geschwächte Darmflora, die die Eigenproduktion von B-Vitaminen reduziert. In solchen Fällen ist eine maßgeschneiderte Versorgung notwendig, eine Standardration reicht nicht.
Ein typisches Beispiel: Ein älteres Pferd mit beginnendem PPID, brüchigen Hufen, schlechtem Fellbild und Muskelabbau. Hier liegt häufig eine Kombination aus Vitamin-E-/Selenmangel, Zink-/Kupfermangel und Lysinmangel vor. Eine isolierte Vitamin-E-Gabe oder ein einzelnes Spezialprodukt reichen nicht. Erst eine systematische Diagnostik mit Bluttest und Heuprobe und ein darauf abgestimmter Plan aus Mineralfutter, Spezialprodukten und gegebenenfalls Medikation bringt das Pferd zurück in Balance.
Tierärztlicher Blick: Wann ist eine Ernährungsberatung Pflicht?
Eine professionelle Fütterungsberatung lohnt sich für jedes Pferd mindestens einmal pro Jahr, besonders bei Lebensphasenwechseln. Spätestens bei Symptomen wie Leistungsabfall, brüchigen Hufen, Muskelproblemen, Stoffwechselauffälligkeiten oder unklarem Gewichtsverlust solltest du tierärztlichen Rat einholen. Eine gute Praxis kombiniert Anamnese, Bluttest, Heuprobe und Rationsberechnung in einem schlüssigen Gesamtplan.
Die Investition liegt in Deutschland und Österreich (AT) zwischen einhundertfünfzig und vierhundert Euro pro Jahr und spart oft mehrfach diesen Betrag durch zielgerichtete statt willkürlicher Supplementierung. Über die Go4Vet-Tierarztsuche findest du Praxen mit pferdefachlicher Spezialisierung. Achte auf Praxen mit ausgewiesenem Schwerpunkt Pferdeernährung oder einer angeschlossenen Fütterungsberatung. Wer Symptome ignoriert oder nur mit teuren Präparaten überdeckt, verliert nicht nur Geld, sondern langfristig auch Substanz und Gesundheit des Pferdes.
Häufige Fragen zum Nährstoffmangel beim Pferd
Quellen
MSD Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses (2024) (letzter Zugriff: 4.5.2026)
Vetmeduni Wien: Pferdeklinik, Ernährungsmedizin (2024) (letzter Zugriff: 4.5.2026)
Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Fütterung und Gesundheit (2024) (letzter Zugriff: 4.5.2026)
PubMed: Reviews zu Equine Nutritional Deficiencies (2023) (letzter Zugriff: 4.5.2026)