HCM bei der Katze: Herzerkrankung erkennen und behandeln
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Die hypertrophe Kardiomyopathie, kurz HCM, ist die häufigste Herzerkrankung bei Katzen. Dabei verdickt sich der Herzmuskel der linken Herzkammer, die Kammer wird steifer und füllt sich schlechter mit Blut. Viele Katzen leben jahrelang unauffällig mit HCM, bei anderen führt sie zu Herzversagen, einem Blutgerinnsel in den Beinen oder plötzlichem Tod.
Das Tückische: Katzen zeigen lange keine Symptome. Oft fällt die Erkrankung erst bei einer Routineuntersuchung durch ein Herzgeräusch auf, oder wenn die Katze plötzlich schwer atmet. Hier erfährst du, welche Katzen ein erhöhtes Risiko haben, wie die Diagnose gestellt wird, welche Gentests es gibt und was die Diagnose für die Lebenserwartung bedeutet.
Das Wichtigste in Kürze
- In einer britischen Studie hatten 14,7 Prozent von 780 scheinbar gesunden Katzen eine HCM. Das Risiko steigt mit dem Alter, Kater sind häufiger betroffen.
- Die Diagnose stellt der Tierarzt mit dem Herzultraschall. Eine Herzwand ab sechs Millimetern gilt bei normal großen Katzen als verdickt.
- Für Maine Coon und Ragdoll gibt es Gentests. Ein negatives Ergebnis schließt HCM aber nicht aus.
- Schnelle Atmung in Ruhe, Atemnot und plötzliche Lähmung der Hinterbeine sind Notfälle.
Was ist HCM bei der Katze?
Bei der hypertrophen Kardiomyopathie verdickt sich die Wand der linken Herzkammer, ohne dass eine andere Ursache wie Bluthochdruck oder eine Schilddrüsenüberfunktion dahintersteckt. Hypertrophie heißt Vergrößerung durch Wachstum, Kardiomyopathie bedeutet Erkrankung des Herzmuskels. Die verdickte Kammer wird steif und kann sich in der Füllungsphase nicht mehr gut entspannen. Das Blut staut sich in den linken Vorhof zurück, der sich mit der Zeit vergrößert.
Bei manchen Katzen verengt der verdickte Herzmuskel zusätzlich den Ausflusstrakt der Kammer. Tierärzte sprechen dann von HOCM, der obstruktiven Form. In der großen REVEAL-Studie unterschieden sich HCM und HOCM aber nicht im Risiko für Komplikationen.
Wie häufig die Erkrankung ist, zeigt die CatScan-Studie von Payne und Kollegen (2015). Sie untersuchten 780 scheinbar gesunde Katzen aus Tierheimen mit dem Herzultraschall, Katzen mit Bluthochdruck oder Schilddrüsenüberfunktion wurden vorher ausgeschlossen. Bei 14,7 Prozent fand sich eine HCM, also bei fast jeder siebten Katze. Kater, ältere Katzen und Katzen mit höherem Körpergewicht hatten ein erhöhtes Risiko. Die feline HCM ist also keine seltene Krankheit von Rassekatzen, sondern betrifft auch die ganz normale Hauskatze.
Welche Katzenrassen haben ein erhöhtes HCM-Risiko?
Die Konsensus-Leitlinie des American College of Veterinary Internal Medicine (ACVIM) von 2020 nennt mehrere Rassen mit erhöhtem Risiko. Genaue Zahlen zur Häufigkeit fehlen für die meisten Rassekatzen allerdings. Zu den genannten Rassen gehören:
- Maine Coon
- Ragdoll
- Britisch Kurzhaar
- Perserkatze
- Bengalkatze
- Sphynx
- Norwegische Waldkatze
- Heilige Birma
Für zwei Rassen ist die genetische Ursache bekannt. Meurs und Kollegen beschrieben 2005 bei Maine Coons eine Mutation im Gen MYBPC3, das für ein Eiweiß im Herzmuskel codiert. Diese Variante heißt A31P. 2007 fand dieselbe Arbeitsgruppe bei Ragdolls eine andere Mutation im gleichen Gen, die Variante R820W. Beide Mutationen sind nach Angaben der Autoren unabhängig voneinander entstanden.

Was bringt ein Gentest auf HCM?
Die ACVIM-Leitlinie empfiehlt den Gentest ausdrücklich für Maine Coons und Ragdolls, die zur Zucht eingesetzt werden. Katzen, die die Mutation von beiden Eltern geerbt haben, sollten nicht zur Zucht verwendet werden. Katzen mit nur einer Kopie können nach der Leitlinie mit negativ getesteten Partnern verpaart werden, wenn sie andere herausragende Eigenschaften haben. Auch bei Liebhaberkatzen dieser beiden Rassen kann der Test helfen, das Risiko einzuschätzen.
Wichtig: Ein negativer Gentest bedeutet nicht, dass deine Katze keine HCM bekommen kann. Es gibt weitere, noch unbekannte genetische Ursachen. Deshalb rät die Leitlinie, Zuchtkatzen unabhängig vom Gentest mit dem Herzultraschall zu untersuchen. Für andere Rassen empfiehlt sie die Tests auf diese beiden Mutationen nicht, weil sie praktisch nur bei Maine Coon und Ragdoll vorkommen.
Wenn du eine Rassekatze kaufen willst, frag den Züchter nach dem Ergebnis des Gentests und nach aktuellen Herzultraschall-Befunden der Elterntiere. Ein seriöser Züchter kann dir beide Befunde zeigen.
Welche Symptome zeigen Katzen mit HCM?
Viele Katzen mit HCM zeigen lange gar keine Anzeichen. Die Leitlinie unterscheidet deshalb Stadien:
| Stadium | Bedeutung |
|---|---|
| A | Katze mit Veranlagung, etwa durch Rasse oder Gentest, aber ohne Herzveränderungen |
| B1 | HCM ohne Symptome, geringes Risiko für baldige Komplikationen |
| B2 | HCM ohne Symptome, erhöhtes Risiko, meist mit vergrößertem linkem Vorhof |
| C | Herzversagen oder Blutgerinnsel ist aufgetreten, auch wenn es behandelt wurde |
| D | Herzversagen, das auf die Behandlung nicht mehr anspricht |
Kommt es zum Herzversagen, sammelt sich Flüssigkeit in oder um die Lunge. Achte auf diese Symptome:
- schnelle oder angestrengte Atmung in Ruhe oder im Schlaf
- Atmen mit offenem Maul, das ist bei Katzen immer ein Notfall
- Müdigkeit, Rückzug, weniger Appetit
- plötzliche Lähmung oder Schmerzen in einem oder beiden Hinterbeinen, kalte Pfoten
- plötzliches Zusammenbrechen
Husten ist bei Katzen mit Herzversagen dagegen eher untypisch, er spricht häufiger für eine Atemwegserkrankung. Typisch ist er etwa beim Katzenasthma.
Atemnot oder eine plötzliche Lähmung der Hinterbeine sind Notfälle. Fahr sofort zum Tierarzt oder in den Notdienst. Was du auf dem Weg tun kannst, steht im Ratgeber Atemnot bei Katzen.

Was ist eine Aortenthrombose?
Bei der Aortenthrombose bildet sich im vergrößerten linken Vorhof ein Blutgerinnsel, das sich löst und mit dem Blutstrom in die Hauptschlagader gelangt. Meist bleibt es an der Stelle hängen, wo sich die Aorta in die Beinarterien teilt. Die Folge ist eine plötzliche, sehr schmerzhafte Lähmung der Hinterbeine. Die Pfoten werden kalt und blass, die Katze schreit oft vor Schmerz.
Laut ACVIM-Leitlinie ist die Lähmung das typische erste Anzeichen. Die Behandlung beginnt mit starker Schmerzbehandlung und Medikamenten gegen die Blutgerinnung. Die Prognose ist ernst. Viele Katzen werden in dieser Situation eingeschläfert, manche erholen sich aber. Für Katzen im Stadium B2 empfiehlt die Leitlinie deshalb vorbeugend Medikamente gegen Blutgerinnsel. Welche, und in welcher Dosierung, legt dein Tierarzt fest.
Wie wird HCM bei der Katze diagnostiziert?
Den ersten Hinweis gibt oft ein Herzgeräusch beim Abhören. Laut Leitlinie haben bis zu 80 Prozent der Katzen mit HCM ohne Symptome ein solches Geräusch, aber auch 30 bis 45 Prozent der gesunden Katzen. Ein Herzgeräusch ist also kein Beweis, sollte aber immer weiter abgeklärt werden. Ein Galopprhythmus, ein zusätzlicher dritter Herzton, ist seltener, aber auffälliger.
Die sichere Diagnose stellt der Tierarzt mit dem Herzultraschall, der Echokardiografie. Dabei werden die Dicke der Herzwand, die Größe des linken Vorhofs und die Funktion des Herzens vermessen. Bei normal großen Katzen gilt eine Wanddicke unter fünf Millimetern als normal, ab sechs Millimetern als verdickt. Werte dazwischen gelten als Grauzone und werden später kontrolliert. Ergänzend werden je nach Befund ein Röntgenbild der Lunge, ein EKG und Blutuntersuchungen durchgeführt. Frühe Veränderungen sicher zu erkennen, erfordert Erfahrung, deshalb überweisen viele Praxen an Tierärzte mit Zusatzqualifikation in Kardiologie.
Der Bluttest NT-proBNP misst ein Hormon, das bei Belastung des Herzens ausgeschüttet wird. Er hilft laut Leitlinie vor allem in der Notfallsituation zu unterscheiden, ob Atemnot vom Herzen oder von der Lunge kommt. Zur Früherkennung einer leichten HCM bei gesunden Katzen eignet er sich nicht, und ein normaler Wert schließt die Erkrankung nicht aus.
Wichtig ist auch der Ausschluss anderer Ursachen. Die Leitlinie empfiehlt, bei jeder Katze mit verdickter Herzwand den Blutdruck zu messen und bei Katzen ab sechs Jahren den Schilddrüsenwert. Beides kann den Herzmuskel ebenfalls verdicken. Mehr dazu im Ratgeber Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen.

Kann die Verdickung wieder verschwinden?
In seltenen Fällen ja. Novo Matos und Kollegen beschrieben 2018 eine vorübergehende Verdickung des Herzmuskels, auf Englisch Transient Myocardial Thickening (TMT). Sie betraf vor allem jüngere Katzen, häufig nach einem vorausgegangenen belastenden Ereignis. Bei allen 21 Katzen der Studie bildete sich die Verdickung innerhalb weniger Monate zurück, und die Herzmedikamente konnten bei 20 von ihnen abgesetzt werden. Ob eine echte HCM oder eine solche vorübergehende Form vorliegt, zeigt sich erst bei Kontrolluntersuchungen.
Wie wird HCM behandelt?
Eine Heilung gibt es nicht. Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium. Katzen im Stadium B1 brauchen meist keine Medikamente, aber regelmäßige Kontrollen. Im Stadium B2 kommen Medikamente gegen Blutgerinnsel hinzu. Im Herzversagen werden entwässernde Medikamente verwendet, die Flüssigkeit aus der Lunge holen, dazu je nach Befund weitere Herzmedikamente. Welche Medikamente infrage kommen und wie sie wirken, bespricht dein Tierarzt mit dir. Dosierungen gehören immer in tierärztliche Hand.
Zu Hause kannst du viel beitragen. Die Leitlinie empfiehlt Haltern von Katzen mit Herzerkrankung, die Atemzüge im Schlaf zu zählen. Das Ziel liegt unter 30 Atemzügen pro Minute. Zähle 30 Sekunden lang, wie oft sich der Brustkorb hebt, und verdopple den Wert. Steigt die Zahl wiederholt darüber, melde dich bei deiner Praxis. Viele Halter nutzen dafür eine Notiz im Handy oder eine App.
Taurin spielt bei HCM übrigens keine Rolle. Ein Taurinmangel kann bei Katzen eine andere Form der Herzerkrankung auslösen, die dilatative Kardiomyopathie mit erweiterter Herzkammer. Für sie empfiehlt die Leitlinie eine Futterkontrolle und gegebenenfalls Taurin. Warum das bei selbst zubereitetem Futter wichtig ist, erklärt der Beitrag Taurin für Katzen.
Wie lange lebt eine Katze mit HCM?
Das ist sehr unterschiedlich. Die ACVIM-Leitlinie betont, dass manche Katzen mit HCM eine normale Lebenserwartung haben. Die REVEAL-Studie von Fox und Kollegen (2018) begleitete 1.008 Katzen mit HCM ohne Symptome. Innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose hatten 19,9 Prozent ein Herzversagen entwickelt und 9,7 Prozent eine Thrombose. Nach zehn Jahren lag das Risiko, an der Herzerkrankung zu sterben, bei 28,3 Prozent. Umgekehrt heißt das: Viele Katzen sterben nicht an ihrer HCM.
Ist es aber einmal zu Herzversagen oder Thrombose gekommen, verschlechtert sich die Prognose deutlich. In der REVEAL-Studie lebten diese Katzen im Mittel nur noch etwa 1,3 Jahre. Entscheidend für die Prognose sind vor allem die Größe des linken Vorhofs und ob schon Komplikationen aufgetreten sind.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, eine Katze mit HCM einschläfern zu lassen?
Diese Entscheidung triffst du gemeinsam mit deinem Tierarzt. Gründe können Atemnot sein, die trotz Medikamenten immer wiederkommt, eine Thrombose mit starken Schmerzen und schlechten Aussichten oder eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität. Hilfe bei dieser schweren Frage bietet der Ratgeber Katze einschläfern.
Was kostet die Herzuntersuchung bei der Katze?
In Deutschland rechnet die Praxis nach der Gebührenordnung für Tierärzte ab (GOT, Fassung vom 15. März 2023). Üblich ist der einfache bis dreifache Satz, dazu kommen Labor, Medikamente und Umsatzsteuer.
| Leistung | GOT-Nummer | einfacher Satz | dreifacher Satz |
|---|---|---|---|
| Allgemeine Untersuchung mit Beratung, Katze | 16 | 23,62 € | 70,86 € |
| Basisechokardiografie (2D und M-Mode) | 650 | 67,20 € | 201,60 € |
| Ergänzende Echokardiografie, z. B. Doppler | 651 | 53,86 € | 161,58 € |
| Elektrokardiogramm | 646 | 44,00 € | 132,00 € |
| Blutdruckmessung, nicht invasiv | 644 | 15,39 € | 46,17 € |
| Röntgenaufnahme, erste und zweite | 166 | 26,53 € | 79,59 € |
In Österreich gibt es keine verbindliche Gebührenordnung. Frag vorab nach einem Kostenvoranschlag für Untersuchung, Herzultraschall mit Doppler, Blutdruck, gegebenenfalls EKG, Röntgen und NT-proBNP. Eine Praxis mit Schwerpunkt Kardiologie findest du über die Tierarztsuche. Da Herzpatienten oft lebenslang Medikamente und Kontrollen brauchen, lohnt sich vor der Diagnose ein Blick auf die Katzenkrankenversicherung, denn bekannte Vorerkrankungen sind meist ausgeschlossen.
Häufige Fragen
Quellen
Gebührenordnung für Tierärzte, Anlage (Gebührenverzeichnis), Nr. 16, 166, 644, 646, 650, 651. https://www.gesetze-im-internet.de/got_2022/anlage.html
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