Kräuter für Pferde: Welche, wie dosieren, was beachten
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Kräuter für Pferde haben eine jahrhundertealte Tradition. Von Hagebutten für die Vitalität über Brennnessel im Fellwechsel bis zu Kamille bei Magenproblemen und Echinacea zur Unterstützung des Immunsystems. Was an diesen Anwendungen wissenschaftlich tatsächlich belegt ist, was vorsichtig dosiert werden sollte und welche Pflanzen eher schaden als nützen, liest du in diesem ausführlichen Ratgeber.
Was leisten Kräuter in der Pferdefütterung wirklich?
Kräuter enthalten Wirkstoffe wie Gerbstoffe, ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Schleimstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die im Körper konkrete biochemische Effekte auslösen. Viele dieser Effekte sind aus der Human- und Tiermedizin gut dokumentiert. Bittere Kräuter regen die Verdauung und die Galleproduktion an, schleimhaltige Pflanzen schützen die Magen- und Darmwand, ätherische Öle wirken antimikrobiell und entkrampfend, gerbstoffhaltige Kräuter haben adstringierende Effekte auf Schleimhäute. Die Studienlage zu konkreten Einsatzindikationen beim Pferd ist heterogen. Für einige Klassiker wie Hagebutte, Brennnessel, Kamille oder Mariendistel gibt es solide Untersuchungen aus der Veterinärmedizin, für viele andere lediglich überlieferte Erfahrungswerte aus der Praxis ohne kontrollierte Studien.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Heilpflanzen mit klaren Indikationen und sogenannten Wellness-Kräutern als allgemeine Vitalitätsspender. Heilpflanzen mit pharmakologischer Wirkung gehören in die Hand des Tierarztes oder eines geschulten Phytotherapeuten, allgemeine Wellness-Kräuter wie Hagebutte oder leichte Bittermischungen können auch von Haltern in maßvoller Menge eingesetzt werden. Mehr zum Gesamtkonzept einer durchdachten Ration findest du im Beitrag zur natürlichen Pferdefütterung.

Welche Kräuter gehören zu den bewährten Klassikern?
Hagebutte ist die wohl beliebteste Pflanzengabe für Pferde. Sie liefert Vitamin C, Beta-Carotin, Flavonoide und wird bei Gelenkbeschwerden, Hautproblemen und allgemeiner Vitalität eingesetzt. Studien aus dänischen und deutschen Pferdekliniken haben moderate entzündungshemmende Effekte bei Arthrose-Patienten gezeigt. Die übliche Dosierung liegt bei 30 bis 60 Gramm getrocknete Hagebutten pro Tag und Pferd, kurweise über mehrere Wochen. Mehr Details findest du in unserem Beitrag zu Hagebutten für Pferde.
Brennnessel ist der Klassiker im Fellwechsel und liefert Mineralstoffe, Eisen, Chlorophyll und hat eine leichte harntreibende Wirkung. Sie wird oft im Frühjahr und Herbst kurweise über drei bis sechs Wochen gegeben, um den Fellwechsel zu unterstützen und die Nieren zu spülen. Die übliche Tagesdosis liegt bei 30 bis 50 Gramm getrockneter Brennnessel. Löwenzahn wirkt verdauungsanregend und leberunterstützend, Kamille beruhigt Magen-Darm-Trakt und Nerven, Pfefferminze hilft bei leichten Verdauungsbeschwerden, sollte aber im Sommer wegen ihrer kühlenden Wirkung sparsam eingesetzt werden. Mariendistel ist die zentrale Pflanze für die Leber, ihr Wirkstoff Silymarin schützt die Hepatozyten und unterstützt die Regeneration nach Medikamentengabe oder Vergiftungen. Mehr zum Löwenzahn liest du in unserem Beitrag zu Löwenzahn für Pferde.
Welche Kräuter helfen bei Atemwegsproblemen?
Bei chronischen Atemwegserkrankungen wie equinem Asthma kommen klassisch schleimlösende und entzündungshemmende Kräuter zum Einsatz. Thymian wirkt sekretolytisch und antimikrobiell und wird in Mengen von zehn bis 20 Gramm getrocknetem Kraut pro Tag verwendet. Eibischwurzel und Spitzwegerich liefern Schleimstoffe, die die Atemwege beruhigen und gereizte Schleimhäute schützen. Süßholzwurzel wirkt schleimlösend, ist aber wegen ihrer cortisonähnlichen Effekte nicht für Pferde mit Cushing oder Niereninsuffizienz geeignet und sollte ohne tierärztliche Rücksprache nicht länger als zwei bis drei Wochen gegeben werden. Eukalyptus und Pfefferminze als Zusatz zum Inhalieren über einen Pferdevernebler können bei verschleimten Atemwegen ebenfalls hilfreich sein. Eine ausführliche Übersicht zu Atemwegserkrankungen findest du in unserem Beitrag zu Atemwegserkrankungen beim Pferd und zum equinen Asthma.
Welche Kräuter sind bei Magen-Darm-Problemen sinnvoll?
Magenfreundliche Kräuter sind eine wertvolle Ergänzung zur Heuvorlage, ersetzen sie aber nicht. Kamille wirkt entzündungshemmend und krampflösend, ist gut verträglich und in Mengen bis 30 Gramm pro Tag unbedenklich. Eibischwurzel, Leinsamen und Flohsamenschalen liefern Schleimstoffe, die die Magenschleimhaut schützen. Lies dazu unseren Beitrag zu Leinsamen für Pferde. Bei wiederkehrenden Koliken oder Blähungen helfen Kümmel, Anis und Fenchel, die jeweils etwa fünf bis zehn Gramm pro Tag dosiert werden. Bittere Kräuter wie Wermut oder Tausendgüldenkraut regen die Verdauung an, sollten aber wegen ihrer starken Wirkung nicht länger als zehn bis 14 Tage am Stück gegeben werden.
Bei chronischen Magengeschwüren ist die Futterumstellung mit ad libitum-Heuvorlage die wichtigste Maßnahme, ergänzt durch tierärztlich verordnete Magensäureblocker. Kräuter unterstützen, ersetzen aber keine medikamentöse Therapie. Lies unseren Beitrag zur Darmentzündung beim Pferd für weitere Hintergründe.
Wie dosierst du Kräuter richtig und wann machst du Pausen?
Die meisten Kräuter werden kurweise über drei bis sechs Wochen eingesetzt, nicht dauerhaft. Pausen von zwei bis vier Wochen zwischen den Kuren erhalten die Wirksamkeit und reduzieren Nebenwirkungen wie Toleranzentwicklung, Leberbelastung oder Mineralstoffverschiebungen. Eine ganzjährige tägliche Gabe ist nur bei wenigen sehr milden Kräutern wie Hagebutte oder Brennnessel als Beifutter unproblematisch. Die übliche Tagesdosis für getrocknete Kräuter liegt zwischen zehn und 60 Gramm, je nach Wirkstärke. Bei stark wirksamen Kräutern wie Mariendistel oder Süßholz solltest du dich unbedingt an die Dosierungsempfehlung des Tierarztes halten und nicht eigenmächtig erhöhen.
Frische Kräuter haben einen niedrigeren Wirkstoffgehalt als getrocknete und werden in etwa der drei- bis fünffachen Menge dosiert. Tinkturen und Konzentrate sind hochpotent und gehören in tierärztliche Hand. Achte beim Kauf auf Bio-Qualität, Herkunft aus Deutschland oder Österreich, lückenlose Dokumentation und Frische. Aufbewahren solltest du die Kräuter trocken, kühl und dunkel in luftdichten Behältern, denn Licht und Sauerstoff zersetzen die Wirkstoffe innerhalb weniger Monate. Eine professionelle Futterberatung kann helfen, die Kräuter optimal in die Gesamtration einzubauen.
Welche Kräuter sind im Sport verboten?
Im Turniersport gelten Doping- und Medikationsregeln der FN Deutschland, der OEPS in Österreich und der internationalen FEI. Eine Reihe pflanzlicher Wirkstoffe steht auf der Liste der verbotenen Substanzen, weil sie eine pharmakologische Wirkung entfalten oder die Leistungsfähigkeit beeinflussen können. Dazu gehören unter anderem Teufelskralle, Weidenrinde, Beinwell, Mate, Ginseng, Ephedra und Mohn in jeder Form. Auch Capsaicin aus Chili oder hochdosierte Knoblauchpräparate können positive Dopingproben auslösen. Die Karenzzeiten variieren je nach Substanz zwischen einigen Tagen und mehreren Wochen, weshalb bei Turnierpferden alle Ergänzungsfutter und Kräutermischungen vor der Saison auf Konformität geprüft werden sollten.
Auch bei Freizeitpferden sollten manche Kräuter vorsichtig dosiert werden. Knoblauch in größeren Mengen über mehrere Monate kann hämolytische Anämie auslösen, Beinwell enthält pyrrolizidinhaltige Alkaloide und ist heute nicht mehr empfohlen, Eichenrinde sollte wegen ihrer hohen Gerbstoffkonzentration nur kurzweise und niedrig dosiert eingesetzt werden. Eine pauschale Devise lautet, dass jede Kräuteranwendung über vier Wochen tierärztlich begleitet sein sollte.

Wie unterstützen Kräuter den Stoffwechsel und das Immunsystem?
Pferde mit Stoffwechselerkrankungen wie Equinem Cushing Syndrom oder Equinem Metabolischen Syndrom profitieren oft von leberunterstützenden Kräutern wie Mariendistel, Artischocke und Löwenzahn. Diese Pflanzen werden in Kuren von vier bis sechs Wochen ergänzt, mehrmals jährlich. Bei wiederkehrenden Infektionen oder schwachem Immunsystem werden Echinacea-Präparate eingesetzt, allerdings nicht länger als zwei bis drei Wochen am Stück, weil die Wirkung sonst nachlässt. Mehr Hintergrund findest du in unserem Beitrag zur Stoffwechselstörung beim Pferd. Ergänzend empfiehlt sich eine ausgewogene Mineralstoffversorgung und eine bedarfsgerechte Vitaminzufuhr, denn Kräuter ersetzen keine Mineralfuttergrundlage.
Welche Fehler solltest du bei der Kräuteranwendung vermeiden?
Der häufigste Fehler ist die Dauergabe ohne Pause. Wer ein Kraut über Monate täglich in die Ration kippt, riskiert Wirkungsverlust, Leberbelastung und Mineralstoffverschiebungen. Der zweite häufige Fehler ist die unkontrollierte Mischung vieler Kräuter zu einer Wundermischung. Solche Cocktails enthalten oft sich neutralisierende oder verstärkende Wirkstoffe, deren Gesamteffekt niemand mehr abschätzen kann. Setze lieber gezielt ein bis drei Kräuter passend zur Indikation ein. Der dritte Fehler ist die Kombination mit Schmerzmitteln, Antibiotika oder Wurmkuren ohne tierärztliche Rücksprache, denn Wechselwirkungen können Wirksamkeit reduzieren oder Nebenwirkungen verstärken. Auch das Sammeln eigener Kräuter auf der Pferdeweide birgt Risiken, weil Verwechslungen mit Giftpflanzen wie Jakobskreuzkraut, Herbstzeitlose oder Adlerfarn schnell passieren. Lies dazu unseren Beitrag zu giftigen Pflanzen, der auch viele Pferde-relevante Arten abdeckt.
Wie integrierst du Kräuter sinnvoll in die tägliche Ration?
Kräuter sollten als gezielte Ergänzung verstanden werden, nicht als Hauptbestandteil der Ration. Die Grundlage bleibt strukturreiches Heu, eine bedarfsgerechte Mineralversorgung und gegebenenfalls eine moderate Kraftfutterration. Erst auf dieser stabilen Basis macht eine Kräuterkur Sinn. Kleine Mengen kannst du direkt unter das Kraftfutter mischen, größere Mengen oder unangenehm schmeckende Kräuter wie Mariendistel oder Wermut werden besser in einem warmen Mash mit etwas Apfelmus oder Möhrentrester serviert, damit dein Pferd sie zuverlässig aufnimmt. Bei sehr wählerischen Pferden hilft eine schrittweise Gewöhnung über sieben bis zehn Tage mit anfangs nur einem Teelöffel der Tagesmenge, gefolgt von einer langsamen Steigerung auf die vollständige Dosis. Mehr zur passenden Ration findest du in unserem Beitrag zu Ergänzungsfutter für Pferde.
Achte darauf, Kräuterkuren saisonal zu planen. Im Frühjahr unterstützen Brennnessel und Löwenzahn den Stoffwechsel und Fellwechsel, im Sommer wirken Kamille und Pfefferminze beruhigend bei Hitzestress, im Herbst sind Hagebutte und Schwarzkümmel klassische Begleiter und im Winter helfen Thymian und Eibisch bei trockenen Atemwegen. Eine durchdachte Jahresplanung mit gezielten Kuren und ausreichenden Pausen ist wirksamer als ungezielte Dauergaben.
Tierärztlicher Blick: Wann ziehst du fachliche Beratung hinzu?
Du wendest dich an deinen Tierarzt oder eine fundiert ausgebildete Phytotherapeutin, sobald du Kräuter länger als vier Wochen einsetzen willst, sobald dein Pferd parallel Medikamente bekommt, sobald eine Stoffwechselerkrankung wie Cushing, EMS, Niereninsuffizienz oder Lebererkrankung besteht oder sobald du Turnierpferde mit Kräutern unterstützen möchtest und Dopingrelevanz prüfen musst. Fachliche Beratung ist auch bei tragenden oder laktierenden Stuten zwingend, weil viele Kräuter wehenfördernd wirken oder über die Milch in den Organismus des Fohlens gelangen. Eine gute Pferdekrankenversicherung deckt im Krankheitsfall die ergänzende phytotherapeutische Beratung ab und gibt dir die finanzielle Ruhe, eine konsequente, fachlich geleitete Therapie ohne Eigenrisiko durchzuziehen. In Österreich liegen die Kosten einer phytotherapeutischen Beratung beim spezialisierten Tierarzt zwischen 80 und 180 Euro pro Sitzung, ein vollständiger Behandlungsplan mit Verlaufskontrolle bewegt sich zwischen 250 und 500 Euro über mehrere Monate. Die Investition lohnt sich, weil die richtigen Kräuter gezielt und sicher eingesetzt nachhaltige Effekte auf Verdauung, Atemwege, Stoffwechsel und Wohlbefinden deines Pferdes haben.
Häufige Fragen zu Kräutern für Pferde
Quellen
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